Freitag, 10. Oktober 2014

Playlist #148 vom 19.10.2014 - ZBIGNIEW PREISNER Special

Zwar hat der polnische Komponist Zbigniew Preisner seit einiger Zeit keinen neuen Soundtrack mehr produziert, aber die kürzlich vom spanischen Label Quartet Records veröffentlichten Soundtracks zu Claude Millers „Ein Geheimnis“ und Krisztina Deáks „Aglaja“ sind ein schöner Anlass, um den neben Wojciech Kilar fraglos bekanntesten Filmmusik-Komponisten aus Polen einmal ausführlicher vorzustellen.


© by Anna Wloch
Der am 20. Mai 1955 im polnischen Bielsko-Biala geborene Zbigniew Kowalski hat nach seiner Hochzeit den Namen seiner Frau angenommen und hat seitdem als Zbigniew Preisner internationale Bekanntheit erlangt. Interessanterweise studierte Preisner zwar in Krakau Geschichte und Philosophie, doch das Komponieren hat er sich autodidaktisch beigebracht, indem er Noten vom Hören von Schallplatten aufschrieb.
Seit 1985 verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Filmemacher Krzysztof Kieślowski, für den er u.a. die Musik zu „Ohne Ende“ (1985), „Dekalog“ (1987), „Ein kurzer Film über das Töten“ und „Ein kurzer Film über die Liebe“ (beide 1988) sowie die „Drei Farben“-Trilogie (1993/94) komponierte. Nach dem Tod seines Freundes Kieślowski komponierte Preisner sein erstes filmunabhängiges Werk „Requiem for a Friend“ (1998), das Terrence Malick auch in seinem Film „The Tree Of Life“ verwendete.
International bekannt wurde Preisner, der sich vor allem auf romantische Wurzeln bezieht und in seinen Werken neben dem Piano und Streicher-Ensembles auch immer wieder ungewöhnliche Instrumente einsetzt, aber vor allem durch seine Musik zu den Filmen der polnischen Filmemacherin Agnieszka Holland („Hitlerjunge Salomon“, „Der geheime Garten“), zu Louis Malles „Verhängnis“ und Luis Mandokis „When a Man Loves a Woman“. So gewann er je einen César für seine Musik zu Kieślowskis „Drei Farben: Rot“ und zu Jean Beckers „Elisa“ (1996) sowie einen Silbernen Bären für seine Arbeit zu „The Island on Bird Street“ (1997). Preisner schrieb nicht nur die Titelmusik für die 26-teilige BBC-Dokumentation „People’s Century“ (1998), sondern war auch für die Orchesterarrangements auf David Gilmours Album „On An Island“ (2006) verantwortlich.
1999 entstand mit „10 Easy Pieces for Piano“ ein Album, das einen totalen Gegensatz zu dem Kieślowski-Requiem, aber auch zu Preisners üblichen Filmarbeiten darstellt. Während seine Werke zuvor durch ihre wunderschönen Orchestrierungen überzeugten, reduzierte Preisner seine musikalischen Mittel auf das Wesentliche.
„Ich liebe den Kontrast. Und nachdem ich Musik von solch monumentalen Ausmaßen kreiert habe, wollte ich nun etwas Simples machen. Ich mag auch das Piano. Mir schien, dass eine Form der Musik, die sowohl einfach als auch komplex sein könnte, Musik für ein einzelnes Piano ist“, wird Preisner auf seiner Website zitiert. Eingespielt wurde das Album schließlich von Leszek Mozder, mit dem der Komponist bereits an Louis Malles „Verhängnis“ und der BBC-Serie „People’s Century“ zusammengearbeitet hatte, nur wollte Preisner dem Pianisten diesmal mehr Raum zur Interpretation geben.
2007 veröffentlichte Preisner sein zweites Orchester-Werk „Silence, Night and Dreams“, das auf Texten aus dem Alten Testament basiert und für Orchester, Chor und Solisten konzipiert worden ist. Die Weltpremiere der Aufführung fand am 4. September 2007 im Herodion Theater auf der Akropolis in Athen statt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Preisner auf seinem eigenen Label das Album „Diaries of Hope“, das von Tagebüchern und Gedichten polnischer Kinder inspiriert wurde, die Opfer des Holocaust waren. Dabei übernahm Lisa Gerrard, die neben ihrer Karriere bei Dead Can Dance mittlerweile auch als Solokünstlerin erfolgreich ist und beispielsweise mit Hans Zimmer an den Soundtracks zu „Gladiator“ und „Die Bibel“ gearbeitet hat, den Part der führenden Singstimme.

Filmographie/Diskographie:
1981: Wettervorhersage (Regie: Antoni Krauze)
1985: Ohne Ende (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1986: Wenn Vampire lieben (Regie: Grzegorz Warchol)
1986: Przez dotyk (Regie: Magdalena Łarzarkiewicz)
1987: The Lullabye (Regie: Federo Sevella)
1987: Ucieczka (Regie: Tomasz Szadkowski)
1987: Dekalog (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1988: Der Priestermord (zusammen mit Georges Delerue) (Regie: Agnieszka Holland)
1988: Ein kurzer Film über das Töten (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1988: Ein kurzer Film über die Liebe (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1988: Kocham kino (Regie: Piotr Łazarkiewicz)
1988: Dziewczynka z hotelu Excelsior (Regie: Antoni Krauze)
1988: Sami dla siebie (Regie: Stanisław Jędryka)
1989: Das letzte Klingelzeichen (Regie: Magdalena Łarzarkiewicz)
1990: Hitlerjunge Salomon (Regie: Agnieszka Holland)
1990: Utolsó hajó (Regie: Béla Tarr)
1991: Die zwei Leben der Veronika (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1991: At Play in the Fields of the Lord (Regie: Hector Babenko)
1991: Total Control (Regie: John Irvin)
1992: Verhängnis (Regie: Louis Malle)
1992: Olivier, Olivier (Regie: Agnieszka Holland)
1992: Zwolnieni z życia (Regie: Waldemar Krzystek)
1993: Fluchtpunkt (Regie: Fernando Lopes)
1993: Drei Farben: Blau (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1993: Der geheime Garten (Regie: Agnieszka Holland)
1994: Kouarteto se 4 kiniseis (Regie: Loukia Rikaki)
1994: Im Zug der Leidenschaft (Regie: Léa Pool)
1994: Drei Farben: Weiß (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1994: When a Man Loves a Woman – Eine fast perfekte Liebe (Regie: Luis Mandoki)
1994: Drei Farben: Rot (Regie: Krzysztof Kieślowski)
1995: Élisa (Regie: Jean Becker)
1995: Eine Sommernachtsliebe (zusammen mit Rachel Portman) (Regie: Christopher Menaul)
1995: People's Century (Dokumentarfilmserie von BBC)
1995: De Aegypto (Regie: Jolanta Ptaszynska)
1995: Radetzkymarsch (Regie: Axel Corti)
1995: Preisner's Music (Compilation)
1996: Corazón iluminado
1997: Fremde Wesen (Regie: Charles Sturridge)
1997: Die Insel in der Vogelstraße (Regie: Søren Kragh-Jacobsen)
1997: Migrations (als Van den Budenmayer) (Regie: Constantin Chamski)
1998: Liv (Regie: Edoardo Ponti)
1998: Meine Liebe zu Joseph Lees (Regie: Eric Styles)
1998: Requiem For My Friend (Krzysztof Kieślowski gewidmet)
1999: 10 łatwych utworów na fortepian (Klaviersoli von Leszek Możdżer)
1999: The Last September (Regie: Deborah Warner)
2000: Aberdeen Regie: (Hans Petter Moland)
2001: Weiser (Regie: Wojciech Marczewski)
2002: Zwischen Fremden (Between Strangers) (Regie: Edoardo Ponti)
2003: Effroyables jardins (Regie: Jean Becker)
2003: It's All About Love (Regie: Thomas Vinterberg)
2003: Kolysanka (Regie: Efraim Sevela)
2003: SuperTex (Regie: Jan Schütte)
2003: Kieślowski/Preisner (Compilation)
2004: The Beautiful Country (Regie: Hans Petter Moland)
2005: Harrys döttrar (Regie: Richard Hobert)
2006: Sportsmann des Jahrhunderts (Regie: Mischa Alexander)
2007: Ein Geheimnis (Regie: Claude Miller)
2007: Silence, Night & Dreams (zusammen mit Tereza Salgueiro)
2008: Menachem & Fred (Regie: Ofra Tevet und Ronit Kertsner)
2008: Anonyma - Eine Frau in Berlin (Regie Max Färberböck)
2010: Das Begräbnis (Regie: Thomas Vinterberg, Burgtheater Wien)
2012: Aglaja (Regie: Krisztina Deák)
2013: Diaries of Hope (mit Lisa Gerrard)
Playlist: 
01. Zbigniew Preisner - Ghost Apparition (Un Secret) - 04:07
02. Zbigniew Preisner - Dekalog II - Part 2 (Dekalog) - 03:56
03. Zbigniew Preisner - Finale (At Play In The Fields Of The Lord) - 09:40
04. Zbigniew Preisner - The Last Time (Damage) - 03:01
05. Zbigniew Preisner - Fashion Show I (Rouge) - 04:46
06. Zbigniew Preisner - Main Title (The Secret Garden) - 03:33
07. Zbigniew Preisner - Joliane et Sabina (Mouvements au Desir) - 03:13
08. Zbigniew Preisner - The Triumphant Hordes (Anonyma) - 02:59
09. Zbigniew Preisner - Road (Aberdeen) - 04:15
10. Zbigniew Preisner - I Hit Her Hard (When A Man Loves A Woman) - 03:35
11. Zbigniew Preisner - Lacrimosa (Requiem For A Friend) - 03:22
12. Zbigniew Preisner - Ransacking The Memory (Weiser) - 06:11
13. Zbigniew Preisner - End Credits (Between Strangers) - 03:49
14. Zbigniew Preisner - The Beck (Fairy Tale) - 03:13
15. Zbigniew Preisner - Conversation With Father (The Beautiful Country) - 03:22
16. Zbigniew Preisner - A Tune A Day (10 Easy Pieces For Piano) - 04:30
17. Zbigniew Preisner - First Night Together (It's All About Love) - 03:45
18. Zbigniew Preisner - Epitaph (Diaries Of Hope) - 07:20
19. Zbigniew Preisner - Theme From People's Century (People's Century) - 03:22
20. Zbigniew Preisner - Silence, Night & Dreams (Silence, Night & Dreams) - 07:00
21. Zbigniew Preisner - Au Revoir (Menachem & Fred) - 03:57
22. Zbigniew Preisner - Song For The Unification Of Europe [Patrice's Version] (Bleu) - 05:13
23. Zbigniew Preisner - Dramatic Departure (Damage) - 03:19
24. Zbigniew Preisner - The Appointed (Weiser) - 07:58
25. Zbigniew Preisner - Uganda (It's All About Love) - 03:10
26. Zbigniew Preisner - Birth (Aglaja) - 07:17

Soundtrack Adventures #148 with ZBIGNIEW PREISNER @ Radio ZuSa 2014-10-19 by Dirk Hoffmann on Mixcloud

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