Starke Soundtracks

Sonntag, 1. Januar 2017

Playlist #205 vom 08.01.2017 - ABEL KORZENIOWSKI Special

Mit seiner Musik für die Showtime-Serie „Penny Dreadful“ erhielt der polnische Komponist Abel Korzeniowski im vergangenen Jahr eine verdiente Emmy-Nominierung, der Soundtrack zu den Staffeln 2 & 3 dazu wurde gerade von Varese Sarabande auf einem Doppel-Album veröffentlicht. Darüber hinaus ist seine Musik gerade in Tom Fords neuen Thriller-Drama „Nocturnal Animals“ in den Kinos zu hören. Grund genug, sich an dieser Stelle etwa ausführlicher mit dem preisgekrönten Komponisten zu beschäftigen, der seit seiner Golden-Globe-nominierten Musik zu „A Single Man“ auch in Hollywood ein gefragter Mann geworden ist.

Der am 18. Juli 1972 im polnischen Krakau geborene Korzeniowski schloss 1996 sein Studium der Instrumentalmusik mit Schwerpunkt auf dem Streichinstrument Cello ab, vier Jahre später in der Klasse von Krzysztof Penderecki auch sein Studium am Institut für Komposition, Dirigieren und Musiktheorie in Krakau. Bereits seine frühen Arbeiten liegen mittlerweile auf CD vor. So hat Sony Music Polska die Soundtracks zu „Duze zwierze“ (2000) und „Ein Engel in Krakau“ (2002), und Caldera hat erst im vergangenen Jahr die Doppel-CD „Early Works“ veröffentlicht, auf der die eindrucksvollen Arbeiten zu „I Served the King of England” (2003), „The Odyssey” (2005), „Kafka” (2001), „Antigone” (1996) und „The Tempest” (2003) vereint sind und einen guten Einblick in das vielseitige Wirken des Komponisten gewähren.
So präsentiert sich die Musik zu „I Served The King of England“ durch den Einsatz von Hammered Dulcimer und Akkordeon mit feinen osteuropäischen Klängen, der Score zu „The Odyssey“ verbindet antike griechische Musik mit modernen wie mittelalterlichen westlichen Einflüssen, während „Kafka“ und „Antigone“ die experimentellere Seite des Komponisten offenbaren und „The Tempest“ durch elegante Melodien und interessanten musikalischen Farben betört.
Im Jahr 2004 komponierte Korzeniowski neue Musik für Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927). Sein Freund Krzysztof Gluchowski produzierte 2004 ein Stummfilm-Festival in Krakau und stellte dem Komponisten ein großes Orchester, Chor und Sänger zur Verfügung.
„Es war eine großartige Möglichkeit, verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich wollte ‚Metropolis‘ für ein modernes Publikum zugänglich machen und versah es mit einer Art Zitatensammlung, indem ich es mit momentanen Ereignissen in der modernen Geschichte verknüpfte“, erzählt Korzeniowski im Interview mit original-score.de. „Dafür schrieb ich einige Gedichte, die als ein Kommentar zum Film fungieren. Die Produktion war gewaltig, wir hatten ein 90-köpfiges Orchester und zwei Chöre. Dazu gab es Electronics, Solo-Sänger und zwei Projektoren, die auf 20 Bilder die Sekunde eingestellt waren.“ 
Nachdem Korzeniowski ein halbes Jahr lang an 147 Minuten Musik geschrieben hatte, fühlte er sich bereit, nach Hollywood zu gehen, wo er u.a. 2009 die für einen Golden Globe nominierte Musik zu Tom Fords Drama „A Single Man“ komponierte.
„Das Hauptthema ist sehr simpel, es ist eigentlich eine Melodie für eine Solo-Violine. Es wiederholt sich selbst, und die ganze Orchestration, die hauptsächlich aus einem Streichorchester besteht, ist dazu da, diese einzelne Melodie zu unterstützen. Der ganze Score ist einfach, es gibt keine unnötigen Verzierungen, keine Electronics – die ganze Musik ist sehr klassisch“, rekapituliert der Komponist im selben Interview.
Die Musik erregte die Aufmerksamkeit von Madonna, die Korzeniowski engagierte, um ihren Film „W.E.“, der die Romanze zwischen Wallis Simpson und dem Herzog von Windsor thematisierte, mit einer bittersüßen Musik zu untermalen. Für Patricia Kaas, die auf dem Album „Kaas Chante Piaf“ zum 50. Todestag von Edith Piaf deren Songs neu interpretierte, übernahm Korzeniowski das Arrangement und die Produktion, komponierte dazu das Stück „Song For The Little Sparrow“.
Neben seiner Musik zu Spiel- und Dokumentarfilmen komponierte Korzeniowski auch die Musik zu Werbefilmen von BMW und Tiffany & Co. Zum 175-jährigen Jubiläum des berühmten Juwelierhauses wurde der Kurzfilm „The Dream Maker“ produziert, für den der Oscar-nominierte Kameramann Darius Khondji („Sieben“, „Midnight In Paris“) und Korzeniowski Charles Lewis Tiffanys New York in atemberaubende Bilder und Musik einfingen.
„In vielerlei Hinsicht gleicht meine Musik klassischer Juwelierkunst – es dreht sich um ein sauberes, elegantes und perfekt proportioniertes Design, im Streben nach der ultimativen Harmonie zwischen allen Elementen der Komposition, und im unglaublichen Augenmerk auf das Detail. Ich bin fasziniert von den kleinsten Elementen, wie sie miteinander interagieren, um eine größere emotionale Geschichte zu kreieren.“ 
Zuletzt war der polnische Ausnahmekomponist vor allem für die Showtime-Serie „Penny Dreadful“ tätig, die nach drei Staffeln im vergangenen Jahr abgesetzt worden ist.
„Auch wenn ich enttäuscht bin, dass diese Figuren nicht weiter erforscht werden, fühle ich mich extrem geehrt und bin sehr dankbar, dass ich ein Teil dieser Serie sein durfte. Es war ein absolutes Vergnügen, mit Showtime und dem ganzen PD-Team zu arbeiten.“

Filmographie:
2000 Das große Tier (The Big Animal)
2002 Aniol w Krakowie
2002 Czlowiek, którego nie ma (Kurz-Dokumentation)
2002 Rozwój (Kurz-Dokumentation)
2003 Pogoda na jutro
2004 Metropolis (1927)
2006 Kurc (Documentary short)
2006 The Half Life of Timofey Berezin
2007 Battle for Terra
2008 Confessions of a Go-Go Girl (Fernsehfilm)
2008 What We Take from Each Other (Kurzfilm)
2009 A Single Man
2009 Gwiazda Kopernika
2009 Tickling Leo
2011 W.E.
2013 Escape from Tomorrow
2013 Romeo & Julia
2014 Polacy w oczach swiata (Dokumentation)
2014-2016 Penny Dreadful (TV-Serie)
2015 Ziarno prawdy 
2016 Nocturnal Animals
Playlist:
01. Abel Korzeniowski - Table For Two (Nocturnal Animals) - 03:23
02. Abel Korzeniowski - Stillness Of The Mind (A Single Man) - 03:53
03. Abel Korzeniowski - Chmury (Aniol w Krakowie) - 04:30
04. Abel Korzeniowski - Nowy dzien (Pogoda Na Jutro) - 05:21
05. Abel Korzeniowski - Aquarius (Copernicus Star) - 04:30
06. Abel Korzeniowski - Memoirs (Kafka) - 04:17
07. Abel Korzeniowski - Dumka (I Served The King Of England) - 04:29
08. Abel Korzeniowski - Stasimon I (Antigone) - 04:06
09. Abel Korzeniowski - Odysseus' Theme (The Odyssey) - 04:17
10. Abel Korzeniowski - Song Of Time (The Tempest) - 03:42
11. Abel Korzeniowski - Woisna [Spacer I] (Duze Zwierze) - 04:43
12. Abel Korzeniowski - The Dream Maker (The Dream Maker) - 05:11
13. Abel Korzeniowski - Magic Kingdom, Pt. 2 (Escape From Tomorrow) - 03:05
14. Abel Korzeniowski - Packing Up (Tickling Leo) - 03:46
15. Abel Korzeniowski - Juliet's Dream (Romeo & Juliet) - 03:43
16. Abel Korzeniowski - Song For The Little Sparrow (Kaas chante Piaf) - 03:24
17. Abel Korzeniowski - Epilogue (Battle For Terra) - 03:45
18. Abel Korzeniowski - Maria (Metropolis) - 03:41
19. Abel Korzeniowski - Six Hours (W.E.) - 04:17
20. Abel Korzeniowski - Closer Than Sisters (Penny Dreadful) - 03:14
21. Abel Korzeniowski - Guardian Angels (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 03:15
22. Abel Korzeniowski - Be True (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 03:56
23. Abel Korzeniowski - Boat To Africa (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 04:45
24. Abel Korzeniowski - Becoming George (A Single Man) - 03:50
25. Abel Korzeniowski - Anna & Volder (Copernicus Star) - 03:51
26. Abel Korzeniowski - Letters (W.E.) - 04:03
27. Abel Korzeniowski - Low B (Battle For Terra) - 03:55
28. Abel Korzeniowski - Especially You (Confessions Of A Go-Go Girl) - 06:28

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