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Donnerstag, 14. Juli 2022

Playlist #349 vom 17.07.2022 - Neuheiten 2022 (5)

Nachdem Komponistinnen wie Rachel Portman und Shirley Walker die von Männern dominierte Disziplin der Filmmusik durchbrochen haben, machen zum Glück immer weitere talentierte Frauen in dieser Hinsicht auf sich aufmerksam. So sind in dieser Sendung mit Laura Karpman und Natalie Holt zwei vielversprechende Komponistinnen zu hören, die die illustre Runde mit Namen wie Daniel Pemberton, Michael Giacchino und Howard Shore ebenso abrunden wie andere junge Talente. Einen großen Anteil in dieser Sendung nehmen neue Soundtracks zu ganz unterschiedlichen Serien wie „For All Mankind“, „This Is Us“, „Ms. Marvel“, „Devil“, „The Time Traveler’s Wife“ und „Black Bird“ ein. 
Den Auftakt bestreitet der britische Komponist Daniel Pemberton mit seinem unterhaltsamen Lo-Fi-Electronic-Score zur Komödie „Brian and Charles“, in der ein einsamer Erfinder auf dem Land namens Brian einen Roboter, Charles, erfindet, damit dieser sein Freund wird. Pemberton verwendete für die Musik einige ungewöhnliche elektronische Sounds und Texturen. 
„Ich wollte, dass sich der Score so anfühlt, als wäre Vaughan Williams noch am Leben und würde wunderbare pastorale Musik in Vangelis‘ Studio auf sonderbaren alten Synthis schreiben“, erklärt Pemberton. „Es musste sich anders anfühlen als alles andere da draußen, um eine Qualität zu erhalten, die sowohl das filmische Wunder der walisischen Landschaft als auch die ausgefallene hausgemachte Natur der Figuren einfängt.“ 
Der schwedische Komponist Patrik Andrén hat mit seinem prominenten Landsmann Johan Söderqvist an Soundtracks wie „Kon-Tiki“, „The Keeper of Lost Causes“ und „The King’s Choice“ gearbeitet. Nun legt er die eigenverantwortlich inszenierte Musik zu dem Familiendrama „Phoenix“ vor. 
„Der Score handelt von der Zerbrechlichkeit und Verzweiflung, mit einer psychisch instabilen Mutter aufzuwachsen. Hier steht die Solo-Violine für Einsamkeit und Verletzlichkeit, während der Jazz-Part vom Vater handelt, der ein bekannter Jazztrompeter ist. Der Zusammenprall der beiden Welten erzeugt einen Effekt, von dem ich hoffe, dass er auch für die Zuhörer unvergesslich sein wird“, meint Andrén
Das Skript für David Cronenbergs neuen Film „Crimes of the Future“ lag bereits seit 1999 in der Schublade, doch es mussten schon noch zwanzig Jahre vergehen, bis die Geschichte zu verfilmen war. In dem Science-Fiction-Thriller treibt Cronenberg seine Faszination für die Entwicklung des Menschen in der Zukunft auf einen neuen Höhepunkt zu. Viggo Mortensen verkörpert einen Mann, der mit seiner Assistentin Caprice (Léa Seydoux) eine Show veranstaltet, bei der er sich Organe entfernen und neue, mit unerwarteten Möglichkeiten ausgestattete Organe einsetzen lässt. Das bringt nicht nur die Regierung, sondern auch eine geheimnisvolle Gruppe auf den Plan. Cronenberg kehrt damit zu dem fetischisierten Body-Horror zurück, der sich von seinen Frühwerken „Parasiten-Mörder“ und „Videodrome“ bis zu seinen Erfolgsfilmen „Die Fliege“, „Die Unzertrennlichen“ und „Naked Lunch“ durchzieht. 
Howard Shore, dessen Score zu „Crimes of the Future“ bereits die sechzehnte Zusammenarbeit seit 1979 mit dem mittlerweile 79-jährigen Filmemacher darstellt, kreierte einen vibrierenden Orchester-Elektronik-Mix, der die düstere Atmosphäre des Films adäquat untermalt. 
Während der umtriebige Fernseh-Komponist Jeff Russo die Musik zur dritten Staffel der Science-Fiction-Serie „For All Mankind“ und der Serien-Adaption von Nicolas Roegs Science-Fiction-Klassiker „The Man Who Fell On Earth“ komponierte, steuerte sein Kollege Michael Giacchino nicht nur die Musik zum neuen Disney/Pixar-Abenteuer „Lightyear“, sondern auch zum Marvel-Spektakel „Thor: Love and Thunder“, zu dem der versierte Komponist auch zu rockigen Gitarren griff. 
Weitaus subtilere Klänge gibt es dagegen von Alex Somers zu Mimi Caves Horror-Komödie „Fresh“, von Siddharta Khosla zu den letzten beiden Staffeln der preisgekrönten Family-Drama-Serie „This Is Us“, von Dustin O’Halloran und Herdís Stefánsdóttir zur Mystery-Drama-Mini-Serie „The Essex Serpent“ und von Martin Phipps zu Ed Perkins‘ Dokumentarfilm „The Princess“ über das Leben und den Tod von Prinzessin Diana zu hören. 
„C’est magnifique“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Pierre, der in der Natur aufgewachsen ist und erfahren muss, dass seine Eltern nicht seine richtigen Eltern sind. Während Anna Pierre dabei hilft, seine wahren Eltern in einer Welt zu finden, die ihm ebenso fremd ist wie ihre Regeln, lernt er eine Menge ganz unterschiedlicher Charaktere kennen. „Die Musik ist von Latin und World Music inspiriert, verkörpert erhebende Gefühle und verwendet hauptsächlich Ukulele, Percussions wie das Vibraphone und Streicher. Es war wichtig, eine Melodie für die Hauptfigur zu finden, und ich hoffe, es hilft dem Publikum, sich mit ihm zu verbinden“, meint der französische Komponist Guillaume Roussel, der zu Hans Zimmers „Remote Control Productions“-Team zählt und in den letzten Jahren für so unterschiedliche Filme wie Olivier Dahans Drama „Grace of Monaco“, McGs „Three Days to Kill“ und den Mittelalter-Abenteuerfilm „Outcast“ die Musik beigesteuert hat. 
Seit ihrem 1980 mit Magna cum laude abgeschlossenen Bachelor-Studium der Musik legte Laura Karpman nicht nur eine eindrucksvolle akademische Karriere hin, sondern wurde nach ihrem Umzug von New York nach Los Angeles von Größen wie David Newman, Dave Grusin und Shirley Walker in die Kunst der Filmkomposition eingewiesen. Zwar ist Karpman seit ihrer ersten Filmkomposition für das Fernsehdrama „My Brother’s Wife“ (1989) vor allem für Fernseh- und Videospiel-Produktionen tätig gewesen, erhielt durch die von Steven Spielberg produzierte Serie „Taken“ (2002) aber zunehmend mehr Aufmerksamkeit in Hollywood. 
Nun präsentiert sie mit ihrer Musik zur Mini-Serie „Ms. Marvel“ eine von exotischen Elementen durchsetzte Musik, die sich wohltuend vom Mainstream abhebt. 
Die britische Komponistin Natalie Holt hat nach ihrer Ausbildung an der Royal Academy of Music und an der National Film and Television School zunächst als professionelle Violinistin gearbeitet, ehe sie mit dem Komponisten Martin Phipps an Soundtracks wie „Great Expectations“, „The Honourable Woman“, „Victoria“ und „Woman in Gold“ zusammenarbeitete. Zuletzt konnte sie sich einen Namen durch ihre Scores zu den Fernsehserien und -Produktionen „Three Girls“, „My Mother and Other Strangers“, „Wallander“, „Beecham House“ und „Deadwater Fell“ machen. 
Nach der Marvel-Serie „Loki“ präsentiert sie nun die Musik zur Disney+-Serie „Obi-Wan Kenobi“, zu der John Williams das Hauptthema beisteuerte. Damit ist sie die erste Frau, die ein Live-Action-„Star Wars“-Projekt vertonen durfte. 
Endlich vollständig erhältlich ist der über 100-minütige Score zu Ron Howards Fantasy-Abenteuer „Willow“ (1988). Für den großorchestral angelegten Score hat James Horner nicht nur eine Vielzahl von Streichern, Holz- und Blechbläsern eingesetzt, sondern auch ein zehnköpfiges Percussion-Ensemble, das etliche exotische Drums aus China, Südamerika und Irland bediente, und zusätzliche Musiker, die Shakuhachi-Flöte, Ocarina, Didgeridoo und mittelalterliche Instrumente zum Einsatz brachten. Abgerundet wurde das komplexe Ganze mit verschiedenen weiteren folkloristischen und elektronischen Instrumenten. 
Nachdem sie zuvor jahrelang mit ihrem Mann Atticus Ross und ihrem Schwager Leopold Ross an Soundtracks wie „The Book of Eli“, „Broken City“, „Triple 9“ und „Outcast“ zusammengearbeitet hat, präsentiert Claudia Sarne mit „Shining Girls“ ihre erste eigene Kreation. 
„Für die Musik von ,Shining Girls‘ wollten wir eine Klangwelt schaffen, die sowohl hypnotisch als auch einladend ist, die aber auch im Handumdrehen verstörend werden kann. Wir begannen mit der unkonventionellen Aufnahme von Klangschalen, um die Grundlage für viele der Klangbetten in der Show zu bilden, und sorgten dann mit einer Reihe von mit Filz behandelten Keyboards, gedämpften Glocken, modularen Synthesizern und geloopten Percussion-Samples für einen einzigartigen Sound. Einige der Cues wurden geschrieben, um die zyklische Natur der Show widerzuspiegeln – die Idee, dass ein bestimmtes Thema auf sich selbst zurückfällt und sich ändert, während es sich wiederholt.“ 
Playlist: 
1. Daniel Pemberton - Land of Sheep (Brian and Charles) - 03:55 
2. Patrik Andrén - Sorry (Phoenix) - 03:59 
3. Mogwai - Titles (Black Bird - Season 1) - 04:56 
4. Howard Shore - Klinek (Crimes of the Future) - 03:18 
5. John Paesano - Dominic Calls Li (Devils - Seasons 1 & 2) - 03:32 
6. Joseph Trapanese - Acknowledge (Spiderhead) - 02:56 
7. Alex Somers - Go Away Somewhere (Fresh) - 03:06 
8. Siddharta Khosla - The Hill (This Is Us - Seasons 5 & 6) - 04:06 
9. Mark Mancina - Maisie's Speech (The Sea Beast) - 02:02 
10. Dustin O'Halloran & Herdís Stefánsdóttir - Matters of the Heart (The Essex Serpent) - 03:40 
11. Jeff Russo - Libra (For All Mankind - Season 3) - 04:35 
12. Jeff Russo - Faraday (The Man Who Fell to Earth) - 06:41 
13. Martin Phipps - Pre Wedding (The Princess) - 03:00 
14. Michael Giacchino - Home on the Space Range (Lightyear) - 02:59 
15. Michael Giacchino - Just Desert (Thor: Love and Thunder) - 02:26 
16. Guillaume Roussel - Revelation at the Cemetary (C'est magnifique!) - 02:42 
17. Laura Karpman - Ms. Marvel Suite (Ms. Marvel - Season 1, Episodes 1-3) - 04:30 
18. Natalie Holt - Who You Become (Obi-Wan Kenobi) - 03:37 
19. James Horner - The Enchanted Forest (Willow) - 05:34 
20. Lorne Balfe - Osmia Cornifrons (Man vs. Bee) - 03:32 
21. Lorne Balfe - Sykes Lone Wolf (Pennyworth - Season 2) - 03:33 
22. Tim Phillips - Elizabeth's Letter (Becoming Elizabeth) - 03:21 
23. Claudia Sarne - Canon (Shining Girls) - 02:09 
24. Gerard Pastor - Marc (Sinjar) - 03:46 
25. PHAR - A Second Chance (Winter of '79) - 02:38 
26. Stephen Rennicks - Leo Grande (Good Luck to You, Leo Grande) - 02:52 
27. Ramin Djawadi - Where Is My Money (The Man From Toronto) - 02:59
28. Ramin Djawadi - Video Games (Westworld - Season 4) - 03:53
29. Danny Bensi & Saunder Jurriaans - Cheers (The Staircase) - 05:10 
30. Danny Bensi & Saunder Jurriaans - Wedding Day (Windfall) - 02:03
31. Blake Neely - Was It Worth It? (The Time Traveler's Wife - Season 1) - 07:02

Donnerstag, 16. Juni 2022

Playlist #347/#348 vom 19.06./03.07.2022 - R.I.P. VANGELIS (1943-2022)

Mit Evangelos Odysseas Papathanassiou, besser bekannt als Vangelis, hat die Musikwelt einen weiteren großen Pionier der elektronischen Musik verloren. Der griechische Komponist, der über keine klassische Musikausbildung verfügte und mit seinen Soundtracks zu Filmen wie „Die Stunde des Siegers“, „Blade Runner“ und „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ auch über den Freundeskreis elektronischer Musik hinaus berühmt geworden ist, verstarb am 17. Mai 2022 im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Covid-Erkrankung in Paris. 
Der am 29. März 1943 im griechischen Agria geborene Vangelis fand bereits im Alter von vier Jahren Gefallen daran, eigene Musik zu komponieren, weigerte sich allerdings, traditionelle Klavierstunden zu nehmen. 1963 gründete er die Band Forminx, die neben Cover-Versionen der Beatles flotten Rock’n’Roll und verträumte Balladen spielte. Nach drei Jahren löste sich die Band auf, woraufhin Vangelis nicht nur seine ersten Scores für griechische Filme komponierte, sondern auch für andere Künstler als Komponist und Produzent tätig wurde. 
Während der Studentenunruhen zog Vangelis 1968 nach Paris, wo er mit Demis Roussos und Lucas Sideras die Progressive-Rock-Gruppe Aphrodite’s Child ins Leben rief. Nach den drei Alben „End Of The World“ (1968), „It’s Five O’Clock“ (1969) und dem Konzeptalbum „666“ (1972) löste sich die Band zwar auf, doch war Roussos in der Folge immer mal wieder auf Vangelis‘ Werken zu hören. Mit „Demis“ spielten sie 1982 sogar noch gemeinsam ein komplettes Album ein. 
Noch vor Veröffentlichung des letzten Aphrodite’s-Child-Albums komponierte Vangelis in Frankreich einige Soundtracks zu Filmen wie Henry Chapiers „Sex Power“ (1970), „Salut, Jerusalem“ und „Amore“ (1974), die Sex und Beziehungen thematisierten. Seinen ersten Chart-Erfolg mit einem Soundtrack feierte Vangelis mit „L’Apocalypse Des Animaux“, einer Reihe von Tier-Dokumentationen von Frédérick Rossif
Mit seinem 1971 nur in Frankreich und Griechenland veröffentlichten Album „Fais que ton rêve soit plus long que la nuit“ thematisierte Vangelis noch die Studentenrevolte von 1968 in Paris, indem er chorale Stimmen, Feldaufnahmen und Nachrichten-Auszüge zu einer experimentellen Sound-Collage verband. Das nachfolgende Album „Earth“ (1973) spielte Vangelis mit einigen seiner früheren Mitstreiter bei Aphrodite’s Child ein und erfreute sich bereits einer breiteren Veröffentlichung, auch wenn der Mix aus akustischer Instrumentation, Gesang und Keyboards noch nicht den elektronischen Charakter seiner späteren Werke aufwies. 
Vangelis wurde schließlich gefragt, bei Yes den Keyboarder Rick Wakeman zu ersetzen, der 1974 die Band verließ, doch kaum haben die gemeinsamen Proben für das Album „Relayer“ in London begonnen, da quittierte Vangelis schon den Dienst, als er hörte, dass er auch für die Tour eingeplant war. Yes und Vangelis einigten sich darauf, dass die Band den von Vangelis bereits eingespielten Part verwenden durften und Jon Anderson einen Song auf dem nächsten Vangelis-Album singen würde. Vangelis kaufte das Gebäude einer alten Mädchen-Schule in der Hampton Gurney Street, nannte es nach Jules Vernes „20.000 Leagues Under The Sea“ Nemo und füllte es mit der aktuellsten Technologie, mit der er sein erstes, von RCA veröffentlichtes Meisterwerk „Heaven And Hell“ (1975) einspielte. Dazu engagierte er einen Londoner Chor und Jon Anderson, mit dem er den Song „So Long Ago, So Clear“ produzierte. Das „Movement Three“ des Titelstücks wurde später durch die Verwendung in Carl Sagans Fernseh-Dokumentation „Cosmos“ populär. 
Der Soundtrack zum mexikanischen Filmdrama „Entends-Tu les Chiens Aboyer?“ wurde 1977 unter dem Titel „Ignacio“ veröffentlicht. Nach den ebenfalls bei RCA erschienenen Alben „Albedo 0.39“ (1976), das sich mit Astrophysik auseinandersetzte, in den UK die Top 20 enterte und mit „Pulstar“ einen Opener aufwies, der vor allem durch die Italo-Disco-Band Hipnosis in den 1980er Jahren populär wurde, und dem von der Tao-Philosophie geprägten Album „Spiral“ (1977) veröffentlichte Vangelis mit „Beaubourg“ (1978) ein weniger zugängliches Album, worauf Vangelis zu Polydor wechselte, wo er mit „China“ 1979 seinen Einstand feierte. 
In jenem Jahr erschienen auch „Odes“ - ein Album mit traditionellen griechischen Folk-Songs, das Vangelis mit der Sängerin Irene Papas einspielte – und mit „Opera Sauvage“ ein weiterer Soundtrack zu einer Natur-Dokumentation. Zwischen 1980 und 1991 entstanden unter dem Namen Jon & Vangelis die vier Alben „Short Stories“ (1980), „The Friends Of Mr Cairo“ (1981) – mit den Hits „I’ll Find My Way Home“ und „State Of Independence“ -, „Private Collection“ (1983) und „Page Of Life“ (1991). Zu Beginn der 1980er komponierte Vangelis schließlich seine bis heute bekanntesten Filmmusiken.  
Hugh Hudson
inszenierte 1981 mit „Chariots Of Fire“ einen Film über zwei britische Leichtathleten, einer ein frommer Jude und der andere ein frommer Christ, die an den Olympischen Spielen 1924 teilnehmen. Für die Titel-Sequenz hatten sie Vangelis‘ Stück „L’Enfant“ ausgesucht, bekamen aber vom Komponisten nicht die Rechte dazu, weil er es nicht für passend ansah. Dafür bot er Hudson aber ein Stück an, das er schon als Kind für seinen Vater, einen Amateur-Läufer, geschrieben hatte. Der Rest ist Geschichte. Vangelis komponierte nicht nur den ersten rein elektronischen Soundtrack der Filmgeschichte, sondern erhielt dafür auch seinen ersten und einzigen Oscar. 
Raphael Preston, der seit 1977 für die Nemo-Studios arbeitete, bemerkte dazu: „,Chariots of Fire‘ war die erste Synthesizer-Filmmusik, die einen Oscar gewann. Das zeigte, dass Hollywood Synthesizer-Musik als etwas von echtem künstlerischen Wert ansah; es ebnete den Weg für eine ganze Generation von Komponisten und etablierte eine neue Herangehensweise an Filmmusik.“ 
Sein nächstes Meisterstück lieferte er nur wenig später ab. Als Ridley Scott nach „Alien“ mit „Blade Runner“ einen weiteren Science-Fiction-Film realisieren wollte, suchte er einen Soundtrack mit Sounds, die noch nie jemand zuvor gehört hatte. Vangelis benutzte den Yamaha CS80 Synthesizer und den ersten Emulator, der akustische Sounds modifizieren konnte, um einen Soundrack zu kreieren, der seiner Zeit so weit voraus war, dass das Studio Vangelis‘ originale Musik nicht für einen Soundtrack verwertbar hielt und stattdessen ein Orchester engagierte, um eine konventionelle Version seiner elektronischen Musik einzuspielen. 
Ein jahrelanger Rechtsstreit verhinderte, dass Vangelis‘ Originalmusik vor 1994 veröffentlicht werden konnte. Ebenfalls in den 1980er Jahren entstanden noch die Soundtracks zu Costa-Gavras‘ Polit-Thriller „Vermisst“ (1981), Koreyoshi Kuraharas Abenteuerfilm „Antarctica“ (1983) und Roger Donaldsons Neuverfilmung des Abenteuer-Films „Die Bounty“ (1984). Nachdem Vangelis für den britischen Ballett-Regisseur Wayne Eagling die Musik zu „R B Sque“ (1983), „Frankenstein, a modern Prometheus“ (1985) und „Beauty and the Beast“ (1986) geschrieben hatte, folgten das gefällige, um Natur-Themen drehende Soloalbum „Soil Festivities“ (1984), das minimalistische Werk „Invisible Connections“ und das mehr symphonische Album „Mask“ (beide 1985). 
Weitere mit Irene Papas aufgenommene griechische Folk-Songs wurden auf dem 1986 veröffentlichten Album „Rapsodies“ vereint. Nach seiner Rückkehr von London nach Athen spielte Vangelis mit dem 1988 bei Arista erschienenen Album „Direct“ eines seiner eingängigsten Werke ein, während das anschließende Album „The City“ (1990), mit dem Vangelis seinen Einstand bei eastwest feierte, teilweise in einem Hotelzimmer in Rom aufgenommen wurde, während Vangelis eine Vorstellung von Roman Polanskis „Bitter Moon“ besuchte. 
Sein bekanntestes Werk in dieser Zeit wurde der Soundtrack zu Ridley Scotts Historien-Epos „1492 – Die Eroberung des Paradieses“, vor allem als der Boxer Henry Maske das Stück „Conquest of Paradise“ beim Einmarsch in die Halle einsetzte. 
Nach den Soundtracks zu „The Plague“ und Roman Polanskis „Bitter Moon“ erschien mit „Voices“ (1995) ein ruhiges Elektronik-Album mit den Gast-Stimmen von Stina Nordenstam und Paul Young, während sich „Oceanic“ (1996) rund ums Wasser drehte. Die 1981 entstandene Session mit dem spanischen Elektronik-Künstler Neuronium wurde 1996 unter dem Titel „A Separate Affair“ veröffentlicht, zwei Jahre später folgte mit „El Greco“ ein Neo-Klassik-Album mit der Sopranistin Montserrat Caballé und dem Tenor Konstantinos Paliatsaras, bevor Vangelis mit „Kavafis“ wieder einen Soundtrack produzierte. 
Die Compilation „Reprise 1990-1999“ beendete die Zusammenarbeit zwischen East-West und dem Künstler, der mittlerweile bei Sony unter Vertrag ist. Dort erschien im Jahre 2001 mit „Mythodea“ ein Album, das bereits 1993 geschrieben und mit dem London Metropolitan Orchestra, dem Chor der Greek National Opera und den Sopranistinnen Jessye Norman und Kathleen Battle aufgeführt wurde, wobei die NASA das Hauptmotiv für ihre Mars-Missionen verwendete. 2004 entstand die Musik zu Oliver Stones Historien-Epos „Alexander“
Als 2012 „Chariots Of Fire“ für die Bühne adaptiert und das Titelthema bei den Olympischen Sommerspielen in London eingesetzt wurde, verpasste Vangelis seinem zum Klassiker avancierten Score ein Update und veröffentlichte ihn als „Chariots Of Fire: Music From The Stage Show“. 2014 komponierte Vangelis nicht nur die Musik zum algerischen Drama „Twilight Of Shadows“, sondern auch drei kurze Stücke für die Rosetta-Weltraum-Mission, die die Grundlage für das Album „Rosetta“ (2016) bilden sollten. 2019 wurden für „Nocturne“ überarbeitete ältere Stücke und neue Songs auf einem Grand Piano eingespielt. Vangelis‘ letztes Studioalbum „Juno to Jupiter“ wurde von der NASA-Mission „Juno“ inspiriert. 
 
Diskographie/Filmographie (Auswahl): 
1963: O adelfos mou... o trohonomos (Soundtrack) - als Vangelis Papathanasiou 
1966: 5.000 psemmata (Soundtrack) - als Vangelis Papathanasiou 
1967: To prosopo tis Medousas (Das Gesicht der Medusa) (Soundtrack) - als Vangelis Papathanasiou 1968: Our Love Sleeps on the Waters/The Clock (Single) 
1970: Sex Power (Soundtrack) - als Vangelis Papathanassiou  
1971: Frenitis (Soundtrack) - als Vangelis Papathanassiou 
1971: Hypothesis – mit Tony Oxley 
1971: The Dragon 
1971: Fais que ton rêve soit plus long que la nuit 
1972: Salut, Jerusalem (Soundtrack) 
1973: Earth 
1973: L’Apocalypse des animaux (Soundtrack) 
1974: Amore (Soundtrack) 
1974: Melody (Soundtrack) 
1974: Le cantique des créatures: Georges Mathieu ou La fureur d'être (Dokumentation) 
1975: Le cantique des créatures: Georges Braque ou Le temps différent (Dokumentation) 
1975: ¿No oyes ladrar los perros? (Soundtrack) 
1975: Can you hear the dogs barking? (Soundtrack) 
1975: Heaven and Hell 
1976: The Vangelis Radio Special 
1976: Albedo 0.39 
1976: La Fête sauvage (Soundtrack) 
1976: Crime and Passion (Frankensteins Spukschloss) (Soundtrack) 
1977: Ignacio (Soundtrack) 
1977: Spiral 
1978: Beaubourg 
1978: De mantel der Liefde (Soundtrack) 
1979: China 
1979: Odes – mit Irene Papas 
1980: Short Stories – als Jon & Vangelis 
1979: Opera Sauvage (Soundtrack) 
1980: Cosmos (Unser Kosmos) (Soundtrack) 
1980: See You Later 
1980: Death of a Princess (Soundtrack) 
1980: Mater amatísima (Soundtrack) 
1980: Prkosna delta (Trotziges Delta) (Soundtrack) 
1981: The Friends of Mr. Cairo – als Jon & Vangelis 
1982: Demis – als Vangelis & Demis Roussos 
1981: Chariots of Fire (Die Stunde des Siegers) (Soundtrack) 
1981: Le cantique des créature: Pablo Picasso pintor (Dokumentation) (Soundtrack) 
1982: Blade Runner (Soundtrack) 
1982: Missing (Vermisst) (Soundtrack) 
1983: Private Collection – als Jon & Vangelis 
1983: Antarctica (Taro und Jiro in der Antarktis) (Soundtrack) 
1984: Mutiny on the Bounty (Die Bounty) (Soundtrack) 
1984: Sauvage et Beau (Soundtrack) 
1984: Soil Festivities 
1985: Mask 
1985: Invisible Connections 
1985: Wonders of Life (Soundtrack) 
1986: Rhapsodies – mit Irene Papas 
1986: Splendeur Sauvage (Soundtrack) 
1988: Direct 
1988: Nosferatu a Venezia (Nosferatu in Venedig) (Soundtrack) 
1989: Beaute Sauvage (Soundtrack) 
1989: Franziskus (Soundtrack) 
1990: De Nuremberg à Nuremberg (Soundtrack) 
1990: The City 
1991: Page of Life – als Jon & Vangelis 
1992: La Peste (The Plague) (Soundtrack)
1992: Bitter Moon (Soundtrack) 
1992: 1492: Conquest of Paradise (1492 – Die Eroberung des Paradieses) (Soundtrack) 
1992: Cousteau's Rediscovery of the World II (Dokumentation) (Soundtrack) 
1994: Los Angeles 2019 
1995: Foros Timis Ston Greco (El Greco) 
1995: Voices 
1996: Oceanic 
1996: Kavafis (Cavafy) (Soundtrack) 
1998: El Greco 
2001: Mythodea - Music for the NASA Mission, 2001 Mars Odyssey (Soundtrack) 
2002: Anthem – 2002 FIFA World Cup Official Anthem (CD-Single) 
2004: Ithaca – mit Sean Connery 
2004: Alexander (Soundtrack) 
2007: El Greco (Soundtrack) 
2008: Swiadectwo (Soundtrack) 
2012: Chariots of Fire – The Play . Stage Music 
2012: Trashed (Dokumentation) (Soundtrack) 
2014: Crépuscule des ombres (Soundtrack) 
2016: Rosetta 
2019: Nocturne 
2019: The Holy Mecca (Dokumentation) (Soundtrack) 
2019: Oreines symfonies (Dokumentation) (Soundtrack) 
2021: The Sermon (Podcast Dokumentations-Serie) (Soundtrack) 
2021: Juno To Jupiter 
2022: Beyond the Sermon (Podcast Dokumentations-Serie) (Soundtrack)

Playlist #347 vom 19.06.2022 

1. Vangelis - Main Theme (Missing) - 04:02 
2. Vangelis - Watch Out (Earth) - 03:01 
3. Vangelis - La petite fille de la mer (L'apocalypse des animaux) - 05:55 
4. Vangelis - Entends-Tu Les Chiens Aboyer, Part 2 [excerpt] (Entends-Tu Les Chiens Aboyer) - 04:00 
5. Vangelis - Le Oeil De Aigle (La Fête Sauvage) - 04:00 
6. Vangelis feat. Jon Anderson - So Long Ago, So Clear (Heaven & Hell) - 05:04 
7. Vangelis - Titles From 'Chariots of Fire' (Chariots of Fire) - 03:34 
8. Vangelis - Closing Titles From 'The Bounty' (The Bounty) - 05:01 
9. Vangelis - Alpha (Albedo 0.39) - 05:45 
10. Vangelis - To The Unknown Man (Spiral) - 09:03 
11. Vangelis - L'Enfant (Opera Sauvage) - 05:06 
12. Jon & Vangelis - I'll Find My Way Home (The Friends of Mr. Cairo) - 04:32 
13. Jon & Vangelis - State of Independence (The Friends of Mr. Cairo) - 07:58 
14. Vangelis - Rachel's Song (Blade Runner) - 04:39 
15. Vangelis - Blade Runner End Titles [Full Length Version] (Blade Runner) - 07:28 
16. Vangelis - La Montagne (Picasso) - 02:47 
17. Vangelis - Theme From 'Antarctica' (Antarctica) - 07:30 
18. Vangelis - Movement 4 (Mask) - 08:47 
19. Vangelis - The Long March (China) - 02:03 
20. Vangelis - Movement 5 (Soil Festivities) - 07:21 
21. Vangelis - Le singe blue (L'apocalypse des animaux) - 07:41 
 

Playlist #348 vom 03.07.2022 

1. Vangelis - 2002 Fifa World Cup Official Anthem - 02:57 
2. Vangelis - Theme From 'Bitter Moon' (Bitter Moon) - 03:41 
3. Vangelis - Francesco Finale (Francesco) - 04:22 
4. Vangelis - Psalmus Ode (The Plague) - 04:45 
5. Vangelis - Byzantine Two (Cavafy) - 03:20 
6. Vangelis - La Richesse De L'Eau (Costeau) - 03:17 
7. Vangelis - The Plague [Never Disappears] (The Plague) - 06:21 
8. Vangelis & Neuronium - In London (A Separate Affair) - 03:06 
9. Vangelis - First Approach (Direct) - 05:03 
10. Vangelis - Procession (The City) - 09:34 
11. Vangelis - Moxica and the Horse (1492: Conquest of Paradise) - 07:07 
12. Vangelis - Movement 2 (Mythodea) - 05:42 
13. Vangelis - Gardens of Delight (Alexander) - 05:24 
14. Vangelis - El Greco - Part 12 (El Greco) - 04:56 
15. Vangelis & Robert Janson - Dziecinstwo (Swiadectwo) - 07:12 
16. Vangelis - After the Race (Chariots of Fire: The Play) - 04:38 
17. Vangelis - Through the Night Mist (Nocturne) - 05:13 
18. Vangelis feat. Stina Nordenstam - Ask the Mountains (Voices) - 07:54 
19. Vangelis - Albedo 0.06 (Rosetta) - 04:46 
20. Vangelis - The Thread - Part 9 (The Thread) - 03:43 
21. Vangelis - Juno's Power (Juno to Jupiter) - 04:10 
22. Vangelis - Fields Of Coral (Oceanic) - 07:44 
23. Vangelis - Eternal Alexander (Alexander) - 04:37

Mittwoch, 1. Juni 2022

Playlist #346 vom 05.06.2022 - Neuheiten 2022 (4)

Große Namen prägen die heutige Neuheiten Sendung von Soundtrack Adventures auf Radio ZuSa. Das ist nicht nur den famosen Re-Releases des Intrada-Labels beispielsweise von James Horners „Jumanji“, John Williams‘ „SpaceCamp“, Miklós Rózsas „Dead Men Don’t Wear Plaid“, Jerry Goldsmith‘ „Matinee“ und Laurence Rosenthals „Becket“ zu verdanken, sondern auch den neuen Arbeiten von Hans Zimmer, Danny Elfman, John Williams und Mark Isham. Dazu gesellen sich vertraute Namen wie Harry Gregson-Williams, Cliff Martinez, Daniel Pemberton, Ilan Eshkeri, Volker Bertelmann, John Carpenter und Rachel Portman sowie etliche neue Namen. 
Auf einer wahren Begebenheit basierend hat der Oscar-prämierte Regisseur Barry Levinson („Rain Man“, „Bugsy“) das Drama „The Survivor“ inszeniert, in dem Ben Foster den ins Vernichtungslager Auschwitz geschickten Harry Haft verkörpert, der durch einen sadistischen Nazi-Offizier gezwungen wird, zur Belustigung seiner Mitgefangenen im Boxring zu kämpfen. Der Gewinner überlebt und muss einen neuen Kampf austragen, der Verlierer wird erschossen oder in die Gaskammer geschickt. Angetrieben von dem Willen, zu seiner Frau zurückzukehren, wächst Haft im Boxring über sich hinaus. Hans Zimmer, der für seine Zusammenarbeit mit Levinson an „Rain Man“ (1988) seine erste Oscar-Nominierung erhalten hatte, schuf einen dramatischen, überwiegend mit Streichern arrangierten Score, der seine eindringlichsten Momente in den ruhigen mit Solo-Violine und weiblichem Gesang inszenierten Stücken entfaltet. Neben „Rain Man“ avancierte in den 1980er Jahren auch Tony Scotts Action-Drama „Top Gun“ (1986) zu einem seiner erfolgreichsten Filme. Damals komponierte Harold Faltermeyer die Musik zu dem Soundtrack, der davon abgesehen mit Songs von Berlin, Kenny Loggins, Loverboy, The Miami Sound Machine und Cheap Trick bestückt worden ist. Bei der Fortsetzung „Top Gun: Maverick“ ist Faltermeyer zwar wieder mit an Bord, muss sich die Credits allerdings mit seinem berühmten Kollegen Hans Zimmer sowie Lorne Balfe und Lady Gaga teilen. Damit erhält der Score einen weitaus orchestraleren Touch als das 1986er Original. 
Seit ihrer ersten Zusammenarbeit bei „Darkman“ (1990) etablierte sich zwischen Regisseur Sam Raimi und Komponist Danny Elfman eine ähnlich symbiotische Beziehung wie zwischen Tim Burton und Elfman, allerdings ist es nach gemeinsam verwirklichten Stationen wie „Ein einfacher Plan“, „Spider-Man“ und „Spider-Man 2“ etwas ruhiger um beide Filmschaffenden geworden. Für das Marvel-Abenteuer „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ sind die beiden im Superhelden-Universum bewanderten Künstler nun zum neunten Mal zusammengekommen. Dass die Corona-Pandemie die Produktion des Films so hinausgezögert hat, kam Elfman indes zugute, hatte er doch so mehr Zeit zur Verfügung, um einen überaus vitalen, mit komplexen Orchester-Arrangements und Chor versehenen Score zu kreieren. 
„The Road Dance“ erzählt die in der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelte Geschichte eines jungen Mädchens, das in einem kleinen Dorf einer schottischen Insel lebt, als sie mit einer schrecklichen Tragödie konfrontiert wird. Carlos José Alvarez („Deadline“, „The Quiet Hour“) komponierte dazu einen Score, der das harte Leben auf einer unwirtlichen Insel mit vielen folkloristischen Elementen abbildet. 
„Die Geschichte musste sehr delikat behandelt werden. Die Aussichten und Kulissen sind weitreichend, doch der Film weist eine Intimität auf, die nicht ignoriert werden konnte. Die Balance zu finden war ein Hauptaugenmerk. Die Darstellungen sind so stark, dass wir ihnen einfach vertrauen mussten. Ich bin sehr stolz auf diesen Score“, meint Alvarez. „Richie Adams wollte, dass sich die Partitur wie der Herzschlag der Insel und der Menschen anfühlt, und ich fühlte mich verpflichtet, meine Hausaufgaben zu machen und die richtigen Musiker zu finden.“ In diesem Zusammenhang hebt er den Fiedel- und Flötenspieler Alasdair White von der Isle of Lewis hervor, wo auch die Geschichte spielt, da er mit der musikalischen Tradition der Hebriden besonders vertraut ist und so maßgeblich den Sound des Scores mitprägte. 
Eine talentierte Newcomerin präsentiert MovieScore Media mit der Komponistin Salliana Seven Campbell, die mit ihrem akustisch instrumentierten Score zu dem Drama „The Drover’s Wife – The Legend of Molly Johnson“ von und mit Leah Purcell ihre erste Arbeit für einen Spielfilm präsentiert. „Ich wurde zufällig empfohlen und erhielt einen Brief von Leah Purcell, die als Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin agierte und auch den abschließenden Song singt. Sie schrieb: ,Schick‘ mir was Sparsames, Nicht-Melodisches und Eckiges‘ – und ich wusste genau, welchen Sound sie wollte“, beschreibt Salliana die Arbeit an der Filmmusik. „Was ich am meisten an dem Film liebe, ist, wie rau er ist, und ich wollte das mit dem Score abbilden. Der Score ist voller Fiedeln, Banjos, Mandolinen, Piano und elektrischer Gitarren. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass ich bis auf die zwei Gitarren-Soli und den Kontrabass alle Instrumente selbst gespielt habe.“ 
Mit „Love by the Fjord – Farewell to Hannah“ veröffentlicht Marcel Barsotti („Deutschland. Ein Sommermärchen“, „Die Päpstin“) den zweiten Soundtrack zur deutschen Fernsehserie „Liebe am Fjord“. Die 2011 mit dem „Director’s Choice Gold Medal for Excellence“ auf dem Park City Film Music Festival Utah in U.S.A. ausgezeichnete und 2013 in der Kategorie „Beste Musik“ bei der Deutschen Akademie für Fernsehen nominierte Musik ist in der norwegisch-irischen Musik-Tradition verwurzelt und wurde teilweise mit Violine, Akkordeon, Bodhrán, Mandoline und Gitarre eingespielt. 
Für sein neues Album „Time“ hat sich Dirk Maassen in eine abgelegene Berghütte zurückgezogen, um in der Einsamkeit und Stille seine innere Melodie und sein wahres „Ich“ zu finden. Das Zur-Ruhe-Kommen von Körper und Geist sieht der Pianist und Komponist, der auch als Software-Entwickler arbeitet, als Schlüssel zur Entstehung neuer musikalischer Ideen. „Die Arbeit an neuer Musik braucht Zeit und Raum, und man muss geduldig sein und auf sich selbst hören“, erklärt Dirk Maassen. Auf der Suche nach Ruhe verbrachte er mehrere Wochen in Südtirol, wo er zur Inspiration nur von seinem Klavier und den atemberaubenden Ausblicken auf die Wildnis der Berge Gesellschaft hatte. Auf ausgedehnten Spaziergängen fand Dirk Maassen zu sich selbst. „Das Leben in den Bergen reduziert alles auf seine wahre Essenz und diese einfache, grundlegende Welt eröffnet so viel Raum, um sein wahres Selbst zu finden“, erklärt er. In dieser Umgebung konnte Maassen seine „innere Melodie“ finden und sie auf natürliche Weise ins Bewusstsein aufsteigen zu lassen: „dann kommt alles zusammen, und es geschieht etwas Magisches“. Diese Magie bildet die Grundlage für alle vierzehn Klavierstücke auf „Time“, die teilweise von zarten orchestralen Akzenten unterstützt werden und dabei eine Vielzahl von Stimmungen transportieren. 
Nachdem Karl Gasleben mit seinem Projekt Gasleben & Electric Friends mit „Spare Parts for the Offspring“ (2021) und „A Vessel Out of Here (2022) jüngst zwei poppigere Electro-Alben veröffentlicht hatte, ist der Twice-A-Man-Musiker bereits mit einem neuen Projekt am Start. Zusammen mit dem Maler und Ambient-Musiker Peter Davidson hat er ein 58-minütiges Ambient-Stück namens „Aerial Ship of Flowers“ eingespielt, das Teil eines gleichnamigen Video-Kunstprojekts ist und von dynamischen Passagen ebenso geprägt ist wie von fesselnden Melodien. 
1982 inszenierte Regisseur Carl Reiner mit „Tote tragen keine Karos“ („Dead Men Don’t Wear Plaid“) eine humorvolle Hommage an den Film noir. Dazu engagierte er mit Miklós Rózsa einen Komponisten, der mit „Desert Fury“, „Double Indemnity“, „Brute Force“, „The Naked City“, „The Lost Weekend“, „The Asphalt Jungle“ und „The Killers“ einige der bemerkenswertesten Beiträge des Genres vertont hatte. Auf der anderen Seite hat es Rózsa nie so richtig mit Komödien gehabt. „Dead Men Don’t Wear Plaid“ war Rózsas letzte Filmmusikarbeit, hatte aber mehr mit zeitgenössischen Arbeiten wie „Time After Time“, „Eye of the Needle“ und „Last Embrace“ zu tun als mit seinen Film-noir-Arbeiten in den 1940er Jahren. Wie gewohnt hat er seinen Score allerdings mit ausgeprägten Hauptthemen versehen, die bereits in „The Prelude“ zum Ausdruck kommen. Neben dem Thema, das die dunkleren Aspekte des Films erfasst, hat Rózsa auch ein wunderbar leichtes romantisches Thema komponiert, das ebenso wie das dunklere Thema immer wieder während des Films auftaucht. 
Zum ersten Mal auf CD erhältlich ist Laurence Rosenthals Score zu Paramounts Produktion von „Becket“ aus dem Jahr 1964. Rosenthal, der neben Jerry Goldsmith, Elmer Bernstein, Henry Mancini, Alex North, Lalo Schifrin und John Barry zu jener jungen Generation von Hollywood-Komponisten zählt, die in den 1960er Jahren die alte Garde mit den großen Namen Alfred Newman, Max Steiner, Bernard Herrmann und Miklós Rózsa abzulösen begann, schuf für „Becket“ eine Musik, die nicht versuchte, die Musik des 12. Jahrhunderts, in dem die Geschichte von Thomas Becket und König Henry II spielt, zu rekreieren. 
„Nichtsdestotrotz wird das Heraufbeschwören dieser Zeit durch die Verwendung echter Gregorianischer Choräle und der Originalmusik bewiesen, die komponiert worden ist, um die Art der Melodien und jener der Schule von Notre Dame widerzuspiegeln“, wird der Komponist im Booklet der Intrada-Veröffentlichung zitiert, die unter Leitung von Muir Mathieson mit dem Orchester The Sinfonia of London eingespielt worden ist. „Wie auch immer, die Atmosphäre, die den Score durchdringt, sowohl bei den Stimmen als auch dem Orchester, ist durch die konstante Referenz an die fesselnde und nahezu exotische Schönheit der Musik des späten Mittelalters kreiert worden.“ 
Eine würdige Veröffentlichung als Doppel-CD erfährt nun auch James Horners Score zu Joe Johnstons 1995 inszenierten Abenteuer „Jumanji“ mit Robin Williams in der Hauptrolle. Horner, der in jenem Jahr auch so unterschiedliche Arbeiten wie „Braveheart“, „Casper“, „Apollo 13“, „Jade“ und „Balto“ ablieferte, hatte mit dem Regisseur bereits bei „Honey, I Shrunk the Kids“, „The Rocketeer“ und „The Pagemaster“ zusammengearbeitet und schuf für „Jumanji“ eine packende Mischung aus großem Orchester, Synthesizern und ethnischen Instrumenten wie der oft von ihm verwendeten japanischen Bambusflöte oder der südamerikanischen Holzflöte. 
Schließlich ist auch das bereits von Intrada veröffentlichte Album zu dem 1986 entstandenen Abenteuerfilm „SpaceCamp“ von John Williams als remastertes Doppel-Album erhältlich. Der Film ging wegen der „Challenger“-Katastrophe, bei der am 28. Januar 1986 sieben Astronauten ums Leben kamen, in den Kinos etwas unter, doch Williams‘ Score hat bis heute mit seiner optimistischen Note nichts von seiner Faszination verloren. „Bei der Komposition der Musik für den Film habe ich versucht, die Begeisterung dieses Abenteuers in einem orchestralen Idiom auszudrücken, das direkt und zugänglich wäre... direkt zum ,Herzen‘ sprechen würde“, meinte John Williams damals. „Ich fühle mich geehrt, gebeten worden zu sein, diese Partitur zu komponieren, und besonders stolz bin ich auf meine Verbindung mit ,SpaceCamp‘ und seinen Schöpfern.“ 
Jerry Goldsmith und Joe Dante arbeiteten erstmals 1983 an „The Twilight Zone: The Movie“ zusammen, worauf Goldsmith auch die nächsten Dante-Filme „Gremlins“, „Explorers“, „Die Reise ins Ich“, „Meine teuflischen Nachbarn“ und „Gremlins 2“ vertonte. Mit „Matinee“ erscheint nun ihre 1993 entstandene Arbeit nun als Expanded Edition bei Intrada.

Playlist:

1. Hans Zimmer - Harry Haft (The Survivor) - 03:14 
2. Hans Zimmer, Lady Gaga, Harold Faltermeyer & Lorne Balfe - The Man, The Legend / Touchdown (Top Gun: Maverick) - 03:55 
3. Danny Elfman - An Interesting Question (Doctor Strange in the Multiverse of Madness) - 03:14 
4. Mark Isham - Javi Stands (The Unbearable Weight of Massive Talent) - 02:45 
5. Alex Heffes - Aya's Theme [from "Emperor" Solo Piano Version] (Sudden Light) - 03:23 
6. Dirk Maassen - Shelter (Time) - 03:18 
7. Rachel Portman - Life Is Sweet [Piano Suite] - 02:13 
8. Anton Sanko - Coda (Les passagers de la nuit) - 03:32 
9. Volker Bertelmann - Family Reunion (Life After Life) - 04:16 
10. John Lunn - A New Era (Downtown Abbey: A New Era) - 05:21 
11. Dickon Hinchliffe - Late Boomers (Father Stu) - 03:19 
12. Marcel Barsotti - Farewell to Hannah (Love by the Fjord - Farewell to Hannah) - 03:05 
13. Christopher Wong - Moon Cake Story (Maika) - 03:15 
14. Salliana Seven Campbell - Barefoot Molly (The Drover's Wife: The Legend of Molly Johnson) - 03:38 
15. James Horner - Prologue and Main Title (Jumanji) - 03:42 
16. John Williams - In Orbit (SpaceCamp) - 03:22 
17. John Williams - Obi Wan (Star Wars: Obi-Wan Kenobi) - 04:09 
18. Jerry Goldsmith -  The Scam (Matinee) 04:12
19. Laurence Rosenthal - The Meeting on the Beach (Becket) - 02:30 
20. Miklós Rózsa - Delusions / Carlotta (Dead Men Don't Wear Plaid) - 03:47 
21. Daniel Pemberton - End of the Day, Slough House (Slow Horses: Season 1) - 03:10 
22. Harry Gregson-Williams - Shifting Grounds (Disneynature: Polar Bear) - 03:01 
23. David Wingo - Janice At Pier (Barry: Season 1 & 2) - 02:45 
24. Dave Porter - Nothing Gets Past Lalo (Better Call Saul, Vol. 2) - 02:55 
25. Cliff Martinez - Shifts Up Again (The Wilds: Season 2) - 03:07 
26. John Carpenter, Cody Carpenter & Daniel Davies - End Titles (Firestarter) - 03:47 
27. Grant Kirkhope - End Credits (Shadows) - 03:46 
28. Peter Davidson & Karl Gasleben - Aerial Ship of Flowers [excerpt] (Aerial Ship of Flowers) - 07:45 
29. Ilan Eshkeri - Day (Space Station Earth) - 05:21 
30. Danny Bensi & Saunder Jurriaans - Picture (Night Sky) - 03:01 
31. Carlos José Alvarez - A New Life (The Road Dance) - 08:10

Montag, 2. Mai 2022

Playlist #344/#345 vom 08./22.05.2022 - R.I.P. KLAUS SCHULZE (1947-2022)

Nach dem Tod von Tangerine-Dream-Mastermind Edgar Froese im Jahr 2015 trauert die Musikwelt und vor allem die Anhänger der elektronischen Musikszene nun um Klaus Schulze, einem der maßgeblichen Wegbereiter der berühmten Berliner Schule. Über Stationen wie Psy Free, Tangerine Dream und Ash Ra Tempel verfolgte der Schlagzeuger ab 1971 seine Solo-Karriere und schuf bis dabei Meisterwerke wie „Timewind“, „Moondawn“, „Mirage“, „Dig It“ und „Dune“. Er komponierte dabei auch Soundtracks für Filme wie „Angst“, „Body Love“ und „Next to Kin“, produzierte zusammen mit Pete Namlook die langlebige Album-Reihe „The Dark Side oft he Moog“ und spielte in den vergangenen Jahren einige Alben mit Stomu Yamashta, The Cosmic Jokers, Michael Shrieve, Rainer Bloss, Alphaville, Schiller und zuletzt mit Lisa Gerrard ein, mit der Schulze auch einige Konzerte realisierte. Am 26. April 2022 verstarb der elektronische Klangpionier im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit. 
Seine musikalische Karriere begann der am 4. August 1947 in Berlin geborene Schulze als Schlagzeuger, von 1967 bis 1969 zunächst bei Psy Free, anschließend für Tangerine Dream, mit denen er ihr erstes Album „Electronic Meditation“ (1970) einspielte, und schließlich bei der von ihm, Manuel Göttsching und Hartmut Enke gegründeten Band Ash Ra Tempel. Hier wirkte er allerdings nur am Debütalbum „Ash Ra Tempel“ (1971) und „Join Inn“ (1973) mit. 
Da es auf der einen Seite kaum möglich war, mit dem damaligen elektronischen Equipment live aufzutreten, auf der anderen Seite Schulze aber auch die Gruppendiskussionen um das einzuspielende Material müde war, konzentrierte er sich fortan auf seine Solo-Karriere. Inspiriert von den Minimalisten Terry Riley und Steve Reich schuf Schulze ausgedehnte, durch repetitive Strukturen hypnotisch wirkende Klanglandschaften, die für die Berliner Schule prägend werden sollten. 
„Als wir damals in der Berliner Underground-Szene anfingen, haben wir nach einer Musik gesucht, die nichts mit englischer oder amerikanischer Popmusik zu tun hat. Wir wollten was Eigenes machen, was Neues! Aber wir wussten, dass wir für eine neue Musik auch ein neues Instrumentarium brauchen – nicht Gitarren oder Schlagzeug“, erklärte Schulze in einem Interview mit Albrecht Piltz, das in den Booklets der seit 2005 bei Revisited Records veröffentlichten Deluxe Editions der frühen Klaus-Schulze-Alben abgedruckt ist. „Da kam uns die parallele Entwicklung der Synthesizer genau recht. Es war perfektes Timing, es kam alles zusammen: die neue Technologie, ein neues Gedankengut in der Musik und ein kulturelles Klima, in dem man auch nicht-kommerzielle Musik machen konnte.“ 
Da der erste, 1964 hergestellte Moog-Synthesizer noch unerschwinglich war, spielte Schulze sein aus drei „Sätzen“ bestehendes Album „Irrlicht“ vor allem mit elektronischen Maschinen, Orgel, Gitarre, Percussion, Zither und dem Colloquium Musica Orchestra ein, von dem er Aufnahmen auch für sein nachfolgendes Album „Cyborg“ (1973) verwendete, das auf einem Romantitel des Science-Fiction-Autors Frank Herbert basiert und auf dem erstmals ein Synthesizer zum Einsatz kam. 
Nach „Blackdance“ (1974), dem mit Göttsching, Enke und Jerry Berkers entstandenen Album „Tarot“ von Walter Wegmüller (1975) und dem Album „The Cosmic Jokers“ der gleichnamigen Band veröffentlichte Schulze mit „Timewind“ im selben Jahr ein Album, das für viele seiner Anhänger als sein Meisterwerk betrachtet wird. „Timewind“ war als Tribut an den von Schulze so verehrten Richard Wagner gedacht und in einem als provisorisches Studio umgebauten Friseursalon „live“ aufgenommen worden. 
„Ich musste alle Einstellungen an den Synthies machen, während die Aufnahme lief“, erinnert sich Schulze in dem mit Piltz geführten Interview, das dem Booklet beiliegt. „Das ging alles nur in Realtime, man konnte kein Playbacks oder verschiedene Mixe machen -abmischen musste man direkt beim Spielen! Dazu hatte ich ein Telefunken-Vierkanal-Mischpult mit eingebauter Hallspirale, die ständig vor sich hingesirrt hat. So sah damals mein ,Studio‘ aus.“
Das Album erhielt 1976 den Grand Prix du Disque International von der Académie Charles Cros und brachte den ersten nennenswerten Geldsegen für Schulze, der sich für sein 1976er Album „Moondawn“ ein richtiges Studio mieten konnte. 
Zuvor erschienen neben seinem Soloalbum „Picture Music“ (1975) noch das mit Stomu Yamashta, Steve Winwood, Michael Shrieve und Al Di Meola eingespielte Live-Album „Go!... Live From Paris“ und das Cosmic-Jokers-Album „Galactic Supermarket“
1977 komponierte Schulze für Samy Pavels „L’arriviste“ seine erste Filmmusik, 1978 folgte der Soundtrack zum Porno „Body Love“ des Regisseurs Lasse Braun. Der hatte seinen Film bereits mit Musik aus Schulzes Alben „Timewind“ und „Moondawn“ hinterlegt und bat Schulze, einfach eine bis eineinhalb Stunden Musik zu machen, die sich allerdings dem Rhythmus der Temp Tracks anpassen musste, da sich die Pärchen im Rhythmus der vorübergehend unterlegten Musik bewegt haben. 
Im Gegensatz zu den rhythmischen Alben „Moondawn“ und „Body Love“ arbeitete Schulze auf seinem nachfolgenden Album „Mirage“ mit unterkühlt wirkenden Flächen. 
„Die Grundidee war, eine elektronische Winterlandschaft zu schaffen. Dazu muss ich sagen, dass damals gerade mein Bruder im Sterben lag und ich in einer ziemlich düsteren Stimmung war, die sich auf ,Mirage‘ widerspiegelt“, wird Schulze im Booklet zum Album zitiert. „Die Platte sollte Themen wie Eiszeit, Winter, Stillstand, Tod reflektieren. Aber das ist mir erst später wirklich klar geworden, denn ich mache mir für keine Platte im Voraus ein Konzept.“ 
Mit seinem zehnten Album „X“ (1978) und dem von wiederum von Frank Herbert inspirierten Album „Dune“ (1979) schloss Schulze die für ihn überaus produktiven 1970er Jahre ab und präsentierte 1980 mit „Dig It“ sein erstes vollkommen digital aufgenommenes Album. 
Auf seinem eigenen Label Innovative Communication erschienen zunächst die Alben „Trancefer“ (1981) und „Audentity“ (1983), bevor bei Inteam GmbH nicht nur Schulzes Soundtrack zum Horror-Thriller „Angst“ (1984), sondern auch drei mit Rainer Bloss eingespielte Alben veröffentlicht wurden. 1988 nahm er das Doppel-Album „En=Trance“ in einer dreiwöchigen Pause der letztlich zweijährigen Produktion des Alphaville-Albums „The Breathtaking Blue“ ein.
1992 schrieb Schulze die Musik für den Film „Le Moulin de Daudet“ von Samy Pavel, der bereits 1979 Schulzes „Friedrich Nietzsche“ von dem „X“-Album für die Dokumentation über den französischen Sänger Claude François verwendet hatte. 
„Generell ist für mich das Interessante am Komponieren von Filmmusik, dass man sich dabei in Disziplin üben muss – die ich ja überhaupt nicht habe. Ich mache normalerweise nur, was ich will – ich bin Gott sei Dank in der Lage, das zu können und zu dürfen“, erklärt Schulze im Booklet zum Re-Release des Soundracks von Revisited Records. „Aber beim Film musst du dich genau daran halten, wenn der Regisseur sagt, die Szene ist drei Minuten lang, und in den drei Minuten musst du alles ausdrücken! Du musst genau auf den Punkt kommen. Das ist eine tolle Herausforderung.“ 
In den 1990er Jahren experimentierte Schulze – beginnend mit dem Album „Beyond Recall“ (1991) nicht nur mit dem Sampling, sondern startete auch eine langjährige Zusammenarbeit mit Pete Namlook. Zwischen 1994 und 2008 erschienen immerhin elf Alben der „The Dark Side of the Moog“-Serie. Die 2000er Jahre waren von wieder anderen Einflüssen wie Jazz, klassischer Musik und elektronischen Spielarten wie Trance geprägt. 
Nach den Solo-Alben „Moonlake“ (2005) und „Kontinuum“ (2007) spielte Schulze 2008 mit der Dead-Can-Dance-Sängerin Lisa Gerrard die beiden Doppelalben „Farscape“ und „Rheingold“ ein. In den 2010er Jahren erblickten weitere Live-Alben wie „Big in Japan“ (2010), „Big in Europe – Vol. 1: Warsaw“ (2013), „Stars are Burning“ (2014) und „Big in Europe – Vol. 2: Amsterdam“ (2014) ebenso das Licht der Welt wie die insgesamt 16 CDs umfassende Sampler-Reihe „La Vie Electronique“, die die unveröffentlichten Stücke zusammenfasst, die zuvor auf der 50 CDs umfassenden „The Ultimate Edition“ (2000) erschienen waren. 
2018 veröffentlichte Schulze mit „Silhouettes“ nach fünf Jahren wieder ein Solo-Album. Im Juni dieses Jahres erscheint mit „Deus Arrakis“ sein letztes Album, an dem er vor seinem Tod noch gearbeitet hat. 
Mit seinem umfangreichen Output inspirierte er unzählige Künstler von David Bowie über Brian Eno bis zu Aphex Twin und Steven Wilson. Seine Musik von Acts wie DJ Shadow, J Dilla und Future Sounds of London gesampelt und von den Regisseuren Michael Mann („Blutmond“), Sofia Coppola („The Bling Ring“) und Denis Villeneuve („Dune“) in ihren Filmen eingesetzt. 
2019 erschien mit „Next of Kin“ der bislang unveröffentlichte Soundtrack zum 1982 inszenierten australischen Psycho-Thriller, wobei die dafür von Klaus Schulze komponierte Musik letztlich nicht im Film zum Einsatz kam, sondern durch Musik von früheren Schulze-Alben ersetzt wurde. Sein zuvor veröffentlichtes Solo-Album „Silhouettes“ war bereits von gesundheitlichen Problemen des Elektronik-Pioniers überschattet und fiel sehr ruhig und fast meditativ aus. 
„Im Angesicht deines 70. Geburtstages blickt man natürlich zurück auf die Vergangenheit – so stellt das Ergebnis eine Reorientierung, ein erneuertes Bewusstsein von dem, was wirklich wichtig ist“, erklärte Schulze, der das Album sparsam mit Solos und vokalen Elementen einspielte. „Keine großen Ablenkungen, nichts, was deine Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung lenkt, keine großen Effekte oder Spielereien, kein Schnickschnack oder dominante Rhythmen. Mir war es wichtig, die Bilder in der Tiefe des Raumes, den klanglichen Spannungsfeldern und der Atmosphäre zu malen.“ 
Mit dem letzten zu seinen Lebzeiten eingespielten Album „Deus Arrakis“, das im Juni bei SPV erscheint, kehrt Schulze einmal mehr zu dem von ihm bewunderten Science-Fiction-Autor Frank Herbert zurück, dem er bereits auf seinem elften Album „Dune“ gehuldigt hat. 
„Einerseits ist dieses Album ebenso spontan entstanden wie all meine Alben zuvor, andererseits besitzt es eine besondere Geschichte: Als ich mein elftes Album ,Dune‘ 1979 produzierte, kannte ich Frank Herberts ,Dune‘-Trilogie so in- und auswendig wie andere Leute ihren ,Herr der Ringe‘. Ich war total fasziniert von dieser monumentalen Geschichte des Wüstenplaneten und las die Bücher wieder und wieder. Ich lud Arthur Brown und Wolfgang Tiepold in mein Studio ein, um mit ihnen mein eigenes musikalisches ,Dune‘ zu kreieren.“ 
Danach verschwand das Thema jahrelang aus dem Fokus des Klangtüftlers – bis er von dem geplanten Remake des Stoffes durch Denis Villeneuve erfuhr und sich durch die ebenfalls mit dem deutschen Hollywood-Komponisten Hans Zimmer befreundete Lisa Gerrard die Möglichkeit für eine Zusammenarbeit zwischen Schulze und Zimmer ergab. Ebenso wie Zimmer, der letztlich drei verschiedene Alben zu „Dune“ produzierte, war auch Schulze wieder Feuer und Flamme für den Stoff, fand im Studio eine alte Cello-Aufnahme von Wolfgang Tiepold und spielte schließlich das komplett von „Dune“ inspirierte Album „Deus Arrakis“ ein. 
In einem Interview (das in einem Essay von Klaus Dieter Müller im Booklet zu „X“ zitiert wird) erklärte Schulze: „Meine Musik ist nicht analytisch, sie ist primär eine Synthese. Sie beinhaltet das, was mich prägt. Musik ist in erster Linie Gefühl, Empfindung. Nicht die technische Kenntnis, sondern die Fähigkeit zu SPIELEN macht den Musiker aus. Das gilt selbstverständlich und gerade für das Spielen mit meinen Instrumenten und Synthesizern.“ 
Klaus Schulze hat sich gerade zu Beginn seiner Karriere – und das vor allem hierzulande – immer wieder die Kritik anhören müssen, dass seine Musik kalt und unsinnlich sei. Über die Jahre hat der Berliner aber bewiesen, wie viel Gefühl in seinen oft halbstündigen Klanglandschaften liegt. 
Klaus Schulzes Musik war nie relevanter als jetzt“, meinte schließlich auch Hans Zimmer im Dezember vorigen Jahres. „Mehr denn je ist die Arbeit von Klaus die perfekte Balance zwischen Seele und Technologie. Elektronen als Botschafter von Romantik. Ein Meister...“ 

Diskographie (Auswahl): 

1970 - Electronic Meditation (mit Tangerine Dream) 
1971 - Ash Ra Tempel (mit Ash Ra Tempel) 
1972 - Irrlicht 
1973 - Join Inn (mit Ash Ra Tempel) 
1973 - Tarot (mit Walter Wegmüller) 
1973 - Lord Krishna von Goloka (mit Sergius Golowin) 
1973 - Cyborg 
1974 - The Cosmic Jokers (mit The Cosmic Jokers
1974 - Planeten Sit In (mit The Cosmic Jokers)
1974 - Galactic Supermarket (mit The Cosmic Jokers)
1974 - Sci Fi Party (mit The Cosmic Jokers)
1974 - Gilles Zeitschrift (mit The Cosmic Jokers)
1974 - Blackdance 
1975 - Picture Music 
1975 - Timewind 
1976 - Moondawn 
1976 - Go (mit Stomu Yamashta
1976 - Go Live From Paris (mit Stomu Yamashta
1977 - Body Love (Soundtrack) 
1977 - Go Too (mit Stomu Yamashta
1977 - Mirage 
1977 - Body Love Vol. 2 
1978 - X 1979 – Time Actor (als Richard Wahnfried - mit Michael Shrieve
1979 - Dune 
1980 - … Live … (Live) 
1980 - Dig It 
1981 - Tonwelle (als Richard Wahnfried - mit Michael Shrieve
1981 - Trancefer 
1983 - Audentity 
1983 - Dziekuje Poland (Live - mit Rainer Bloss
1984 - Angst (Soundtrack)
1984 - Megatone (als Richard Wahnfried - mit Michael Shrieve
1984 - Tranfer Station Blue (mit Michael Shrieve & Kevin Shrieve
1984 - Drive Inn (mit Ernst Fuchs & Rainer Bloss
1984 - Aphrica (mit Rainer Bloss & Ernst Fuchs
1984 - Transfer Station Blue (mit Michael Shrieve & Kevin Shrieve
1985 - Inter*Face 
1986 - Drive Inn 2 (mit Rainer Bloss
1986 - Miditation (als Richard Wahnfried
1986 - Dreams 
1987 - Babel (mit Andreas Grosser
1988 - En=Trance 
1989 - The Breathtaking Blue (mit Alphaville
1990 - Miditerranean Pads 
1990 - The Dresden Performance (Live) 
1991 - Beyond Recall 
1992 - Royal Festival Hall Vol. 1 & Vol. 2 (Live) 
1993 - The Dome Event (Live) 
1994 - Le Moulin de Daudet (Soundtrack) 
1994 - Goes Classic 
1994 - Trancelation (als Wahnfried
1994 - Totentag (Oper) 
1994 - The Dark Side of the Moog I (mit Pete Namlook
1994 - The Dark Side of the Moog II (mit Pete Namlook
1994 - Das Wagner Desaster – Live – (Live) 
1995 - In Blue 
1995 - The Dark Side of the Moog III (mit Pete Namlook
1996 - Trance Appeal (als Wahnfried
1996 - Are You Sequenced? 
1996 - The Dark Side of the Moog IV (mit Pete Namlook & Bill Laswell
1996 - The Dark Side of the Moog V (mit Pete Namlook
1997 - The Dark Side of the Moog VI (mit Pete Namlook
1997 - Dosburg Online 
1997 - Drums ´n´ Balls (als Wahnfried
1998 - The Dark Side of the Moog VII (mit Pete Namlook
1999 - The Dark Side of the Moog VIII (mit Pete Namlook
2001 - Live @ KlangArt 1 (Live) 
2001 - Live @ KlangArt 2 (Live) 
2002 - The Dark Side of the Moog IX (mit Pete Namlook
2003 - Andromeda (Promo-CD) 
2004 - Ion (Promo-CD) 
2005 - Moonlake 
2005 - Vanity of Sounds 
2005 - The Dark Side of the Moog X (mit Pete Namlook
2006 - Ballett 1 
2006 - The Crime of Suspense 
2006 - Ballett 2 
2007 - Kontinuum 
2007 - Ballett 3 
2007 - Ballett 4 
2008 - The Dark Side of the Moog XI (mit Pete Namlook
2008 - Virtual Outback 
2008 - Farscape (mit Lisa Gerrard
2008 - Rheingold (Live - mit Lisa Gerrard
2009 - Dziekuje Bardzo (mit Lisa Gerrard
2009 - Come Quietly (mit Lisa Gerrard
2009 - La Vie Electronique 1–4 (Compilation) 
2010 - La Vie Electronique 5–8 (Compilation) 
2010 - Big in Japan (Live) 
2011 - La Vie Electronique 9–10 (Compilation) 
2012 - La Vie Electronique 11–12 (Compilation) 
2013 - Shadowlands 
2013 - La Vie Electronique 13 (Compilation) 
2013 - Big in Europe – Vol. 1 Warsaw (Live - mit Lisa Gerrard
2014 - La Vie Electronique 14–15 (Compilation) 
2014 - Stars are Burning (Live) 
2014 - Big in Europe – Vol. 2 Amsterdam (Live - mit Lisa Gerrard
2015 - La Vie Electronique 16 (Compilation) 
2016 - Another Green Mile 
2017 - Ultimate Docking (mit Solar Moon
2017 - Eternal – The 70th Birthday Edition 
2018 - Silhouettes 
2019 - Next of Kin (Soundtrack)
2022 - Deus Arrakis

Playlist #344 vom 08.05.2022:

1. Klaus Schulze - Osiris, Pt. 1 (Deus Arrakis) - 06:28 
2. Klaus Schulze - 2. Satz: Gewitter [Energy Rise - Energy Collaps] (Irrlicht) - 05:40 
3. Klaus Schulze - Synphara [excerpt] (Cyborg) - 08:58 
4. Klaus Schulze - Totem [excerpt] (Picture Music) - 09:10 
5. Klaus Schulze - Windy Times (Timewind) - 04:58 
6. Klaus Schulze - Floating [excerpt] (Moondawn) - 11:33 
7. Klaus Schulze - P.T.O. [excerpt] (Body Love) - 07:35 
8. Klaus Schulze - Velvet Voyage Medley [excerpt] (Mirage) - 08:29 
9. Klaus Schulze - Frank Herbert (X) - 10:52 
10. Klaus Schulze - Dune [excerpt] (Dune) - 09:03 
11. Klaus Schulze - The Looper Isn't A Hooker (Dig It) - 08:31 
12. Klaus Schulze - Silent Running [excerpt] (Trancefer) - 07:49 
13. Klaus Schulze - Dream Theme (Next of Kin) - 03:56 
14. Klaus Schulze - Freeze (Angst) - 06:42 
15. Klaus Schulze - Sink or Swim (Audentity) - 10:02


Playlist #345 vom 22.05.2022:

1. Klaus Schulze - Flexible (Dreams) - 04:07 
2. Klaus Schulze - Inter*Face [excerpt] (Inter*Face) - 09:01 
3. Klaus Schulze - FM Delight (En=Trance) - 10:17 
4. Klaus Schulze - Decent Changes [excerpt] (Mediterranean Pads) - 09:01 
5. Klaus Schulze - Old People's Piano (Le Moulin De Daudet) - 03:25 
6. Klaus Schulze & Pete Namlook - Wish You Were There, Pt. 4 (The Dark Side of the Moog) - 05:00 
7. Klaus Schulze - Blue Hour (In Blue) - 04:00 
8. Klaus Schulze - Are We Getting Lost? (Are You Sequenced?) - 06:51 
9. Klaus Schulze - The Wisdom of the Leaves (Another Green Mile) - 12:25 
10. Klaus Schulze - Blowin' Thru the High Grass (Cocooning) - 06:21 
11. Klaus Schulze - The Lonely Dead of Midnight, Pt. 1 (Timbres of Ice) - 04:40 
12. Klaus Schulze - Same Thoughts Lion (Moonlake) - 10:41 
13. Klaus Schulze & Lisa Gerrard - Liquid Coincidence 2 [excerpt] (Farscape) - 13:23 
14. Klaus Schulze - Quae Simplex [excerpt] (Silhouettes) - 10:36 
15. Klaus Schulze - L'age c'ore (Dosburg Online) - 11:50

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