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Samstag, 15. August 2026

Playlist #456 vom 23.08.2026 - Neuheiten 2026 (4)

Christopher Nolans opulentes Historienepos „Die Odyssee“ zählt fraglos zu den Highlights dieses Kinosommers, wenn nicht des ganzen Jahres. Wie schon zu Nolans vorangegangen Filmen „Tenet“ und „Oppenheimer“ komponierte Ludwig Göransson dazu den passenden, mitreißenden Score, den es in dieser Sendung ebenso zu hören gibt wie neue Arbeiten von Hanan Townshend, David Holmes, Christopher Lennertz, Marcelo Zarvos, Volker Bertelmann, A.R. Rahman sowie die Musik zu Serien wie „The Agency“, „SILO“, „Unsere kleine Farm“, „Cape Fear“ und „House of the Dragon“.
Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell landete 2014 mit dem ungewöhnlichen Horrorfilm „It Follows“ erst einen Überraschungshit, um dann mit seinem nächsten Film „Under the Silver Lake“ 2018 fürchterlich baden zu gehen. Nun präsentiert er uns mit „The End of Oak Street“ einen durchaus massentauglichen Abenteuerfilm, in dem eine Nachbarschaft plötzlich in die Vergangenheit versetzt und anschließend von Dinosauriern überrannt wird. Die stimmungsvolle musikalische Untermalung besorgte der versierte Michael Giacchino („Cloverfield“, „Up“), der zudem noch das neue Marvel-Abenteuer „Spider-Man: Brand New Day“ vertonte.
In seinem Dokumentarfilm „Eyríki“ begleitet Nikolai Galitzine den Kampf einer kleinen arktischen Gemeinde gegen den Klimawandel und gesellschaftliche Veränderungen, nachdem ihre Kirche in einem Sturm einem Brand zum Opfer gefallen ist.
,Eyríki‘ ist eine Liebeserklärung an Grímsey, eine wunderschöne, abgelegene Insel vor der Küste Islands mit einer schrumpfenden Bevölkerung von nur noch etwa 25 Menschen. Als uns Regisseur Nikolai Galitzine den Film zum ersten Mal zeigte, war sofort klar, dass die Musik intim und zurückhaltend sein musste“, erklären die beiden britischen Komponisten Kathryn MacLennan und Mike MacLennan („Civilisations: Rise & Fall“) die Entstehung ihrer sehr gefühlvollen, minimalistisch instrumentierten Musik.
„Im Mittelpunkt des Films stehen die Zerstörung und der Wiederaufbau der Kirche von Grímsey. Daher schufen wir eine Palette aus Flächenklängen und Texturen, die von Kirchenglocken inspiriert sind, und verwebten sie mit der gesamten Musik. Diese werden mit Streichern – gespielt vom Geiger John Mills vom Tippett Quartet – und subtilen Synthesizern kombiniert, um eine Klangwelt zu erschaffen, die zerbrechlich und hoffnungsvoll zugleich wirkt. Es war uns wichtig, dass die Musik die emotionale Landschaft dieser abgelegenen Gemeinde widerspiegelt, die mit Bevölkerungsrückgang, Klimawandel und einer ungewissen Zukunft zu kämpfen hat, und dabei stets Raum für ihre Stimmen und Geschichten lässt.“
Markus Goller („Frau Ella“, „25 km/h“) erzählt in seinem Film „23 000 Leben“ die Geschichte des Seenotrettungsschiffes Iuventa, das 2016 und 2017 im zentralen Mittelmeer im Einsatz war, bevor es von italienischen Behörden beschlagnahmt wurde. Die Crew der Iuventa war in dieser Zeit bei 16 Einsätzen an der Rettung von mehr als 23.000 Menschen beteiligt. Volker Bertelmann („Im Westen nichts Neues“, „Konklave“)komponierte zu dem bewegenden Drama eine feinfühlige, mitreißende Musik mit Piano, Streichern und Synthesizern.
In dem Drama „Deep Quiet Room“ erzählt Ko-shang Shen die Geschichte von Ming, die nach dem Selbstmord seiner schwangeren Frau die Pflege seines Schwiegervaters übernimmt und dabei auf dunkle Familiengeheimnisse stößt, die das Motiv für Yi-tings tragische Entscheidung enthüllen.
„Für ‚Deep Quiet Room‘ sprachen Regisseur Ko-shang Shen und ich oft über Stille, nicht einfach als Abwesenheit von Geräuschen, sondern als emotionalen Raum, den das Publikum betreten kann. Ein Großteil der Musik basiert auf Zurückhaltung: zerbrechliches präpariertes Klavier, sparsame Streicher, ferne Resonanzen und wiederkehrende Melodiefragmente, die sich im Verlauf der Geschichte subtil verändern“, berichtet Hanan Townshend („The Tree of Life“) von der Arbeit an dem Drama. „Der Film durchläuft sechs emotionale Abschnitte, die jeweils eine andere Phase von Trauer, Offenbarung, Schuld und letztendlich Zerstörung widerspiegeln. Anstatt diese als separate musikalische Welten zu behandeln, suchten wir nach einem einzigen thematischen Faden, der sich organisch parallel zum Innenleben der Figuren entwickeln konnte. Viele der Musikstücke wurden aus einer, wie Ko-shang es nannte, ,göttlichen Perspektive‘ angegangen – Musik, die mit Mitgefühl statt mit Urteilen beobachtet. Selbst in den düsteren Passagen versuchten wir, offene Horrorsprache zu vermeiden und stattdessen auf Mehrdeutigkeit, stille Spannung und emotionale Schwere zu setzen. Das Ergebnis ist eine Musik, die fein zwischen Intimität und Unbehagen changiert und die Auseinandersetzung des Films mit verdrängten Traumata widerspiegelt.“
Christopher Nolan („Inception“, „Interstellar“) hat seit zwanzig Jahren davon geträumt, Homers „Odyssee“ zu verfilmen. Längst hat der Oscar-prämierte Filmemacher einen Statur erreicht, in dem er offenbar jedes Projekt realisieren kann. In der fast dreistündigen Neuverfilmung – u.a. wurde das antike Epos 1954 mit Kirk Douglas und 2024 mit Ralph Fiennes in der Titelrolle auf die große Leinwand gebracht – versucht König Odysseus (Matt Damon) nach dem Trojanischen Krieg wieder zu seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) und seinem Sohn Telemachos (Tom Holland) nach Ithaka zurückzukehren. Doch der Heimweg wird schwieriger als erwartet, denn Odysseus steht ein langes Abenteuer voller Gefahren bevor. So muss er sich unter anderem mit der Göttin Kalypso (Charlize Theron), dem Zyklopen Polyphem (Bill Irwin) und der Zauberin Circe (Samantha Morton) auseinandersetzen. 
In der Zwischenzeit macht sich in Odysseus‘ Heimat Ithaka eine Horde von potenziellen Nachfolgern breit, die gerne Penelope heiraten und dadurch den Thron für sich beanspruchen würden. Daher begibt sich Telemachos auf der Suche nach seinem Vater nun zu König Menelaos von Sparta (Jon Berthal), Odysseus‘ Mitstreiter im Trojanischen Krieg, und bittet diesen um Rat. Da der Film in der Bronzezeit spielt, wies Nolan seinen Komponisten Ludwig Göransson an, kein traditionelles Orchester zu verwenden, weil es das damals nicht gab, sondern Bronze als thematischen Anker für die Musik zu verwenden. Göransson nahm auf, wie er 35 Bronzegongs unterschiedlicher Größe sowie unkonventionelle Gegenstände wie Altmetall, Klimaanlagen, Wände und Geländer schlug. Dadurch entstand ein treibender, metallischer Puls, der sich oft nahtlos in das Sounddesign des Films einfügt. Während die Partitur stark auf rohen, perkussiven Elementen basiert, verwendete Göransson auch authentische Instrumente aus dieser Zeit. Um den melodischen Elementen Authentizität zu verleihen, verwendete er rekonstruierte Lyren und die Aulos – ein traditionelles antikes griechisches Doppelpfeifeninstrument. Um emotionales Tempo und ein menschliches Element hinzuzufügen, überlagerte er diese Klänge mit Synthesizern und ätherischen Hintergrundgesang, einschließlich Beiträgen des Künstlers James Blake.
Der Animations-Film „Winnipeg, el barco de la esperanza“ von Beitia und Elio Quiroga erzählt die Geschichte einer Odyssee von 2200 spanischen Flüchtlingen, die im September 1939 von Frankreich nach Chile segelten, um nach drei Jahren verheerenden Bürgerkriegs der Diktatur Francisco Francos zu entkommen.
„Die Komposition der Filmmusik für ,Winnipeg, el barco de la esperanza‘ war eine sehr emotionale Reise“, blickt Komponist Diego Navarro auf seine Arbeit an dem Film zurück. „Ich bin seit Beginn des Projekts im Jahr 2019 dabei, als die Produzenten mich um ein Interessenbekundungsschreiben baten, um den Soundtrack zu schreiben. Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich tief bewegt. Die Geschichte hat mich sehr berührt. Unmittelbar danach begann ich zu recherchieren und entdeckte unter anderem, dass Mitglieder eines oder mehrerer baskischer Chöre mit den Passagieren reisten. Aus offensichtlichen Gründen fand ich diese Tatsache faszinierend. Sie widmeten sich der Unterhaltung und sangen vierstimmig während der langen, beschwerlichen und einmonatigen Überfahrt nach Valparaíso, durch einen Atlantik, der von deutschen U-Booten heimgesucht wurde, und überwanden unzählige Hindernisse. Sie waren ein wesentlicher Bestandteil. Deshalb entschied ich, dass das Hauptthema neben dem Sinfonieorchester auch Chorgesang beinhalten sollte – und zwar nicht nur in diesem Stück, das den Kern der Filmmusik bildet, die ich später komponieren sollte.“
 
Playlist: 
01. Michael Giacchino - Old Pool Politics (The End of Oak Street) - 03:15 
02. David Holmes & Brian Irvine - Irish Class (Trespasses) - 04:26 
03. David Holmes - Lying to Myself My Whole Life (The Christophers) - 03:13 
04. Kathyrn MacLennan & Mike MacLennan - Fiskveiðar (Eiríki) - 04:26 
05. Adiescar Chase - The End (All Night Wrong) - 02:55 
06. Emilie Levienaise-Farrouch & Lindsay Wright - A Source Abroad (The Agency - Season 2) - 03:12 
07. Christopher Lennertz - The Truth (72 Hours) - 03:24 
08. Volker Bertelmann - 23 000 Leben (23 000 Leben) - 04:37 
09. Marcelo Zarvos - Atlantis Landing (Spacewoman) - 04:04 
10. Hanan Townshend - Living a Twisted Life (Deep Quiet Room) - 05:14 
11. Dominik Scherrer - Car Crash Guilt (The Rapture) - 03:38 
12. Ludwig Göransson - Penelope (The Odyssey) - 04:16 
13. Claudia Sarne - Supergirl Suite (Supergirl) - 03:05 
14. Atli Örvarsson - Vitamins (SILO - Season 3) - 05:02 
15. Nathaniel Mechaly - Father Uploaded (O Horizon) - 04:24 
16. Diego Navarro - Calamidad (Winnipeg, El Barco De La Esperanza) - 03:03 
17. Dan Romer - River Crossing (Little House on the Prairie - Season 1) - 03:01 
18. Ramin Djawadi - If This Be Victory (House of the Dragon - Season 3) - 05:40 
19. Ceiri Torjussen - Shabnam's Story (Delhi Crime 3) - 04:26 
20. Jeff Russo - Family (Cape Fear - Season 1) - 04:14 
21. A.R. Rahman - Nizma's Sister (BAAB) - 04:55 
22. Jason Lazarus - Klyle (Operation Taco Gary's) - 02:24 
23. François Tétaz - Love in the Shadows (My Brilliant Career) - 03:48 
24. Isabella Summers - Drive to the Field (Lucky) - 04:35 
25. Isabella Summers - Judith's Story (Ride or Die) - 03:52 
26. John Carpenter, Cody Carpenter & Daniel Davies - Resolution (Cathedral) - 03:49 
27. Michael Giacchino - Suite New Day (Spider-Man: Brand New Day) - 06:14 
28. Pino Donaggio - Don't Bring a Knife to an Axe Fight (Her Private Hell) - 09:54

Samstag, 1. August 2026

Playlist #455 vom 09.08.2026 - R.I.P. SAM NEILL (1947-2026)

Als Dr. Alan Grant in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ (1993) wurde Sam Neill weltberühmt, doch war er schon zuvor in Filmen wie „Das Omen III“ (1981), „Jagd auf Roter Oktober“ (1990) und „Todesstille“ (1989) einem größeren Publikum bekannt. Der für drei Primetime Emmy Awards und zwei Golden Globe Awards nominierte neuseeländische Schauspieler verstarb am 13. Juli 2026 im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.
In der heutigen Sendung gedenken wir dem charismatischen Darsteller mit Kompositionen von John Williams, Jerry Goldsmith, Michael Nymen, Graeme Revell, Basil Poledouris, Trevor Jones, Thomas Neman, Trevor Morris und vielen anderen.
Nigel John Dermot Neill wurde am 14. September 1947 in Omagh, County Tyrone, Nordirland, als Sohn einer Engländerin, Priscilla Beatrice Ingham, und eines Neuseeländers, Dermot Neill, geboren. Infolgedessen besaß er drei offizielle Staatsbürgerschaften: die irische, die britische und die neuseeländische. Sein Urgroßvater, Percival „Percy“ Neill, Sohn eines Weinhändlers, war von Belfast nach Australien ausgewandert, wo er in Melbourne in eine Handelsfirma eintrat. Schließlich zog er nach Neuseeland und ließ sich 1863 in Dunedin nieder. Zum Zeitpunkt von Neills Geburt war sein Vater in Nordirland stationiert und diente als Offizier bei den Royal Irish Fusiliers.
1954 zog die Familie Neill nach Neuseeland und ließ sich im Christchurch-Vorort Cashmere nieder. Neill besuchte die Cashmere Primary School und die Medbury School, eine private Vorbereitungsschule. Nach einem Jahr zogen seine Eltern und seine jüngere Schwester Juliet in den Süden, in die Heimatstadt seines Vaters, Dunedin. Als Kind stotterte Neill und hoffte, von Leuten nicht angesprochen zu werden, damit er nicht antworten müsse. Er wuchs
In der Schule nannte er sich „Sam“, weil mehrere andere Jungen Nigel hießen und weil er den Namen Nigel für einen neuseeländischen Spielplatz als etwas zu affektiert empfand. Ab 1961 war er Internatsschüler am Christ’s College, einem anglikanischen Jungeninternat und Tagesgymnasium in Christchurch.
Er besuchte die University of Canterbury in Christchurch, war sich aber bezüglich seiner beruflichen Laufbahn unsicher und entschied sich, nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und weder zum Militär noch in das Familienunternehmen einzusteigen. Er erwog ein Jurastudium, fiel aber im ersten Jahr in allen vier Modulen durch. Er wirkte in mehreren Universitätsaufführungen mit, unter anderem 1969 als Theseus in „Ein Sommernachtstraum“ und in Mervyn Thompsons Inszenierung von „Marat/Sade“.
Nach seinem Umzug nach Wellington wechselte er für ein Jahr an die Victoria University of Wellington, um seinen Bachelor of Arts abzuschließen. 1970 erwarb er dort einen Bachelor-Abschluss in Anglistik. Er spielte Macbeth in einer Universitätsproduktion und wurde als professioneller Schauspieler bei Downstage engagiert, wo er Pentheus in Euripides’ „Die Bakchen“ verkörperte.
Seinen Einstand beim Film feierte Neill mit dem neuseeländischen Fernsehfilm „The City of No“ (1971), es folgten der Kurzfilm „The Water Cycle“ (1972) und der Fernsehfilm „Hunt’s Duffer“ (1973). Neill schrieb und inszenierte Filme für die New Zealand National Film Unit, darunter „Phone“ (1974), „Flare – A Ski Trip“ (1977) und „Architect Athfield“ (1977). Er spielte auch in „Landfall“ (1975). Sein Durchbruch gelang ihm mit „Sleeping Dogs“ (1977), der erstmals auch im Ausland breite Beachtung fand.
Neill zog nach Australien, wo er eine Gastrolle in der Fernsehserie „The Sullivans“ hatte. Er spielte die romantische Hauptrolle in „My Brilliant Career“ (1979) an der Seite von Judy Davis sowie in mehreren australischen Filmen, die weniger Beachtung fanden.
1981 erhielt Neill seine erste große internationale Rolle als Damien Thorn in „The Final Conflict“. Im selben Jahr spielte er die männliche Hauptrolle in Andrzej Żuławskis Kultfilm „Possession“.
Die Verfilmung von „Ivanhoe“ aus dem Jahr 1982 machte Neill in Schweden zu einer lokalen Berühmtheit. Der Film wird dort seit vier Jahrzehnten jedes Jahr am Neujahrstag auf SVT ausgestrahlt.
Er galt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Roger Moore als James Bond, doch die Rolle ging letztendlich an Timothy Dalton.
Neill verkörperte Helden und gelegentlich auch Schurken in einer Reihe von Film- und Fernsehproduktionen, sowohl in Dramen als auch in Komödien. In Großbritannien erlangte er früh Bekanntheit und wurde für seine Darstellung von Sidney Reilly in der Miniserie „Reilly, Ace of Spies“ (1983) für einen Golden Globe nominiert. Eine seiner ersten amerikanischen Hauptrollen spielte er in „Amerika“ (1987), in dem er einen hochrangigen KGB-Offizier verkörperte, der die Besetzung und Aufteilung der besiegten Vereinigten Staaten leitete. Zu seinen Haupt- und Nebenrollen in Filmen zählen der Thriller „Todesstille“ (1989) und das zweiteilige Historienepos „La Révolution française“ (1989), in dem er den Marquis de Lafayette darstellte.
Neill
festigte seinen Status als Hauptdarsteller mit Filmen wie „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), „Tod in Braunschweig“ (1990), „Jurassic Park“ (1993), „Verführung der Sirenen“ (1994), „Das Dschungelbuch“ (1994), John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ (1995), „Event Horizon“ (1997), „Der 200 Jahre Mann“ (1999) und „Jurassic Park III“ (2001). Er wirkte weiterhin in neuseeländischen Filmen mit, darunter Jane Campions „Das Piano“ (1993), „Perfect Strangers“ (2003), „Under the Mountain“ (2009) und Taika Waititis „Wo die wilden Menschen jagen“ (2016).
Er verkörperte die Titelrolle in der Miniserie „Merlin“ (1998) und kehrte später in „Merlin 2 - Der letzte Zauberer“ (2006) in diese Rolle zurück.
Neill spielte die Hauptrolle des Kardinals Thomas Wolsey in der historischen Fernsehserie „Die Tudors“.
In „Peaky Blinders“ war er als Chief Inspector Chest Campbell zu sehen, ein korrupter und sadistischer Polizist, der von Winston Churchill zur Säuberung des Nachkriegs-Birminghams entsandt wurde.
2017 war er in „Thor: Ragnarok“ als Odin zu sehen. Dieselbe Meta-Rolle übernahm er 2022 auch in „Thor: Love and Thunder“.
2022 spielte Neill in der Foxtel-Anwaltsserie „The Twelve“ die Rolle des Brett Colby.
In seiner im März 2023 erschienenen Autobiografie „Did I Ever Tell You This?“ (‚Hab ich Dir das je erzählt?‘) gab Neill bekannt, dass er sich seit März 2022 einer Chemotherapie unterziehen müsse, nachdem bei ihm ein Angioimmunoblastisches T-Zell-Lymphom (ein Non-Hodgkin-Lymphom) diagnostiziert worden sei. Er sei nach der Therapie krebsfrei gewesen. 

Filmografie:

1975: Landfall 
1977: Schlafende Hunde (Sleeping Dogs)
1979: Meine brillante Karriere (My Brilliant Career) 
1980: Barbara’s Baby – Omen III (The Final Conflict: Omen 3)
1981: Aus einem fernen Land (Da un paese lontano)
1981: Possession
1982: Ivanhoe (Fernsehfilm)
1982: Die grünen Teufel vom Mekong (Attack Force Z) 
1982: Enigma
1983: Zwei Mädchen vom Lande (The Country Girls) 
1983: Reilly, Spion der Spione (Reilly, Ace of Spies, Fernsehserie) 
1984: Das Blut der Anderen (Le Sang des autres) 
1985: Kain und Abel (Kane and Abel)
1985: Bandit aus gutem Hause – Die Captain Starlight Legende (Robbery Under Arms) 
1985: Eine demanzipierte Frau (Plenty)
1985: Nur die Liebe allein (For Love Alone)
1986: The Good Wife (The Umbrella Woman) 
1986: Strong Medicine – Tödliche Dosis (Strong Medicine) 
1987: Amerika (Fernsehserie)
1988: Im Zweifel für das Leben – Sieg über den Krebs (Leap of Faith)
1988: Ein Schrei in der Dunkelheit (A Cry in the Dark)
1989: Todesstille (Dead Calm) 
1989: Die Französische Revolution – Jahre der Hoffnung/Jahre des Zorns (La révolution française)
1990: Jagd auf Roter Oktober (The Hunt for Red October) 
1990: Gesellschaft für Mrs. Di Marco (Death in Brunswick)
1991: Allein gegen den Wind (One Against The Wind) 
1991: Undercover – Geiseln des Terrors (The Hostage)
1991: Fieber des Bösen (Fever)
1991: Bis ans Ende der Welt
1992: Das Piano (The Piano)
1992: Anschlag auf die Rainbow Warrior (The Sinking of the Rainbow Warrior)
1992: Jagd auf einen Unsichtbaren (Memoirs of an Invisible Man) 
1993: Szenen einer Familie (Family Pictures) – Regie: Philip Saville 
1993: Jurassic Park – Regie: Steven Spielberg 
1994: Eine Liebe in Australien (Country Life)
1994: Victory
1994: Verführung der Sirenen (Sirens) 
1994: Das Dschungelbuch (The Jungle Book) 
1994: Die Mächte des Wahnsinns (John Carpenter’s In the Mouth of Madness) 
1995: Forgotten Silver
1995: Zeit der Sinnlichkeit (Restoration) 
1996: Kaltblütig 1. + 2. Teil (In Cold Blood, Part 1 + 2) 
1996: Children of the Revolution
1997: Schneewittchen (Snow White: A Tale of Terror)
1997: Hering auf der Hose (The Revengers’ Comedies) 
1997: Event Horizon – Am Rande des Universums (Event Horizon) 
1998: Der Pferdeflüsterer (The Horse Whisperer) 
1998: Merlin
1999: Molokai: The Story of Father Damien
1999: Der 200 Jahre Mann (Bicentennial Man)
2000: The Dish
2000: Der Zauberpudding (The Magic Pudding, Stimme) 
2000: Sally Hemings: An American Scandal (Fernsehfilm) 
2001: Jurassic Park III
2001: Gefangen in eisigen Tiefen (Submerged, Fernsehfilm)
2001: The Zookeeper
2002: Doktor Schiwago (Doctor Zhivago)
2002: The Master Criminal (Framed)
2003: Perfect Strangers 
2002: Dirty Deeds – Dirty Business (Dirty Deeds) 
2004: Wimbledon – Spiel, Satz und … Liebe (Wimbledon)
2004: Yes  
2005: Little Fish
2005: To the Ends of the Earth (Miniseries, 3 Episoden) 
2006: Unwiderstehlich (Irresistible) 
2006: Merlin 2 – Der letzte Zauberer (Merlin’s Apprentice)
2006: Bermuda Dreieck – Tor zu einer anderen Zeit (The Triangle) 
2007: Angel – Ein Leben wie im Traum (Angel)
2007: Die Tudors (The Tudors, Fernsehserie) 
2008: Dean Spanley 
2008: Skin – Schrei nach Gerechtigkeit (Skin)
2008–2010: Crusoe (Fernsehserie) 
2009: Daybreakers 
2009: I Am You – Mörderische Sehnsucht (In Her Skin) 
2009: Under the Mountain 
2010: Happy Town (Fernsehserie) 
2010: Die Legende der Wächter (Legend of the Guardians: The Owls of Ga’Hoole, Stimme) 
2011: The Hunter 
2011: Ice – Der Tag, an dem die Welt erfriert (Ice, Fernsehfilm) 
2011: Das Geheimnis der Drachenperle (The Dragon Pearl) 
2012: Für immer Liebe (The Vow) 
2012: Alcatraz (Fernsehserie, 13 Episoden) 
2013: Escape Plan 
2013: Der Abenteurer – Der Fluch des Midas (The Adventurer: The Curse of the Midas Box) 
2013–2014: Peaky Blinders – Gangs of Birmingham (Peaky Blinders, Fernsehserie) 
2014: A Long Way Down
2014: United Passions
2015: Und dann gabs keines mehr (And Then There Were None, Miniserie) 
2015: MindGamers
2015: Backtrack – Tote vergessen nicht (Backtrack)
2015: Die Wildente (The Daughter)
2016: Wo die wilden Menschen jagen (Hunt for the Wilderpeople)
2017: Sweet Country
2017: Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok)
2018: The Commuter
2018: Peter Hase (Peter Rabbit)
2019: Rick and Morty (Fernsehserie, Episode 4x02, Stimme) 
2019: Ride Like a Girl – Ihr größter Traum (Ride Like a Girl)
2019: Blackbird – Eine Familiengeschichte (Blackbird)
2020: Besser wird’s nicht (Rams)
2021: Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker (Peter Rabbit 2: The Runaway, Stimme)
2021: Infiltration (Fernsehserie, Episode 1x01) 
2022: Jurassic World: Ein neues Zeitalter (Jurassic World Dominion)
2022: Thor: Love and Thunder
2022–2025: The Twelve (Miniserie) 
2023: The Portable Door
2023: Assassin Club
2025: The Fox (Stimme) 
2025: Untamed (Miniserie, 6 Episoden)

Playlist:

01. Jeff Russo - Sorry (Untamed) - 04:21 
02. Jerry Goldsmith - Main Title (The Final Conflict) - 03:25 
03. Graeme Revell - Storm Is Coming / Back to John (Dead Calm) - 06:19 
04. Bruce Smeaton - Plenty (Plenty) - 03:59 
05. Georges Delerue - Déclaration des Droits de l'homme (La révolution française) - 04:48 
06. Basil Poledouris - End Title (The Hunt For Red October) - 04:40 
07. Rafael May - Critical Theory (The Twelve - Season 1) - 03:52 
08. Bruce Smeaton - Main Title (A Cry In the Dark) - 03:27 
09. Shirley Walker - In A State of Molecular Flux (Memoirs of an Invisible Man) - 04:03 
10. Michael Nyman - Promise (The Piano) - 04:16 
11. John Williams - Welcome to Jurassic Park (Jurassic Park) - 07:53 
12. Rachel Portman - The Yearning / Sirens Suite (Sirens) - 03:27 
13. Basil Poledouris - Mowgli (The Jungle Book) - 03:40 
14. James Newton Howard - The Fire (Restoration) - 03:18 
15. John Ottman - Claudia Arrives (Snow White) - 03:01 
16. Graeme Revell - Harmonica III (Until the End of the World) - 03:42
17. Thomas Newman - The Rhythm of the Horse (The Horse Whisperer) - 03:15 
18. Trevor Jones - May Angels Fly Thee Home (Merlin) - 08:15 
19. James Horner - A New Home / Passage of Time (Bicentennial Man) - 04:18 
20. Iva Davies - Opening Episode 2 (The Incredible Journey of Mary Bryant) - 03:03 
21. Philippe Rombi - A Gift From Paradise (Angel) - 04:24 
22. Trevor Morris - A Historic Love (The Tudors - Season 1) - 03:00 
23. Peter Gregson - Paul Walks Alone (Blackbird) - 03:53  
24. John Carpenter & Jim Lang - The Portal Opens (In the Mouth of Madness) - 03:06 
25. Fernando Velázquez - Otto's Secret Room (The Adventurer- The Curse Of The Midas Box) - 02:56 
26. Ales Heffes - Striking A Deal With Hobbs (Escape Plan) - 05:05 
27. Michael Giacchino - Suite, Suite Dino Revenge (Jurassic World: Dominion) - 08:58

Sonntag, 21. Juni 2026

Playlist #452 vom 28.06.2026 - Neuheiten 2026 (3)

Auf den Mattscheiben und Leinwänden kehrt Altbekanntes zurück. Hier ein Themenpark zur „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe, dort das Sequel zu „Der Teufel trägt Prada“ und schließlich ein Remake des einst gefloppten Superhelden-Spektakels „Masters of the Universe“. In der heutigen Sendung gibt es neben den Soundtracks zu diesen Filmen auch Serien-Highlights neuer Staffeln von „Euphoria“, „Citadel“ und „Good Omens“ sowie den neuen Serien „Watson“ und „Dutton Ranch“. Freut euch auf Musik von Daniel Pemberton, Hans Zimmer, John Powell, Jeff Russo, John Williams, Volker Bertelmann, Christopher Young und vielen anderen.
In Orlando hat Universal mit „How to Train Your Dragon – Isle of Berk“ einen neuen Themenpark (nach „The Wizarding World of Harry Potter – Ministry of Magic“, „Super Nintendo World“ und „Dark Universe“ mit klassischen Monstern) eröffnet. Zu den Highlights der Ankündigung gehören neben den vielen interaktiven Drachen-Erlebnissen und der „Hiccup’s Wing Gliders“-Achterbahn die orchestrale Musik von John Powell, der bereits die Scores zu den Filmen der „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe komponierte.
David Oyelowo spielt in Nate Parkers Thriller-Drama „Newborn“ die Titelfigur, die nach sieben Jahren in Einzelhaft versucht, sich ein neues Leben aufzubauen und wieder eine Bindung zu seiner Familie herzustellen – doch er muss feststellen, dass die Freiheit zu einem beängstigenden psychologischen Schlachtfeld geworden ist.
„Musikalisch ist die Welt der Einzelhaft zutiefst psychologisch geprägt und unerbittlich. Sie wirkt einerseits karg und gedämpft, andererseits aber auch weitläufig und intensiv, um die erschütternde Tiefe echter Isolation zu veranschaulichen. Schon früh im Produktionsprozess ließ Regisseur Nate Parker uns Originalaufnahmen aus Einzelhaftzellen hören – etwa das Schlagen von Häftlingen gegen Türen und Fenster. Dies wollten wir in der Filmmusik durch aggressive Metallklänge nachempfinden, die zwar rhythmisch die Konturen des Familienthemas nachzeichnen, dies jedoch in einem Ton der Verzweiflung tun. Während Chris versucht, diese Welt hinter sich zu lassen, unternimmt die Familie einen Ausflug nach Windor Peak – gedreht im stimmungsvollen Vancouver“, erzählt Komponist Anthony Willis. In Stücken wie ‚Looking for Peace‘ und ‚The Perfect Day‘ baut er eine Bindung zu seinem Sohn Jake auf; die Musik spiegelt dabei die Wärme und Intimität des Familienlebens wider – ein Gefühl der Wiederannäherung und des Nachhausekommens. Doch immer wieder wird er durch seine Umgebung und quälende Halluzinationen – etwa in ‚Visions of Prison‘ und ‚Build, Cell, Run‘ – aus der Bahn geworfen und beginnt, alles um sich herum infrage zu stellen.“
Volker Bertelmann hat bereits mit seiner Oscar-prämierten Musik zur Neuverfilmung des Klassikers „Im Westen nichts Neues“ Erfahrungen mit Kriegsfilmen machen können. Nun vertonte er mit „Pressure“ die britisch-französische Filmproduktion des australischen Filmemachers Anthony Maras, die wiederum auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Haig basiert, das erstmals im Jahr 2014 uraufgeführt wurde. Der Film spielt in den 72 Stunden vor der geplanten alliierten Invasion in die Normandie, die von einem entscheidenden Element abhängt: das englische Wetter. Der britische Chefmeteorologe James Stagg steht vor der Aufgabe, die wichtigste Wettervorhersage der Geschichte zu liefern, was ihn in eine angespannte Pattsituation mit der gesamten alliierten Führung bringt. Falsche Bedingungen könnten die größte Seeinvasion aller Zeiten zum Scheitern bringen, während jede Verzögerung die Gefahr birgt, dass der deutsche Geheimdienst Wind von der Sache bekommt. Nur seinem vertrauten Adjutanten Captain Kay Summersby kann er sich anvertrauen, und die katastrophale Generalprobe für den D-Day verfolgt ihn, so liegt die endgültige Entscheidung beim Oberbefehlshaber der Alliierten, General Dwight D. Eisenhower…
Deborah Correa hat mit „The War Between“ Western-Drama inszeniert, das 1862 im Arizona-Territorium spielt. In den ersten Monaten des Bürgerkriegs müssen hier zwei feindliche Soldaten zusammenarbeiten, um zu überleben, nachdem sie in der Sonora-Wüste gestrandet sind.

„Schon seit meiner Kindheit liebe ich Geschichten über den Wilden Westen und den Bürgerkrieg. Als Kind schlich ich mich sogar heimlich ins örtliche Kino, um den neuesten John-Wayne-Film zu sehen – ein kleines, aber feines Vergnügen für mich. Dort wurde mir erstmals bewusst, welche Wirkung Filmmusik hat; ich war fasziniert und wollte unbedingt wissen, wie diese Art von Filmmagie entsteht“, erzählt Filmkomponist Dennis Dreith. „Als mich Ron Yungul – Autor und Produzent von ‚The War Between‘ – anfragte, ob ich die Musik für seinen im Arizona-Territorium spielenden Bürgerkriegsfilm komponieren wolle, ergriff ich sofort die Gelegenheit. Die Zusammenarbeit mit Filmemachern, die ihr erstes Projekt realisieren, kann durchaus eine Herausforderung sein, ist aber auch sehr bereichernd, da man ihnen zeigen kann, was Musik für einen Film bewirken kann. In diesem Fall hatten die Filmemacher eine klare Vorstellung von ihrem Projekt, die sich wunderbar mit meiner eigenen Vision deckte. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war eine Mischung aus Aaron Copland und Earl Klugh, gepaart mit einer Hommage an die klassischen Soundtracks der Westernfilme vergangener Zeiten.“

Einst komponierte Genre-Spezialist Christopher Young die Musik zu großartigen Horror-Werken wie Clive Barkers „Hellraiser“, dessen Fortsetzung „Hellraiser II“, George A. Romeros „The Dark Half“ oder Sam Raimis „The Gift“. Mittlerweile wird der Altmeister nur noch für B-Movie-Produktionen wie dem verpatzten Remake von „Friedhof der Kuscheltiere“, dem Okkult-Horror „The Offering“ oder dem Mystery-Horror „The Piper“ engagiert. In diese Reihe gehört auch „Passenger“. Für die moderne „Jeepers Creepers“-Variante komponierte Young zwei verschiedene Arten von Musik. Während die „Passenger“-Cues gruselige Horror-Klänge präsentieren, bieten die „St. Christopher“-Stücke sakrale Chöre ohne instrumentale Begleitung. 

„Als ich die CD mit der Filmmusik zusammenstellte, beschloss ich, das eigentliche Material aus dem Film als Ausgangspunkt für eine Suite von Ideen zu nutzen, die zu einer eigenen musikalischen Erzählung weiterentwickelt wurden. Angelehnt an den Ablauf eines Gottesdienstes beginnt das Werk mit einem Vorspiel für Streichorchester (anstelle des üblichen Orgelvorspiels). Darauf folgen drei Abschnitte: Im ersten Teil singen ein Knaben- und ein Männerchor einen eigens komponierten Hymnus im Stil traditioneller episkopaler Chormusik; dieser steht für die Figur des Heiligen Christophorus. Es schließt sich eine Prozession von Geistlichen an, die Trommeln und Glocken spielen. Schließlich folgt auf diesen Abschnitt das düstere Material – jene Musik, die „The Passenger“ (den Passagier) repräsentiert. Die beiden verbleibenden Teile der Partitur sind nach demselben Prinzip aufgebaut.“

Damit gelingt Christopher Young einmal mehr das Kunststück, unauffällige Horror-Produktionen mit seiner versierten Musik extrem aufzuwerten.
1987 inszenierte Gary Goddard mit „Masters of the Universe“ mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle ein trashiges-Action-Science-Fiction-Abenteuer, das seinen Ursprung in einer Spielzeugreihe aus dem Jahr 1982 hatte und in dem der heroische Krieger He-Man gegen den bösen Lord Skeletor und seine Armeen der Dunkelheit um die Kontrolle über Castle Grayskull kämpfte. Fast vierzig Jahre später versucht sich nun Regisseur Travis Knight („Kubo: Der tapfere Samurai“, „Bumblebee“) an einer Wiederbelebung, bewahrt in seiner Interpretation der Geschichte den skurrilen Ton der 80er-Jahre-Realverfilmung. Der gerade einmal zehn Jahre alte Prinz Adam stürzt mit seinem Raumschiff auf dem Planeten Erde ab und wird dabei von seinem mächtigen magischen Schwert getrennt, das ihn mit seiner Heimat Eternia verbindet. Erst fast zwei Jahrzehnte später findet er die kraftvolle Klinge wieder und wird durch ihre magischen Kräfte durch das All zurück auf seinen mittlerweile ziemlich anders aussehenden Heimatplaneten gewirbelt. Der wurde nämlich während seiner Abwesenheit von Skeletor übernommen und während dieser Schreckensherrschaft regelrecht in Schutt und Asche gelegt. Um Skeletor also besiegen zu können, muss Prinz Adam erst einmal die Geheimnisse seiner eigenen Vergangenheit aufdecken und zu He-Man, dem mächtigsten Mann des Universums, werden. Zum Glück kann er dabei auch auf seine engsten und treuesten Verbündeten zählen: Teela und Duncan aka Man-at-Arms.
Um He-Mans Verwandlung vom durchschnittlichen jungen Mann zu einem allmächtigen Wesen – jemandem, der ein Schwert führt, das sonst niemand handhaben kann – musikalisch zu untermalen, arbeitete Komponist Daniel Pemberton mit dem Queen-Mitbegründer Brian May gemeinsam an dem Titelsong „Electrica“. Dabei handelt es sich um eine dreiminütige Ballade, die einen 100-köpfigen Chor, ein 80-köpfiges Orchester, eine Rockband und zahlreiche Synthesizer vereint.

„Ich wollte, dass sich ein erwachsener Mann wieder wie ein kleiner Junge fühlt und ein kleiner Junge wie ein erwachsener Mann“, sagt Pemberton im Interview mit "Variety". „Ich wollte etwas, das die Wucht und Ernsthaftigkeit eines Hard-Rock-Songs besitzt, gepaart mit der Farbigkeit, dem Camp-Faktor und dem leicht Kitschigen eines eingängigen Euro-Pop-Songs. Die Einflüsse jener Zeit waren stark vom Pop geprägt. Der Song sollte genau diese Stimmung vermitteln: Sobald der Film beginnt, weiß man, dass einen etwas Unterhaltsames erwartet. Das ist das Wichtigste an diesem Film – er macht einfach ungeniert Spaß.“

In Ricardo de Montreuils Drama „Mistura“ gerät das Leben einer Frau aus den Fugen, als sie durch den Verrat ihres Mannes aus der Welt der High Society verstoßen wird. Sie wendet sich Randgruppen zu und begibt sich auf eine Reise der Wandlung; mit einem gewagten kulinarischen Unterfangen stellt sie gesellschaftliche Normen infrage und definiert ihr Leben völlig neu.
„Als Regisseur Ricardo de Montreuil mir erstmals Standbilder vom Set von ,Mistura‘ zeigte, war ich sofort fasziniert. Die Bilder besaßen eine leuchtende, zeitlose Qualität, die an ein Meisterwerk mit Sophia Loren erinnerte – eine Rückkehr zu einer Art von exquisiter Filmkunst, wie ich sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Doch als ich den fertigen Film sah, entfaltete sich eine tiefere, emotional unmittelbarere Geschichte. Wir begleiten Norma, eine Frau aus privilegierten Verhältnissen, der plötzlich ihre Welt genommen wird; sie steht vor dem Nichts und ist von jener Elite-Gesellschaft isoliert, die einst ihr Leben bestimmt hatte. Ihre Reise ist geprägt von radikalem Wandel: Sie öffnet sich für Gemeinschaften, die zuvor keine Rolle für sie spielten, und fordert den Status quo durch ein gewagtes kulinarisches Projekt heraus, das schließlich ihre Seele neu definiert. Die größte Herausforderung bei der Komposition für ,Mistura‘ bestand darin, eine Klangsprache zu finden, die sowohl die äußere Schönheit von Normas Träumen als auch den inneren Kampf um ihr Überleben einfangen konnte“, berichtet Komponist Timothy Williams von der Arbeit an „Mistura“. „Die Musik musste einerseits so kultiviert wirken wie ihre Vergangenheit, andererseits aber auch so ungefiltert und rau wie ihre Gegenwart. Während Normas Themen oft durch elegante Klavier- und Streicherarrangements getragen werden, bildet die Figur des Oscar einen essenziellen Gegenpol. Um seine Welt musikalisch darzustellen, integrierte ich ein lebendiges ‚Street-Flair‘, bei dem der legendäre Alex Acuña am Schlagwerk mitwirkte. Seine rhythmischen Texturen bilden den Herzschlag der lokalen Kultur und fungieren als Katalysator, der Normas Entwicklung vorantreibt. Ganz im Sinne des Filmtitels ist auch die Filmmusik eine ‚Mistura‘ – eine bewusste Mischung. Wir verbanden klassische Strukturen mit traditionellen rhythmischen Wurzeln, um Normas Weg aus den Salons der High Society hinein in das pulsierende Herz der Gemeinschaft widerzuspiegeln.“ 
„Disclosure Day“ stellt die 30. Zusammenarbeit zwischen Regisseur Steven Spielberg und Maestro John Williams dar. Obwohl Williams dem Filmemacher vier andere Komponisten vorschlug, konnte sich Spielberg am Ende durchsetzen und den versierten Komponisten zu einem melodischen, sehr ruhigen Score zu dem Science-Fiction-Film überreden, der zwar etwas an Spielbergs Meisterwerk „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erinnert, sich aber in einem entscheidenden Punkt von „Disclosure Day“ unterscheidet.
„Die Filmmusik zu ,Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ hat fast opernhaften Charakter, sie führt den Film an – sie ist dem Film gewissermaßen voraus“, meinte Spielberg in einem Interview. „Bei ,Disclosure Day‘ wollte ich hingegen, dass Johns Musik hinter dem Film steht, ihn gleichsam unterfüttert. Sie sollte den Film tragen, aber nicht zu sehr abheben lassen; sie sollte ihn lenken und stützen, sich aber niemals in den Vordergrund drängen.“

Playlist: 

01. John Powell - Fate of the Hidden World (How to Train Your Dragon - Isle of Berk) - 03:22 
02. Anthony Willis - Solitary Suite (Newborn) - 06:08 
03. Volker Bertelmann - Pressure Ending Credits (Pressure) - 06:22 
04. Dennis Dreith - Reunion and Loss (The War Between) - 03:27 
05. Christopher Young - St. Christopher #1 (Passenger) - 04:25 
06. Hans Zimmer - Rue Romance (Euphoria - Season 3) - 08:47 
07. Nick Cave & Warren Ellis - Shootout (Detective Hole) - 03:41 
08. Dickon Hinchliffe - Remarkable Bright Creatures (Remarkable Bright Creatures) - 03:04 
09. John Williams - Memory... (Disclosure Day) - 04:07 
10. Kris Bowers & Michael Dean Parsons - You Loved Me at My Worst (Spider-Noir) - 03:13 
11. Volker Bertelmann - Singing Together (La Bataille de Gaulle - L’Âge de fer) - 03:30 
12. Brian Tyler & Breton Vivian - Texas Train Station (Dutton Ranch - Season 1) - 03:22 
13. Arturo Cardelùs - Misericordia (Terra Alta) - 02:39 
14. Nick Foster & Sam Thompson - Landing (The Balloonists) - 04:01 
15. Max Aruj - She Needs You (Man on Fire) - 03:41 
16. Daniel Pemberton - Young Adam (Masters of the Universe) - 03:46 
17. Rupert Gregson-Williams - Crawl (Prisoner) - 03:48 
18. Paul Leonard-Morgan - Take Care of the Babies (Watson - Seasons 1 & 2) - 03:04 
19. Timothy Williams - If I Lost You (Mistura) - 04:10 
20. David Arnold - Jesus Is Confused (Good Omens 3) - 03:06 
21. Theodore Shapiro - Timeless (The Devils Wear Prada 2) - 04:03 
22. Siddhartha Khosla - She's Gone (Swapped) - 04:27 
23. Federico Jusid - A Message From Home (Star City) - 03:16 
24. Mike Forst - We Gotta Move (Seven Snipers) - 03:26 
25. Will Bates - Lonely Boy Absolved (Tuner) - 04:04 
26. Austin Wintory - Happy Birthday Little Buddy (SWAPMEAT) - 06:57
27. Randy Newman - Tech Boom (Toy Story 5) - 03:05
28. Jeff Russo - Citadel Redux [Broken] (Citadel - Season 2) - 08:04

Freitag, 1. Mai 2026

Playlist #448 vom 03.05.2026 - Neuheiten 2026 (2)

Zwar geht das Serienangebot bei den Streaming-Diensten nach wie vor leicht zurück, dafür konzentrieren sich Netflix, Amazon Prime, Disney+ & Co. auf das Wachstum qualitativ hochwertiger Serien-Produktionen. Das schlägt sich natürlich auch in der Veröffentlichung dazugehöriger Soundtracks nieder, von denen in dieser Sendung wieder mehrere zu hören sind, darunter Taylor Sheridans („Yellowstone“, „Tulsa King“) neuer Serien-Hit „The Madison“ mit den Hollywood-Stars Michelle Pfeiffer und Kurt Russell in den Hauptrollen, neue Staffeln von „Outlander“ und „Paradise“ und neue Serien wie „Scarpetta“. Abgerundet wird die Sendung mit der Musik zu Dokumentationen wie „Dinosaurs“ und „The Peace Particle“ sowie zu Filmen wie „Mother Mary“, „Shelter“ und „The Faithful“.

In Justin Chadwicks Action-Thriller „Brothers Under Fire“ spielt „24“-Star Kiefer Sutherland den Squad-Captain Wright, der mit seinen Soldaten die Erlaubnis erhält, an der Hochzeit eines Kameraden in Mexiko teilzunehmen. Als das Dorf, in dem die Feierlichkeiten stattfinden, von einem Kartell überrannt wird, müssen Wright und sein Squad zu den Waffen greifen, um zu überleben... Entsprechend mexikanisch angehaucht präsentiert sich auch der sonst naturgemäß actionlastige Score von Alex Heffes, der zudem den Score zu Peter Webbers Science-Fiction-Thriller „DRAGN“ bereitgestellt hat.
Jeff Russo, der in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Beiträge zum „Star Trek“-Universum bekannt geworden ist, komponierte zusammen mit Perrine Virgile die Musik zur Serien-Adaption der langjährig erfolgreichen „Scarpetta“-Thriller-Reihe von Patricia Cornwell. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta wird dabei von Nicole Kidman verkörpert.
„Shelter“ ist der neue Action-Thriller von „Angel Has Fallen“-Regisseur Ric Roman Waug. Darin ordnet der resolute Ex-MI6-Chef Manafort (Bill Nighy) ohne mit der Wimper zu zucken Morde auf britischem Boden an, wobei er den Verlust des einen oder anderen unbescholtenen Bürgers oder gar eines Polizisten billigend in Kauf nimmt. Doch als Manafort seinen Computer einschaltet und auf dem Desktop den Steckbrief eines alten Bekannten Michael Mason (Jason Statham) entdeckt, wird es kompliziert. Mason, der es sich als Einsiedler auf einer Insel vor der Küste Schottlands gemütlich gemacht hat, bekommt es mit einer elitären Schattenarmee des korrupten Spionageapparats zu tun, weiß sich aber durchaus zur Wehr zu setzen. Musikalisch vertont wurde das bodenständige Action-Spektakel von David Buckley („Kandahar“, „Greenland 2“).
Regisseur Mark David erzählt in seinem Drama „Mr. Wonderful“ die Geschichte über drei Generationen von Männern – ein Millennial auf der Flucht vor einem Drogendealer, sein Vater (ein desillusionierter Professor, der um seinen Job kämpft) und der Familienpatriarch, der mit Demenz zu kämpfen hat – , die um den Sinn des Lebens ringen.
„,Mr. Wonderful‘ schildert das Leben eines College-Professors und Schriftstellers, der sich mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung seines Lebens auseinandersetzen muss, mit einem Sohn, der in die falschen Kreise gerät, dem Herzschmerz über die verheerenden Folgen der Demenzerkrankung seines Vaters und dem Schmerz des Verlustes“, erzählt Komponist John Koutselinis. „Die Filmmusik sollte das Leben in all seinen Facetten widerspiegeln: einfach, herzerwärmend, fröhlich und manchmal auch herzzerreißend. Ich freute mich über die Gelegenheit, einige Lieder für den Soundtrack zu schreiben, wodurch ich mit einer anderen Instrumentierung arbeiten konnte. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, eine von ,Mr. Wonderful‘ inspirierte Orchestersuite mit dem Titel ‚A Life Fulfilled‘ zu komponieren, die ich meinem Lehrer widmete, der ebenfalls schwer an Demenz litt.“
Der niederländische Pianist, Komponist und Produzent Pieter de Graaf zählt zu den interessantesten zeitgenössischen Instrumentalisten der Niederlande. Seine Musik, die neoklassische, Jazz- und elektronische Elemente vereint, sprengt nicht nur Genregrenzen, sondern bleibt dabei zutiefst emotional und filmisch. De Graaf studierte am Konservatorium Jazzpiano und entwickelte ein besonderes Talent in Improvisation und Experimentierfreude. Sein unkonventioneller Umgang mit dem Klavier – er verwendet Gummischlägel, Essstäbchen, Klebeband und Tücher auf den Saiten – verwandelt das Instrument in ein ganzes Klanguniversum. Kombiniert mit analogen Synthesizern, subtiler Elektronik und unerwarteten Klangquellen bewegen sich seine Kompositionen nahtlos zwischen Intimität und Intensität. Für Johannes Grenzfurthners Horror-Drama „Solvent“ komponierte Pieter de Graaf im Jahr 2024 seine erste Filmmusik. Der Film handelt von der Suche nach Nazi-Dokumenten in Österreich, wobei Forscher unter einem Bauernhaus auf ein dunkles Geheimnis stoßen. Während der Auswanderer Gunner Holbrook dem Rätsel nachgeht, verliert er zunehmend den Bezug zur Realität. Er kämpft gegen eine finstere Macht und versucht verzweifelt, sein Leben zu retten.
„Ich lernte den Regisseur, Johannes Grenzfurthner, in Österreich kennen, und wir verstanden uns auf Anhieb auf einer kreativen Ebene. Kurz nach unserem Treffen bat er mich, die Filmmusik zu komponieren, und es gab nie Zweifel an einer Zusammenarbeit. Das Besondere an diesem Prozess war die künstlerische Freiheit, die er mir gewährte“, berichtet Pieter de Graaf. „Abgesehen von der Bitte um einen durchgehend düsteren Unterton im gesamten Film und einer hebräischen Version von ‚Die Gedanken sind frei‘ für den Abspann, ließ er mir freie Hand bei der Interpretation des Restes. Ich sah mir einfach den Film an, ließ mich inspirieren und komponierte intuitiv. Die Zusammenarbeit verlief reibungslos und natürlich, mit nur wenigen kleineren Anpassungen. Der Soundtrack unterscheidet sich von meinen üblichen Klavierkompositionen. Stattdessen experimentierte ich mit Klängen, darunter meine Stimme, Spielzeuginstrumente und ungewöhnliche Effekte wie das Pusten in Weinflaschen, kombiniert mit orchestralen Elementen.“

Playlist:

01. Alex Heffes - Isabella & Alberto (Brothers Under Fire) - 03:40 
02. Jeff Russo & Perrine Virgile - Necessary Secrets (Scarpetta) - 03:58 
03. David Buckley - The Island (Shelter) - 03:35 
04. Henry Jackman - Mutiny (The Bluff) - 03:04 
05. Siddharta Khosla - Deadzone (Imperfect Women) - 05:10 
06. Siddhartha Khosla - Gary (Paradise - Season 2) - 07:29 
07. Tom Howe - Imagining the Play (American Classic) - 02:57 
08. Tom Howe - Kenna Tries to Visit (Reminders of Him) - 05:07 
09. Daniel Pemberton - Box in a Box (Project Hail Mary) - 04:23 
10. Alex Heffes - Dragons & Princesses (DRAGN) - 02:32 
11. Breton Vivian - Bumpy Over the Mountains (The Madison) - 04:03 
12. Armand Amar - Hadara retrouve sa mère (L'enfant du désert) - 03:42 
13. John Koutselinis - The Funeral (Mr. Wonderful) - 06:06 
14. Paul Leonard-Morgan - Enough Madness (Pretty Lethal) - 03:24 
15. Will Bates - Turning 18 Soon (Rosemead) - 03:52 
16. Daniel Hart - The Greatest Song (Mother Mary) - 05:49 
17. Harry Gregson-Williams & Ryder McNair - Head Held High (Normal) - 03:16 
18. Eric Neveux - Discouragement (Traqués) - 05:09 
19. Sam Thompson - Geneva (The Peace Particle) - 04:27 
20. Benjamin Wallfisch - Sarah (The Faithful) - 03:11 
21. Taro Iwashiro - Adorable Smile (One Last Love Letter) - 03:30 
22. Lorne Balfe - All About the Food Chain (Dinosaurs) - 03:51 
23. Pieter de Graaf - Just an American Saying (Solvent) - 04:15 
24. Bear McCreary - Bree and Roger (Outlander - Season 8) - 04:50 
25. Alberto Iglesias - Dedos como patas de elefante (Amarga Navidad) - 08:53 
26. Guillaume Roussel - Les Rayons et les Ombres (Les Rayons et les Ombres) - 09:45

Sonntag, 15. Februar 2026

Playlist #443 vom 22.02.2026 - MICHELLE YEOH Special

Das chinesische Publikum hatte Michelle Yeoh bereits Mitte der 1990er Jahre mit Hauptrollen in Filmen wie „In the Line of Duty – Ultra Force 2“, „Police Story 3“ und „Wing Chun“ erobert. Seit ihrem bemerkenswerten Auftritt als chinesische Agentin in „James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“ (1997) ist sie auch den internationalen Kinogängern ein Begriff und begeisterte weltweit ihr Publikum mit Auftritten in „Tiger and Dragon“ (2000), „Die Geisha“ (2005), „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ (2008) und „The Lady“ (2011). Nachdem sie 2022 als erste Schauspielerin asiatischer Abstammung mit dem Oscar für die beste Hauptrolle in „Everything Everywhere All at Once“ ausgezeichnet wurde, erhielt sie kürzlich bei der 76. Berlinale den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Grund genug, ihre Arbeit in der folgenden Sendung mit Musik von Komponisten wie John Williams, David Arnold, Tan Dun, Eric Serra, Jeff Russo, Shigeru Umebayashi, Mark Isham u.v.a. zu würdigen.
Michelle Yeoh wurde am 6. August 1962 im malaysischen Ipoh als Tochter von Nachkommen chinesischer Einwanderer geboren. Bereits in frühen Jahren betrieb sie etliche Sportarten wie Schwimmen, Tauchen und Squash, erhielt ab ihrem vierten Lebensjahr Ballettunterricht, später auch in Klavier und Kalligrafie. Nachdem sie im Alter von 15 Jahren ein Internat in England besuchte hatte, studierte sie an der London Royal Academy of Dance im Hauptfach Ballett, doch musste sie eine angestrebte Ballettkarriere nach einem schweren Sturz mit einer Verletzung an der Wirbelsäule aufgeben. Stattdessen erwarb sie 1982 einen Bachelor in „Creative Arts“ mit dem Nebenfach Schauspiel. Während Yeoh eigentlich ihre Ausbildung in England fortsetzen wollte, meldete ihre Mutter sie ohne ihr Wissen bei einem Schönheitswettbewerb an, worauf sie zur Miss Malaysia 1983 gewählt wurde. In dieser Funktion diente sie als auch als Goodwill-Botschafterin für ihr Land und lernte dabei in Hongkong den Geschäftsmann Dickson Poon kennen, der sie für zwei Werbespots engagierte, wo sie zusammen mit Chow Yun-fat und Jackie Chan auftrat.
Poon engagierte sie im Jahr 1984 für eine Rolle in Sammo Hungs Actionkomödie „The Owl vs. Dumbo“, der von D&B Films, dem kürzlich gegründeten Filmstudio von Poon, produziert wurde. Hier hatte sie noch eine typische Frauenrolle ohne Action. Allerdings wünschte sie sich bereits zu dieser Zeit Rollen mit Action-Szenen zu spielen, wie Sammo Hung in diesem Film, womit sich D&B Films einverstanden erklärte. Als Vorbereitung auf den nächsten Film trainierte Yeoh intensiv Kung Fu. Im Jahr 1985 trat sie in einer Cameo-Rolle in Jackie Chans und Sammo Hungs Actionkomödie „Tokyo Powerman“ auf, in der sie ihren ersten Kampf vor der Kamera hatte.
In „Ultra Force 2“ (1985) hatte Yeoh zusammen mit Cynthia Rothrock ihren ersten großen Auftritt. Sie spielte eine furchtlose Polizistin und drehte zahlreiche Stunts. Der Film beeinflusste nicht nur das Geschlechterverhältnis in Hongkong, sondern machte Yeoh auf einen Schlag bekannt und begründete sowohl das „Girls With Guns“-Genre als auch die Filmreihe „In the Line of Duty“, sodass in Hongkong nach einem ähnlichen Handlungsmuster mehr als 100 weitere Polizeifilme mit Frauen in den Hauptrollen entstanden.
In „Magnificent Warriors“ (1987) spielte Yeoh eine Pilotin, die zur Zeit der japanischen Besetzung Chinas Waffen über die Frontlinien schmuggelt und die Widerstandsbewegung gegen die Japaner unterstützt. Aufgrund von Verletzungen verzichtete sie im folgenden Film „Easy Money“ (1987) in ihrer Rolle auf Actionelemente. Im Jahr 1988 heiratete Yeoh den Produzenten und Multimillionär Poon und gab auf sein Drängen hin ihre Filmkarriere auf, die sie nach der Scheidung im Jahr 1992 aber wieder mit einem gelungenen Comeback in „Police Story 3“ fortsetzte.
In den folgenden Jahren trat sie in einer Vielzahl von Wuxia-Filmen auf, darunter „The Heroic Trio“ (1993), „Executioners“ (1994), „Butterfly & Sword“, „Wing Chun“ und zusammen mit Jet Li in „Tai Chi Master“. Des Weiteren spielte sie in den Action-Filmen „Holy Weapon“, „Wonder Seven“, „Ah Kam“ und „Project S“ mit, außerdem in dem Drama „The Soong Sisters“.
Im Jahr 1997 spielte Yeoh den chinesischen Oberst Wai Lin im Film „James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“ neben Pierce Brosnan. Yeoh gilt damit als das kampfstärkste und aktivste Bondgirl, das jemals in der Serie um den britischen Geheimagenten auftrat. Sie trug damit erheblich zur Modernisierung von James Bond bei, der in den 1980er Jahren unter anderem wegen seines Sexismus kritisiert wurde. Der internationale Durchbruch blieb jedoch zunächst aus, Yeoh bekam wider Erwarten trotz des Auftritts als Bondgirl keine Filmangebote aus Hollywood.
Erst im Jahr 2000 gelang ihr mit ihrer Darstellung der Schwertkämpferin Yu Shu Lien in Ang Lees Wuxia-Film „Tiger and Dragon“ ein erneuter internationaler Erfolg.
Im Jahr 2005 war Yeoh in der von Steven Spielberg produzierten Romanverfilmung „Die Geisha“ in der Rolle der prominenten Geisha Mameha zu sehen. Der Film löste sowohl im chinesischen als auch im japanischen Raum Kontroversen fast bis zum Skandal aus, da sämtliche japanischen Hauptcharaktere von chinesischen Schauspielerinnen (Michelle Yeoh, Gong Li, Zhang Ziyi) dargestellt wurden.
In Luc Bessons Filmbiographie „The Lady“ (2011) verkörperte Yeoh die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Der Film feierte am 12. September 2011 auf dem Toronto International Film Festival seine Premiere. Im Zusammenhang mit diesem Film konnte sie die von ihr porträtierte Aung San Suu Kyi einmal besuchen, aber ein zweiter Besuch in Myanmar wurde ihr verweigert. Die Schauspielerin wurde im Flughafen von Rangun an der Einreise gehindert und umgehend ausgewiesen.
Sie trat weiterhin in Hongkong und dem chinesischen Kino auf und spielte in „True Legend“ und „Reign of Assassins“ (beide 2010), „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny (2016) und „Master Z: Ip Man Legacy“ (2018).
Yeoh spielte Nebenrollen in den romantischen Komödien „Crazy Rich Asians“ (2018) und „Last Christmas“ (2019) sowie in dem Marvel Cinematic Universe-Film „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ (2021) und der Fernsehserie „Star Trek: Discovery“ (2017–2020). Ihre stimmschauspielerische Arbeit umfasste „Kung Fu Panda 2“ (2011), „Minions: The Rise of Gru“ und „Paws of Fury: The Legend of Hank“ (beide 2022), „Transformers: Rise of the Beasts“ (2023) und „The Tiger's Apprentice“ (2024)
Im Jahr 2023 gewann sie für ihre Hauptrolle der Evelyn Wang in dem Fantasy-Abenteuerfilm „Everything Everywhere All at Once“ einen Golden Globe Award sowie einen Oscar.
Yeoh war 2023 in der Disney+-Serie „American Born Chinese“ zu sehen, die auf dem gleichnamigen Buch von Gene Luen Yang basiert. Sie spielte als psychisches Medium neben Kenneth Branagh in dessen „A Haunting in Venice“ (2023). Im selben Jahr wurde Yeoh Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und hielt eine Rede an die Klasse 2023 der Harvard Law School.
Im Januar 2024 war Yeoh in der achtteiligen Netflix-Action-Comedy-Serie „The Brothers Sun“ zu sehen. Sie spielt seitdem als Madame Morrible in der zweiteiligen Verfilmung des Musicals „Wicked“ unter der Regie von Jon M. Chu. Im Jahr 2025 schloss sich Yeoh der englischsprachigen Besetzung des animierten chinesischen Blockbusters Ne Zha 2“ an und sprach eine Hauptfigur in der Version von A24 und CMC Pictures.
Im Mai 2024 wurde Yeoh in einer Hauptrolle als Replikant neben Hunter Schafer in der Amazon Science-Fiction-Fernsehserie Blade Runner 2099“ besetzt. Sie wird auch als Humanwissenschaftlerin Dr. Karina Mogue in „Avatar 4“ und „Avatar 5“ zu sehen sein. Im November 2025 gaben die Internationalen Filmfestspiele Berlin bekannt, dass sie Yeoh 2026 den Goldenen Ehrenbären in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen in Film und Kino verleihen werden.

Filmografie:

1984: The Owl vs. Dumbo (Mao tou ying yu xiao fei xiang)
1985: Tokyo Powerman
1985: Powerman 2 (Xia ri fu xing)
1985: In the Line of Duty – Ultra Force 2 (Yes, Madam, Police Assassins 2)
1986: In the Line of Duty – Ultra Force (Royal Warriors, Police Assassins)
1987: Easy Money (Tong tian da dao)
1987: Dynamite Fighters (Zungwaa Zinsi, international auch Magnificent Warriors)
1992: Police Story 3 (Gingchaat goosi III: Chiukup gingchaat)
1993: The Heroic Trio (Dung fong sam hap)
1993: Butterfly & Sword
1993: Project S
1993: Wuxia qi gongzhu (Holy Weapon)
1993: Executioners
1993: Tai Chi
1994: Wing Chun – Gefährlich wie eine Pantherkatze (Wing Chun)
1994: Phantom Seven (Wonder Seven)
1996: Ah Kam
1997: The Soong Sisters (Song jia huang chao)
1997: James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie (Tomorrow Never Dies)
1999: Sing yuet tung wa
2000: Tiger and Dragon (Wohu canglong)
2002: The Touch
2004: Silver Hawk
2005: Die Geisha (Memoirs of a Geisha)
2006: Fearless
2007: Sunshine
2007: Far North
2008: Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers (The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor)
2008: Babylon A.D.
2008: Die Kinder der Seidenstraße (The Children of Huang Shi)
2010: True Legend (Su Qi’er)
2010: Dark Stone – Reign of Assassins (Jianyu)
2010: Rose wie Paris (Rose, c'est Paris, Fernsehfilm)
2010: The Karate Kid (Cameo)
2011: The Lady
2011: Kung Fu Panda 2 (Stimme)
2013: Final Recipe
2015: Strike Back (Fernsehserie, 9 Folgen)
2015: Marco Polo: One Hundred Years (Fernsehfilm)
2016: Mechanic: Resurrection
2016: Das Morgan Projekt (Morgan)
2016: Marco Polo (Fernsehserie, 7 Folgen)
2016: Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny
2017: Guardians of the Galaxy Vol. 2
2017–2020: Star Trek: Discovery (Fernsehserie, 25 Folgen)
2018: Crazy Rich (Crazy Rich Asians)
2018: Star Trek: Short Treks (Fernsehserie, 1 Folge)
2018: Master Z: The Ip Man Legacy
2019: Last Christmas
2020: Boss Level
2021: Gunpowder Milkshake
2021: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
2022: Everything Everywhere All at Once
2022: Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss (Minions: The Rise of Gru, Stimme)
2022: Paws of Fury: The Legend of Hank (Stimme)
2022: The School for Good and Evil
2022: The Witcher: Blood Origin (Miniserie)
2023: American Born Chinese (Fernsehserie, 8 Folgen)
2023: Transformers: Aufstieg der Bestien (Transformers: Rise of the Beasts, Stimme)
2023: A Haunting in Venice
2024: The Brothers Sun (Fernsehserie, 8 Folgen)
2024: Wicked
2024: The Tiger's Apprentice
2025: Star Trek: Sektion 31
2024-2025: Ark: The Animated Series (Fernsehserie, 13 Folgen)
2025: Wicked: Teil 2 (Wicked: For Good)
 

Playlist:

 
01. David Arnold - Company Car (James Bond 007 - Tomorrow Never Dies) - 03:36 
02. Tan Dun - Through the Bamboo Forest (Crouching Tiger, Hidden Dragon) - 04:23 
03. Basil Poledouris - Memories of Days Gone (The Touch) - 03:12 
04. Kitaro & Randy Miller - Echoing Wall (The Soong Sisters) - 04:41  
05. Shigeru Umebayashi - A Long Road Home (Fearless) - 04:20 
06. John Murphy - Sunshine [Adagio in D Minor] (Sunshine) - 04:28 
07. David Hirschfelder - Brave & Beautiful / Arrival Lanchow (The Children of Huang Shi) - 04:02 
08. Randy Edelman - Reading of the Scrolls (The Mummy - Tomb of the Dragon Emperor) - 03:56 
09. Shigeru Umebayashi - Hit Battle (True Legend) - 03:21 
10. Atli Örvarsson - Aurora's Theme (Babylon A.D.) - 04:02 
11. Clinton Shorter - Wait For Me (Boss Level) - 03:03 
12. Eric Serra - Nobel Peace Price 1991 (The Lady) - 03:10 
13. Peter Nashel - Yusuf's Farewell (Marco Polo) - 03:19 
14. John Williams - Becoming a Geisha (Memoirs of a Geisha) - 04:52 
15. Max Richter - Sketch #1 - Morgan (Morgan) - 03:24 
16. Brian Tyler - Parallel Decisions (Crazy Rich Asians) - 04:36 
17. Shigeru Umebayashi - This Is Our Story / Your Mother Is My Teacher (Crouching Tiger, Hidden Dragon - Sword of Destiny) - 03:47 
18. Mark Isham - Tattoos, Trackers and Shark Repellent (Mechanic: Resurrection) - 03:57 
19. Basil Poledouris - Healing of Hearts (The Touch) - 03:20 
20. Jeff Russo - The Day Is Saved (Star Trek: Discovery) - 03:10 
21. Son Lux - Very Busy (Everything Everywhere All at Once) - 05:09 
22. Nathan Matthew David & Nick Lee - The Kiss (The Brothers Sun) - 03:05 
23. Hildur Guðnadóttir - Money in the Mattress (A Haunting In Venice) - 04:19 
24. Tan Dun - The Eternal Vow (Crouching Tiger, Hidden Dragon) - 03:01 
25. John Williams - Sayuri's Theme and End Credits (Memoirs of a Geisha) - 05:06 
26. Jeff Russo - Philippa Returns (Star Trek: Section 31) - 03:16 
27. Scott Shields - Killing the Love (Strike Back) - 03:29 
28. Shigeru Umebayashi - Fearless Men / Theme of Yuanjia and Moon (Fearless) - 04:26 
29. David Hirschfelder - End Credits (The Children of Huang Shi) - 09:51

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