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Sonntag, 24. Mai 2026

Playlist #450 vom 31.05.2026 - TIM ROBBINS Special

Als Schauspieler in Meisterwerken wie Robert Altmans „The Player“, Clint Eastwoods „Mystic River“ und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, aber auch als Regisseur des Gefängnis-Dramas „Dead Man Walking“ hat sich Tim Robbins seinen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood redlich verdient. Der heutige Rückblick auf Leben und Wirken des charismatischen, politisch engagierten Mannes, der 21 Jahre lang mit der Hollywood-Schauspielerin Susan Sarandon liiert war, präsentiert Musik von Komponisten wie Thomas Newman, Carter Burwell, James Newton Howard, Jerry Goldsmith, John Williams, Maurice Jarre und Ennio Morricone.

Tim Robbins wurde am 16. Oktober 1958 in West Covina, Kalifornien, als Sohn der Musikerin Mary Cecelia und des Sängers, Schauspielers Gilbert Lee Robbins geboren, der auch als Manager des „Gaslight Café“ fungierte. Robbins wuchs mit seinen zwei Schwestern und seinem Bruder David in New York City auf und besuchte die Stuyvesant High School. Bereits in jungen Jahren zog Robbins mit seiner Familie nach Greenwich Village, während sein Vater eine Karriere als Mitglied der Folk-Gruppe The Highwaymen verfolgte. Nachdem er im Alter von zwölf Jahren angefangen hatte, Theater zu spielen, trat Robbins dem Theaterclub der Stuyvesant High School bei, verbrachte zwei Jahre an der SUNY Plattsburgh und kehrte anschließend nach Kalifornien zurück, um an der UCLA Film School zu studieren. 1981 schloss er sein Studium mit einem Bachelor of Arts in Theaterwissenschaften ab.
Robbins’ Schauspielkarriere begann am Theater for the New City, wo er während seiner Teenagerjahre im Rahmen des jährlichen „Summer Street Theater“-Programms auftrat und zudem die Titelrolle in einer Musical-Adaption von Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ spielte. Nach seinem College-Abschluss im Jahr 1981 gründete Robbins gemeinsam mit befreundeten Schauspielern aus seinem College-Softballteam – darunter auch John Cusack – in Los Angeles die Actors’ Gang, eine experimentelle Theatergruppe.
Im Jahr 1982 trat er in drei Episoden der Fernsehserie „St. Elsewhere“ in der Rolle des inländischen Terroristen Andrew Reinhardt auf. Zudem übernahm er eine kleine Rolle in dem Film „No Small Affair“ (1984), in dem Demi Moore die Hauptrolle spielte. Nach einem Gastauftritt in der zweiten Folge der Fernsehserie „Moonlighting“ (1985) und ersten Rollen in Spielfilmen, wie etwa die eines wilden Studentenverbindungsmitglieds in „American Eiskrem“ (1985) und die des Lt. Sam „Merlin“ Wells in dem Kampfpilotenfilm „Top Gun“ (1986), feierte Robbins seinen Durchbruch als Pitchers Ebby Calvin „Nuke“ LaLoosh in dem Baseballfilm „Annies Männer“ (1988), in dem er an der Seite von Susan Sarandon und Kevin Costner spielte.
Robbins’ Darstellung eines amoralischen Filmmanagers in Robert Altmans Film „The Player“ (1992) brachte ihm bei den Filmfestspielen von Cannes eine Auszeichnung als bester Darsteller ein. Sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor gab er mit „Bob Roberts“ (ebenfalls 1992), einer Mockumentary über einen rechten Senatskandidaten. Anschließend spielte Robbins an der Seite von Morgan Freeman in Frank Darabonts Drama „Die Verurteilten“ (1994), das auf einer Novelle von Stephen King basierte.
Robbins hat mehrere Filme mit starkem gesellschaftskritischem Gehalt geschrieben, produziert und inszeniert – darunter das Drama über die Todesstrafe „Dead Man Walking“ (1995) mit Susan Sarandon und Sean Penn. Der Film brachte ihm eine Oscar-Nominierung für die Beste Regie ein. Laut
Seine nächste Regiearbeit war das im Zeitalter der Weltwirtschaftskrise angesiedelte Musical „Cradle Will Rock“ (1999). Robbins trat zudem in kommerziellen Hollywood-Thrillern auf – etwa in „Arlington Road“ (ebenfalls 1999) als mutmaßlicher Terrorist und in „Antitrust“ (2001) als skrupelloser Computer-Tycoon – sowie in Komödien wie „Hudsucker – Der große Sprung“ (1994), „Nichts zu verlieren“ (1997) und „High Fidelity“ (2000). Darüber hinaus wirkte Robbins als Schauspieler und Regisseur an mehreren Theaterproduktionen der Actors' Gang mit.
Robbins gewann den Oscar als Bester Nebendarsteller sowie den SAG Award für seine Leistung in „Mystic River“ (2003), in dem er einen Mann verkörperte, der durch eine Entführung und Vergewaltigung in seiner Kindheit schwer traumatisiert ist. Auf seinen Oscar-Gewinn folgten Rollen als vorübergehend erblindeter Mann, der von einer psychisch verwundeten jungen Frau gesund gepflegt wird („The Secret Life of Words“, 2005), sowie als Folterer aus der Apartheid-Ära („Catch a Fire“, 2006).
Anfang 2006 führte Robbins Regie bei einer Bühnenadaption von George Orwells Roman „1984“, verfasst von Michael Gene Sullivan, einem Mitglied der mit dem Tony Award ausgezeichneten San Francisco Mime Troupe. Die Inszenierung feierte ihre Premiere bei der Actors' Gang an deren neuem Spielort, der Ivy Substation in Culver City, Kalifornien. Neben Auftritten an Spielstätten in den gesamten Vereinigten Staaten gastierte die Produktion auch in Athen (Griechenland), beim Melbourne International Festival in Australien sowie beim Hong Kong Arts Festival.
Robbins wirkte in den Filmen „The Lucky Ones“ – an der Seite seiner Schauspielkollegin Rachel McAdams – sowie in „City of Ember“ (beide 2008) mit. Seine nächste Filmrolle übernahm Robbins als Senator Hammond in dem Superheldenfilm „Green Lantern“ (2011).
Im Jahr 2010 veröffentlichte Robbins das Album „Tim Robbins & The Rogues Gallery Band“ – eine Sammlung von Liedern, die er im Laufe von 25 Jahren geschrieben hatte und mit der er schließlich auf Welttournee ging. Bereits 1992, nach dem Erfolg seines Films „Bob Roberts“, war ihm ursprünglich die Gelegenheit geboten worden, ein Album aufzunehmen; er lehnte jedoch ab, da er „zu großen Respekt vor dem Prozess“ hatte – nicht zuletzt, weil er miterlebt hatte, wie hart sein Vater als Musiker gearbeitet hatte – und weil er das Gefühl hatte, zu jenem Zeitpunkt noch nichts wirklich Wichtiges zu sagen zu haben. Robbins führte von 1988 bis 2009 eine langjährige Beziehung mit der Schauspielerin Susan Sarandon, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. Von 2017 bis 2022 war er mit der Schauspielerin Gratiela Brancusi verheiratet. Er ist bekannt für sein umfangreiches politisches Engagement auf liberaler Seite, wozu auch sein Widerstand gegen den Irakkrieg zählt.
Zuletzt war Tim Robbins in den Serien „Castle Rock“ (2019) und „Silo“ (seit 2023) zu sehen. 

Filmografie:

1979: Buck Rogers (Buck Rogers in the 25th Century, Fernsehserie) 
1982: Chefarzt Dr. Westphall (St. Elsewhere, Fernsehserie) 
1983: Die Football-Prinzessin (Quarterback Princess)
1983: Love Boat (The Love Boat, Fernsehserie, Folge 8x02) 
1984: Legmen (Fernsehserie) 
1984: Hardcastle & McCormick (Fernsehserie) 
1984: California Clan (Santa Barbara, Fernsehserie) 
1984: Polizeirevier Hill Street (Hill Street Blues, Fernsehserie) 
1984: Schnitzeljagd – Teenage Apocalypse (Toy Soldiers) 
1984: Eine starke Nummer (No Small Affair) 
1985: American Eiskrem (Fraternity Vacation) 
1985: Der Volltreffer (The Sure Thing) 
1985: Das Model und der Schnüffler (Moonlighting, Fernsehserie) 
1985: Verrücktes Hollywood (Malice in Wonderland, Fernsehfilm) 
1986: Unglaubliche Geschichten (Amazing Stories, Fernsehserie) 
1986: Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (Top Gun) 
1986: Howard – Ein tierischer Held (Howard the Duck) 
1987: Pinguine in der Bronx (Five Corners) 
1988: Annies Männer (Bull Durham) 
1988: Tapeheads – Verrückt auf Video (Tapeheads) 
1989: Miss Firecracker 
1989: Twister – Keine ganz normale Familie (Twister) 
1989: Erik der Wikinger (Erik the Viking) 
1990: Cadillac Man 
1990: Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits (Jacob’s Ladder) 
1991: Jungle Fever 
1992: The Player 
1992: Bob Roberts (auch Regie) 
1986–1992: Saturday Night Live (Fernsehshow, als Ensemblemitglied) 
1993: Short Cuts 
1994: Hudsucker – Der große Sprung (The Hudsucker Proxy) 
1994: Die Verurteilten (The Shawshank Redemption) 
1994: Prêt-à-Porter 
1994: I.Q. – Liebe ist relativ (I.Q.) 
1995: Dead Man Walking – Sein letzter Gang (Dead Man Walking, nur Regie) 
1997: Nix zu verlieren (Nothing to Lose) 
1999: Arlington Road 
1999: Austin Powers – Spion in geheimer Missionarsstellung (Austin Powers: The Spy Who Shagged Me) 1999: Das schwankende Schiff (Cradle Will Rock, nur Regie) 
2000: Mission to Mars 
2000: High Fidelity 
2001: Startup (Antitrust) 
2001: Human Nature – Die Krone der Schöpfung (Human Nature) 
2002: The Truth About Charlie 
2003: Freedom: A History of Us (Fernsehserie) 
2003: Mystic River 
2003: Code 46 
2004: Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (Anchorman: The Legend of Ron Burgundy) 
2005: Krieg der Welten (War of the Worlds) 
2005: Das geheime Leben der Worte (The Secret Life of Words) 
2005: Embedded (auch Regie) 
2005: Zathura – Ein Abenteuer im Weltraum (Zathura: A Space Adventure) 
2006: Catch a Fire 
2006: Kings of Rock – Tenacious D (Tenacious D in The Pick of Destiny) 
2006: Tim Robbins: The Punk Gets Responsible (Kurzfilm) 
2007: Noise – Lärm! (Noise) 
2008: The Lucky Ones 
2008: Possible Side Efects (Fernsehfilm, nur Regie) 
2008: City of Ember – Flucht aus der Dunkelheit (City of Ember) 
2011: Green Lantern 
2011: Cinema Verite – Das wahre Leben (Cinema Verite) 
2012: Thanks for Sharing – Süchtig nach Sex (Thanks for Sharing) 
2012: Empire of War – Der letzte Widerstand (Yi jiu si er) 
2013: Life of Crime 
2015: A Perfect Day 
2015: The Brink – Die Welt am Abgrund (The Brink, Fernsehserie, 10 Folgen) 
2017: Marjorie Prime 
2018: Here and Now (Fernsehserie, 10 Folgen) 
2019: Vergiftete Wahrheit (Dark Waters) 
2019: 45 Seconds of Laughter (Dokumentarfilm, Regie) 
2019: Castle Rock (Fernsehserie, 10 Folgen) 
seit 2023: Silo (Fernsehserie)

Playlist:

01. Atli Örvarsson - Spoken Request (SILO - Season 1) - 04:24 
02. Harold Faltermeyer - Love Scene (Top Gun) - 03:42 
03. James Newton Howard - Penguin (Five Corners) - 03:13 
04. Thomas Newman - Good Dog's Water (The Player) - 02:39 
05. Thomas Newman - Compass and Guns (The Shawshank Redemption) - 05:36 
06. Carter Burwell - Norville Suite (The Hudsucker Proxy) - 03:54 
07. Jerry Goldsmith - End Credits (I.Q.) - 04:05 
08. Marcelo Zarvos - End Credits (Dark Waters) - 03:27 
09. John Barry - Jenning As Dark Overload (Howard the Duck) - 07:21 
10. Angelo Badalamenti - The Truth Is Out There (Arlington Road) - 03:11 
11. Ennio Morricone - A Heart Beats In Space (Mission to Mars) - 07:58 
12. Rachel Portman - Lola Is Killed (The Truth About Charlie) - 03:06 
13. Thomas Newman - Hey Killer (Castle Rock) - 04:14 
14. John Debney - Aftermath (Zathura) - 02:59 
15. Clint Eastwood - Orchestral Variation #1 (Mystic River) - 07:36 
16. The Free Association - Dreaming On A Train (Code 46) - 03:53 
17. Rolfe Kent - Driving Across Prairie (The Lucky Ones) - 01:58 
18. John Williams - Bodies In the Water / Ray and Rachel (War of the Worlds) - 03:46 
19. Andrew Lockington - Escape to Sunrise (City of Ember) - 04:57 
20. James Newton Howard - Prologue / Parallax Unbound (Green Lantern) - 03:09 
21. Robert Folk - Locked Up Tight (Nothing to Lose) - 03:10 
22. Angelo Badalamenti - Lament For Leah (Arlington Road) - 03:51 
23. David Robbins & Nusrat Fateh Ali Khan - The Execution (Dead Man Walking) - 04:22
24. Thomas Newman - Brooks Was Here (The Shawshank Redemption) - 05:17 
25. Graeme Revell - Parade (Human Nature) - 02:37 
26. Maurice Jarre - Sarah (Jacob's Ladder) - 07:17 
27. Harold Faltermeyer - Mav Reflects In Goose's Room / Mav Bugs Out (Top Gun) - 11:04

Sonntag, 2. März 2025

Playlist #418 vom 09.03.2025 - TAK FUJIMOTO Special

Seit seiner ersten Arbeit für einen Kinofilm, Terrence Malicks Klassiker „Badlands – Zerschossene Träume“ (1973) hat sich Tak Fujimoto als einer der versiertesten Kameramänner in Hollywood etabliert und ist vor allem durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“, „Philadelphia“) und M. Night Shyamalan („Signs“, „The Happening“) prominent geworden.
Takashi Fujimoto ist am 12. Juli 1939 in San Diego als Sohn japanischer Eltern geboren und machte 1957 seinen Abschluss an der San Dieguito High School. Anschließend studierte er an der University of California in Berkeley und an der London Film School, bevor Fujimoto als Kameraassistent für die Firma des Kollegen Haskell Wexler, Dove Films, Werbefilme drehte.
Seine erste Arbeit als Kameramann legte er mit der Musikdokumentation „Chicago Blues“ (1970) vor, die Musiker wie Dick Gregory, Buddy Guy und Muddy Waters portraitierte. Zusammen mit Steven Larner und Brian Probyn war Fujimoto für die Bildgestaltung bei Terrence Malicks Regiedebüt „Badlands – Zerschossene Träume“ (1973) verantwortlich. Es folgte eine Reihe von Low-Budget-Exploitation-Filmen für Roger Corman, darunter „Frankensteins Todesrennen“ und „Cannonball“. Nachdem er weitere Erfahrungen als Second Unit Cinematographer für den ersten „Star Wars“-Film „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ (1977) sammeln konnte, entstanden längere Arbeitsbeziehungen zu aufstrebenden Filmemachern. 
Mit Jonathan Demme arbeitete Fujimoto beginnend mit „Caged Heat“ (1974) an insgesamt elf Filmen, darunter an Klassikern wie „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) und „Philadelphia“ (1993) sowie „Menschenkind“ (1998), „Die Wahrheit über Charlie“ (2002) und „Der Manchurian Kandidat“ (2004). Weitere Zusammenarbeiten ergaben sich mit Howard Deutsch („Pretty in Pink“, „Der dritte Frühling“, „Helden aus der zweiten Reihe“) und vor allem mit M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“, „Signs“, „The Happening“). Zu seinen letzten Arbeiten zählen der Horror-Thriller „Devil – Fahrstuhl zur Hölle“ (2010), eine Folge der Serie „A Gifted Man“ (2011) und Marc Turtletaubs komödiantisches Drama „Gods Behaving Badly“ (2013), bevor sich Fujimoto zur Ruhe setzte. Seit 1997 gehört er der American Society of Cinematographers an.
Für „Das Schweigen der Lämmer“ wurde Fujimoto 1992 für einen ASC Award nominiert. Eine Nominierung für den BAFTA Award erhielt er 2000 für seine Arbeit an „The Sixth Sense“.

Filmographie:
1970: Chicago Blues (Dokumentation) 
1973: Badlands – Zerschossene Träume (Badlands) 
1974: Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen (Caged Heat) 
1974: Black Deals (Bootleggers) 
1975: Frankensteins Todesrennen (Death Race 2000) 
1976: Das Monster von London (Dr. Black, Mr. Hyde) 
1976: Cannonball (Cannonball!) 
1977: Chatterbox! 
1977: Star Wars (Second Unit Photography) 
1977: Almo’s Man (Fernsehfilm) 
1977: Georgia Road – Die Unschlagbaren (Bad Georgia Road) 
1978: Du wirst noch an mich denken (Remember My Name) 
1978: Der schwarze Sheriff (Lawman Without a Gun, Fernsehfilm) 
1978: Stony Island 
1979: Some Kind of Miracle (Fernsehfilm) 
1979: Tödliche Umarmung (Last Embrace) 
1980: Blast – Wo die Büffel röhren (Where the Buffalo Roam) 
1980: Melvin und Howard (Melvin and Howard) 
1980: Der Grenzwolf (Borderline) 
1982: Scheidungskriege (Divorce Wars, Fernsehfilm) 
1983: … und wenn der letzte Reifen platzt (Heart Like a Wheel) 
1984: The Seduction of Gina (Fernsehfilm) 
1984: Swing Shift – Liebe auf Zeit (Swing Shift) 
1985: MacGyver (Fernsehserie, eine Folge) 
1985: Blackout – Bestie in Schwarz (Fernsehfilm) 
1986: Pretty in Pink 
1986: Ferris macht blau (Ferris Bueller's Day Off) 
1986: Gefährliche Freundin (Something Wild) 
1987: Final Night – Die letzte Nacht (Backfire) 
1988: Die Mafiosi-Braut (Married to the Mob) 
1988: Sweethearts Dance – Liebe ist mehr als nur ein Wort (Sweet Hearts Dance) 
1988: Cocoon II – Die Rückkehr (Cocoon II: The Return) 
1990: Miami Blues 
1991: Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs) 
1991: Zwischen Liebe und Haß (Crooked Hearts) 
1992: Fäuste – Du musst um Dein Recht kämpfen (Gladiator) 
1992: Singles – Gemeinsam einsam (Singles) 
1992: Die Nacht von Soho (Night and the City) 
1993: Philadelphia 
1995: Teufel in Blau (Devil in a Blue Dress) 
1995: Der dritte Frühling – Freunde, Feinde, Fisch & Frauen (Grumpier Old Men) 
1996: That Thing You Do! 
1997: Tausend Morgen (A Thousand Acres) 
1998: Menschenkind (Beloved) 
1999: The Sixth Sense 
2000: Helden aus der zweiten Reihe (The Replacements) 
2002: Signs – Zeichen (Signs) 
2002: The Truth About Charlie 
2004: The Final Cut – Dein Tod ist erst der Anfang (The Final Cut) 
2004: Der Manchurian Kandidat (The Manchurian Candidate) 
2007: Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene (Breach) 
2008: Der große Buck Howard (The Great Buck Howard) 
2008: John Adams – Freiheit für Amerika (John Adams) (Miniserie, vier Folgen) 
2008: The Happening 
2010: Devil – Fahrstuhl zur Hölle (Devil) 
2011: A Gifted Man (TV-Serie, 1 Folge) 
2013: Gods Behaving Badly 

Playlist:
01. Richard Hartley - A Dollar An Acre (A Thousand Acres) - 03:23 
02. John Williams - Princess Leia's Theme (Star Wars: A New Hope) - 04:28 
03. James Horner - Returning Home (Cocoon: The Return) - 06:08 
04. Howard Shore - Main Title (The Silence of the Lambs) - 05:06 
05. Rachel Portman - You Your Best Thing (Beloved) - 03:11 
06. Rachel Portman - "I Am the Enemy, Major Marco" (The Manchurian Candidate) - 03:45 
07. Howard Shore - Senior Associate Andrew Beckett (Philadelphia) - 03:18 
08. James Newton Howard - Good Night, Malcolm (The Sixth Sense) - 04:44 
09. James Newton Howard - Throwing a Stone (Signs) - 05:47 
10. James Newton Howard - Be With You (The Happening) - 03:42 
11. Mychael Danna - Dangerous World (Breach) - 04:37 
12. Brian Tyler - The Final Cut Main Title (The Final Cut) - 03:55 
13. Rachel Portman - Lola Is Killed (The Truth About Charlie) - 03:06 
14. Elmer Bernstein - End Credits (Devil In A Blue Dress) - 03:01 
15. Paul Chihara - Love In the Afternoon (Death Race 2000) - 03:08 
16. Jerry Goldsmith - Romano's Dead (Gladiator) - 03:26 
17. Richard Hartley - Main Title (A Thousand Acres) - 04:58 
18. Jean-Michel Jarre - Ethnicolor (Something Wild) - 11:39 
19. Brian Tyler - Eye Touch (The Final Cut) - 03:06 
20. Mychael Danna - The Arrest (Breach) - 03:16 
21. Howard Shore - Lecter in Memphis (The Silence of the Lambs) - 05:44 
22. James Horner - Joe's Gift (Cocoon: The Return) - 08:07 
23. Alan Silvestri - Happily Ever After (Grumpier Old Men) - 04:14 
24. John Debney - Martel Crossed (The Replacements) - 04:02 
25. Jasper Van't Hof - Pili-Pili (Something Wild) - 14:59

Samstag, 1. Februar 2025

Playlist #416 vom 09.02.2025 - Neuheiten 2025 (1)

In der neune Netflix-Doku-Serie „Our Ocean“ fungiert niemand Geringeres als der ehemalige US-Präsident Barack Obama als Erzähler. Er entführt die Zuschauer auf eine 75.000 Meilen lange Kreuzfahrt über und unter die Wasseroberfläche der fünf Weltmeere. Dem Pazifik, dem Indischen Ozean, dem Atlantik, dem Arktischen Ozean und dem Südlichen Ozean ist jeweils eine Folge gewidmet, wobei die Serie modernste Forschung und neu entwickelte Unterwasserfilmtechnologie einsetzt, um neben beliebten Tieren wie Delfinen und Meeresschildkröten auch andere Meeresbewohner und Naturphänomene zu zeigen, die noch nie zuvor mit der Kamera eingefangen wurden. Neben der Titelmusik von Harry Gregson-Williams bekommt ihr in dieser Sendung neue Soundtracks auch von seinem Bruder Rupert Gregson-Williams, Siddhartha Khosla, Rachel Portman, Steven Price, Hanan Townshend, Antonio Pinto u.v.a. zu hören.
In der britischen Mini-Serie „The Crow Girl“ von Charles Martin und Rebecca Rycroft untersuchen die beiden Ermittler DCI Jeanette Kilburn (Eve Myles) und DI Lou Stanley (Dougray Scott) den Tod mehrerer junger Männer in einer Kleinstadt. Um den Täter zu fassen, ziehen sie die angesehene Psychotherapeutin Dr. Sophia Craven (Katherine Kelly) hinzu. Was als komplexer Mordfall beginnt, entwickelt sich zu einer schockierenden Reise in eine dunkle Welt aus illegalen Fight Clubs, skrupellosen Morden und tief verwurzeltem Missbrauch, der Jahrzehnte zurückreicht. Die Musik dazu stammt vom jungen britischen Komponisten Adam Price („Curfew“, „Apartment 7A“), der bereits mit Lorne Balfe an „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ zusammengearbeitet hat.
„Das Lesen von Erik Axl Sunds Roman ‚The Crow Girl‘ gab mir eine zusätzliche Gelegenheit, musikalisch zu experimentieren, bevor ich mich mit irgendeinem Aspekt der Serie selbst beschäftigte. Das Thema ‚Verlust der Unschuld‘ tauchte früh auf und ich habe es musikalisch erkundet. Wir begannen, die Stimme zu verwenden; die unmittelbarste, roheste Art, wie wir uns ausdrücken können“, rekapituliert Price seine Arbeit an „The Crow Girl“. „Die Regisseure Charles und Rebecca betonten, wie wichtig es sei, diesen emotionalen Kern in der Musik einzufangen und gleichzeitig in der brutalen, kompromisslosen Welt von ‚The Crow Girl‘ verwurzelt zu bleiben. Und natürlich war da Slash. Sein ikonischer Gitarrensound hob den Soundtrack auf Höhen, die wir uns nie hätten vorstellen können. Man hört seinen unverwechselbaren, rauen Sound schon in der ersten Einstellung – ein erdiger, absteigender Gitarren-Slide, der die Bilder widerspiegelt; ein irgendwie musikalischer tiefer Tauchgang in die Abgründe der Hölle.“
Gleich zwei neue Arbeiten gibt es von Steven Price („Gravity“, „Fury“) zu hören. Für den Netflix-Film „Joy“ schrieb er eine einfühlsame, mit Streichern und Piano instrumentierte Musik, die die wahre Geschichte der Entwicklung zur künstlichen Befruchtung erzählt.
Im Jahr 1968 bewirbt sich die junge Krankenschwester und Embryologin Jean Purdy (Thomasin McKenzie) um eine Assistenzstelle in einem Labor der Cambridge-Universität. Dort arbeiten der Physiologe Dr. Robert Edwards (James Norton) und der Gynäkologe Patrick Steptoe (Bill Nighy) an einem Verfahren, das kinderlosen Paaren ihre Nachwuchswünsche erfüllen soll. Als Details über ihre Forschung in einem Labor nahe Manchester an die Öffentlichkeit dringen, weht dem Trio jedoch ein scharfer Wind ins Gesicht. Denn viele Menschen halten die Zeugung eines Kindes außerhalb des Mutterleibs für verbrecherisch und unchristlich. Als ihnen dann auch noch die Fördergelder gestrichen werden, setzen Steptoe, Edwards und Purdy ihre Hoffnungen vor allem auf eine Gruppe kinderloser Frauen, die sich bereit erklären, ihre Körper der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Am Ende wird 1978 das erste Retortenbaby Louise Joy Brown geboren werden.
Weitaus wuchtiger geht es in dem ebenfalls historischen Kriegsdrama „William Tell“ zu, das Price mit großem Orchester vertont hat, wobei Streicher und Percussions eine prominente Rolle einnehmen. Der von Nick Hamm („The Hole“, „Godsend“) inszenierte Film spielt im 14. Jahrhundert, in den letzten Tagen des Heiligen Römischen Reiches, als die europäischen Nationen heftig um die Vorherrschaft kämpfen und die ehrgeizigen Österreicher, die nach mehr Land streben, in die Schweiz eindringen, sieht sich Wilhelm Tell (Claes Bang), ein ehemals friedlicher Jäger, zum Handeln gezwungen, als seine Familie und sein Heimatland durch den unterdrückerischen österreichischen König und seine rücksichtslosen Kriegsherren bedroht werden. An der Spitze seiner Landsleute beginnt Tell eine mutige Rebellion, um ihre Freiheit zu verteidigen und sich gegen die tyrannischen Mächte zu stellen, die sie unterjochen wollen.
„Young Hearts“ erzählt die Geschichte des jungen Elias, der Gefühle für seinen neuen Nachbarn Alexander entwickelt und feststellt, dass er sich zum ersten Mal verliebt.

„Wir haben es geschafft, das Gefühl einer viel größeren Produktion mit einem relativ kleinen Ensemble und auf intelligente Weise nachzubilden: Das Fagott, das Ma’at-Streichquartett und das Klavier rufen die Nostalgie hervor, die Regisseur Anthony Schatteman suchte. Diese Streicher wurden auch in mehreren Schichten aufgenommen, sodass der Effekt einer wunderschönen ,Wolke‘ aus Musik entsteht. Aber auch andere einfallsreiche Techniken wie ungewöhnliche Metriken, die Konzentration auf Farben statt auf Themen sorgen dafür, dass man mit einem kleinen Ensemble ein großartiges Gefühl erzeugen kann, was wiederum zu der Herzerwärmung beiträgt, die der Film ausstrahlen möchte“, beschreibt Ruben de Gheselle die Arbeit an der eindringlichen Musik zu „Young Hearts“.

In dem Animationsfilm „Mariposas negras“ wird die Geschichte der drei Frauen Tanit, Valeria and Shaila erzählt, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, aber ganz unmittelbar mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden, als sie wegen der Erderwärmung alles verlieren und gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen, um zu überleben. Der spanische Komponist Diego Navarro setzte für seine Musik eine Vielzahl von ethnischen Instrumenten und weibliche Stimmen ein.
„Ich war fasziniert von der Idee, durch meine Musik drei Realitäten zu erzählen, die so hart und tief sind wie die unserer Protagonisten. Es ist Musik mit einem intimen Ansatz, mit einer tiefen emotionalen Note aufgrund der transzendenten Botschaft, die der Film dem Publikum vermittelt. Außer mir, der Klavier und Keyboard spielt, sind die restlichen Hauptmusiker der Musikproduktion Frauen, als klare Anspielung auf die Geschichte“, erklärt Navarro. „Auf der Grundlage eines Streichquartetts, der Stimme unserer Solistin Aborá Cel im Hauptthema und vieler anderer ethnischer Stimmen aus der afrikanischen und indischen Folklore habe ich in dieser Partitur auch mit verschiedenen charakteristischen Instrumenten aus der Karibik, Afrika und Indien gearbeitet. Das Klavier, die elektronische Programmierung und eine kraftvolle Perkussionssektion waren unerlässlich, um eine der persönlichsten und intimsten Partituren zu schaffen, die ich je geschrieben habe.“
Playlist:
01. Harry Gregson-Williams - Series Opener (Our Oceans) - 03:04 
02. Rupert Gregson-Williams - To Libya (Lockerbie - A Search For Truth) - 04:21 
03. Adam Price - Loss (The Crow Girl) - 04:17 
04. Steven Price - 67481 Lesley Brown (Joy) - 03:34 
05. Siddhartha Khosla - Where Love Grows (No Good Deed) - 04:34 
06. Siddhartha Khosla - Preparations (Paradise) - 04:03 
07. Austin Wintory - Oria's Legacy (Eternal Strands) - 03:58 
08. Debbie Wiseman - New Found Lands (Wolf Hall - The Mirror and the Light) - 03:59 
09. Timothy Williams - Journey to Bethlehem (Mary)  - 03:47 
10. Antonio Pinto - Sorry (Flight Risk) - 03:29 
11. Rachel Portman - Forgive Me (The Return) - 03:59 
12. Evgueni Galperine & Sacha Galperine - Calypso (Kraven - The Hunter) - 04:30 
13. Explosions in the Sky - A Melancholy (American Primeval) - 04:06 
14. Daniel Blumberg - Library (The Brutalist) - 03:26 
15. Trent Reznor & Atticus Ross - Pure Love (Queer) - 04:34 
16. Steven Price - Let Us Believe Again (William Tell) - 06:31 
17. H. Scott Salinas - End Credits (Elevation) - 04:59 
18. Hanan Townshend - Final Judgement (Between Borders) - 04:39 
19. Ruben de Gheselle - Running Away (Young Hearts) - 02:46 
20. Raphaël Dargent - Sky Awakening (Lightfall) - 02:46 
21. Raphaël Dargent - Borealapelta (Why Dinosaurs?) - 02:29 
22. Christopher Lennertz - The Bakers (Back In Action) - 03:17 
23. Rob - Night Pool (Par Amour) - 03:09 
24. Atli Örvarsson - Long Beach (On Call) - 03:22 
25. Bear McCreary - What Awaits Us in Paradise (Outlander - Season 7) - 04:37 
26. Diego Navarro - Tema principal (Mariposas Negras) - 04:49 
27. Andrew Lockington - Sutherland (Lioness - Season 2) - 04:09
28. Blanck Mass - The Wonder (The Rig - Season 2) - 06:49 
29. Mick Giacchino - Paradise Lost and Finale (Star Wars: Skeleton Crew) - 04:31 
30. Benjamin Wallfisch - Wolf Man (Wolf Man) - 08:11

Mittwoch, 1. Mai 2024

Playlist #396 vom 05.05.2024 - ROGER PRATT Special

Roger Pratt zählt zu den bedeutendsten Kameramännern in Großbritannien. Der 2023 mit dem BSC Lifetime Achievement Award ausgezeichnete Pratt zählt nicht nur zu den Gründungsvätern des britischen Indie-Films in den 1980er Jahren, sondern ist durch seine Zusammenarbeit mit prominenten Regisseuren wie Sir Richard Attenborough, Mike Leigh, Lasse Halmström, Tim Burton, Neil Jordan und Terry Gilliam auch in Hollywood hofiert worden. Durch eine seltene Form der Alzheimer-Krankheit begann Pratt leider schon in frühen Jahren an Demenz zu leiden, weshalb er 2014 mit „Keeping Rosy“ seine letzte Arbeit vorgelegt hat. 

Roger Pratt wurde am 27. Februar 1947 in Leicester als Sohn eines Pfarrvikars geboren und schien bereits durch die in der Kirche seines Vaters gezeigten 16-mm-Filme „Facts and Faith“ eine religiöse Verbindung zum Medium Film entwickelt zu haben. 
„Ich war fasziniert von der jährlichen Vorführung religiöser Filme in der Kirche, zu Zeiten wie Weihnachten und insbesondere in der Fastenzeit. Eine Kiste voller Filmrollen, Projektoren, Leinwände, Lautsprecher. Die Lichter gehen aus, das Surren der Mechanik … dann reden, bewegen, lachen und sterben echte Menschen (ich erwähne das Sterben, weil es um Christus und seine Kreuzigung geht)“, wird Roger Pratt auf der Website von British Cinematographer zitiert. 
An der Loughborough Grammar School drehte – und schnitt - er den 8-mm-Schwarzweiß-Kurzfilm „Green and Dying“ über die Schüler und Lehrer der Schule, drehte und schnitt den Film im Alleingang. Für die Wohltätigkeitsorganisation VSO verbrachte Pratt nach der Schule ein Jahr in Mali, besuchte die Durham University und ging dann zurück in den Süden, um mit einem Stipendium des Leicester City Council an der London Film School zu studieren. Pratt arbeitete tagelang bei Humphries Film Laboratories (und Nachtschichten in einer Garage), um sich seinen Gewerkschaftsausweis zu verdienen, und landete schließlich bei Chippenham Films, einem Unternehmen, das Unternehmensvideos für Mitglieder der Monty-Python-Truppe produzierte. 
Pratt begann seine Karriere beim Film als Kameraassistent in Mike Leighs Debütfilm „Bleak Moments“ von 1971. Als Pratt 1975 bei dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ als Kameraassistent mitwirkte, lernte er Gilliam kennen, die gemeinsam mit Terry Jones Regie führte. 
„Ich war überzeugt, dass ich Leute wie Roger um mich haben wollte, weil ich noch lernte, wie man Filme macht, und ich Leute mit etwas Erfahrung brauchte“, schwärmt Gilliam. „Er war auch ein Magnet für gute Menschen.“ 
Später sollte Pratt für Gilliam noch „Brazil“ (1985), „König der Fischer“ (1991) und „12 Monkeys“ (1995) filmen. Für Roger Christian fotografierte Pratt zunächst die Kurzfilme „Black Angel“ und „Dollar Bottom“, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, bevor er mit dessen Thriller „Teuflische Signale“ (1982) sein Leinwanddebüt feierte. Danach nahm Pratts Karriere Fahrt auf. 
Nachdem er während seines Filmstudiums bei Mike Leighs Debütfilm „Bleak Moments“ mitgewirkt hatte, bat ihn der Regisseur, „Meantime“ (1983), ein für Channel 4 produziertes Drama, zu drehen, anschließend „High Hopes“, ein Drama über eine in Kings Cross lebende Arbeiterfamilie. 
In der Folge realisierte er mit Neil Jordan die Dramen „Mona Lisa“ (1986) und „Das Ende einer Affäre“ (1996), fotografierte vier Filme von Sir Richard Attenborough - „Shadowlands“ (1993), „In Love and War“ (1996), „Grey Owl“ (1999) und „Closing the Ring“ (2007) und sorgte für den düsteren Look bei Tim Burtons „Batman“ (1989). 
Zu den weiteren Highlights in Pratts Karriere zählen die beiden Harry-Potter-Produktionen „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (2002) und „Harry Potter und der Feuerkelch“ (2005), Wolfgang Petersens Historien-Epos „Troja“ (2004) und Kenneth Branaghs „Mary Shelleys Frankenstein“ (1994). 

Filmographie: 

1971: Freudlose Augenblicke (Bleak Moments, Kameraassistenz) 
1972: Schottische Trilogie – Meine Kindheit (My Childhood, Kameraassistenz) 
1975: Die Ritter der Kokosnuss (Monty Python and the Holy Grail, Kameraassistenz) 
1980: Black Angel (Kurzfilm) 
1980: The Spirit of Cheshire (Kurzfilm) 
1981: The Dollar Bottom (Kurzfilm) 
1982: Teuflische Signale (The Sender) 
1982: The Tractor Factor (Kurzfilm) 
1983: Der Sinn des Lebens (The Meaning of Life, Segment: The Crimson Permanent Assurance) 
1983: Meantime (Fernsehfilm) 
1985: Dutch Girls (Fernsehfilm) 
1985: The Planets (TV-Miniserie) 
1985: Brazil 
1986: Mona Lisa 
1987: Scoop – Sensationsnachricht (Fernsehfilm) 
1988: Paris bei Nacht (Paris by Night) 
1988: Consuming Passions 
1988: Hohe Erwartungen (High Hopes) 
1989: Batman 
1989: 4 Play (Fernsehserie) 
1991: König der Fischer (The Fisher King) 
1991: Griechische Sagen – Jim Henson erzählt (The Storyteller) 
1991: Bernie und der Weihnachtsgeist (Bernard and the Genie) 
1992: Das Jahr des Kometen (Year of the Comet) 
1993: Shadowlands – Ein Geschenk des Augenblicks (Shadowlands) 
1993: The Line, the Cross & the Curve (Kurzfilm) 
1994: Mary Shelleys Frankenstein 
1995: Twelve Monkeys 
1996: In Love and War 
1998: Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers) 
1999: Das Ende einer Affäre (The End of the Affair) 
1999: Grey Owl (Grey Owl) 
2000: Not I (Kurzfilm)
2000: 102 Dalmatiner (102 Dalmatians) 
2000: Chocolat – Ein kleiner Biss genügt (Chocolat) 
2001: Iris 
2002: Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter and the Chamber of Secrets) 
2004: Troja (Troy) 
2005: Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire) 
2007: Closing the Ring – Geheimnis der Vergangenheit (Closing the Ring)
2008: Tintenherz (Inkheart) 
2009: Das Bildnis des Dorian Gray (Dorian Gray) 
2010: Karate Kid 
2012: Snow White and the Huntsman (Regisseur der Fotografie: Splinter Unit) 
2013: Jadoo 
2014: Keeping Rosy 

Playlist:

01. Michael Kamen - Waiting for Daddy / Sam Lowry's Wetter Dream (Brazil) - 03:01 
02. Michael Kamen - King's Cross / Follow Anderson (Mona Lisa) - 04:28 
03. Rachel Portman - Theseus & The Minotaur Suite A (The Storyteller) - 07:20 
04. George Fenton - End Credits (Shadowlands) - 03:35 
05. George Fenton - The Trip to Venice (In Love and War) - 05:19 
06. Trevor Jones - Main Titles (The Sender) - 05:10
07. Georges Delerue - Paris By Night (Paris By Night) - 04:28 
08. Danny Elfman - Up the Cathedral (Batman) - 05:05 
09. John Williams - Reunion of Friends (Harry Potter and the Chamber of Secrets) - 05:10 
10. Patrick Doyle - The Goblet of Fire (Harry Potter and the Goblet of Fire) - 03:23 
11. Jeff Danna - A Lifetime of Regret (Closing the Ring) - 03:49 
12. Hummie Mann - End Credits (Year of the Comet) - 05:14 
13. Javier Navarrete - Meadows (Inkheart) - 03:13 
14. James Horner - Part 6 (Iris) - 06:42 
15. George Fenton - Red Knight Suite (The Fisher King) - 06:51 
16. Rachel Portman - Boycott Immorality (Chocolat) - 04:40 
17. Patrick Doyle - He Was My Father (Frankenstein) - 06:11 
18. James Horner - Call for Achilles (Troy) - 03:07 
19. James Horner - Dre's Gift and Apology (The Karate Kid) - 03:07 
20. Joel McNeely - Into the Love Maze (The Avengers) - 04:00 
21. Michael Nyman - Sarah Dies (The End of the Affair) - 03:03 
22. George Fenton - I Do Love You (Grey Owl) - 03:25 
23. Charlie Mole - Emily's Theme (Dorian Gray) - 03:27 
24. James Newton Howard - Snow White (Snow White and the Huntsman) - 03:24 
25. Rachel Portman - The Story of Grandmere (Chocolat) - 04:10 
26. Andrew Dickson - Suite (High Hopes) - 11:12

Sonntag, 4. Februar 2024

Playlist #390 vom 11.02.2024 - NORMAN JEWISON (1926-2024) Special

Dass er in seiner langen Hollywood-Karriere gleich dreimal für einen Oscar als Bester Regisseur nominiert worden ist (auch wenn er ihn zusätzlich zu seinen vier Nominierung als Produzent für den Besten Film nie gewinnen konnte), macht deutlich, welch ein qualitatives Schwergewicht Norman Jewison gewesen ist. Der vielseitige Filmemacher wurde durch die Doris-Day-Komödien wie „Was diese Frau so alles treibt“ (1963) und „Schick mir keine Blumen“ (1964) ebenso bekannt wie durch sein Rassismus-Drama „In der Hitze der Nacht“, die Musical-Verfilmungen „Anatevka“ (1971) und „Jesus Christ Superstar“ (1973) und die Steve-McQueen-Klassiker „Cincinnati Kid“ (1965) und „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (1968). Am 20. Januar 2024 verstarb der kanadische Filmproduzent und -regisseur im Alter von 97 Jahren im kalifornischen Malibu. 
Norman Frederick Jewison wurde am 21. Juli 1926 im kanadischen Toronto als Sohn eines protestantischen Ladenbesitzers geboren, besuchte das Malvern Collegiate Institute und fand während der 1930er Jahre Gefallen am Schauspielern und Theater. Nachdem er von 1944 bis 1945 in der Royal Canadian Navy während des Zweiten Weltkriegs gedient hatte, reiste er durch den amerikanischen Süden und lernt dort den Rassismus kennen, der prägend für seine spätere Arbeit werden sollte. 
1949 schloss Jewison sein Studium am Victoria College der University of Toronto ab, wobei während seiner Studienzeit bei verschiedenen Theater-Produktionen als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig gewesen war. Er zog nach London, wo er Skripte für das Kinderfernseh-Programm schrieb und gelegentlich für die BBC als Schauspieler agierte, sich aber überwiegend mit öden Jobs über Wasser halten musste. 
Ende 1951 kehrte er nach Toronto zurück, wo er am Trainee-Programm von CBLT teilnahm, das die Gründung von CBS Television vorbereitete. Dort begann Jewison seine Karriere als Regieassistent, schrieb, inszenierte und produzierte eine Vielzahl an Musicals, Comedy-Variete-Shows, Dramen und Specials. Er heiratete das frühere Model Margaret Ann Dixon und wechselte 1958 zur NBC nach New York, wo er zunächst Shows wie „Your Hit Parade“ und „The Andy Williams Show“ betreute und dann Specials zu Künstlern wie Harry Belafonte, Jackie Gleason und Danny Kaye inszenierte. 
Während einer Probe zur „Judy Garland Show“ (1962) mit Frank Sinatra und Dean Martin schlug Tony Curtis vor, dass Jewison einen Kinofilm inszenieren sollte. Tony Curtis‘ und Janet Leighs Produktionsfirma Curtleigh Productions beauftragte Jewison dann mit der Regie der Komödie „Ein Rucksack voller Ärger“ (1962) mit Tony Curtis und Suzanne Pleshette in den Hauptrollen, die der erste Film gewesen ist, der je in Disneyland gedreht wurde. 
Jewison gründete seine eigene Independent-Filmproduktionsfirma und realisierte für Universal die beiden Doris-Day-Komödien „Was diese Frau so alles treibt“ (1963) und „Schick mir keine Blumen“ (1964). Nach einer weiteren Komödie – „Bei Madame Coco“ (1965) mit James Garner, Dick Van Dyke und Elke Sommer – beschloss Jewison, sich herausfordernden Projekten zu widmen. 
Mit dem Spieler-Drama „Cincinnati Kid“ (1965) – mit einem überragenden Steve McQueen in der Hauptrolle - gelang Jewison gleich ein Klassiker, dem er – erstmals auch als Produzent - die vierfach Oscar-nominierte Satire „Die Russen kommen! Die Russen kommen!“ (1966) folgen ließ. Einen weiteren großen Wurf landete Jewison mit dem Rassismus-Drama „In der Hitze der Nacht“ (1967) mit Sidney Poitier und Rod Steiger in den Hauptrollen. Der Film erhielt fünf Oscars, Jewison eine Nominierung als Bester Regisseur. 
Mit dem von ihm produzierten und inszenierten Heist Movie „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (1968) gelang Jewison ein weiterer Hit mit Steve McQueen in der Hauptrolle. Anschließend filmte Jewison das mit drei Oscars ausgezeichnete Musical „Anatevka“ (1971) in den Londoner Pinewood Studios und in Jugoslawien sowie in Israel das auf Andrew Lloyd Webbers und Tim Rices Broadway-Erfolg basierende Musical „Jesus Christ Superstar“ (1973). 
Mit „Rollerball“ (1975) inszenierte Jewison schließlich ein futuristisches Drama über globale Konzerne, die jeden Individualismus, jede Selbstbestimmtheit des Menschen im Keim ersticken. Um die Massen ruhig zu halten und Demonstrationen und Aufstände zu vermeiden, wird die Bevölkerung – ähnlich den Gladiatorenkämpfen im alten Rom – mit der Sportart „Rollerball“ unterhalten. Bei dem Spiel geht es hart zu und durch verschiedene Hilfsmittel kommt es immer öfter zu Schwerverletzten oder gar Toten. Jonathan E. (James Caan) sticht dabei als herausragender Spieler hervor und wird von den Massen umjubelt. Das sieht die Führungsebene aber nicht gern und beschließt, dass Jonathan seinen Abschied nehmen muss. 
Danach folgten das Gewerkschaftsdrama „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“ (1978) mit Sylvester Stallone in der an Jimmy Hoffa angelehnten Hauptrolle, das Justiz-Drama „… und Gerechtigkeit für alle“ (1979) mit Al Pacino, die romantische Komödie „Zwei dicke Freunde“ (1982) mit Burt Reynolds und Goldie Hawn sowie das Rassismus-Drama „Sergeant Waters - Eine Soldatengeschichte“ (1984), das auf einem mit dem Pulitzer Prize prämierten Bühnenstück basierte und für drei Academy Awards nominiert war, ebenso wie das Kloster-Drama „Agnes – Engel im Feuer“ (1985) mit Jane Fonda, Meg Tilly und Anne Bancroft in den Hauptrollen. 
Nach seinem Wechsel von Columbia zu MGM inszenierte Jewison mit „Mondsüchtig“ (1987) einen der erfolgreichsten romantischen Filme, der drei Oscars abräumte, davon einen für Hauptdarstellerin Cher. Nach dem Kriegsdrama „Zurück aus der Hölle“ (1989) drehte Jewison die Gesellschaftssatire „Das Geld anderer Leute“ (1991), die romantische Komödie „Nur für dich“ (1994), die Fantasy-Komödie „Bogus“ (1996) und das wiederum mit dem Rassismus spielende Drama „Hurricane“ (1999), in dem Denzel Washington den schwarzen Boxer Rubin „Hurricane“ Carter verkörpert, der Mitte der 1960er Jahre fälschlicherweise des dreifachen Mordes beschuldigt wurde. 
1999 erhielt Jewison von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences den Irving G. Thalberg Memorial Award für sein Lebenswerk. 
Seine letzten Arbeiten waren der Fernsehfilm „Dinner with Friends“ (2001) mit Andie MacDowell, Greg Kinnear, Toni Colette und Dennis Quaid in den Hauptrollen und das Thriller-Drama „The Statement“ (2003) mit Michael Caine in der Rolle eines Komplizen des Vichy-Regimes, der 1944 im besetzten Frankreich an der Ermordung von sieben Juden maßgeblich beteiligt war. 
Er konnte allerdings nach seiner Inhaftierung fliehen, um dann anonym ein friedliches Leben unter dem Schutz rechtsgerichteter Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche zu führen – bis ein Mordanschlag auf ihn verübt wird, er dem Täter aber zuvorkommen kann. Die Richterin Annemarie Livi (Tilda Swinton) hat sich zum Ziel gesetzt, den Kriegsverbrecher auch nach so langer Zeit seiner gerechten Strafe zuzuführen und so fandet sie mit Hilfe von Colonel Roux (Jeremy Northam) nach dem untergetauchten Mann. Auf die Frage, was seine Filme besonders ausmache, antwortete Jewison einmal: „Ich möchte, dass sich die Menschen in meinen Filmen wiedererkennen. Ich schätze keine hirnlosen Action-Filme.“ 
Und wie Georg Seesslen in seinem Nachruf in "Die Zeit" formuliert: „Jewison nutzte die Mittel der Traumfabrik, um etwas zu sagen. Wenn man es auf den kleinsten Nenner bringen will: Es ging ihm um die Schuld des Menschen in dieser Welt, in dieser Geschichte, in dieser Gesellschaft. Das war manchmal dramatisch, manchmal aber auch furchtbar komisch. Jewison war auch als Komödienregisseur einer, der nie überdrehte, sondern sich stets den genauen Blick auf die Lebensumstände seiner Protagonisten bewahrte.“ 

Filmographie: 

1962: Ein Rucksack voller Ärger (40 Pounds of Trouble) 
1963: Was diese Frau so alles treibt (The Thrill of It All) 
1964: Schick mir keine Blumen (Send Me No Flowers) 
1965: Bei Madame Coco (The Art of Love) 
1965: Cincinnati Kid (The Cincinnati Kid) 
1966: Die Russen kommen! Die Russen kommen! (The Russians Are Coming the Russians Are Coming) 
1967: In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night) 
1968: Thomas Crown ist nicht zu fassen (The Thomas Crown Affair) 
1969: Gaily, Gaily 
1971: Anatevka (Fiddler on the Roof) 
1973: Jesus Christ Superstar 
1975: Rollerball 
1978: F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg (F.I.S.T.) 
1979: … und Gerechtigkeit für alle (…And Justice for All) 
1982: Zwei dicke Freunde (Best Friends) 
1984: Sergeant Waters – Eine Soldatengeschichte (A Soldier’s Story) 
1985: Agnes – Engel im Feuer (Agnes of God) 
1987: Mondsüchtig (Moonstruck) 
1989: Zurück aus der Hölle (In Country) 
1991: Das Geld anderer Leute (Other Peoples Money) 
1994: Nur für Dich (Only You) 
1996: Bogus 
1999: Hurricane (The Hurricane) 
2001: Abendessen mit Freunden (Dinner with Friends, Fernsehfilm) 
2003: The Statement 

Playlist: 

01. John Williams - Wedding Celebration and Bottle Dance (Fiddler on the Roof) - 03:51 
02. Lalo Schifrin - Melba (The Cincinnati Kid) - 04:04 
03. Quincy Jones - Mama Caleba's Blues (In the Heat of the Night) - 05:37 
04. Michel Legrand - The Chess Game (The Thomas Crown Affair) - 05:59 
05. Christopher Young - You Have Transcended (The Hurricane) - 05:48 
06. Dave Grusin - I Did An Experiment (Dinner With Friends) - 03:14 
07. Dave Grusin - Something Funny Goin' On (And Justice For All) - 03:28 
08. Bill Conti - End Title (F.I.S.T.) - 04:16 
09. Normand Corbeil - The Chase (The Statement) - 03:08 
10. James Horner - Distant Memories (In Country) - 05:08 
11. Lalo Schifrin - Dialogue In The Rain (The Cincinnati Kid) - 03:05 
12. Christopher Young - Scream of Silence (The Hurricane) - 05:12 
13. Georges Delerue - Symphonic Suite For Chorus and Orchestra - Part II (Agnes of God) - 03:30 
14. Michel Legrand - Doubting Thomas (The Thomas Crown Affair) - 03:49 
15. Dave Grusin - I'm Happy For You (Dinner With Friends) - 03:18 
16. Bill Conti - Kissing in the Closet (F.I.S.T.) - 03:10 
17. Rachel Portman - Theme From "Only You" (Only You) - 03:35 
18. Normand Corbeil - Candle Lighting (The Statement) - 03:08 
19. Dave Grusin - Ballad For God (And Justice For All) - 02:47 
20. Dmitri Shostakovich - Symphony No. 5 [excerpt Third Movement] (Rollerball) - 06:39 
21. Georges Delerue - Symphonic Suite For Chorus and Orchestra - Part I (Agnes of God) - 03:29 
22. Lalo Schifrin - Shooter (The Cincinatti Kid) - 03:24 
23. Marc Shaiman - Bogus (Bogus) - 03:18 
24. Michel Legrand - Playing the Field (The Thomas Crown Affair) - 05:49 
25. David Newman - Bitter Victory (Other People's Money) - 02:30 
26. Tomaso Albinoni - Adagio in G Minor (Rollerball) - 08:12 
27. James Horner - Fallen Friends (In Country) - 10:11

Sonntag, 2. April 2023

Playlist #368 vom 09.04.2023 - Neuheiten 2023 (2)

Alexandre Desplat, Hans Zimmer, Brian Tyler und George Fenton lauten die populären Namen in der heutigen Neuheiten-Sendung. Neben neuen Soundtracks von weiteren namhaften Komponisten wie Bear McCreary, Clint Mansell, David Holmes, John Debney und Max Richter sind auch artverwandte Piano-Werke des britischen Trios GoGo Penguin und der kanadischen Komponistin Alexandra Stréliski sowie Rachel Portmans Album „Beyond the Screen“ zu hören, auf dem sie ihre bekanntesten Film-Melodien neu für Piano arrangiert hat. Abgerundet wird die Sendung durch interessante Newcomer wie Andrew Morgan Smith, Xander Rodzinski, Walter Mair und Alain Mayrand
Pessi Levanto hat mit „Superstition“ einen Thriller von Karoline Lyngbye vertont, in dem ein kreatives Pärchen mit seinem jungen Sohn aus dem urbanen Kopenhagen in einen einsamen schwedischen Wald umsiedelt, um sich selbst als Individuen zu finden. 
,Superposition‘ ist ein Thriller mit einigen unerklärlichen übernatürlichen Elementen. Mit diesen Techniken untersucht es romantische Beziehungen und unsere Bedürfnisse und Hoffnungen in ihnen. Die Kernideen der Partitur werden direkt aus dem Thema selbst abgeleitet: Es gibt ein Quintintervall (ein C und ein G), um die Hauptfiguren zu symbolisieren, und eine weitere Quint (Des und As), die der ersten Quinte am nächsten ist, um eine alternative Version der Charaktere in einem möglichen Paralleluniversum zu symbolisieren. Aus diesen vier Tönen leitet sich so ziemlich die gesamte Partitur ab. Natürlich soll das niemandem beim Anschauen des Films auffallen, aber dieses Konzept hat mich dazu inspiriert, eine einzigartige und stimmige Klangwelt für dieses Projekt zu schaffen“, erklärt Levanto. „Das Hauptinstrument in der Partitur ist die Barockgeige, die im Gegensatz zu ihrer modernen Version über einen zurückhaltenderen und ruhigeren Ton verfügt. Das schien mir geeignet, ein klaustrophobisches und ängstliches Gefühl zu vermitteln, das im Film vorherrscht.“ 
Die 1960 geborene Britin Rachel Portman wurde 1996 für ihre Arbeit an der Literaturverfilmung „Emma“ als erste Frau mit einem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet und zählt mit über 100 Arbeiten für Film und Fernsehen längst zu den renommiertesten Vertreterinnen ihrer Zunft. Nachdem Sony Classical bereits einige ihrer herausragendsten Scores wie „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Oliver Twist“ und „Chocolat“ veröffentlicht hatte, erschien dort nun das Album „Beyond the Screen: Film Works on Piano“. Dafür hat Portman zwanzig Stücke aus ihrem reichhaltigen Repertoire ausgewählt, um sie neu für Piano bzw. Piano und Cello zu arrangieren. 
„Es musste eine sehr direkte Verbindung zwischen mir aus Autorin und dem Interpretieren bestehen. Für mich hat sowieso alles seinen Ursprung am Klavier, weil ich am Klavier schreibe“, erklärt Portman zum Entstehungsprozess des Albums. „Ich verbringe den ganzen Tag am Piano. Wahrscheinlich bin ich in meiner Seele Pianistin. Es fühlt sich also sehr befriedigend an, die Stücke am Klavier gespielt zu haben. In gewisser Weise hat sich damit der Kreis geschlossen.“ 
Umrahmt von zwei Stücken aus dem Soundtrack zu Lasse Halmströms Verfilmung von John Irvings „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ gibt es Stücke aus dem Soundtrack zu dem ebenfalls von Hallström inszenierten, fünffach Oscar-nominierten Film „Chocolat“ (2000) und der langjährigen Zusammenarbeit mit Wayne Wang („Girl Rising“, „Smoke“, „Snow Flower and the Secret Fan“) zu hören, außerdem Suiten und Tracks aus u.a. „One Day“, „The Duchess“, „Life is Sweet“, „Emma“, „Never Let Me Go“ und „Still Life“, einige davon sind mit der Cellistin Raphaela Gromes umgesetzt worden. 
„In der Auswahl der Stücke für das Album habe ich mich auf die bekanntesten Themen beschränkt, auf solche, die eine starke melodische Linie besitzen oder von Natur aus pianistisch sind. Es gab einige Stücke, wie ,Frozen Lake‘ aus ,The Human Stain‘, bei denen ich ein Cello hinzufügte, weil ich glaubte, der Klang benötige es. Ich habe mich für ein leicht verändertes Arrangement gegenüber dem Original entschieden, habe das ursprüngliche präparierte Klavier gegen ein normales Klavier als zweite Klavierstimme ausgetauscht, um eine leicht ätherische Qualität zu erzielen“, erklärt Portman im Booklet zu „Beyond the Screen“
Freunde gepflegter Piano-Klänge werden auch von „Néo-Romance“ begeistert sein, dem neuen Album der kanadischen Komponistin Alexandra Stréliski, die nach dem auf dem 2018er Album „Inscape“ thematisierten Burnout und der Selbstisolation während der Pandemie einer neuen Liebe wegen nach Rotterdam gezogen und dort den polnisch-jüdischen Wurzeln ihrer Familie nachgegangen ist. 
„Bei ,Néo-Romance‘ geht es um Geschichten gegen Einsamkeit und Isolation. Wir sollten uns daran erinnern, wie universell unser emotionales Spektrum des Menschen ist, im Gegensatz zu einer Polarisierung“, erklärt die Pianistin, die die romantische Vorstellung von der Romantik aufgreift, nach der Künstler ihre innere Welt zum Ausdruck bringen. 
„Diese romantische Vorstellung lässt sich in einer postmodernen Weise bewahren. Insofern fühle ich mich als eine ,romantische‘ Komponistin. Und mit einer neuen Liebe, die mich zurück nach Europa, zu meinen Wurzeln und diesen Entdeckungen führte, passt einfach alles zusammen. Die Prämisse und das Setting für das Album ist: Wie kann man in dieser desillusionierten, beängstigenden Zeit, in der wir leben, einen positiven, inneren Zugang im Sinne der Romantik zur Welt finden.“ 
Gleich zwei neue Arbeiten gibt es von dem britischen Filmmusik-Routinier George Fenton zu hören, der in seiner über 40-jährigen Karriere sowohl kraftvolle politische Biopics wie „Gandhi“ und „Schrei nach Freiheit“ als auch Komödien wie „e-m@il für Dich“ und „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sowie Naturdokumentationen wie „Blue Planet“ und „Planet Earth“ vertont hat. Zum einen hat er mit „Wild Isles“ die fünfteilige neue Natur-Doku-Serie von Sir David Attenborough für BBC vertont, außerdem das Drama „Allelujah“ über eine geriatrische Station in einem kleinen Krankenhaus in Yorkshire, das von der Schließung bedroht ist. 
„Was ich an ,Allelujah‘ liebe, ist die Art und Weise, wie es unangenehme moralische Fragen aufwirft und einen dazu bringt, sich mit zutiefst unangenehmen Themen auseinanderzusetzen, und Richard Eyres Film verschont einen nicht mit dem krassen Realismus, der oft schmucklos und stärker wirkt, weil er nicht durch Musik aufgeweicht oder sentimentalisiert wird“, erläutert der fünffach Oscar-nominierte Fenton seine Arbeit an „Allelujah“
„Die Musik gehört tatsächlich zur Welt außerhalb dieser Welt einer geriatrischen Station in einem Krankenhaus in North Yorkshire. Ich habe mehr über die Welt der Familiendynamik und Beziehungen rund um diese Geschichte geschrieben. Und diese Menschen werden durch die Augen eines jungen mitfühlenden Arztes wieder als Menschen erkannt. Die Fähigkeit derjenigen, die ihr Gedächtnis verlieren, sich noch an Lieder zu erinnern, ist gut dokumentiert und bildet das Herzstück von ,Allelujah‘. Sie singen zusammen zur Musiktherapie und ich wollte, dass es in der Partitur eine Verbindung zu ihrem Gesang gibt – und so gibt es in einigen Abschnitten wortlose Stimmen. Ich hoffe, dass die Leute, wenn sie sich den Soundtrack anhören, ein klares Gefühl für den Film und die Themen bekommen, die er behandelt.“ 
Nachdem Sony Classical bereits 2021 mit „The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration“ ein üppig ausgestattetes Live-Album mit neu arrangierten Suiten aus Erfolgsfilmen wie „The Dark Knight“, „King Arthur“, „The Da Vinci Code“, „Gladiator“ und „Inception“ veröffentlichte, folgt nun mit „Hans Zimmer Live“ das nächste Doppel-Album an, das während der europäischen Konzerttournee im Frühjahr 2022 aufgenommen wurde. Das Odessa Opera Orchestra und Chor wird hier durch Hans Zimmers zwanzigköpfige Band The Disruptive Collective ergänzt, zu der neben der Cellistin Tina Guo auch die Sänger Lebo M („Der König der Löwen“) und Lisa Gerrard („Gladiator“) zählen. Die Liste der berücksichtigten Soundtracks ähnelt sich zwar, doch sind mit „Wonder Woman“, „No Time to Die“ und dem Oscar-prämierten Score zu „Dune“ auch neuere Werke zu hören. Dabei verschmilzt der klassische Orchestersound eindrucksvoll mit elektronischen und rockigen Elementen. 
Das 2012 in Manchester gegründete Trio GoGo Penguin präsentiert mit „Everything Is Going to Be OK“ nicht nur ein neues Album und ihr Debüt bei dem Sony-Label XXIM Records, sondern mit Jon Scott auch einen neuen Drummer, der den 2020 ausgeschiedenen Rob Turner ersetzt. Pianist Chris Illingworth, Bassist Nick Blacka und Drummer Scott vereinen auch auf ihrem neuen Album Einflüsse aus Jazz, Electronica und Neo-Klassik zu einem eigenwilligen elektroakustischen Mix, der bereits auf der ersten Single-Auskopplung, dem von Anil Seths Buch „Being You“ inspirierten „Glimmerings“, angedeutet wurde. 
Die aus Eutin stammende Komponistin Anne-Kathrin Dern sammelte ihre ersten Erfahrungen in der Filmmusik durch die Zusammenarbeit mit Alan Menken und Christophe Beck bei der Mittelalter-Komödie „Galavant“ und dann mit Klaus Badelt sammelte. Mit „The Devil Conspiracy“ präsentiert sie nun ihren ersten Ausflug ins Horror-Genre. 
„Diesmal tauchte ich in eine Kombination aus Synthesizern und Sounddesign ein, gepaart mit Barockchören, Pfeifenorgel und E-Gitarren. Ich habe die absolute Freiheit des nicht-traditionellen Scorings sehr genossen – die Möglichkeiten waren wirklich endlos, es fühlte sich fast an, als würde man Sound formen und malen. Die religiösen und übernatürlichen Aspekte des Films ermöglichten eine sehr einzigartige Klangmischung, mit der ich selten spielen kann.“ 

Playlist:

1. Daniel Pemberton & Toydrum - River Investigates (Slow Horses: Season 2) - 03:09 
2. John Debney - 16 Years Ago (80 For Brady) - 02:35 
3. Bryce Dessner - She's In Williamsburg (A Good Person) - 03:56 
4. Brian Tyler - Story of the Ages (Awakening) - 03:28 
5. Brian Tyler & Sven Faulconer - Tara's Plan (Scream VI) - 02:07 
6. Pessi Levanto - Leaving (Superposition) - 03:57 
7. Fil Eisler - Over the Horizon (Outer Banks: Season 3) - 03:28 
8. Marcel Barsotti - Suite (La Linea Imaginaria) - 03:25 
9. Rachel Portman & Raphaela Gromes - The Human Stain: Frozen Lake (Beyond the Screen: Film Works On Piano) - 03:28 
10. Alexandra Stréliski - The Breach (Néo-Romance) - 03:32 
11. Clint Mansell - Sandy (Sharper) - 04:18 
12. Max Richter - Tranquility VI (Sleep: Tranquility Base) - 03:39 
13. Alexandre Desplat - Rêve d'amour (Eiffel) - 05:13 
14. David Holmes - Opening Title (Marlowe) - 02:04 
15. George Fenton - The Emperor (Wild Isles: Woodland) - 02:12 
16. George Fenton - Front Titles (Allelujah) - 03:03 
17. Hans Zimmer & The Disruptive Collective - Inception: Time (Live) - 04:43 
18. Clovis Schneider - There Were Six of Them (Dark Hearts) - 04:49 
19. GoGo Penguin - Friday Film Special (Everything Is Going to Be OK) - 04:10 
20. Xander Rodzinski - Who's To Tell? (Dead For a Dollar) - 02:18 
21. Fernando Velázquez - In Love (Mummies) - 02:20 
22. Joseph Trapanese - How Will You Have Me (Shadow and Bone - Season 2) - 04:31 
23. Alain Mayrand - Rue and Turpin (Mosley) - 03:43 
24. Timothy Williams - We're Family (She Came from the Woods) - 02:43 
25. Andrew Morgan Smith - He's Alive (Bunker) - 01:58 
26. Andrew Morgan Smith - Twenty Years Later - Walking to School (The Old Way) - 03:14 
27. Walter Mair - Sleeping Beside Each Other (Liaison - Season 1) - 02:46 
28. Paul Leonard-Morgan - Credits (Boston Strangler) - 03:23 
29. Siddharta Khosla - Peter and Debbie (Your Place or Mine) - 02:41 
30. Emile Mosseri - These Things Are Separate (When You Finish Saving the World) - 02:14 
31. Bear McCreary - Looking for Ernest (We Have a Ghost) - 03:01 
32. Bear McCreary - Frey's Theme (Forspoken) - 05:52 
33. Mark Mothersbaugh - Peter's Elephant Dream (The Magican's Elephant) - 02:59 
34. Mark Mothersbaugh - Kristoffer and Elsa Hike (Cocaine Bear) - 02:16 
35. Anne-Kathrin Dern - Miracle (The Devil Conspiracy) - 01:22 
36. Ryuichi Sakamoto - 20220207 (12) - 07:02 

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