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Sonntag, 21. Juni 2026

Playlist #452 vom 28.06.2026 - Neuheiten 2026 (3)

Auf den Mattscheiben und Leinwänden kehrt Altbekanntes zurück. Hier ein Themenpark zur „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe, dort das Sequel zu „Der Teufel trägt Prada“ und schließlich ein Remake des einst gefloppten Superhelden-Spektakels „Masters of the Universe“. In der heutigen Sendung gibt es neben den Soundtracks zu diesen Filmen auch Serien-Highlights neuer Staffeln von „Euphoria“, „Citadel“ und „Good Omens“ sowie den neuen Serien „Watson“ und „Dutton Ranch“. Freut euch auf Musik von Daniel Pemberton, Hans Zimmer, John Powell, Jeff Russo, John Williams, Volker Bertelmann, Christopher Young und vielen anderen.
In Orlando hat Universal mit „How to Train Your Dragon – Isle of Berk“ einen neuen Themenpark (nach „The Wizarding World of Harry Potter – Ministry of Magic“, „Super Nintendo World“ und „Dark Universe“ mit klassischen Monstern) eröffnet. Zu den Highlights der Ankündigung gehören neben den vielen interaktiven Drachen-Erlebnissen und der „Hiccup’s Wing Gliders“-Achterbahn die orchestrale Musik von John Powell, der bereits die Scores zu den Filmen der „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe komponierte.
David Oyelowo spielt in Nate Parkers Thriller-Drama „Newborn“ die Titelfigur, die nach sieben Jahren in Einzelhaft versucht, sich ein neues Leben aufzubauen und wieder eine Bindung zu seiner Familie herzustellen – doch er muss feststellen, dass die Freiheit zu einem beängstigenden psychologischen Schlachtfeld geworden ist.
„Musikalisch ist die Welt der Einzelhaft zutiefst psychologisch geprägt und unerbittlich. Sie wirkt einerseits karg und gedämpft, andererseits aber auch weitläufig und intensiv, um die erschütternde Tiefe echter Isolation zu veranschaulichen. Schon früh im Produktionsprozess ließ Regisseur Nate Parker uns Originalaufnahmen aus Einzelhaftzellen hören – etwa das Schlagen von Häftlingen gegen Türen und Fenster. Dies wollten wir in der Filmmusik durch aggressive Metallklänge nachempfinden, die zwar rhythmisch die Konturen des Familienthemas nachzeichnen, dies jedoch in einem Ton der Verzweiflung tun. Während Chris versucht, diese Welt hinter sich zu lassen, unternimmt die Familie einen Ausflug nach Windor Peak – gedreht im stimmungsvollen Vancouver“, erzählt Komponist Anthony Willis. In Stücken wie ‚Looking for Peace‘ und ‚The Perfect Day‘ baut er eine Bindung zu seinem Sohn Jake auf; die Musik spiegelt dabei die Wärme und Intimität des Familienlebens wider – ein Gefühl der Wiederannäherung und des Nachhausekommens. Doch immer wieder wird er durch seine Umgebung und quälende Halluzinationen – etwa in ‚Visions of Prison‘ und ‚Build, Cell, Run‘ – aus der Bahn geworfen und beginnt, alles um sich herum infrage zu stellen.“
Volker Bertelmann hat bereits mit seiner Oscar-prämierten Musik zur Neuverfilmung des Klassikers „Im Westen nichts Neues“ Erfahrungen mit Kriegsfilmen machen können. Nun vertonte er mit „Pressure“ die britisch-französische Filmproduktion des australischen Filmemachers Anthony Maras, die wiederum auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Haig basiert, das erstmals im Jahr 2014 uraufgeführt wurde. Der Film spielt in den 72 Stunden vor der geplanten alliierten Invasion in die Normandie, die von einem entscheidenden Element abhängt: das englische Wetter. Der britische Chefmeteorologe James Stagg steht vor der Aufgabe, die wichtigste Wettervorhersage der Geschichte zu liefern, was ihn in eine angespannte Pattsituation mit der gesamten alliierten Führung bringt. Falsche Bedingungen könnten die größte Seeinvasion aller Zeiten zum Scheitern bringen, während jede Verzögerung die Gefahr birgt, dass der deutsche Geheimdienst Wind von der Sache bekommt. Nur seinem vertrauten Adjutanten Captain Kay Summersby kann er sich anvertrauen, und die katastrophale Generalprobe für den D-Day verfolgt ihn, so liegt die endgültige Entscheidung beim Oberbefehlshaber der Alliierten, General Dwight D. Eisenhower…
Deborah Correa hat mit „The War Between“ Western-Drama inszeniert, das 1862 im Arizona-Territorium spielt. In den ersten Monaten des Bürgerkriegs müssen hier zwei feindliche Soldaten zusammenarbeiten, um zu überleben, nachdem sie in der Sonora-Wüste gestrandet sind.

„Schon seit meiner Kindheit liebe ich Geschichten über den Wilden Westen und den Bürgerkrieg. Als Kind schlich ich mich sogar heimlich ins örtliche Kino, um den neuesten John-Wayne-Film zu sehen – ein kleines, aber feines Vergnügen für mich. Dort wurde mir erstmals bewusst, welche Wirkung Filmmusik hat; ich war fasziniert und wollte unbedingt wissen, wie diese Art von Filmmagie entsteht“, erzählt Filmkomponist Dennis Dreith. „Als mich Ron Yungul – Autor und Produzent von ‚The War Between‘ – anfragte, ob ich die Musik für seinen im Arizona-Territorium spielenden Bürgerkriegsfilm komponieren wolle, ergriff ich sofort die Gelegenheit. Die Zusammenarbeit mit Filmemachern, die ihr erstes Projekt realisieren, kann durchaus eine Herausforderung sein, ist aber auch sehr bereichernd, da man ihnen zeigen kann, was Musik für einen Film bewirken kann. In diesem Fall hatten die Filmemacher eine klare Vorstellung von ihrem Projekt, die sich wunderbar mit meiner eigenen Vision deckte. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war eine Mischung aus Aaron Copland und Earl Klugh, gepaart mit einer Hommage an die klassischen Soundtracks der Westernfilme vergangener Zeiten.“

Einst komponierte Genre-Spezialist Christopher Young die Musik zu großartigen Horror-Werken wie Clive Barkers „Hellraiser“, dessen Fortsetzung „Hellraiser II“, George A. Romeros „The Dark Half“ oder Sam Raimis „The Gift“. Mittlerweile wird der Altmeister nur noch für B-Movie-Produktionen wie dem verpatzten Remake von „Friedhof der Kuscheltiere“, dem Okkult-Horror „The Offering“ oder dem Mystery-Horror „The Piper“ engagiert. In diese Reihe gehört auch „Passenger“. Für die moderne „Jeepers Creepers“-Variante komponierte Young zwei verschiedene Arten von Musik. Während die „Passenger“-Cues gruselige Horror-Klänge präsentieren, bieten die „St. Christopher“-Stücke sakrale Chöre ohne instrumentale Begleitung. 

„Als ich die CD mit der Filmmusik zusammenstellte, beschloss ich, das eigentliche Material aus dem Film als Ausgangspunkt für eine Suite von Ideen zu nutzen, die zu einer eigenen musikalischen Erzählung weiterentwickelt wurden. Angelehnt an den Ablauf eines Gottesdienstes beginnt das Werk mit einem Vorspiel für Streichorchester (anstelle des üblichen Orgelvorspiels). Darauf folgen drei Abschnitte: Im ersten Teil singen ein Knaben- und ein Männerchor einen eigens komponierten Hymnus im Stil traditioneller episkopaler Chormusik; dieser steht für die Figur des Heiligen Christophorus. Es schließt sich eine Prozession von Geistlichen an, die Trommeln und Glocken spielen. Schließlich folgt auf diesen Abschnitt das düstere Material – jene Musik, die „The Passenger“ (den Passagier) repräsentiert. Die beiden verbleibenden Teile der Partitur sind nach demselben Prinzip aufgebaut.“

Damit gelingt Christopher Young einmal mehr das Kunststück, unauffällige Horror-Produktionen mit seiner versierten Musik extrem aufzuwerten.
1987 inszenierte Gary Goddard mit „Masters of the Universe“ mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle ein trashiges-Action-Science-Fiction-Abenteuer, das seinen Ursprung in einer Spielzeugreihe aus dem Jahr 1982 hatte und in dem der heroische Krieger He-Man gegen den bösen Lord Skeletor und seine Armeen der Dunkelheit um die Kontrolle über Castle Grayskull kämpfte. Fast vierzig Jahre später versucht sich nun Regisseur Travis Knight („Kubo: Der tapfere Samurai“, „Bumblebee“) an einer Wiederbelebung, bewahrt in seiner Interpretation der Geschichte den skurrilen Ton der 80er-Jahre-Realverfilmung. Der gerade einmal zehn Jahre alte Prinz Adam stürzt mit seinem Raumschiff auf dem Planeten Erde ab und wird dabei von seinem mächtigen magischen Schwert getrennt, das ihn mit seiner Heimat Eternia verbindet. Erst fast zwei Jahrzehnte später findet er die kraftvolle Klinge wieder und wird durch ihre magischen Kräfte durch das All zurück auf seinen mittlerweile ziemlich anders aussehenden Heimatplaneten gewirbelt. Der wurde nämlich während seiner Abwesenheit von Skeletor übernommen und während dieser Schreckensherrschaft regelrecht in Schutt und Asche gelegt. Um Skeletor also besiegen zu können, muss Prinz Adam erst einmal die Geheimnisse seiner eigenen Vergangenheit aufdecken und zu He-Man, dem mächtigsten Mann des Universums, werden. Zum Glück kann er dabei auch auf seine engsten und treuesten Verbündeten zählen: Teela und Duncan aka Man-at-Arms.
Um He-Mans Verwandlung vom durchschnittlichen jungen Mann zu einem allmächtigen Wesen – jemandem, der ein Schwert führt, das sonst niemand handhaben kann – musikalisch zu untermalen, arbeitete Komponist Daniel Pemberton mit dem Queen-Mitbegründer Brian May gemeinsam an dem Titelsong „Electrica“. Dabei handelt es sich um eine dreiminütige Ballade, die einen 100-köpfigen Chor, ein 80-köpfiges Orchester, eine Rockband und zahlreiche Synthesizer vereint.

„Ich wollte, dass sich ein erwachsener Mann wieder wie ein kleiner Junge fühlt und ein kleiner Junge wie ein erwachsener Mann“, sagt Pemberton im Interview mit "Variety". „Ich wollte etwas, das die Wucht und Ernsthaftigkeit eines Hard-Rock-Songs besitzt, gepaart mit der Farbigkeit, dem Camp-Faktor und dem leicht Kitschigen eines eingängigen Euro-Pop-Songs. Die Einflüsse jener Zeit waren stark vom Pop geprägt. Der Song sollte genau diese Stimmung vermitteln: Sobald der Film beginnt, weiß man, dass einen etwas Unterhaltsames erwartet. Das ist das Wichtigste an diesem Film – er macht einfach ungeniert Spaß.“

In Ricardo de Montreuils Drama „Mistura“ gerät das Leben einer Frau aus den Fugen, als sie durch den Verrat ihres Mannes aus der Welt der High Society verstoßen wird. Sie wendet sich Randgruppen zu und begibt sich auf eine Reise der Wandlung; mit einem gewagten kulinarischen Unterfangen stellt sie gesellschaftliche Normen infrage und definiert ihr Leben völlig neu.
„Als Regisseur Ricardo de Montreuil mir erstmals Standbilder vom Set von ,Mistura‘ zeigte, war ich sofort fasziniert. Die Bilder besaßen eine leuchtende, zeitlose Qualität, die an ein Meisterwerk mit Sophia Loren erinnerte – eine Rückkehr zu einer Art von exquisiter Filmkunst, wie ich sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Doch als ich den fertigen Film sah, entfaltete sich eine tiefere, emotional unmittelbarere Geschichte. Wir begleiten Norma, eine Frau aus privilegierten Verhältnissen, der plötzlich ihre Welt genommen wird; sie steht vor dem Nichts und ist von jener Elite-Gesellschaft isoliert, die einst ihr Leben bestimmt hatte. Ihre Reise ist geprägt von radikalem Wandel: Sie öffnet sich für Gemeinschaften, die zuvor keine Rolle für sie spielten, und fordert den Status quo durch ein gewagtes kulinarisches Projekt heraus, das schließlich ihre Seele neu definiert. Die größte Herausforderung bei der Komposition für ,Mistura‘ bestand darin, eine Klangsprache zu finden, die sowohl die äußere Schönheit von Normas Träumen als auch den inneren Kampf um ihr Überleben einfangen konnte“, berichtet Komponist Timothy Williams von der Arbeit an „Mistura“. „Die Musik musste einerseits so kultiviert wirken wie ihre Vergangenheit, andererseits aber auch so ungefiltert und rau wie ihre Gegenwart. Während Normas Themen oft durch elegante Klavier- und Streicherarrangements getragen werden, bildet die Figur des Oscar einen essenziellen Gegenpol. Um seine Welt musikalisch darzustellen, integrierte ich ein lebendiges ‚Street-Flair‘, bei dem der legendäre Alex Acuña am Schlagwerk mitwirkte. Seine rhythmischen Texturen bilden den Herzschlag der lokalen Kultur und fungieren als Katalysator, der Normas Entwicklung vorantreibt. Ganz im Sinne des Filmtitels ist auch die Filmmusik eine ‚Mistura‘ – eine bewusste Mischung. Wir verbanden klassische Strukturen mit traditionellen rhythmischen Wurzeln, um Normas Weg aus den Salons der High Society hinein in das pulsierende Herz der Gemeinschaft widerzuspiegeln.“ 
„Disclosure Day“ stellt die 30. Zusammenarbeit zwischen Regisseur Steven Spielberg und Maestro John Williams dar. Obwohl Williams dem Filmemacher vier andere Komponisten vorschlug, konnte sich Spielberg am Ende durchsetzen und den versierten Komponisten zu einem melodischen, sehr ruhigen Score zu dem Science-Fiction-Film überreden, der zwar etwas an Spielbergs Meisterwerk „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erinnert, sich aber in einem entscheidenden Punkt von „Disclosure Day“ unterscheidet.
„Die Filmmusik zu ,Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ hat fast opernhaften Charakter, sie führt den Film an – sie ist dem Film gewissermaßen voraus“, meinte Spielberg in einem Interview. „Bei ,Disclosure Day‘ wollte ich hingegen, dass Johns Musik hinter dem Film steht, ihn gleichsam unterfüttert. Sie sollte den Film tragen, aber nicht zu sehr abheben lassen; sie sollte ihn lenken und stützen, sich aber niemals in den Vordergrund drängen.“

Playlist: 

01. John Powell - Fate of the Hidden World (How to Train Your Dragon - Isle of Berk) - 03:22 
02. Anthony Willis - Solitary Suite (Newborn) - 06:08 
03. Volker Bertelmann - Pressure Ending Credits (Pressure) - 06:22 
04. Dennis Dreith - Reunion and Loss (The War Between) - 03:27 
05. Christopher Young - St. Christopher #1 (Passenger) - 04:25 
06. Hans Zimmer - Rue Romance (Euphoria - Season 3) - 08:47 
07. Nick Cave & Warren Ellis - Shootout (Detective Hole) - 03:41 
08. Dickon Hinchliffe - Remarkable Bright Creatures (Remarkable Bright Creatures) - 03:04 
09. John Williams - Memory... (Disclosure Day) - 04:07 
10. Kris Bowers & Michael Dean Parsons - You Loved Me at My Worst (Spider-Noir) - 03:13 
11. Volker Bertelmann - Singing Together (La Bataille de Gaulle - L’Âge de fer) - 03:30 
12. Brian Tyler & Breton Vivian - Texas Train Station (Dutton Ranch - Season 1) - 03:22 
13. Arturo Cardelùs - Misericordia (Terra Alta) - 02:39 
14. Nick Foster & Sam Thompson - Landing (The Balloonists) - 04:01 
15. Max Aruj - She Needs You (Man on Fire) - 03:41 
16. Daniel Pemberton - Young Adam (Masters of the Universe) - 03:46 
17. Rupert Gregson-Williams - Crawl (Prisoner) - 03:48 
18. Paul Leonard-Morgan - Take Care of the Babies (Watson - Seasons 1 & 2) - 03:04 
19. Timothy Williams - If I Lost You (Mistura) - 04:10 
20. David Arnold - Jesus Is Confused (Good Omens 3) - 03:06 
21. Theodore Shapiro - Timeless (The Devils Wear Prada 2) - 04:03 
22. Siddhartha Khosla - She's Gone (Swapped) - 04:27 
23. Federico Jusid - A Message From Home (Star City) - 03:16 
24. Mike Forst - We Gotta Move (Seven Snipers) - 03:26 
25. Will Bates - Lonely Boy Absolved (Tuner) - 04:04 
26. Austin Wintory - Happy Birthday Little Buddy (SWAPMEAT) - 06:57
27. Randy Newman - Tech Boom (Toy Story 5) - 03:05
28. Jeff Russo - Citadel Redux [Broken] (Citadel - Season 2) - 08:04

Sonntag, 9. November 2025

Playlist #436 vom 16.11.2025 - Neuheiten 2025 (6)

Die Wiederbelebung klassischer Gruselstoffe ist wieder in Mode gekommen. Nachdem Action-Virtuose Luc Besson („Léon – Der Profi“, „Lucy“) bereits Bram Stokers „Dracula“ neues Leben eingehaucht hat, liefert nun der für seine gotischen Fantasy-Horror-Stoffe bekannte Guillermo del Toro („Nightmare Alley“, „Crimson Peak“) seine Lesart in der 120 Millionen teuren Netflix-Produktion von Mary Shelleys „Frankenstein“. In dieser Sendung gibt es dazu nicht nur die Musik von Alexandre Desplat zu hören, sondern auch neue Soundtrack-Arbeiten von Volker Bertelmann, James Newton Howard, Jeff Beal, Marcelo Zarvos, Lorne Balfe, Hans Zimmer, Carter Burwell und vielen anderen.
Guillermo del Toro hat den klassischen Schwarzweiß-Film „Frankenstein“ (1932) von Universal mit Boris Karloff in der Hauptrolle der bemitleidenswerten Kreatur als wichtigsten Film seiner Kindheit bezeichnet, weshalb es wenig überrascht, dass er mit allen Mitteln, die einem visionären und erfolgreichen Filmemacher wie ihm zur Verfügung stehen, diesem Klassiker seinen eigenen Stempel aufdrückt.
Die Arktisexpedition rund um Captain Anderson (Lars Mikkelsen) ist in der lebensfeindlichen Natur des Nordpols im Packeis zum Stehen gekommen, als ihm ein schwerverletzter Mann in die Arme läuft, der sich als Dr. Victor Frankenstein (Oscar Isaac) vorstellt. Das menschenähnliche Monster (Jacob Elordi), das ihm dicht auf den Fersen ist, wütet durch Andersons Truppe, ehe es nach wuchtigen Gewehrsalven zum Rückzug gezwungen wird. Diese Atempause nutzt Frankenstein, um dem neugierigen Captain seine Geschichte zu erzählen.
Durch den Tod seiner Mutter (Mia Goth) bei der Geburt seines Bruders William (Felix Kammerer) gehörig aus der Bahn geworfen, hat Victor dem Tod den Kampf angesagt und seine Forschungen an der Universität darauf konzentriert, künstliches Leben zu erschaffen. Doch erst sein wohlhabender Gönner Harlander (Christoph Waltz) ermöglicht ihm die Umsetzung seiner gemeinhin als ketzerisch betrachteten Ideen… Alexandre Desplat, der bereits del Toros „Pinocchio“ und „Shape of Water“ vertont hat, schuf dazu einen gotisch angehauchten, dramatischen Score, der die Dilemma sowohl des Schöpfers als auch seiner Kreatur adäquat einfängt.
Zwei neue Soundtracks gibt es auch von Jeff Beal („House of Cards“, „Rom“, „Carnivàle“). Beal schuf mit „All Her Fault“ einem orchestralen Soundtrack, den er mit elektronischen Elementen und Klavierklängen angereichert hat, eine düstere und unheilvolle Atmosphäre für die spannungsgeladene Thriller-Serie, die auf dem Roman von Andrea Mara basiert.
Die Serie handelt von der Mutter Marissa Irvine, die ihren kleinen Sohn Milo von seinem ersten Spieltreffen abholen will und feststellt, dass sie die Frau, die ihr Tür öffnet, nicht kennt. Sie hat Milo nicht und noch nie von ihm gehört. Während sich der schlimmste Albtraum aller Eltern entfaltet, führen neue Fragen zu tiefen Geheimnissen und enthüllen Risse in der scheinbar perfekten Welt der Irvines, bis schließlich alles in Trümmern liegt.
„Ein mysteriöser Thriller, kombiniert mit intelligenten und vielschichtigen Charakterzeichnungen, bot mir eine Fülle an dramatischem Material“, erzählt Beal von seiner Arbeit an „All Her Fault“. Die Show handelt von Vertrauen, Geheimnissen, Lügen, Freundschaft und letztendlich von den emotionalen Belastungen des Elternseins. Ich habe viele Elemente meiner bisherigen Arbeit in die Filmmusik einfließen lassen, insbesondere Streichorchester, Elektronik, Soloklavier und Knabensopran, um Musik zu schaffen, die diese angespannte und persönliche Welt widerspiegelt. Obwohl die Musik oft intim wirkt, hat sie aufgrund ihrer emotionalen Wucht oft etwas Opernhaftes.“
Außerdem vertonte Beal mit „RFK: Legacy“ einen Dokumentarfilm von Oliver Stones Sohn Sean Stone.
Von den Wirren der 1960er Jahre bis heute zeichnet „RFK: Legacy“ das Leben zweier Generationen von Kennedy-Männern nach, die das Establishment für Wahrheit und Gerechtigkeit herausforderten, und zeigt, wie die Echos der Geschichte durch die Zeit nachhallen.
In der Serie „The Couple Next Door“ geht es um ein junges Paar, das in ein gehobenes Viertel zieht, um eine Familie zu gründen, doch schon bald verstricken sie sich in einem komplizierten Netz aus Begierde und Verrat mit ihren neuen Nachbarn.

„Für die zweite Staffel von ,The Couple Next Door‘ wollte ich die Klangwelt der ersten Staffel erweitern und ihr gleichzeitig einen neuen emotionalen Fokus geben. Die Serie spielt weiterhin in derselben Sackgasse, aber mit einer völlig neuen Besetzung – und Mia im Mittelpunkt. Für sie komponierte ich ein Wiegenlied, das zum neuen Hauptthema der Staffel wurde. In der ersten Staffel spielten Stimmen eine entscheidende Rolle – mal natürlich, mal stark bearbeitet – und diesen Ansatz wollte ich hier fortsetzen. Diesmal führte ich eine neue Stimmfarbe ein: den klassischen Sopran“, erklärt Hannes De Maeyer.Jolien De Gendt singt Mias Wiegenlied in mehreren Schlüsselmomenten. Ihre Stimme verleiht dem Ganzen eine intime und zugleich zeitlose Qualität, die einen Kontrast zu den düsteren, psychologischen Untertönen der Serie bildet. Um diesen Anker herum formte ich eine Klangwelt, die akustische und elektronische Elemente vereint: Zarte Klavierlinien, subtile Streicher und Orgelakkorde verschmelzen mit vielschichtigen Synthesizer-Texturen und Sounddesign. Mein Ziel war es immer, den Charakteren nahe zu bleiben und sowohl ihre Zärtlichkeit als auch die Spannung und das Unbehagen der Geschichte einzufangen.“ „Wenn die Partitur selbst eine unsichtbare Präsenz im Raum wäre.“
Der belgische Film „Baghdad Messi“ von Sahim Omar Kalifa erzählt von einem zehnjährigen Jungen, der im vom Krieg zerrissenen Irak trotz seiner schweren körperlichen Beeinträchtigung eine Begeisterung für Fußball entwickelt. 
„Die Musik von ,Bagdad Messi‘ ist eine Reise in die tiefsten Gefühle Hamoudis, dieses leidenschaftlichen Jungen, dessen Unschuld und Träume durch die Gewalt der Männer zerstört werden. Unser Ziel mit Regisseur Sahim Omar Kalifa war es, diesen Kontrast zwischen der Härte des Krieges und der Widerstandsfähigkeit der Kindheit einzufangen. Die musikalische Erzählung, geprägt von den Kontrasten zwischen der Sanftheit der Streicher, der Poesie von Duduk und Oud und dem rhythmischen Schlagwerk, nimmt uns mit auf eine Reise in Hamoudis emotionale Welt“, berichtet der belgische Komponist Frédéric Vercheval von der Arbeit an dem Soundtrack. „Die Partitur mit ihren vielfältigen, östlichen Einflüssen repräsentiert Landschaften, die Wüste, die Hitze, aber auch die Unschuld der Kindheit, Verlust, Trauer und Liebe. Manchmal erinnern Perkussion und düstere Klangfarben an die Realität eines endlosen Konflikts. Es ist Musik über Verlust, aber vor allem über die unerschütterliche Hoffnung, die im Herzen der Tragödie fortbesteht.“

Playlist: 

01. Alexandre Desplat - Family Life (Frankenstein) - 04:11 
02. Alexandre Desplat - Vie de famille (L'homme qui rétrécit) - 03:11 
03. Aaron Zigman - Hugo Finds Out + Typewriters (Truth & Treason) - 03:06 
04. Marcelo Zarvos - Hal Drives Off (The Diplomat - Season 3) - 04:06 
05. Jeff Beal - Questioning the Parents (All Her Fault) - 03:18 
06. Jeff Beal - Environmental Activism (RFK Legacy) - 04:38 
07. Hannes De Maeyer - The New You (The Couple Next Door - Season 2) - 04:00 
08. Frédéric Vercheval - Baghdad Messi (Baghdad Messi) - 06:02 
09. Volker Bertelmann - Reunion (Dead of Winter) - 03:52 
10. Volker Bertelmann - Apartment, Running & Ghost Day (Ballad of a Small Player) - 06:13 
11. Volker Bertelmann - No Longer Unimaginable (A House of Dynamite) - 06:15 
12. Ramin Djawadi - The Nominee (Death By Lightning) - 03:47 
13. Lorne Balfe & Joshua Pacey - I'm Here to Arrest You (The Hack) - 03:02 
14. Lorne Balfe & Peter Adams - Come to Terms [Variations on Behind the Wheel] (Hallow Road) - 06:57 
15. James Newton Howard - Reunited (The Lost Bus) - 04:52 
16. Joseph Trapanese & Jason Lazarus - Raison d'etre (The Ritual) - 04:22 
17. Bryce Dessner - Kate, Returned (Train Dreams) - 03:57 
18. Carter Burwell - A Life Worth Living (Good Fortune) - 04:44 
19. Hans Zimmer & James Everingham - Virdee (Virdee) - 02:31 
20. Stephen Edwards - Old Boat, New Boat (Joe Baby) - 03:16 
21. Hildur Guðnadóttir - Stolen Tale - The Band (Hedda) - 03:47 
22. Hans Zimmer - Margaret's Testament (Eden) - 02:53 
23. Joe Hisaishi - Sarah and David (A Big Bold Beautiful Journey) - 05:10 
24. Graham Reynolds - Tell Me About the Guys (Blue Moon) - 04:23 
25. Steven Price - Wake Up (Long Distance) - 03:30 
26. Brian Tyler - Nuremberg End Title (Nuremberg) - 13:44

Dienstag, 1. April 2025

Playlist #420 vom 06.04.2025 - Neuheiten 2025 (2)

Es scheint eine zunehmend beliebtere Praxis zu sein, Höhepunkte im Schaffen populärer Komponisten in Zusammenstellungen neuer Arrangements zu präsentieren. So hat Sony Classical nach „The World of Hans Zimmer – A New Dimension“ nun einen zweiten Teil mit Arbeiten von Hans Zimmer in neuen Aufnahmen als Doppel-CD veröffentlicht, und auch die Deutsche Grammophon legt mit „Anthology – The Paris Concerts“ ein Doppel-Album mit Live-Aufnahmen der bekanntesten Arbeiten von Howard Shore vor. Ansonsten gibt es in der heutigen Neuheiten-Sendung wieder einen unterhaltsamen Mix aus elektronischen und Orchesterklängen mit Chören und exotischen Instrumenten zu hören. Komponisten wie Alexandre Desplat, Dominic Lewis, Jeff Russo, Volker Bertelmann, Jeff Beal, Paul Leonard-Morgan, Lorne Balfe und viele andere haben nicht nur neue Musik zu Serien wie „The Wheel of Time“ und „A Thousand Blows“ kreiert, sondern auch zu etlichen neuen Streaming- und Kinofilmen.
Nach Serien wie „Star Trek: Discovery“, „Star Trek: Picard“ und „Star Trek: Strange New Worlds“ kommt nun mit „Star Trek: Sektion 31“mal wieder ein „Star Trek“-Film ins Kino, der 23 Jahre nach „Star Trek: Nemesis“ der erste „Star Trek“-Film ist, der in der Zeitlinie der ursprünglichen Serien und Filme spielt.
Der Actionfilm mit Michelle Yeoh in der Hauptrolle ist ein Spin-off der Fernsehserie „Star Trek: Discovery“ und sollte ursprünglich die Pilotfolge einer neuen Serie werden. Yeoh spielt in dem Film, wie zuvor in der Serie, die ehemalige Imperatorin aus dem Spiegeluniversum, Philippa Georgiou. Sie schließt sich der titelgebenden geheimen Abteilung „Sektion 31“ der Sternenflotte an, welche die Mission hat, die Vereinigte Föderation der Planeten zu schützen. Die Musik dazu steuerte wie bereits zu den vorangegangenen „Star Trek“-Serien Jeff Russo bei.
Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem Abenteuerklassiker „Der Graf von Monte Christo“, den „Die drei Musketiere“-Autor Alexandre Dumas 1846 veröffentlicht hat. Das dreistündige Epos von Matthieu Delaporte und Alexandre De La Patellière erzählt von dem jungen Seefahrer Edmond Dantès (Pierre Niney), der im Jahr 1815 nach langem Suchen endlich und endgültig das Glück gefunden zu haben scheint. Nicht nur wird er zum Kapitän eines Schiffs befördert, sondern es steht auch die langersehnte Heirat mit seiner großen Liebe Mercédès (Anaïs Demoustier) an. Doch platzen seine Träume von einem Moment auf den anderen, als Edmond von seinen Rivalen beschuldigt wird, Verbindungen zum abgesetzten Kaiser Napoleon zu haben. Ohne stichhaltige Beweise wird der Bezichtigte kurzerhand verhaftet und auf der Gefängnisinsel Chateau d’If in einen finsteren Kerker geworfen. Mithilfe seines Zellennachbarn Abbé Faria (Pierfrancesco Favino) gelingt ihm 14 Jahre später schließlich die waghalsige Flucht von der Insel, woraufhin er sich auf einen ausgeklügelten Rachefeldzug gegen all diejenigen begibt, die ihn damals durch falsche Anschuldigungen aus seinem Leben gerissen haben...
Den orchestralen Score komponierte Oscar-Gewinner Volker Bertelmann, der bereits mit seinen Engagements zu Produktionen wie „Der Name der Rose“, „War Sailor“ und „Im Westen nichts Neues“ Erfahrungen mit historischen Stoffen sammeln konnte.
„The Commoner“ von Vibeke Idsøe erzählt die Geschichte zweier junger, sehr verliebter Menschen, die neun Jahre lang warten mussten, um zu erfahren, ob sie ihr Leben miteinander teilen können. Das größte Hindernis war die norwegische Verfassung, die besagt, dass der König das letzte Wort darüber hat, wen der Kronprinz heiraten darf.

„Die Musik musste die Liebe, die Last der königlichen Pflicht, die Frustrationen, die öffentliche Angst und Wut darüber, dass diese Affäre die Monarchie gefährden könnte, und schließlich den endgültigen Sieg widerspiegeln. Da wir uns in einem königlichen Umfeld befinden, erschien es uns naheliegend, Hörner und Streicher als Hauptelemente der Partitur zu verwenden. Aber sowohl ich als auch die Regisseurin Vibeke Idsøe wollten die Geschichte zeitgenössisch erzählen, daher habe ich auch Synthesizer und Elektronik eingesetzt, mehr als ich es sonst tue“, erzählt Komponist Gaute Storaas von der Arbeit an der Musik, die auch einige Jazz-Einlagen bereithält.

Die Literaturverfilmung „The Safe House“ durch den Schweizer Filmemacher Lionel Baier erzählt von einem neunjährigen Jungen, dessen Eltern an den 1968er-Protesten in Paris teilnehmen, während er bei seinen Großeltern und Onkeln zurückbleibt. Inmitten der turbulenten Atmosphäre der Zeit nimmt das alltägliche Leben in der Wohnung seinen Lauf, geprägt von exzentrischen Gewohnheiten und lebhaften Diskussionen. Die Ankunft eines illustren Gastes bringt jedoch eine spürbare Veränderung mit sich. Die Dynamik innerhalb der Familie verschiebt sich, Allianzen werden auf die Probe gestellt, und der Junge erlebt hautnah, wie persönliche und gesellschaftliche Umbrüche miteinander verflochten sind.

„Der Film balanciert stets zwischen schräg/seltsam und wahrhaftig/ernst. Nachdem wir verschiedene musikalische Ansätze ausprobiert hatten, die immer wieder neue Ideen für eine straffere Schnittführung lieferten, endeten wir mit rasanten Drum-Grooves, ergänzt durch jazzige Solisten. An vielen Stellen genügten sehr reduzierte musikalische Texturen, gespielt von verschiedenen Live-Instrumenten. Um das schnelle Tempo von Schnitt und Dialog zu verstärken, nahmen wir verschiedene organische, stimmungsvolle Jazz-Drum-Grooves auf“, erzählen die drei Komponisten Diego Baldenweg, Nora Baldenweg und Lionel Baldenweg. „Für die intimeren Momente suchten wir nach Möglichkeiten, den Protagonisten so nahe wie möglich zu sein. Statt auf Elektronik oder ein komplettes Orchester zu setzen, entschieden wir uns, hauptsächlich mit Blasinstrumenten zu arbeiten, und baten die Musiker, mit den Bewegungen der Protagonisten musikalisch zu atmen. Basierend auf unseren musikalischen Arrangements und Noten baten wir um Interpretationen und lockere Improvisationen mit Trompete, Flöte, Bassflöte, Okarina, Klarinette, Bassklarinette, Kontrabass und Klavier. Die Verbindung der lebendigen, groovigen Drums mit den intimen, organischen Blasinstrumenten, gekleidet in warmen Vintage-Plattenhall, verlieh dieser Filmmusik eine fesselnde 70er-Jahre-Vibe.“

Mit „The World of Hans Zimmer – A New Dimension: Part II“ präsentiert Sony Classical die Fortsetzung der Compilation mit neu eingespielten Arrangements von Hans Zimmers bekanntesten Arbeiten, darunter Suiten aus den Scores zu „Man of Steel“, „Driving Miss Daisy“, „Dune II“, „The Lion King“, „Interstellar“, „No Time to Die“, „Sherlock Holmes“, „Inception“, „Gladiator“ und „Power of One“.
„Es gibt viele schreckliche Dinge, die man über Hollywood sagen kann, und alle davon sind wahr, aber die eine Sache, die man Hollywood nicht absprechen kann, ist, dass es wohl mehr orchestrale Musik in Auftrag gibt als jede andere Institution und so jeden Tag dafür sorgt, sowohl orchestrale Musik als auch die Orchester an sich am Leben zu erhalten“, schwärmt Hans Zimmer im ausführlichen Booklet zur neuen Album-Veröffentlichung zu den Möglichkeiten, seine Musik mit einem Orchester aufnehmen zu können. „Den Stolz, den ich angesichts dieses Konzerts empfinde, bezieht sich darauf, es mit euch zu teilen, nicht so sehr meine Musik, aber die Meisterschaft und Menschlichkeit der Musiker*innen. Ohne sie würde es nur Stille geben, und es ist eine Ehre, diese Stille mit der Exzellenz, Fähigkeit und Seele eines Orchesters zu durchbrechen.“
Entstanden ist „The World of Hans Zimmer – A New Dimension: Part II“ zudem mit einem herausragenden Ensemble von Solist*Innen, darunter die Sänger*Innen Lebo M, Lisa Gerrard, Gan-ya Ben-gur Akselrod und Nokukhanya Dlamini, der Multi-Holzbläser Pedro Eustache, Bassist Juan García-Herreros, Gitarrist Alexios Anest, Pianistin Eliane Correa, Cellistin Mariko Muranaka, Violinistin Rusanda Panfili sowie die Percussionisten Aleksandra Šuklar, Luis Ribeiro und Lucy Landymore. Diese spielen gemeinsam mit dem Odessa Orchestra & Friends und dem Nairobi Chamber Choir unter der Leitung von Dirigent Gavin Greenaway.
Ähnlich imposant ist die „Anthology – The Paris Concerts“ von Howard Shore ausgefallen, die die Deutsche Grammophon ebenfalls als Doppel-CD im Digipak mit ausführlichem Booklet veröffentlicht hat. Die Musik wurde 2023 im Rahmen des „Week-End Howard Shore“ von Radio France vom Gelblabel mitgeschnitten, ein mitreißendes Klangerlebnis unterschiedlichster Stile und Jahrzehnte mit Highlights seiner bekannten Soundtracks, darunter „The Fly“, „Naked Lunch“, „Ed Wood“, „Crash“, „Eastern Promises“ und natürlich „The Lord of the Rings“ oder „The Hobbit“, aber auch das zart verspielte Catania für Klavier solo. Das Orchestre Philharmonique de Radio France unter Leitung von Ludwig Wicki und Bastien Stil spielt die Orchesterwerke, Le Balcon unter Mike Schäperclaus die Kammermusik.

Playlist:

01. Jeff Russo - Philippa Returns (Star Trek: Section 31) - 03:16 
02. Volker Bertelmann - There Is No Time (The Count of Monte Christo) - 04:44 
03. Dominic Lewis - Desert Details (Love Hurts) - 04:16 
04. Dominic Lewis - Coat Check (Dope Thief) - 04:59 
05. Not A Robot - Moonlight (Jade) - 04:24 
06. Emilie Levienaise-Farrouch - I'm In Teheran (The Agency) - 03:41 
07. Alexandre Desplat - There Was Another Man (Lee) - 06:21 
08. Erez Koskas - Stop The Truck (The World Will Tremble) - 03:22 
09. Volker Bertelmann - Family Members (Delicious) - 03:11 
10. Alan Silvestri - The Dr. With the Glasses (The Electric State) - 04:25 
11. Federico Jusid - Indigo Jeremy Sends His Regards (A Thousand Blows: Season 1) - 04:01 
12. Paul Leonard-Morgan  - Cielo Drive (Chaos: The Manson Murders) - 03:58 
13. Paul Leonard-Morgan - Seoul Apartment (Inheritance) - 03:37 
14. Steven Price - Forgive Me (Los Frikis) - 02:32 
15. Lorne Balfe - Bring the Dawn (The Wheel of Time: Season 3) - 04:20 
16. Lorne Balfe & Andrew Kawczynski - Last Known Residence (Novocaine) - 03:55 
17. Trent Reznor & Atticus Ross - The Shivering World (The Gorge) - 04:16 
18. David Holmes - She's Not Selling She's Buying (Black Bag) - 03:01 
19. David Fleming - Circus (The Alto Knights) - 03:04 
20. Jeff Russo - Hard Truth (Zero Day) - 03:47 
21. Gaute Storaas - Dagny's Lament (The Commoner) - 05:16 
22. Jeff Beal - Finding Her Voice (Rule Breakers) - 03:01 
23. Zack Ryan - Presence (Presence) - 02:01 
24. Diego Baldenweg, Lionel Baldenweg & Nora Baldenweg - Revolution (La cache) - 03:30 
25. Dominik Scherrer - Farewell, Sister (Miss Austen) - 03:32 
26. Dustin O'Halloran - Memory Box (Bridget Jones: Mad About the Boy) - 03:09 
27. Hans Zimmer - Dune II Suite: Part 2 (A New Dimension - Part II) - 04:27 
28. Howard Shore - Esther Khan [Paris Suite] (Anthology - The Paris Concerts) - 03:32 
29. Marcelo Zarvos - Late Night Call (Good American Family) - 03:16 
30. Paul Leonard-Morgan  - Please Come Home (Last Breath) - 08:13

Samstag, 4. Januar 2025

Playlist #414 vom 12.01.2025 - BEST OF 2024

Mit dem Filmjahr 2024 geht auch ein ebenso faszinierendes Filmmusikjahr zu Ende. Und so unterschiedlich Filmemacher in der ganzen Welt unterschiedliche Sujets und Genres bedienten, so vielfältig sind die dazu entstandenen Soundtracks geworden. In der heutigen Sendung sind zwar auch einige vertraute Namen wie Hans Zimmer, Clint Mansell, Christopher Young, John Debney, Alberto Iglesias, Craig Armstrong, Trent Reznor & Atticus Ross und Daniel Pemberton vertreten, aber auch viele neue Namen, die mit oft unkonventionellen Ansätzen und instrumentalen Arrangements für spannende Momente im Kopfkino sorgen. 

Da Aaron Schimberg seit seiner Geburt eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hat, konnte sich als Person nie mit typischen Kinofiguren identifizieren und ist deshalb dazu übergegangen, seine eigenen Filme zu schaffen, in denen Figuren Gesichtsdeformationen in den Hauptrollen zu sehen sind, so auch in seinem neuen Film „A Different Man“. Marvel-Star Sebastian Stan spielt darin Edward, einen Mann, der an Neurofibromatose erkrankt ist, wobei der Tumorwachstum im Nervengewebe bei ihm zu erheblichen Gesichtsdeformationen führt. Da Edward zu oft nicht nur angewiderten Blicken, sondern auch verachtendem Spott ausgesetzt ist, zieht er sich immer weiter zurück und ist regelrecht isoliert von anderen Menschen und der Welt. Als er sich jedoch mit seiner Nachbarin Ingrid (Renate Reinsve) anfreundet, die genau wie er Schauspielerin ist, keimt in ihm ungeahnt neue Hoffnung. Eines Tages bekommt er die Möglichkeit, durch einen riskanten rekonstruktiven Eingriff Normalität zu erlangen. Edward zögert nicht lange und ergreift die Chance, ein Leben ohne Urteil und aufdringliche Blicke zu führen. Dem italienischen Komponisten Umberto Smerilli, der bei den Aufnahmelegenden hinter den Soundtracks von Ennio Morricone und Nino Rota ausgebildet wurde, versteht es in seiner ersten Arbeit für einen amerikanischen Film, die emotionalen Tiefen des Dramas, das sowohl in eine absurde Komödie als auch in den Body-Horror abdriftet, wunderbar musikalisch auszuloten, wobei ein einfaches Klavierthema die Grundlage seiner vielschichtigen Komposition bildet. 
Hans Zimmer hat es in seiner langjährigen Hollywood-Karriere nicht von ungefähr zu einem der von Filmemachern begehrtesten Komponisten gebracht, hat er es doch seit den 1980er Jahren schon sehr gut verstanden, verschiedene Film-Genres zu bedienen und dabei musikalisch souverän von einfühlsamen World-Music-Klängen über progressive Electro-Soundscapes bis zu wuchtigen Wall-of-Sound-Brettern zu pendeln. Im vergangenen Jahr lieferte mit Zimmer auch zum zweiten Teil von Denis Villeneuves „Dune“-Neuverfilmung einen atmosphärisch dichten Score voller beunruhigender orchestraler und elektronischer Soundscapes mit arabisch anmutenden Vocals und atonalen Avantgardismen, die auch jenseits der Filmpräsentation lange nachwirken. 
Der englische Regisseur Steve McQueen („12 Years A Slave“) lässt seinen neuesten Film „Blitz“ im Spätsommer 1940 spielen, als die deutsche Luftwaffe einen Großangriff auf Großbritannien begann. Fast acht Monate lang wurde vor allem London permanent bombardiert, um die Bevölkerung zu demoralisieren und die Regierung zur Kapitulation zu zwingen. Diese Angriffe auf britischem Boden während des Zweiten Weltkrieg bilden aber nicht nur den historischen Hintergrund für eine beherzte Mutter-Sohn-Geschichte, sondern sorgen zugleich für einen unglaublich dynamischen Erzähl-Fluss im Film, immer wieder angetrieben von einer hervorragenden Saoirse Ronan („The Outrun“) und dem inzwischen elfjährigen Debütanten Elliott Heffernan. Entsprechend feinfühlig und melancholisch lässt Zimmer hierzu elegische Streicherklänge die orchestrale Komposition bestimmen, zu der übrigens auch sein versierter Kollege Nicholas Britell einige Cues beigesteuert hat. 
Spätestens seit ihrem Oscar-prämierten Score für David Finchers Mark-Zuckerberg-Biopic „The Social Network“ (2010) zählen Trent Reznor und Atticus Ross zu den außergewöhnlichsten Vertretern ihrer Zunft. Sie sind wie Hans Zimmer mit gleich zwei Soundtracks in meiner diesjährigen Best-of-Sendung vertreten. In Luca Guadagninos („Call Me By Your Name“) hocherotisch aufgeladenen romantischen Drama „Challengers“ baut Trainerin Tashi (Zendaya) nach ihrer eigenen Tennis-Karriere ihren Ehemann Art (Mike Faist) vom Durschnitts-Tennisspieler zu einem berühmten Profi auf, der ein Turnier nach dem anderen gewinnt. Doch als Art einen Karriereknick hat, meldet Tashi ihn für ein auf vergleichsweise niedrigerem Level stattfindenden „Challengers“-Event an, bei dem er sich wieder ein paar Siege und damit auch wieder mehr Selbstbewusstsein sichern soll. Als Gegner trifft er dort ausgerechnet auf Patrick (Josh O’Connor). Der war einst nicht nur Arts bester Freund, sondern dazu auch noch mit Tashi zusammen. Bald liegt deshalb nicht nur auf dem Tennisplatz ordentlich Spannung in der Luft… 
Reznor und Ross schufen dazu einen elektronisch pulsierenden Score, der den schweißtreibenden Wettkampf auf und neben dem Platz perfekt untermalt. Guadagnino hat mit „Queer“ noch einen weiteren Film in die Kinos gebracht, diesmal eine Adaption des gleichnamigen Romans von William S. Burroughs („Naked Lunch“). Darin spielt Daniel Craig Burroughs Alter ego William Lee, der wegen seiner Opiumsucht, die ihn ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat, in den 1940er Jahren aus den Vereinigten Staaten nach Mexico City geflohen ist, wo er seine Tage mit jeder Menge Alkohol, Drogen und der Suche nach unverbindlichem Sex verbringt. Eines Tages trifft er auf den sehr viel jüngeren Allerton (Drew Starkey) und fühlt sich sofort zu dem jungen Mann hingezogen. Lee gelingt es jedoch zunächst nicht, herauszufinden, ob Allerton ebenfalls Interesse an Männern hat. Und selbst nach einer gemeinsamen Nacht bleibt es für Lee fraglich, ob Allerton mit ihm ins Bett gegangen ist, weil er es wirklich wollte oder nicht deswegen, weil Lee ihm finanziell entgegenkommt. Bald darauf begibt sich Lee in die Tiefen des südamerikanischen Dschungels, um mithilfe einer bestimmten Lianenart Klarheit zu schaffen... Für diesen drogeninduziert-surrealen Trip, der vor allem intellektuell und ästhetisch stimuliert, haben Reznor und Ross einen faszinierend einfühlsamen, wunderbar sphärischen, dann aber auch pulsierend rhythmischen Score produziert, der sowohl die schwülstig-surrealen als auch sehr sinnlichen Komponenten des Films einfangen. 
Die britische Regisseurin Rose Glass („Saint Maud“) präsentiert mit ihrem US-Debüt „Love Lies Bleeding“ einen betörenden ebenso romantischen wie gewalttätigen Rausch um zwei unterschiedliche Frauen, die sich in einem verschlafenen Nest sofort ineinander verlieben. Zusammen träumen Jackie und Lou davon, in Kalifornien ein neues, besseres Leben beginnen zu können. Lou unterstützt Jackie deshalb beim Bodybuilding – und zwar, indem sie ihr Steroide beschafft. Und so ziehen immer dichtere Schatten über das Leben der beiden auf, bis sie schließlich komplett von einer düsteren Welle der Gewalt mitgerissen werden… Clint Mansell („Noah“, „The Fountain“) versorgte den blutgetränkten Thriller, der zudem eine pulsierende Romanze und einen atmosphärischer 80er-Jahre-Actionfilm mit psychedelischen Abstechern in den magischen Realismus darstellt, mit einem ebenso vielschichtigen elektronischen Score, der ganz ähnliche Qualitäten wie die Arbeiten von Trent Reznor und Atticus Ross aufweist. 
Nach der Mini-Serie „Patrick Melrose“, der Serie „Your Honor“ und der Literaturverfilmung „Im Westen nichts Neues“ stellt das Drama „Konklave“ eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Filmemacher Edward Berger und Komponist Volker Bertelmann dar. Der Film thematisiert das Konklave nach dem Tod des Papstes. Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes) hat alle Hände voll damit zu tun, das Prozedere zu leiten. Denn es geht hier nicht nur um einen seit Jahrhunderten geltenden Ablauf, sondern auch um knallharte Politik. Die Kardinäle schachern um Macht und Geld, während tausende Anhänger*innen auf dem Petersplatz auf weißen Rauch warten. Hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle prallen derweil Welten aufeinander - verschiedene Kardinäle buhlen um die Spitzenposition mit. Indes versetzen Terroristen mit Autobomben die Welt außerhalb der Kapelle in Angst und Schrecken. Bertelmann komponierte eine lebendige, dramatische und eindringliche Musik, die das Ringen der Kardinäle um das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes perfekt untermalen. 
Ebenso wie Clint Eastwood („Erbarmungslos“) hat auch Kevin Costner maßgeblich zur Revitalisierung des Western-Genres beigetragen. Nach seinem Regiedebüt mit dem siebenfach Oscar-prämierten Western-Epos „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) legte er 2003 mit „Open Range“ nach und präsentierte 2024 nach dem von ihm mitproduzierten Serien-Hit „Yellowstone“ die ersten beiden Kapitel seiner epischen Western-Saga „Horizon“. Weiße Pioniere unternehmen 1861 in New Mexico den Versuch, das Gebiet der Apachen zu besetzen, stoßen dabei aber auf gewaltsame Gegenwehr. Aber auch unter den Siedlern, die allesamt auf der Suche nach einem neuen Zuhause in der als Zufluchtsort versprochenen Stadt Horizon sind, wachsen die Konflikte. Als der Vater der berüchtigten Sykes-Brüder Caleb (Jamie Campbell Bower) und Junior (Jon Beavers) getötet wird, sinnen die beiden auf Rache. Ihr Weg kreuzt sich dabei auch mit dem stoischen Reiter Hayes Ellison (Kevin Costner)... 
John Debney, der bereits zu einigen Filmen mit Costner in der Hauptrolle („Im Zeichen der Libelle“, „Swing Vote“, „Draft Day“) die Musik beigesteuert hat, untermalt „Horizon“ mit einem ebenso intimen wie epischen Score, der amerikanische Volkstraditionen, einheimische Blasinstrumente und eine Vielzahl von Schlaginstrumenten zu einer komplexen Komposition zusammenführt, die gleichermaßen majestätisch und ergreifend, heroisch und tragisch sowie harsch und lyrisch ist. 
Lisa Gerrard ist in der Musikszene vor allem als weibliche Hälfte des australischen Duos Dead Can Dance bekannt geworden, hat sich seit ihren populären Beiträgen zu Michael Manns „Insider“ (1999) und Ridley Scotts „Gladiator“ (2000) auch als Filmkomponistin und Sängerin einen Namen gemacht. In Mohit Ramchandanis Thriller-Drama „City of Dreams“ träumt ein mexikanischer Jugendlicher davon, ein professioneller Fußballer zu werden, doch als eine Mutter stirbt, wird er über die Grenze geschmuggelt mit dem Versprechen auf ein besseres Leben. Die Realität sieht jedoch anders aus. Lisa Gerrard komponierte dazu einen elektronisch-sphärischen Score, den sie wie schon bei vielen anderen Soundtracks zuvor mit ihrer ätherischen Stimme veredelte. 
Die beiden Brüder David und Nathan Zellner erzählen in „Sasquatch Sunset“ die Geschichte einer Familie von Sasquatches - möglicherweise die letzten ihrer Art -, die sich in den nebligen Wäldern Nordamerikas im Laufe eines Jahres auf eine absurde, epische und letztlich ergreifende Reise begibt. Diese zotteligen und edlen Riesen kämpfen ums Überleben, während sie sich auf Kollisionskurs mit der sich ständig verändernden Welt um sie herum befinden. Die Anfang der 2000er Jahre im texanischen Austin gegründete Band The Octopus Project verbindet in ihrer Musik Rock’n’Roll, vibrierende Electronics, surrealen Pop und ausufernde psychedelische Soundscapes, eine Mischung, die sich auch auf ihrem Soundtrack zu „Sasquatch Sunset“ bemerkbar macht. 

Playlist:

01. Umberto Smerilli - Melancholy (A Different Man) - 03:16 
02. Hans Zimmer - Only I Will Remain (Dune: Part Two) - 06:44 
03. Bryce Dessner - Auditions (Sing Sing) - 04:43 
04. Trent Reznor & Atticus Ross - L'oeuf (Challengers) - 04:00 
05. Clint Mansell - Red Light (Love Lies Bleeding) - 03:36 
06. Volker Bertelmann - Still No Result (Conclave) - 02:23 
07. John Debney - Seducing Hayes / Frances and Gephart (Horizon: An American Saga - Chapter 1) - 03:47 
08. Hans Zimmer - Never Let You Go Again (Blitz) - 03:57 
09. Trent Reznor & Atticus Ross - Love Would Shatter (Queer) - 04:40 
10. Lisa Gerrard - Birth (City of Dreams) - 03:33 
11. Tom Holkenborg - Wives' Quarters (Furiosa: A Mad Max Saga) - 04:00 
12. The Octopus Project - Shadow Valley (Sasquatch Sunset) - 02:51 
13. Robert Ouyang Rusli - Elizabeth's Voicemail (Problemista) - 03:48 
14. Christopher Young - Movement 2 (The Piper) - 07:33 
15. Robin Carolan - The First Night (Nosferatu) - 05:28 
16. Amelia Warner - Entering the Shallows (Young Woman and the Sea) - 03:31 
17. Eiko Ishibashi - Deer Blood (Evil Does Not Exist) - 05:48 
18. Gints Zilbalodis & Rihards Zalupe - Following (Flow) - 03:36 
19. Alex Somers - Lockets Closing (Nickel Boys) - 03:56 
20. Alberto Iglesias - Closing Credits (The Room Next Door) - 03:15 
21. Alex Heffes - Losing It (Knox Goes Away) - 02:19 
22. Toydrum - In Your Dreams (Timestalker) - 03:24 
23. Craig Armstrong - You Yearned To Meet My Standards (The Critic) - 03:50 
24. Alex G - Election Night (I Saw the TV Glow) - 02:38 
25. Daniel Pemberton - The Truth (Fly Me to the Moon) - 03:07 
26. Nick Urata - Home (National Anthem) - 03:11 
27. Kris Bowers - You Don't Have To (The Wild Robot) - 03:05 
28. Topshe - Imagined Light (All We Imagine as Light) - 09:20

Montag, 23. Dezember 2024

Playlist #413 vom 29.12.2024 - Neuheiten 2024 (8)

Frank Herberts „Dune“-Universum hat seit der Verfilmung durch David Lynch im Jahr 1984 immer wieder neue Inkarnationen auf dem Fernsehbildschirm oder der Kinoleinwand erlebt, zuletzt durch die epische Neuverfilmung von Denis Villeneuve. Bevor der abschließende Teil der Trilogie in die Kinos kommt, dürfen sich Fans von Herberts „Dune“ auf die Serie „Dune: Prophecy“ freuen, aus der hier ebenso die Musik zu hören sein wird wie aus Ridley Scotts „Gladiator II“ und den Fernsehserien „The Penguin“, „The Franchise“, „SILOS“, „Black Doves“ und „Yellowstone“. Mit dabei sind Komponisten wie Harry Gregson-Williams, Martin Phipps, Volker Bertelmann, Alexandre Desplat, Trent Reznor & Atticus Ross, Aaron Zigman und John Powell.

Der amerikanische Drehbuchautor Todd Komarnicki („Sully“, „The Professor and the Madman“) liefert mit „Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin.“ eine Biografie des deutschen Theologen und Widerständlers Dietrich Bonhoeffer (1906–1945). Der Film beschreibt, wie der junge Pastor und Theologe Dietrich Bonhoeffer (Jonas Dassler) im Berlin der 1940er Jahre darum bemüht ist, den Umgang der Nationalsozialisten mit der Kirche und anderen Menschen nicht nur zu kritisieren, sondern sich auch zu widersetzen. Als er zu einer politischen Tat aufgerufen wird, die den Lauf der Geschichte verändern könnte, muss er als überzeugter Pazifist gut überlegen, wie er handeln soll. Die einfühlsame Musik zu dem historischen Drama steuerten Antonio Pinto und Gabriel Ferreira bei. 
Mit gleich zwei neuen Arbeiten ist der umtriebige Volker Bertelmann auch in dieser Sendung vertreten. Nachdem Denis Villeneuve mit den ersten beiden Teilen von „Dune“ Frank Herberts Sci-Fi-Klassiker auf der Leinwand zu neuem Leben erweckt hat, tauchen Diane Ademu-John und Alison Schapker mit der Serie „Dune: Prophecy“ in die graue Vorzeit von „Dune“ ein. 10.000 Jahre zuvor ist der Bene-Gesserit-Orden zwar noch nicht sehr mächtig, mischt sich aber bereits in das politische Geschehen ein. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Schwestern Valya Harkonnen (Emily Watson) und Tula Harkonnen (Olivia Williams), die zu den Gründungsmitgliedern des geheimen Ordens gehören, der seine Tore nur für Frauen öffnet, die die Zukunft der Menschheit maßgeblich beeinflussen wollen. Während Bertelmann zu „Dune: Prophecy“ einen atmosphärisch dichten Sci-Fi-Score komponierte, steuerte er zur Serie „The Day of the Jackal“ eine passend actionlastige Musik bei. In der neuen Adaption von Frederick Forsyths Roman, der bereits 1973 mit Edward Fox und 1997 mit Bruce Willis in der Titelrolle verfilmt wurde, spielt Eddie Redmayne einen professionellen und gnadenlosen Auftragsmörder, für hohe Geldsummen ohne Skrupel jedes Hindernis beseitigt, doch nach seinem letzten Mord gerät er ins Visier einer neuen Gegnerin: Bianca (Lashana Lynch), eine unerbittliche Agentin des britischen Geheimdienstes, die nur ein Ziel hat – ihn zu fassen. Eine erbitterte Verfolgungsjagd durch Europa beginnt, bei der der Schakal alles daransetzt, unsichtbar zu bleiben, während Bianca entschlossen und rücksichtslos näher rückt. 
Im Jahr 2000 haben Regisseur Ridley Scott und sein Hauptdarsteller Russell Crowe mit „Gladiator“ eines der herausragenden Historien-Epen der Kinogeschichte geschaffen und das totgeglaubte Genre mit neuem Leben erfüllt. Scott selbst hatte mit seinen nachfolgenden Bombast-Epen „Königreich der Himmel“, „Robin Hood“, „Exodus: Götter und Könige“ und zuletzt „Napoleon“ weit weniger Erfolg. Mit „Gladiator II“ erzählt Scott die Geschichte seines fünffach Oscar-prämierten Meisterwerks eng am Original weiter. Lucius (Paul Mescal), Lucillas (Connie Nielsen) Sohn, der nach dem Tod seines Idols Maximus außerhalb des Römischen Reichs in Sicherheit gebracht und so dem Einfluss römischer Korruption, Intrigen und Machtgerangel entzogen wurde, wächst an der nordafrikanischen Küste in Frieden zu einem jungen Mann heran – bis er eines Tages von der Vergangenheit eingeholt wird. Seine neue numidische Heimat wird von römischen Legionen unter der Führung von General Marcus Acacius (Pedro Pascal) überfallen. Traumatisiert von tragischen Verlusten wird Lucius nach Rom verschleppt und an den Gladiatorenstall-Besitzer Macrinus (Denzel Washington) verkauft. Zur Unterhaltung des Volkes und der Co-Kaiser Geta (Joseph Quinn) und Caracalla (Fred Hechinger) soll er in der Arena um sein Leben kämpfen. Von unbändiger Wut angetrieben, will Lucius dem Imperium einen Schlag versetzen und vor allem Rache an dem Mann nehmen, den er als seinen ärgsten Feind ansieht: General Acacius, der allerdings mit Lucius Mutter Lucilla verheiratet ist... Vor allem Denzel Washington spielt als verschlagener Besitzer einer Gladiatorenschule seine Kolleg:innen souverän an die Wand. Musikalisch unterstützt wird er dabei von Harry Gregson-Williams, der bereits Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ und „Der Marsianer“ vertont hat. 
Nach vielen erfolgreichen Jahren als Filmkomponist hat Marcel Barsotti („Die Päpstin“, „Deutschland. Ein Sommermärchen“) in diesem Jahr die Profession gewechselt und mit „Transformation“ seinen ersten, durch KI generierten Science-Fiction-Kurzfilm „Transformation“ auf vielen internationalen Festivals vorgestellt und bislang vier Awards eingeheimst, darunter den renommierten „IPF Honorary Film Merit Award“ in Toronto auf dem International Peace Festival. Nun ist auch der düstere, elektronische Soundtrack dazu veröffentlicht worden. 
„Die Filmmusik ist für mich eine konsequente Weiterentwicklung meines elektronischen Filmmusikschaffens der letzten Jahre. Wie auch der Science-Fiction-Film ist die Musik dystopisch, dunkel, sehr komprimiert auf Ambient, Soundscapes und Electronica-Industrial spezialisiert - eine Musikrichtung, die ich bereits seit Jahren für mich entwickelt habe und die endlich in diesem Projekt ausgeführt werden konnte“, beschreibt Barsotti die Entstehung des Soundtracks. 
Sean McNamara thematisiert in seinem Biopic „Reagan“ das Leben des früheren Schauspielers und US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan von seiner Kindheit bis zu seiner Zeit im Oval Office. Das mit Dennis Quaid, Penelope Anne Miller und Jon Voight hochkarätig besetzte Drama wurde von John Coda vertont. 
„Als ich mit der ,Reagan‘-Musik begann, war es wichtig, einen emotionalen Ton zu schaffen, der das Wesen seiner Persönlichkeit angemessen einfing und die Erzählung unterstützte, die dabei half, die Geschichte zu erzählen, ohne zu aufdringlich zu sein“, erzählt Coda. „Mein Ansatz war sehr bewusst, was die Etablierung mehrerer Themen und Leitmotive angeht. Dazu gehörten vier Hauptthemen: Reagans Americana-Thema, das im Höhepunkt seiner Rede am Brandenburger Tor (‚Tear Down This Wall‘) seine volle Entfaltung findet, das sowjetisch-russische Thema, das vom traditionellen russischen Lied der Wolgaschiffer aus dem Jahr 1866 inspiriert wurde, das Liebesthema von Ron und Nancy und das Thema ‚Rendezvous mit dem Schicksal‘, das Reagans Aufruf darstellt, die Bedrohung durch den Kommunismus sowohl weltweit als auch durch seine Infiltration Hollywoods in den 1930er und 1940er Jahren herauszufordern. Der Einsatz eines vollen Orchesters war wichtig, um die Erhabenheit und Würde einer traditionellen Hollywood-Filmmusik zu schaffen, sowie um elektronische Impulse und Texturen einzubinden und zu vermischen.“ 
In der schwedischen Serie „End of Summer“ thematisiert das Verschwinden des fünfjährigen Billy 1984 im ländlichen Südschweden. Nachdem die polizeilichen Ermittlungen ergebnislos verlaufen sind und die Familie erschüttert haben, trifft Billys Schwester Vera zwanzig Jahre später einen jungen Mann, der ihr unheimlich bekannt vorkommt... 
„Die Musik für ,End of Summer‘ wurde auf einzigartige Weise geschaffen, da sie komponiert wurde, bevor die Serie überhaupt geschnitten wurde, was für mich als Komponist unglaublich inspirierend war. Dieser Ansatz ermöglichte einen freieren kreativen Prozess, als es normalerweise bei der Filmmusik der Fall ist. Regisseur Jens Jonsson und ich ließen uns von Hitchcocks Verwendung von Filmmusik inspirieren, und der Soundtrack entwickelte einen klassischen Filmmusikton mit einem Streichquintett als Kern, während er Schichten elektronischer Atmosphäre einbezog“, erklärt Matti Bye seine Arbeit an dem Soundtrack zu „End of Summer“
Bram Stokers „Dracula“ (1897) hat bereits unzählige Filmemacher inspiriert. Eine der bis heute populärsten und eindringlichsten Adaptionen gelang Friedrich Wilhelm Murnau mit „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), doch auch Terence Fisher, Werner Herzog und Francis Ford Coppola reihten sich später in die Riege begnadeter Regisseure ein, die dem Vampirstoff neues Leben einhauchten. 
Nun vertonte Christopher Young („Hellraiser“, „The Grudge“, „Sinister“) Murnaus Originalfilm „Nosferatu – A Symphony of Horror“ neu und spielte den Score unter Leitung von Frank Strobel mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und dem Organisten Saya Hashino
„Ich liebe, was Horrorfilme mir als Komponist ermöglicht haben“, verkündete Christopher Young zu Beginn seiner Arbeit. „Wenn man sich der ‚unsichtbaren Welt‘ hingibt, der dunklen, geheimnisvollen Welt, die mit uns lebt, und versucht, sie in der Musik einzufangen, ist das so erfüllend. Ich habe so viele Horrorfilme gemacht, aber das hier ist wahrscheinlich das Größte, was ich jemals machen werde.“ 
Eine atmosphärisch dichte Neuverfilmung des Gruselklassikers hat derweil Robert Eggers („Der Leuchtturm“, „The Northman“) mit „Nosferatu – Der Untote“ vorgelegt. Der junge Thomas Hutter (Nicholas Hoult) wird von seinem Arbeitgeber auf die lange Reise nach Transsylvanien geschickt. Hier soll er zum finsteren Schloss des geheimnisvollen Grafen Orlok (Bill Skarsgard) reisen, um mit ihm zusammen den Kauf einer Immobilie abzuschließen. Doch Graf Orlok verhält sich ziemlich merkwürdig und in seinem Schloss scheint obendrauf nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Irgendwann scheint für den skeptischen Thomas klar, dass der Graf kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern vielmehr ein bedrohliches Wesen der Nacht. Graf Orlok hat es zu allem Überfluss auch noch auf Thomas' Ehefrau Ellen (Lily-Rose Depp) abgesehen und macht sich deshalb schon bald mit Sack und Pack auf, um die junge Frau endgültig in seinen teuflischen Bann zu ziehen. 
Abgerundet wird die Sendung von einigen Scores zu den obligatorischen Weihnachtsfilmen, in diesem Jahr zu „Dear Santa“, „Animal Tale of Christmas Magic, „The Nightmare Before Christmas In Wonderland“ und „That Christmas“.
01. Antonio Pinto & Gabriel Ferreira - Dietrich's Theme (Bonhoeffer - Pastor. Spy. Assassin) - 02:56 
02. Volker Bertelmann - They Are Not Like You (Dune: Prophecy - Volume 1) - 05:04 
03. Volker Bertelmann - The Concert (The Day of the Jackal) - 03:02 
04. Lorne Balfe - The Traveller (Carry-On) - 05:39 
05. Max Aruj & Steffen Thum - Sticks and Stones (Betrayal) - 03:24 
06. Harry Gregson-Williams - I'll Wait For You (Gladiator II) - 05:50 
07. John Coda - The Shining City Upon Hill (Reagan) - 04:12 
08. Martin Phipps - A Business of Codes (Black Doves) - 03:14 
09. Rob - La Sante (Une amie dévouée) - 05:17 
10. Trent Reznor & Atticus Ross - Main Title Theme [Extended] (The Franchise) - 08:30 
11. Marcel Barsotti - Equilibrium (Transformation) - 02:51
12. Atli Örvarsson - Solved the Code (SILO: Season 2) - 05:01 
13. Brian Tyler & Breton Vivian - Family Matters (Yellowstone - Season 5 Vol. 2) - 05:24 
14. Matti Bye - The Mine (End of Summer) - 02:28 
15. Dario Marianelli - El Dorado (Paddington in Peru) - 05:04 
16. Aaron Zigman - Finding Abram (The Six Triple Eight) - 04:26 
17. Alexandre Desplat - The Plantation (The Piano Lesson) - 05:30 
18. Mick Giacchino - Victor's Suite (The Penguin) - 04:19 
19. John Powell & Stephen Schwartz - Replacement Teacher (Wicked) - 03:48 
20. Rupert Gregson-Williams - Let Me Get This Straight (Dear Santa) - 03:08 
21. Pablo Pico - The Little Lynx (Animal Tale of Christmas Magic) - 02:46 
22. Guy Chambers - Queen (The Nightmare Before Christmas In Wonderland) - 03:00 
23. Gustavo Santaolalla - Páramo (Pedro Páramo) - 03:19 
24. Robin Carolan - Daybreak (Nosferatu) - 08:01 
25. Christopher Young - Dead Flowers (Nosferatu - A Symphony of Horror) - 05:27 
26. John Powell - Searching and Finding (That Christmas) - 09:28

Sonntag, 10. November 2024

Playlist #410 vom 17.11.2024 - Neuheiten 2024 (7)

Der Kino- und TV-Herbst bietet eine Vielzahl neuer Dramen, Abenteuer, Komödien und Action, die sich in einer bunten Mischung filmmusikalischer Veröffentlichungen widerspiegeln. In dieser Sendung könnt ihr euch auf neue Soundtracks renommierter Komponisten wie Hans Zimmer, Alexandre Desplat, Thomas Newman, Alan Silvestri und Alberto Iglesias ebenso freuen wie auf die von der neuen Generation versierter Künstler wie Marcelo Zarvos, Volker Bertelmann, Jeff Russo, Lorne Balfe und Craig Armstrong

Mit seinen ersten drei Filmen „Hunger“ (2008), „Shame“ (2011) und „12 Years a Slave“ (2013) etablierte sich der afroamerikanische Filmemacher Steve McQueen zu einem der talentiertesten Regisseure der letzten 20 Jahre. Nun bringt er mit „Blitz“ ein historisches Drama in die Kinos, das im Spätsommer 1940 angesiedelt ist, als die deutsche Luftwaffe einen Großangriff auf Großbritannien begann und fast acht Monate lang mit der permanenten Bombardierung vor allem Londons versuchte, die Bevölkerung zu demoralisieren und die Regierung zur Kapitulation zu zwingen. Die Briten bezeichneten die unberechenbaren Angriffe auf sie als „The Blitz“, ließen sich aber auch von 40.000 Toten in ihren Reihen nicht davon abhalten, ihr Land zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund inszenierte McQueen eine berührend-beherzte Mutter-Sohn-Geschichte, die von Hans Zimmer mit schwermütigen, aber eindringlichen Klängen vertont wurde. 
Robert Zemeckis hat mit „Here“ die gleichnamige Graphic Novel von Richard McGuire verfilmt und erzählt die Geschichte eines einzigen Raumes, in dem die Zeit selbst zu leben scheint. Richard (Tom Hanks) tritt in diesen Raum und dessen Geschichte verschmilzt mit der des Ortes. Sein Leben, seine Freuden und Verluste, seine Träume und seine Ängste – alles wird hier festgehalten. Als Richard auf Margaret (Robin Wright) trifft, die diesen Raum ebenfalls geprägt hat, beginnt zwischen den beiden eine besondere Verbindung, die die Grenzen von Zeit und Raum überwindet. Sie teilen Erinnerungen, die nicht nur ihre eigenen sind, sondern auch die der Menschen, die den Raum vor und nach ihnen bewohnen. Auch Al (Paul Bettany), ein weiterer Bewohner, hinterlässt unauslöschliche Spuren und bringt eine neue Sichtweise auf den Ort und die Geschichten, die darin gefangen sind. 
Der Film spürt den Menschen nach, die diesen Raum zuvor betreten haben, und geht ihren Erinnerungen auf die Spur. Vertont hat dieses Drama, das Mitte Dezember bei uns in die Kinos kommt, Zemeckis‘ Hauskomponist Alan Silvestri mit gefühlvollen Orchesterklängen. 
„The Problem With People“ von Chris Cottam erzählt die Geschichte zweier entfremdeter Cousins, die versuchen, viele Generationen von Familienstreitigkeiten wiedergutzumachen. Der Ire Ciáran (Colm Meaney) erfüllt den letzten Wunsch seines Vaters, sich mit dem amerikanischen Teil seiner Familie zu vereinen, und ruft seinen Cousin Barry (Paul Reiser) aus heiterem Himmel an, um ihm einen Besuch in seiner Heimat anzubieten. Barry, der dem Alltag in seiner New Yorker Immobilienfirma entfliehen möchte, stimmt zu. Nach einem zunächst herzlichen Empfang kommt es jedoch bald zu Spannungen, als sich herausstellt, dass Barry unerwartet die Hälfte des Geldes aus dem Testament von Ciárans Vater hinterlassen wurde. Die beiden Männer sind nun von Gier und Eifersucht zerrissen, was zu einer Fehde führt, die sich in eine Reihe von ziemlich heftigen Streitereien und katastrophalen Streichen verwandelt. 
„Diese Filmmusik war für mich ziemlich einzigartig, weil ich tief in die irische Musik eintauchen musste – ein Stil und Genre, das ich vor diesem Film noch nicht erkundet hatte“, berichtet Steven Argila von seiner Arbeit an dem Score. „Bevor ich mit der Filmmusik begann, hörte ich mir einige Zeit lang viele traditionelle Künstler und die traditionellen Formen der Reels und Jigs sowie die Instrumente an, die oft in der irischen Musik verwendet werden. Ich wollte eine Palette schaffen, die traditionelle irische Instrumentierung mit orchestralen Elementen kombiniert – und einige der Instrumente (wie Uileann Pipes, Whistles, irisches Banjo, Akkordeon, irische Bouzouki) auf eine Weise spielen lassen, wie sie normalerweise nicht gespielt werden – das dient den komödiantischen Hinweisen und der Vertonung der amerikanisch-irischen Kulturvermischung, die im Film behandelt wird. Darüber hinaus habe ich eine irische Freundin dazu gebracht, in einigen Einsätzen irische Gesangseinlagen vorzutragen, zu rappen und zu pfeifen – ebenso wie eine irische Tänzerin (eine wunderbare Tänzerin von ,Riverdance‘) – wir haben ihre Füße mit Mikrofonen ausgestattet, während sie zu verschiedenen Einsätzen tanzte, die ich geschrieben hatte, und haben den Klang davon für einen Teil der Perkussion in der Partitur verwendet.“
Die bereits 2022 begonnene Fernsehserie „Sherwood“, die dieses Jahr nach 12 Folgen beendet wurde, thematisiert zwei schockierende und unerwartete Morde, die eine bereits zerrüttete Gemeinschaft erschüttern, und führen zu einer der größten Menschenjagden in der britischen Geschichte. 
„Beim Komponieren der Partitur für ,Sherwood‘ ging es darum, die komplexen und oft zerrütteten Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft einzufangen. Die Musik musste sowohl die gemeinsame Geschichte der Stadt als auch die ungelösten Spannungen widerspiegeln, die ihre Menschen weiterhin beeinflussen“, erzählt Komponist Lorne Balfe. „Die Serie ist tief in den emotionalen und sozialen Narben verwurzelt, die vergangene Ereignisse hinterlassen haben, und die Partitur musste dieses Gefühl von Verbundenheit und Konflikt verkörpern. Den Kern der Partitur bildet das Hauptthema, das um tiefe, anschwellende Blechbläserakkorde und ineinander verschlungene Streichermuster, sogenannte Ostinatos, herum aufgebaut ist. Die Blechbläser dienen als klanglicher Anker und repräsentieren die Last der schwierigen Vergangenheit der Stadt. Sie verleihen der Musik ein Gefühl von Schwere und Ernsthaftigkeit und symbolisieren, wie die Geschichte der Stadt über ihrer Gegenwart schwebt. Die ineinander verschlungenen Streicher-Ostinatos hingegen repräsentieren die anhaltenden Spannungen und ungelösten Konflikte, die durch die Gemeinschaft strömen. Diese sich wiederholenden Muster verstärken die Vorstellung, dass trotz der Brüche und Trennungen alles und jeder in dieser Geschichte miteinander verbunden bleibt. Die Musik erinnert ständig an die Komplexität und Beständigkeit dieser Beziehungen.“ 
Mit „The Room Next Door“ präsentiert der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar sein US-Langfilmdebüt und um zwei Freundinnen, die durch ein ungewöhnliches Thema miteinander verbunden sind. Martha (Tilda Swinton) ist eine krebskranke Kriegsberichterstatterin, Ingrid (Julianne Moore) ist Autorin von Romanen. Beide beschäftigt so auf unterschiedliche Arten und Weisen die grenzenlose Grausamkeit von Kriegen und wie diese Realität in den unterschiedlichen Dareichungsformen der beiden Frauen abgebildet werden kann. In einem Haus inmitten eines Naturschutzgebietes in Neuengland treffen sich die beiden Freundinnen nach etlichen Jahren wieder und erleben schließlich eine Situation, die sowohl extrem als auch überraschend zärtlich ist. Die entsprechend einfühlsame Musik steuerte Almodóvars langjähriger Stammkomponist Alberto Iglesias („Der ewige Gärtner“, „Julieta“) bei. 
Ian McKellen verkörpert in Anand Tuckers historischen Drama „The Critic“ Jimmy Erskine, den berühmtesten und bekanntesten Theaterkritiker des Daily Chronicle in den 1930er Jahren. Er gerät in Konflikt mit David Brooke (Mark Strong), nachdem er kürzlich die Zeitung geerbt hat, und mit der jungen Schauspielerin Nina Land (Gemma Arterton), die von Jimmys negativer Kritik über sie am Boden zerstört ist. Die drei verstricken sich in einen Krimi, der in einen faustischen Pakt eingewickelt ist, und ihr seltsames Dreieck zieht sich immer enger zusammen - mit verheerenden Folgen für alle, die in das tödliche Netz aus Erpressung und Verrat verstrickt sind. Craig Armstrong („Der Knochenjäger“, „World Trade Center“, „Anatomie einer Entführung“) spielte mit dem Budapest Art Orchestra sowie den Solisten Daniel Pioro (Violine) und Janey Miller (Oboe) einen Score, der zwar die Zeit reflektiert, in der der Film spielt, aber auch eine zeitgenössische Sprache fand, die die emotionale Intensität der Geschichte und Figuren einfängt. 
Mit „Star Code Reflections“ präsentieren die beiden Schweden Karl Gasleben (Cosmic Overdose, Twice A Man) und Peter Davidson das dritte Album ihres gemeinsamen Projekts Aerial Ship of Flowers, dessen Cover auf einem Gemälde des Ambient-Gitarristen Davidson basiert. Die zehn Ambient-Stücke erforschen den Ursprung des Raumes und verbinden verspielte Dark-Ambient-Strukturen mit zunehmend schwebenden Gitarren, die dem Album eine hypnotische Atmosphäre verschaffen. 

Playlist:

01. Hans Zimmer - Never Let You Go Again (Blitz) - 03:58 
02. Hans Zimmer & Lorne Balfe - Love and Ashes (Dragon Age: The Veilguard) - 04:11 
03. Alan Silvestri - End Credits (Here) - 08:30 
04. Eric Neveux - La Liberté (A l'épreuve) - 03:08 
05. Adam Price & Peter Gregson - That Old Serpent (Apartment 7A) - 02:45 
06. Steven Argila - There Were Two Brothers (The Problem With People) - 03:44 
07. Lorne Balfe - Diversion (Sherwood) - 03:32 
08. Daniel Pemberton - Ernest Shackleton (Endurance) - 03:28 
09. Timothy Williams - Goodbye Monster (Your Monster) - 02:32 
10. Alberto Iglesias - The Waiting House (The Room Next Door) - 03:32 
11. Alexandre Desplat - End Credits (Unstoppable) - 06:06 
12. Fernando Velázquez - All Together in the End (Buffalo Kids) - 03:58 
13. Craig Armstrong - I'm Going To Tell Them Everything (The Critic) - 03:01 
14. Lisa Gerrard - Broken Dreams (City of Dreams) - 06:00 
15. Volker Bertelmann - Postlude of Conclave (Conclave) - 06:37 
16. Rob - 50 Micros (Culte: Season 1) - 03:46 
17. Chris Bacon - Butterfly (Heretic) - 03:02 
18. Siddhartha Khosla - Dudenoff (Only Murders in the Building: Season 4) - 02:36 
19. Mark Mancina - End Credits (Juror #2) - 02:32 
20. Matthijs Kieboom - Marius (Like Tears in Rain) - 03:48 
21. Jon Brion - Clotaire and Jackie (L'Amour Ouf) - 02:49 
22. Osvaldo Golijov - Noir Love (Megalopolis) - 04:34 
23. Marcelo Zarvos - Call for the Ambassador (The Diplomat: Season 2) - 03:45 
24. Thomas Newman - Late for School (White Bird) - 03:31 
25. Mokadelic - Second Life (Citadel: Diana) - 03:47 
26. Dan Romer & Mike Tuccillo - Holding Court (Woman of the Hour) - 02:15 
27. Edwin Wendler - Terry (Mafia Wars) - 02:42 
28. Jeff Russo - Saru's Wedding (Star Trek: Discovery - Season 5) - 03:38 
29. Dan Deacon - Area 51 to 55 (Venom: The Last Dance) - 02:36 
30. Aerial Ship Of Flowers - Mist (Star Code Reflections) - 09:36

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