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Mittwoch, 9. September 2026

Playlist #458 vom 20.09.2026 - TOM NOONAN Special

Tom Noonan war sicher kein Hollywood-Star, doch mit seinen bemerkenswerten Rollen als Francis Dollarhyde in Michael Manns „Manhunter“ (1986), Frankensteins Monster in „The Monster Squad“ (1987), Kain in „RoboCop 2“ (1990), der Ripper in „Last Action Hero“ (1993), Kelso in „Heat“ (1995), Sammy Barnathan in „Synecdoche, New York“ (2008) oder als Reverend Nathaniel in der Fernsehserie „Hell on Wheels“ (2011–2014), hat der 1,96 Meter große US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor durchaus nachhaltig Eindruck hinterlassen. Zudem war der am 14. Februar 2026 im Alter von 74 verstorbene Noonan als Autor und Regisseur für Theater und Film tätig. In der heutigen Sendung zu seinem Andenken gibt es Musik aus seinen Filmen von Elliot Goldenthal, Jon Brion, Carter Burwell, Thomas Newman, Harry Gregson-Williams, David Wingo, Graeme Revell und anderen zu hören.
Thomas Patrick Noonan wurde am 12. April 1951 als Sohn einer Mathematiklehrerin und eines Jazzmusikers und Zahnarztes in Greenwich, Connecticut, geboren. Sein älterer Bruder John Ford Noonan war Schauspieler, Dramatiker und Drehbuchautor, er selbst ein sehr talentierter Basketballspieler: „Basketballspielen hat mir in vielerlei Hinsicht das Performen beigebracht. Dadurch bin ich auf die Schauspielerei aufmerksam geworden … Als Kind habe ich nie Theater gespielt. Ich habe nie in Schultheaterstücken mitgewirkt. Ich habe erst mit 27 Jahren angefangen zu spielen … Man lernt unheimlich viel, wenn man vor Publikum steht, die Menge begeistert und man etwas tut, das man liebt. Viele der Fähigkeiten, die man für die Schauspielerei braucht, erwirbt man dabei … Es ist wie ein Kampf auf Leben und Tod vor Menschen, die man beeindrucken möchte.“
Noonan studierte Schauspiel an der Yale University. Nach seinem Abschluss 1983 gründete er in New York die Theatergruppe The Paradise Factory (ursprünglich: Paradise Theatre) und war als Schauspieler, Regisseur und Dramatiker tätig. Später betrieb er mit seiner Gruppe eine eigene Spielstätte im Manhattans East Village. Er spielte u.a. in der Off-Broadway-Uraufführung von Sam Shepards Stück „Buried Child“ mit, hatte Anfang der 80er Jahre aber schon seine ersten Filmrollen. So war er 1980 an der Seite von Michael Ontkean in der Komödie „Willie and Phil“ zu sehen, spielte im Thriller „Gloria, die Gangsterbraut“ (1980) von John Cassavetes neben Gena Rowlands, im Western „Heaven’s Gate“ (1980) an der Seite von Kris Kristofferson, Christopher Walken und John Hurt.
Mit einer Körpergröße von 1,96 m war Noonans imposante Erscheinung wohl der Grund dafür, dass er häufig als bedrohlicher Bösewicht besetzt wurde, wie beispielsweise in „RoboCop 2“, „Last Action Hero“, „Manhunter“ und „Das Versprechen“. Seine Größe wurde in „The Moving Finger“, dem Serienfinale der Horror-Anthologie „Monsters“ (bei der er auch bei mehreren Episoden Regie führte und das Drehbuch schrieb), komisch eingesetzt.
1986 spielte Noonan Francis Dollarhyde, einen Serienmörder, der ganze Familien auslöscht, in Michael Manns „Manhunter“, dem ersten Film mit Hannibal Lecter. Eine weitere Nebenrolle und eine weitere Zusammenarbeit mit Mann folgte 1995 als Kelso in „Heat“. Er spielte außerdem das Frankenstein-Monster in „The Monster Squad“ und den Drogenboss Cain in „RoboCop 2“. In den 1990er-Jahren verfasste er mehrere Theaterstücke. Für das Drehbuch zu „What Happened Was…“ (1994) wurde Noonan auf dem Sundance Film Festival 1994 mit dem Grand Jury Price und dem Waldo Salt Screenwriting Award ausgezeichnet. Auch bei seinen Filmen „The Wife“ (1995), „Wang Dang“ (1999) und „The Shape of Something Squashed“ (2014) war er zugleich als Darsteller, Regisseur und Drehbuchautor tätig. The Wife war 1995 für den Grand Jury Prize des Sundance Film Festivals nominiert. In den 2000er-Jahren wirkte Noonan in mehreren weiteren Filmen mit, darunter Charlie Kaufmans Regiedebüt „Synecdoche, New York“ als Sammy Barnathan.
Noonan hatte außerdem zahlreiche Gastauftritte in Fernsehserien, darunter „Akte X“ (in der vielgelobten Folge „Paper Hearts“ von 1996, die eigens für ihn geschrieben wurde), „Law & Order: Criminal Intent“, „Law & Order: Special Victims Unit“, „Tales from the Darkside“ und „CSI: Den Tätern auf der Spur“ sowie als Detective Victor Huntley in „Damages“. In „Blacklist“ war er als „The Stew Maker, Louie“ zu sehen, ein Arzt, der den jungen Louie in drastischen anatomischen Details durch die Kreuzigung führt. Außerdem spielte er Reverend Nathaniel Cole in der AMC-Originalserie „Hell on Wheels“.
Im Jahr 2015 sprach Noonan alle Nebenrollen in Duke Johnsons und Charlie Kaufmans Stop-Motion-Komödie „Anomalisa“, wofür er den San Diego Film Critics Society Award als Bester Nebendarsteller gewann.
Noonan starb am 14. Februar 2026 im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Englewood, New Jersey.

Filmografie: 

1980: Willie and Phil 
1980: Gloria, die Gangsterbraut (Gloria) 
1980: Rage (Fernsehfilm) 
1980: Heaven’s Gate 
1981: Wolfen 
1983: Kopfjagd (Eddie Macon’s Run) 
1983: Monty, der Millionenerbe (Easy Money) 
1984: Angriff ist die beste Verteidigung (Best Defense) 
1984: Geschichten aus der Schattenwelt (Tales from the Darkside, TV-Serie, 1 Folge) 
1985: Der Verrückte mit dem Geigenkasten (The Man with One Red Shoe) 
1986: F/X – Tödliche Tricks (F/X) 
1986: Manhunter – Roter Drache (Manhunter) 
1987: Monster Busters (The Monster Squad) 
1989: Der Equalizer (The Equalizer, TV-Serie, 1 Folge) 
1989: Mystery Train 
1989: Detroit City – Ein irrer Job (Collision Course) 
1990: Robocop 2 
1991: Das 10 Millionen Ding (The 10 Million Dollar Getaway) 
1991: Monsters (TV-Serie, 1 Folge) 
1993: Last Action Hero 
1994: What Happened Was… (auch Regie und Drehbuch) 
1994: Fackeln im Sturm – Buch 3 (Heaven & Hell: North & South, Book III; TV-Miniserie) 
1995: The Wife (auch Regie und Drehbuch) 
1995: Heat 
1997: Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (The X-Files, Fernsehserie, eine Folge) 
1998: Phoenix – Blutige Stadt (Phoenix) 
1999: Die Frau des Astronauten (The Astronaut’s Wife) 
1999: Sein letzter Coup (The Opportunists) 
2000: The Photographer 
2001: Das Versprechen (The Pledge) 
2001: Knockaround Guys 
2002: CSI: Den Tätern auf der Spur (CSI: Crime Scene Investigation, TV-Serie, eine Folge) 
2002: Arac Attack – Angriff der achtbeinigen Monster (Eight Legged Freaks) 
2003: Criminal Intent – Verbrechen im Visier (Law & Order: Criminal Intent, TV-Serie, Folge 2x21) 
2003: Madness and Genius 
2003: The Egoists 
2005: The Roost 
2006: Seraphim Falls 
2007: Engel im Schnee (Snow Angels) 
2008: Alphabet Killer (The Alphabet Killer) 
2008: Synecdoche, New York 
2009: Law & Order: New York (Law & Order: Special Victims Unit, TV-Serie, eine Folge) 
2009: Follow the Prophet 
2009–2011: Damages – Im Netz der Macht (Damages, TV-Serie, 17 Folgen) 
2009: The House of the Devil 
2011: The Cape (TV-Serie, 2 Folgen) 
2011: Bad Karma (TV-Serie, 1 Folge) 
2011–2014: Hell on Wheels (TV-Serie, 18 Folgen) 
2014: The Leftovers (TV-Serie, 1 Folge) 
2014: Late Phases 
2013: The Blacklist (TV-Serie, eine Folge) 
2014: How and Why (Fernsehfilm) 
2014: The Shape of Something Squashed (auch Regie und Drehbuch) 
2015: Anomalisa 
2015–2018: 12 Monkeys /TV-Serie, 18 Folgen) 
2016: Deckname Quarry (Quarry, TV-Serie, 3 Folgen) 
2016: Horace and Pete (TV-Serie, 3 Folgen) 
2017: Wonderstruck

Playlist:

01. Bill Conti - On the Run (Gloria) - 03:04 
02. David Mansfield - Long Road (Heaven's Gate) - 03:48 
03. James Horner - Indian Bar (Wolfen) - 06:57 
04. Thomas Newman - Strange Beginning (The Man With One Red Shoe) - 04:20 
05. Bill Conti - Hi Rollie, I'm Leo (F/X) - 04:15 
06. Shriekback - Coelocanth (Manhunter) - 04:20 
07. Klaus Schulze - Freeze (Manhunter) - 06:42 
08. Kitaro - Hikari no Sono (Manhunter) - 04:33 
09. Moby - God Moving Over the Face of the Waters (Heat) - 06:59 
10. Lisa Gerrard - Gloradin (Heat) - 03:56 
11. Mark Snow - El Camino [Paper Hearts] (The X-Files) - 06:38 
12. George S. Clinton - Post Coital/Positive/Fried (The Astronaut's Wife) - 03:00 
13. Graeme Revell - Getting Things Sorted Out/Doing the Right (Phoenix) - 04:22 
14. Hans Zimmer & Klaus Badelt - Opening Salvation (The Pledge) - 05:44 
15. Harry Gregson-Williams - Forgive Me (Seraphim Falls) - 05:03 
16. Kevin Kiner - Ruth Goes to the Fight (Hell on Wheels) - 02:57 
17. Shriekback - Evaporation (Manhunter) - 03:20 
18. Michael Brook - Ultramarine (Heat) - 04:34 
19. Leonard Rosenman - Robo Finds Hob (Robocp 2) - 03:20 
20. Stephen Barton - The Right Thing, The Right Way (12 Monkeys) - 03:02 
21. David Wingo & Jeff McIllwain - Credits (Snow Angels) - 03:41 
22. Jon Brion - Piano Three (Synecdoche, New York) - 04:02 
23. Carter Burwell - Mementos (Wonderstruck) - 04:24 
24. Max Richter - De Profundis (The Leftovers - Season 1) - 05:05
25. Bear McCreary - The Faraday Family (The Cape) - 02:00 
26. Elliot Goldenthal - Heat (Heat) - 08:32

Sonntag, 9. Mai 2010

Playlist # 32 vom 09.05.10 - MICHAEL MANN Special

Der am 5. Februar 1943 geborene Michael Mann wird oft als „Hollywoods letzter Autorenfilmer“ bezeichnet, weil er zu vielen seiner Filme auch die Drehbücher schreibt. Aufgewachsen in einem Chicagoer Arbeiterviertel, war es ihm als einer der wenigen seines Jahrgangs vergönnt, die Universität von Wisconsin zu besuchen, wo er sich für englische Literatur einschrieb. Ein Seminar für Filmgeschichte faszinierte ihn aber so stark, dass er nach London auf die Internationale Filmschule ging, wo er sich auch der Einberufung in die Armee und einem Einsatz im Vietnam-Krieg entziehen konnte, den er ablehnte.
Nach dem Studium gründete er die Filmproduktionsfirma Michael Mann Productions und drehte 1970 den Kurzfilm „Jaunpuri“. 1971 kehrte er in die USA zurück und realisierte den Kurzfilm „17 Days Down The Line“, das Ergebnis seiner 17-tägigen Reise durch sein Heimatland, während der Mann verschiedene Amerikaner interviewte, die sich über ihren Beruf definieren. Mann schrieb in der Folge Drehbücher zu den Fernsehserien „Starsky & Hutch“ und „Police Story“ und verfilmte 1979 den Gefängnisroman „Jericho Mile“, die Geschichte des lebenslänglich verurteilten Mörders Rain Murphy, dem die Möglichkeit geboten wird, bei den Olympischen Spielen mitzulaufen, doch da Murphy den Mord an seinem Vater nicht bereut und seine Strafe absitzen will, schlägt er die Chance aus. Sein Kinodebüt feierte Michael Mann 1981 mit „Thief“, zu dem die deutschen Elektronik-Pioniere Tangerine Dream ebenso den Soundtrack beisteuerten wie zu Manns nächstem Film, dem Sci-Fi-Horrorfilm „The Keep“ (1983).
Das bei Michael Mann hervorstechende Motiv des auf sich allein gestellten Antihelden – in „Jericho Mile“ war es der olympiareif laufende Mörder Murphy, in „Thief“ der von James Caan gespielte Juwelendieb Frank, der davon träumt, sich mit seiner Familie zur Ruhe zu setzen, aber nicht aus den Fängen der Mafia entkommt – tritt bei all seinen weiteren Filmen deutlich zutage. Bevor Anthony Hopkins die Rolle des kultivierten Serienkillers in den Verfilmungen von Thomas Harris‘ „Hannibal Lecter“-Trilogie übernahm, versuchte sich Michael Mann bereits 1986 in „Manhunter“ an der Suche von Detective Will Graham (William Peterson) nach einem Serienmörder, bei der ihm der inhaftierte Serienmörder Hannibal Lecter (Brian Cox) behilflich sein soll.
„Manhunter“ besticht durch eine ausgefeilte visuelle und auditive Inszenierung, wobei Michael Mann wiederum verstärkt auf elektronische Musik setzte. Neben dem eigentlichen Score von Michel Rubini und The Reds kamen vor allem atmosphärische Tracks der britischen Band Shriekback („Evaporation“, „This Big Hush“, „Coelocanth“) hinzu.
Trotz seiner Stärken floppte „Manhunter“ an den Kinokassen, worauf sich Mann wieder zum Fernsehen wandte, wo unmittelbarer und effektiver arbeiten konnte. Vor allem bei der hippen Fernsehserie „Miami Vice“ machte er als leitender Produzent Furore, dann inszenierte er 1989 mit „L.A. Takedown“ nicht nur seinen bis heute letzten Fernsehfilm, sondern auch gleich eine erste Version seines 95er Meisterwerks „Heat“. Dazwischen beeindruckte Michael Mann Publikum und Kritiker mit der Neuverfilmung des Klassikers „The Last of the Mohicans“ mit Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle des weißen Adoptivsohnes eines Indianers, der seinen Platz zwischen den Kulturen im jungen Amerika sucht.
Die Musik von Trevor Jones und Randy Edelman erhielt sogar eine Oscar-Nominierung und zählt nicht nur zu den schönsten Scores überhaupt, sondern markierte auch den Wechsel von den elektronisch geprägten Soundtracks zu orchestralen Kompositionen. Damit passte sich Mann zwar mehr dem üblichen Hollywood-Sound an, doch nach wie vor verwendete der Regisseur und Produzent besonders viel Sorgfalt bei der Auswahl der Musik zu seinen Filmen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die ihre Filme erst im Post-Produktions-Prozess mit Musik versehen lassen, arrangiert Michael Mann wie bei einem Musikvideoclip die Bilder, sogar die Erzählstruktur zur Musik.
Das wird besonders bei „Heat“ deutlich, dem grandiosen Gangster-Epos, bei dem sich Al Pacino als ehrgeiziger Cop und Robert De Niro als gewitzter Boss einer Diebesbande einander hinterherjagen. Die teilweise vom Kronos Quartet umgesetzte Musik von Komponist Elliot Goldenthal wird von so unterschiedlichen Künstlern wie Passengers (einem Soundtrack-Projekt von Brian Eno und U2), Moby, Lisa Gerrard und der deutschen Industrial-Avantgarde-Band Einstürzende Neubauten ergänzt, was dem Soundtrack einen sehr eklektischen Charakter verleiht. Michael Mann war von den Lisa-Gerrard-Songs „La Bas“ und „Gloradin“ (von ihrem Solo-Debüt „The Mirror Pool“) so angetan, dass er sie und Pieter Burke mit der Filmmusik zu seinem Thriller-Drama „The Insider“ (1999) und seinem Muhammed-Ali-Biopic „Ali“ (2001) engagierte.
Doch auch hier mussten sich die Komponisten das musikalische Feld mit vielen anderen im Film eingesetzten Songs und Instrumentals teilen. Bei „The Insider“ - mit Al Pacino als investigativer Journalist und Russell Crowe als ehemaliger Manager eines Tabakkonzerns, die gemeinsam dunkle Machenschaften der Tabak-Industrie aufdecken wollen - wurde Graeme Revell als weiterer Komponist hinzugezogen, darüber hinaus kamen Tracks der britischen Trip-Hopper Massive Attack, des Jazz-Musikers Jan Garbarek und des argentinischen Komponisten Gustavo Santaolalla zum Einsatz. Zu „Ali“ gab es gleich zwei Soundtracks, auf denen neben dem Score von Gerrard & Bourke natürlich vor allem Black Music von Künstlern wie Aretha Franklin, Everlast, R. Kelly, Bilal, Soul Clan und Salif Keita vertreten sind.

In dem 2004 realisierten Gangster-Thriller „Collateral“ treffen gleich zwei Anti-Helden aufeinander: Tom Cruise engagiert als Auftragskiller den lethargischen Taxifahrer Max (Jamie Foxx), damit er diesen im nächtlichen Los Angeles von einem Tatort zum nächsten kutschiert. Michael Mann inszenierte den Film erstmals auf Video und behielt diese Technik bei seinen folgenden Filmen bei. Von den Original-Kompositionen, die James Newton Howard und Antonio Pinto für „Collateral“ produzierten, war auf dem Soundtrack nicht mehr viel zu hören. Dafür tummelten sich Acts wie Audioslave, Groove Armada, Oakenfold, Miles Davis und Calexixo auf dem Soundtrack-Album.
Im Jahre 2006 inszenierte Mann eine Kinoversion von „Miami Vice“ und engagierte John Murphy und Klaus Badelt für die Musik, das Gangster-Epos „Public Enemies“ (2009) um John Dillinger (Johnny Depp) wurde wieder von Elliot Goldenthal vertont, der die Zusammenarbeit mit Michael Mann so beschrieb: „Er mag nicht zu viele Tricks und Wendungen in der Struktur der Musik. Er interagiert wirklich mit den Dingen, die sich sehr, sehr langsam entwickeln. Er möchte Musik, zu denen die Bilder, die Schnitte und Dialoge hinwegfließen können, ohne zu sehr mit ihnen korrespondieren zu müssen. Wenn du mit Michael arbeitest, musst du darauf vorbereitet sein, viele Veränderungen durchzumachen. Er ändert seine Meinung. Er schaut sich den Film jeden Tag als Ganzes an und verändert immer wieder etwas, also musst du wissen, dass zu deinem Job ebenso ständige Veränderungen gehören.“
Michael Mann erzählt zwar keine anspruchsvollen Geschichten und präsentiert keine Helden, wohl aber Figuren aus dem (oft) wahren Leben, die sich ihrer Rolle in der Gesellschaft vollkommen bewusst sind und schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, sobald sie mal über sich hinausgewachsen sind.
Obwohl Michael Mann weder zu der illustren Garde des „New Hollywood Cinema“ zählt, in dem Spielberg, Lucas, Scorsese, Bogdanovich und Coppola neue Formen des Geschichtenerzählens entwickelt haben, und auch nicht zur zweiten Welle zugeordnet werden kann, in der Ron Howard, Ridley Scott und Robert Zemeckis das Kino der 80er geprägt haben, ist er einer interessantesten Filmemacher der heutigen Zeit und mit einem besonderen Gespür für visuelle und musikalische Ausdrucksformen ausgestattet.

Filmographie:
1971: Jaunpuri (Kurzfilm)
1972: 17 Days Down the Line
1979: The Jericho Mile - Ein Mann kämpft allein
1981: Thief - Der Einzelgänger
1983: The Keep - Die unheimliche Macht
1986: Manhunter – Roter Drache/Blutmond
1989: L.A. Takedown - Showdown in L.A. (TV)
1992: The Last of the Mohicans - Der letzte Mohikaner
1995: Heat
1999: The Insider
2001: Ali
2004: Collateral
2006: Miami Vice
2009: Public Enemies
Playlist:
1 Tangerine Dream - Sam's Forge (Thief) - 03:10
2 Tangerine Dream - Ancient Powerplant (The Keep) - 04:26
3 Shriekback - Evaporation (Manhunter) - 03:18
4 Lisa Gerrard & Pieter Bourke - See The Sun (Ali) - 03:22
5 Moby - God Moving Over The Face Of The Waters (Heat) - 06:57
6 Oakenfold - Ready Steady Go (Remix) (Collateral) - 04:48
7 John Murphy - CDE (Miami Vice) - 02:47
8 Jan Garbarek - Rites (Special Edit For The Film) (The Insider) - 03:34
9 Elliot Goldenthal - Plane To Chicago (Public Enemies) - 03:25
10 Lisa Gerrard & Pieter Bourke - Liquid Mood (The Insider) - 04:06
11 Trevor Jones - Promentory (The Last Of The Mohicans) - 06:13
12 Tangerine Dream - Main Title/The Heist (Thief) - 10:46

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