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Dienstag, 1. September 2026

Playlist #457 vom 06.09.2026 - VILMOS ZSIGMOND Special

Der ungarisch-amerikanischer Kameramann Vilmos Zsigmond prägte mit seinen Arbeiten für namhafte Regisseure wie Robert Altman, Steven Spielberg, Brian De Palma, Michael Cimino und Woody Allen maßgeblich den Look des „New Hollywood“-Kinos und wurde von den Mitgliedern der International Cinematographers Guild zu einem der zehn einflussreichsten Kameramänner der Geschichte gewählt. Der am 1. Januar 2016 im Alter von 85 Jahren verstorbene Zsigmond gewann den Oscar für die Beste Kamera für „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und den BAFTA Award für die Beste Kamera für „Die durch die Hölle gehen“. In der heutigen Sendung gibt es Highlights aus den Soundtracks zu seinen Arbeiten zu hören, von Philip Glass über Bernard Herrmann, Stanley Myers und Mark Isham bis zu Jerry Goldsmith, James Newton Howard, Ennio Morricone und John Williams.

Vilmos Zsigmond
wurde am 16. Juni 1930 im ungarischen Szeged als Sohn einer Verwaltungsangestellten und eines Fußballspielers und -trainers geboren. Sein Interesse an der Fotografie begann im Alter von 17 Jahren, nachdem ihm ein Onkel einen Bildband mit Schwarz-Weiß-Fotografien des ungarischen Fotografen Jenő Dulovits geschenkt hatte.
Da seine Familie in den Augen der sowjetisch eingesetzten Regierung der Ungarischen Volksrepublik als bürgerlich galt, war es ihm jedoch verboten, Fotografie zu studieren. Stattdessen arbeitete Zsigmond in einer Fabrik, kaufte sich eine Kamera und brachte sich selbst das Fotografieren bei. Später gründete er einen Fotoclub für die Arbeiter. Dadurch gewann er den Respekt der örtlichen Kommissare und durfte an der Akademie für Drama und Film in Budapest Film studieren. Zsigmond verbrachte vier Jahre an der Filmhochschule, wo er viele 14-Stunden-Tage und Sechs-Tage-Wochen absolvierte. 
Obwohl er das Leben unter der Tyrannei des kommunistischen Regimes verabscheute, lernte er von dem Leiter des Fachbereichs, György Illés, und anderen Dozenten wichtige Erkenntnisse. „Sie lehrten uns, dass ein Film nur dann Kunst ist, wenn er eine wichtige Botschaft hat“, erinnert sich Zsigmond. „Er sollte mehr als bloße Unterhaltung sein. Er sollte einen gesellschaftlichen Wert haben.“ 
Nach seinem Studienabschluss arbeitete Zsigmond 1955 als Kameraassistent und Kameramann im staatlichen Filmstudio in Budapest.
Zsigmond und sein Freund und Kommilitone László Kovács liehen sich eine 35-mm-Kamera von ihrer Schule und dokumentierten die Ereignisse der Ungarischen Revolution von 1956 in Budapest. Sie versteckten die Kamera in einer Einkaufstasche und filmten durch ein Loch, das sie hineingeschnitten hatten. Die beiden drehten 9000 Meter Film und flohen kurz darauf nach Österreich. 1958 kamen Zsigmond und Kovács als politische Flüchtlinge in die USA und verkauften das Filmmaterial an CBS für eine Dokumentation über die Revolution, die von Walter Cronkite kommentiert wurde.
1962 wurde Zsigmond US-amerikanischer Staatsbürger, ließ sich in Los Angeles nieder und arbeitete in Fotolaboren als Techniker und Fotograf.
Sein erster Film in den USA war der 1963 erschienene Schwarzweiß-Exploitationfilm „The Sadist“ mit Arch Hall Jr. in der Hauptrolle. In den 1960er-Jahren arbeitete er an zahlreichen Low-Budget-Independent- und Lehrfilmen, um in der Filmbranche Fuß zu fassen.
Kovács, der 1969 den Film „Easy Rider“ für Peter Fonda und Dennis Hopper drehte, empfahl Zsigmond Fonda für dessen Western „Der weite Ritt“ von 1971, anschließend wurde Zsigmond von Robert Altman für dessen Western-Revisionismus „McCabe & Mrs. Miller“ engagiert. Dieser Film markierte Zsigmonds Durchbruch und seine erste Arbeit an einer großen Hollywood-Produktion.
Im Laufe des folgenden Jahrzehnts avancierte Zsigmond zu einem der gefragtesten Kameramänner Hollywoods. Zu den wichtigsten Filmen, die er in den 1970er-Jahren drehte, zählen John Boormans „Beim Sterben ist jeder der Erste“, Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ und Brian De Palmas „Schwarzer Engel“ sowie Steven Spielbergs „Sugarland Express“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Für letzteren Film erhielt er bei der 50. Oscarverleihung den Oscar für die Beste Kamera.
1978 arbeitete Zsigmond an Michael Ciminos Drama „Die durch die Hölle gehen“ mit Robert De Niro, Meryl Streep und Christopher Walken in den Hauptrollen. Zsigmonds visuelle Arbeit an dem Film brachte ihm 1980 den BAFTA Award für die Beste Kameraführung und eine weitere Oscar-Nominierung ein. Zsigmond arbeitete erneut mit Cimino an dessen Western-Epos „Heaven’s Gate“ (1980).
Zsigmond blieb in den folgenden Jahren ein gefragter Kameramann und arbeitete mehrfach mit verschiedenen Regisseuren zusammen. Er arbeitete erneut mit De Palma an dessen Filmen „Blow Out“, „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und „Black Dahlia“.
Zsigmond arbeitete an Filmen wie „Liberty“, „The Rose“, „Menschen am Fluss“ und „Intersection“. Er drehte mit George Miller „Die Hexen von Eastwick“ und mit Kevin Smith „Jersey Girl“. Außerdem arbeitete er mit Woody Allen an „Melinda und Melinda“, „Cassandras Traum“ und „Ich sehe den Mann deiner Träume“, für Richard Donner stand er bei „Maverick“ and „Assassins“ hinter der Kamera.
Auf die Frage, wie er seine Projekte auswählt, antwortet Zsigmond im Interview mit The ASC: „Mein Grundsatz lautet: Wenn ein Film dem Publikum nichts Wertvolles zu vermitteln hat, lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, ihn zu drehen. Man hat im Leben nur Zeit für eine begrenzte Anzahl von Filmen. In vielleicht 75 Prozent der Fälle lässt sich schon beim Lesen des Drehbuchs erkennen, ob sich ein Film lohnt – doch ich habe mich auch schon getäuscht. Es gab Momente, in denen ich glaubte, ein Projekt würde ein guter Film werden, was sich dann aber nicht bewahrheitete. Es müssen so viele Faktoren zusammenspielen – die Schauspieler, der Regisseur, das Drehbuch.“
Zu Zsigmonds Fernseharbeiten zählt die HBO-Miniserie „Stalin“, für die er 1993 den Emmy Award für herausragende Einzelleistung in der Kameraführung für eine Miniserie oder ein Special gewann. Für seine Arbeit an der Miniserie „Die Nebel von Avalon“ aus dem Jahr 2001 wurde er für einen Emmy nominiert. Zwischen 2012 und 2014 drehte Zsigmond außerdem 24 Episoden von „The Mindy Project“.
2011 gründete Zsigmond zusammen mit seinem Kameramannkollegen Yuri Neyman das Global Cinematography Institute in Los Angeles. Das Institut bot ein fortgeschrittenes Ausbildungsprogramm im Bereich Kameraführung für Postgraduierte und erfahrene Filmemacher an.

„Ich ermutige Filmstudenten, die sich für Kameraarbeit interessieren, sich auch mit Bildhauerei, Malerei, Musik, Schriftstellerei und anderen Kunstformen zu beschäftigen“, sagt Zsigmond im Interview mit The ASC. „Filmemachen ist eine Verbindung all dieser Künste. Studenten fragen mich oft um Rat, und ich sage ihnen, dass sie mit Begeisterung bei der Sache sein müssen, denn es ist harte Arbeit. Man kann daran nur dann Freude haben, wenn man voll und ganz darin aufgeht. Wer sich nicht auf diese Weise darauf einlässt, für den kann der Beruf sehr frustrierend sein. Ich bereue nur eine Sache in meiner Karriere: Dass wir keine Stummfilme mehr drehen. Das ist die reinste Kunstform, die ich mir vorstellen kann.“

1998 nahm er den Lifetime Achievement Award der American Society of Cinematographers in Empfang. 2003 wurde er bei einer Umfrage der International Cinematographers Guild unter ihren Mitgliedern in die Top 11 der wichtigsten Kameramänner der Filmgeschichte gewählt.
 
Filmografie: 
 
1957: Ungarn in Flammen 
1963: Todesangst (The Sadist) 
1964: 2071 – Mutan-Bestien gegen Roboter (The Time Travelers) 
1964: What’s Up Front! 
1964: The Nasty Rabbit 
1965: Deadwood ´76 
1965: Summer Children 
1965: Psycho a Go-Go 
1965: Rat Fink 
1967: The Road to Nashville 
1967: Mondo Mod 
1967: Jennie: Wife/Child 
1967: Blood of Ghastly Horror 
1968: Prelude (Kurzfilm) 
1968: Das Rasthaus der teuflischen Schwestern (The Name of the Game Is Kill!) 
1969: Futz 
1969: The Monitors 
1969: Fünf blutige Gräber (Five Bloody Graves) 
1969: Hot Rod Action 
1969: The Picasso Summer 
1970: Astro-Vampire – Todesmonster aus dem All (Horror of the Blood Monsters) 
1971: The Ski Bum 
1971: Der weite Ritt (The Hired Hand) 
1971: McCabe & Mrs. Miller 
1971: Red Sky at Morning 
1972: Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance) 
1972: Spiegelbilder (Images) 
1973: Asphalt-Blüten (Scarecrow) 
1973: Der Tod kennt keine Wiederkehr (The Long Goodbye) 
1973: Zapfenstreich (Cinderella Liberty) 
1974: Das Mädchen von Petrovka (The Girl from Petrovka) 
1974: Sugarland Express 
1976: Catch Ferrari (Sweet Revenge) 
1976: Schwarzer Engel (Obsession) 
1977: Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters of the Third Kind) 
1978: Die durch die Hölle gehen (The Deer Hunter) 
1979: Philadelphia Clan (Winter Kills) 
1979: The Rose 
1979: Flesh & Blood (Fernsehfilm) 
1980: Heaven’s Gate 
1981: Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (Blow Out) 
1982: Verhext (Jinxed!) 
1983: Ein Tisch für fünf (Table for Five) 
1984: Eine starke Nummer (No Small Affair) 
1984: Menschen am Fluß (The River) 
1985: Was für ein Genie (Real Genius) 
1987: Die Hexen von Eastwick (The Witches of Eastwick) 
1988: Reise zur Insel der Geister (Journey to Spirit Island) 
1989: Die Schattenmacher (Fat Man and Little Boy) 
1990: Die Spur führt zurück – The Two Jakes (The Two Jakes) 
1990: Fegefeuer der Eitelkeiten (The Bonfire of the Vanities) 
1992: Stalin 
1993: Sliver 
1994: Begegnungen – Intersection (Intersection) 
1994: Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel (Maverick) 
1995: Crossing Guard – Es geschah auf offener Straße (Crossing Guard) 
1995: Assassins – Die Killer (Assassins) 
1996: Der Geist und die Dunkelheit (The Ghost and the Darkness) 
1998: Leben und lieben in L.A. (Playing by Heart) 
2000: Ljuset håller mig sällskap (Dokumentarfilm) 
2001: Das Haus am Meer (Life as a House) 
2001: The Body 
2001: Die Nebel von Avalon (The Mists of Avalon) 
2002: Bánk bán 
2004: Melinda und Melinda (Melinda and Melinda) 
2004: Jersey Girl 
2005: Surrender, Dorothy (Fernsehfilm) 
2006: The Black Dahlia 
2007: Cassandras Traum (Cassandra’s Dream) 
2010: Ich sehe den Mann deiner Träume (You Will Meet a Tall Dark Stranger) 
2010: Louis 
2011: The Maiden Danced to Death (A halálba táncoltatott leány) 
2013: Compulsion 
2012-2014: The Mindy Project (TV-Serie, 3 Folgen) 
2014: God the Father 
2014: Six Dance Lessons in Six Weeks 
 
Playlist:
01. Stanley Myers - Cavatina [Reprise] (The Deer Hunter) - 03:55 
02. Michel Legrand - Head For Home (The Picasso Summer) - 04:23 
03. John Williams - The Long Goodbye (The Long Goodbye) - 04:30 
04. John Williams - The Final Ride (The Sugarland Express) - 03:36 
05. David Mansfield - Overture (Heaven's Gate) - 03:58 
06. Bernard Herrmann - Sandra at Monument (Obsession) - 03:01 
07. Pino Donaggio - Theme From Blow Out (Blow Out) - 03:47 
08. John Williams - Love Theme (The River) - 04:55 
09. Jerry Goldsmith - The Bridge (The Ghost and the Darkness) - 04:09 
10. Ennio Morricone - We Must Not Forget (Fat Man and Little Boy) - 06:11 
11. Van Dyke Parks - The Plot Thickens (The Two Jakes) - 04:46 
12. Lee Holdridge - The Mystic's Dream (The Mists of Avalon) - 07:42 
13. Howard Shore - The End (Sliver) - 05:32 
14. James Newton Howard - End Titles (Intersection) - 04:10 
15. John Williams - Resolution and End Title (Close Encounters of the Third Kind) - 06:54 
16. Randy Newman - Opening (Maverick) - 05:37 
17. John Barry - Playing by Heart [Vows Renewed] (Playing by Heart) - 06:37 
18. Mark Isham - Madeline/Nothing Stays Buried Forever (The Black Dahlia) - 03:12 
19. Mark Isham - I Built Myself A Life (Life As A House) - 05:48 
20. Philip Glass - The Pursuit & Murder in the Park (Cassandra's Dream) - 06:46 
21. John Williams - The Dance of the Witches/End Credits (The Witches of Eastwick) - 04:47 
22. Lee Holdridge - Finale (The Mists of Avalon) - 05:19 
23. Jerry Goldsmith - Welcome to Tsavo #2 - Revised (The Ghost and the Darkness) - 09:54

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Playlist # 69 vom 09.10.11 - GUS VAN SANT Special

„Restless“ – der Name des neuen Gus-Van-Sant-Films, der am 13. Oktober startet, ist Programm, denn der eigenwillige Autor und Regisseur ist ein echtes Multitalent. Der am 24. Juli 1952 in Louisville, Kentucky, geborene Filmemacher wuchs in einer bürgerlich-christlichen Familie auf, die vor allem seine Begeisterung für die Malerei unterstützte. Nach seinem Abschluss an der Rhode Island School of Design hielt er sich zunächst mit Assistentenjobs und als Cutter über Wasser, dann verfilmte er 1982 die William-S.-Burroughs-Erzählung „The Discipline of D. E.“, die in einer Freundschaft mit dem bekannten Beat-Poeten mündete.

Sein erster Spielfilm „Alice in Hollywood“ blieb zwar unveröffentlicht, doch nach seinem Umzug von Portland nach Oregon realisierte er 1985 sein selbstfinanziertes Spielfilmdebüt „Mala Noche“. Van Sant schrieb nicht nur Drehbücher und drehte Musikvideos für Künstler wie David Bowie, Elton John und die Red Hot Chili Peppers, sondern betätigte sich auch immer wieder als Fotograf, Maler, Musiker und sogar Schriftsteller.
In seinen ersten Filmen widmete sich Van Sant vor allem Außenseitern in schwierigen Milieus. Während in „Mala Noche“ die unerwiderte Liebe eines Amerikaners zu einem mexikanischen Einwanderer thematisiert wird, sucht Matt Dillon in „Drugstore Cowboy“ (1989) sein Glück im Drogenrausch. Mit „My Private Idaho“ realisierte der Filmemacher 1991 erstmals sein eigenes Drehbuch, in dem die Freundschaft zwischen zwei Strichern (River Phoenix und Keanu Reeves) auf eine harte Probe gestellt wird.
Ähnlich ergeht es einem Cowgirl (Rain Phoenix) mit der Tramperin Sissy (Uma Thurman) in „Even Cowgirls Get The Blues“ (1993). Nach den beiden Indie-Erfolgen „Drugstore Cowboy“ und „My Private Idaho“ wurden auch die Major-Studios auf Gus Van Sant aufmerksam.
In „To Die For“ (1995) geht die Wetterfee Suzanne Stone (Nicole Kidman) für ihre Karriere auch über Leichen und überredet drei Teenager, ihren Ehemann zu beseitigen. Thematisch ähnlich sind auch Van Sants Meisterwerk „Good Will Hunting“ (1997) und „Forrester – Gefunden!“ (2000) ausgelegt, wenn es um die Suche nach Anerkennung, Liebe und Auflösung psychischer Blockaden geht.
„In Van Sants Œuvre wollen alle Helden den Sinn ihres Daseins erschließen. Bei ihrer fortwährenden Lebensreise, die einem Abenteuer der Selbstfindung gleichkommt, erfahren sie Wandlungsprozesse, die aber nur bei wenigen Protagonisten zu innerer Reife führen. Das Leiden an einer Welt, die den Wünschen und dem Streben des Menschen indifferent gegenüberzustehen scheint, erweist sich in Gus Van Sants Werk als Konstante. Dabei verleiht der Regisseur selbst den unscheinbarsten Figuren Würde, indem er ihren existentiellen Kampf um Identität und Befreiung betont und als Wunsch nach Erlösung ernst nimmt“, resümiert Manuel Koch in „Filmregisseure“ (Reclam, 3. Auflage, 2008, S. 778). 
Mit „Psycho“ lieferte Van Sant 1997 nicht nur ein Remake des Hitchcock-Klassikers aus dem Jahre 1960, sondern nahezu eine originalgetreue Kopie, die noch deutlicher beim Soundtrack deutlich wird, da Danny Elfman den originalen Score von Bernard Herrmann Note für Note übernommen hat. Nach diesen Major-Produktionen kehrte Van Sant mit der sogenannten „Todes-Trilogie“ wieder seinen Wurzeln zurück. 
„Gerry“ (2001), „Elephant“ (2002) und „Last Days“ (2005) variieren Fragen über Leben und Tod. In „Gerry“ wandeln zwei Freunde orientierungslos bis zum erschütternden in der Wüste herum, „Elephant“ arbeitet auf fast dokumentarische Weise das Highschool-Massaker von Colombine auf, und „Last Days“ thematisiert die letzten Tage eines an Kurt Cobain angelehnten Rockstars.

„Inhaltlich rührt der homosexuelle Filmemacher Gus Van Sant immer wieder an Tabuthemen wie Tod und Sexualität, die er mit Unbefangenheit behandelt. Durch seine Beschreibung ambivalenter Figuren und Milieus verweigert er sich einer formelhaften Vereinfachung menschlichen Daseins. Formal erweist sich Gus Van Sant als Bildpoet: Er betont die Allgegenwart von Schönheit in der Welt durch Stilisierung seiner Filmbilder, die einem Gemälde gleich die Beseeltheit aller Dinge hervorkehren sollen.“ (ebd., S. 779) 
In „Paranoid Park“ findet der stille Alex als leidenschaftlicher Skater seinen Lebensmittelpunkt im Paranoid Park in Portland. Um den Kitzel zu steigern, springt er auch mal auf Frachtzüge auf, doch kommt durch seine Schuld bei einem dieser Ausflüge ein Sicherheitsbeamter ums Leben.
Van Sant geht es weder um eine herkömmliche Psychologisierung Heranwachsender, noch interessieren ihn die Kategorien konventioneller Jugenddramen. So fällt der Film auch kein Urteil über Alex, sondern bewahrt eine respektvolle, aber nie kühle Distanz zu seinem Protagonisten und den anderen, ebenfalls von Laien verkörperten Teenagern. Im Gegensatz zur berückenden Klarheit, mit der Wong-Kar-Weis Hauskameramann Christopher Doyle die Jugendlichen porträtiert, bleiben die Erwachsenen mitsamt ihrer zweifelhaften Moral im wahrsten Sinne gesichtslos und außerhalb des Fokus“, meint David Kleingers in Der Spiegel.
Mit seinem Biopic „Milk“ schuf Van Sant ein Jahr später dem 1978 ermordeten US-Politiker Harvey Milk ein Oscar®-prämiertes Denkmal, war Milk doch der erste Homosexuelle, der in ein wichtiges Polit-Amt gewählt und zu einem wichtigen Aushängeschild für die Schwulenbewegung wurde.
„Mit seiner filmischen Biografie des ersten offen homosexuellen Stadtrats von San Francisco erzählt Gus Van Sant zumindest in Teilen eine Erfolgsgeschichte. Mag die Schwulenbewegung auch noch lange nicht in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft angekommen sein, so hat sie doch Hollywood für sich gewonnen. In seiner Machart gleicht 'Milk' den filmischen Denkmälern aufs Haar, mit denen die Traumfabrik traditionell verdiente Helden ehrt. Die Inszenierung steht ganz im Dienst der Sache: Lediglich den Tod seines Helden stilisiert Van Sant zur großen Oper, ansonsten bleibt er auf dem Boden der erzählerischen Konvention. Dabei unterscheidet sich 'Milk' thematisch gar nicht so sehr von seinen letzten Filmen: Wie in 'Elephant' oder 'Last Days' erzählt er die Geschichte eines angekündigten Todes, nur dass dieses Mal der Glauben an die Heilkräfte des klassischen Erzählkinos schwerer wiegt als die Lust am formalen Experiment“, urteilt Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau.
Die Liebe und der Tod stehen auch im Zentrum seines neuen Films „Restless“, der am 13. Oktober in den deutschen Kinos startet. Ein todessehnsüchtiger Teenie verliebt sich auf einer der Beerdigungen, die er regelmäßig besucht, in ein todkrankes Mädchen. "Aus dem, was man für ein sentimentales Konstrukt halten könnte, entspinnt Gus Van Sant eine tragikomische Romanze mit klugen Dialogen und - wie stets bei ihm - höchst einfühlsamer Filmmusik: Danny Elfman komponierte mit seltener Zurückhaltung und überlässt die entscheidenden Momente dann doch der Plattensammlung des Regisseurs. Das letzte Wort gehört Nico von The Velvet Underground“, findet Daniel Kothenschulte in der Berliner Zeitung (zitiert auf Film-Zeit).
Gus Van Sant ist aber auch selbst als Musiker aktiv, hat mit „Gus Van Sant“ (1985) und „18 Songs About Golf“ (1997) bereits zwei Alben veröffentlicht.

Filmographie: 
1985: Mala Noche
1989: Drugstore Cowboy
1991: My Private Idaho (My Own Private Idaho)
1993: Even Cowgirls Get the Blues
1995: To Die For
1997: Good Will Hunting
1998: Psycho
2000: Forrester – Gefunden! (Finding Forrester)
2002: Gerry
2003: Elephant
2005: Last Days
2006: Le Marais (in Paris, je t’aime)
2007: Paranoid Park
2008: Milk
2011: Restless
2011: Portlandia (Fernsehserie)

Playlist:
1 Elliot Goldenthal - Bob's New Life (Drugstore Cowboy) - 02:48
2 Aleka's Attic - Too Many Colours (My Own Private Idaho) - 05:52
3 Lynyrd Skynyrd - Sweet Home Alabama (To Die For) - 03:37
4 The Pogues - The Old Main Drag (My Own Private Idaho) - 03:23
5 Strawpeople - Wings Of Desire (To Die For) - 04:48
6 Jeb Loy Nichols - As The Rain (Good Will Hunting) - 04:51
7 Danny Elfman - Main Titles (Good Will Hunting) - 03:36
8 Lusciuos Jackson - Why Do I Lie? (Good Will Hunting) - 03:37
9 Bernard Herrmann - The Rainstorm (Psycho) - 03:18
10 Danny Elfman - Main Titles (To Die For) - 04:09
11 Bernard Herrmann - The Peephole (Psycho) - 03:10
12 Miles Davis - Black Satin (Finding Forrester) - 05:15
13 Gerry Rafferty - Baker Street (Good Will Hunting) - 04:07
14 Bill Frisell, Ron Miles, Curtis Fowlkes & Eyvind Kang - Coffaro's Theme (Finding Forrester) - 04:26
15 Elliott Smith - Miss Misery (Good Will Hunting) - 03:11
16 Danny Elfman - Finale (To Die For) - 03:47
17 Danny Elfman - Weepy Donuts (Good Will Hunting) - 03:49
18 Ethan Rose - Song One (Paranoid Park) - 04:05
19 Miles Davis - In A Silent Way (DJ Cam Remix) (Finding Forrester) - 05:04
20 Pagoda - Death To Birth (The Last Days) - 04:38
21 Menomena - Strongest Man In The World (Paranoid Park) - 05:38
22 Sylvester - You Make Me Feel (Milk) - 06:34
23 Velvet Underground - Venus In Furs (The Last Days) - 05:12
24 Danny Elfman - Main Titles (Milk) - 03:06
25 Danny Elfman - Will's Reflection (Good Will Hunting) - 03:59
26 Danny Elfman - Give 'em Hope (Milk) - 04:42

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