Radio ZuSa
Posts mit dem Label Philip Glass werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Philip Glass werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 1. September 2026

Playlist #457 vom 06.09.2026 - VILMOS ZSIGMOND Special

Der ungarisch-amerikanischer Kameramann Vilmos Zsigmond prägte mit seinen Arbeiten für namhafte Regisseure wie Robert Altman, Steven Spielberg, Brian De Palma, Michael Cimino und Woody Allen maßgeblich den Look des „New Hollywood“-Kinos und wurde von den Mitgliedern der International Cinematographers Guild zu einem der zehn einflussreichsten Kameramänner der Geschichte gewählt. Der am 1. Januar 2016 im Alter von 85 Jahren verstorbene Zsigmond gewann den Oscar für die Beste Kamera für „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und den BAFTA Award für die Beste Kamera für „Die durch die Hölle gehen“. In der heutigen Sendung gibt es Highlights aus den Soundtracks zu seinen Arbeiten zu hören, von Philip Glass über Bernard Herrmann, Stanley Myers und Mark Isham bis zu Jerry Goldsmith, James Newton Howard, Ennio Morricone und John Williams.

Vilmos Zsigmond
wurde am 16. Juni 1930 im ungarischen Szeged als Sohn einer Verwaltungsangestellten und eines Fußballspielers und -trainers geboren. Sein Interesse an der Fotografie begann im Alter von 17 Jahren, nachdem ihm ein Onkel einen Bildband mit Schwarz-Weiß-Fotografien des ungarischen Fotografen Jenő Dulovits geschenkt hatte.
Da seine Familie in den Augen der sowjetisch eingesetzten Regierung der Ungarischen Volksrepublik als bürgerlich galt, war es ihm jedoch verboten, Fotografie zu studieren. Stattdessen arbeitete Zsigmond in einer Fabrik, kaufte sich eine Kamera und brachte sich selbst das Fotografieren bei. Später gründete er einen Fotoclub für die Arbeiter. Dadurch gewann er den Respekt der örtlichen Kommissare und durfte an der Akademie für Drama und Film in Budapest Film studieren. Zsigmond verbrachte vier Jahre an der Filmhochschule, wo er viele 14-Stunden-Tage und Sechs-Tage-Wochen absolvierte. 
Obwohl er das Leben unter der Tyrannei des kommunistischen Regimes verabscheute, lernte er von dem Leiter des Fachbereichs, György Illés, und anderen Dozenten wichtige Erkenntnisse. „Sie lehrten uns, dass ein Film nur dann Kunst ist, wenn er eine wichtige Botschaft hat“, erinnert sich Zsigmond. „Er sollte mehr als bloße Unterhaltung sein. Er sollte einen gesellschaftlichen Wert haben.“ 
Nach seinem Studienabschluss arbeitete Zsigmond 1955 als Kameraassistent und Kameramann im staatlichen Filmstudio in Budapest.
Zsigmond und sein Freund und Kommilitone László Kovács liehen sich eine 35-mm-Kamera von ihrer Schule und dokumentierten die Ereignisse der Ungarischen Revolution von 1956 in Budapest. Sie versteckten die Kamera in einer Einkaufstasche und filmten durch ein Loch, das sie hineingeschnitten hatten. Die beiden drehten 9000 Meter Film und flohen kurz darauf nach Österreich. 1958 kamen Zsigmond und Kovács als politische Flüchtlinge in die USA und verkauften das Filmmaterial an CBS für eine Dokumentation über die Revolution, die von Walter Cronkite kommentiert wurde.
1962 wurde Zsigmond US-amerikanischer Staatsbürger, ließ sich in Los Angeles nieder und arbeitete in Fotolaboren als Techniker und Fotograf.
Sein erster Film in den USA war der 1963 erschienene Schwarzweiß-Exploitationfilm „The Sadist“ mit Arch Hall Jr. in der Hauptrolle. In den 1960er-Jahren arbeitete er an zahlreichen Low-Budget-Independent- und Lehrfilmen, um in der Filmbranche Fuß zu fassen.
Kovács, der 1969 den Film „Easy Rider“ für Peter Fonda und Dennis Hopper drehte, empfahl Zsigmond Fonda für dessen Western „Der weite Ritt“ von 1971, anschließend wurde Zsigmond von Robert Altman für dessen Western-Revisionismus „McCabe & Mrs. Miller“ engagiert. Dieser Film markierte Zsigmonds Durchbruch und seine erste Arbeit an einer großen Hollywood-Produktion.
Im Laufe des folgenden Jahrzehnts avancierte Zsigmond zu einem der gefragtesten Kameramänner Hollywoods. Zu den wichtigsten Filmen, die er in den 1970er-Jahren drehte, zählen John Boormans „Beim Sterben ist jeder der Erste“, Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ und Brian De Palmas „Schwarzer Engel“ sowie Steven Spielbergs „Sugarland Express“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Für letzteren Film erhielt er bei der 50. Oscarverleihung den Oscar für die Beste Kamera.
1978 arbeitete Zsigmond an Michael Ciminos Drama „Die durch die Hölle gehen“ mit Robert De Niro, Meryl Streep und Christopher Walken in den Hauptrollen. Zsigmonds visuelle Arbeit an dem Film brachte ihm 1980 den BAFTA Award für die Beste Kameraführung und eine weitere Oscar-Nominierung ein. Zsigmond arbeitete erneut mit Cimino an dessen Western-Epos „Heaven’s Gate“ (1980).
Zsigmond blieb in den folgenden Jahren ein gefragter Kameramann und arbeitete mehrfach mit verschiedenen Regisseuren zusammen. Er arbeitete erneut mit De Palma an dessen Filmen „Blow Out“, „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und „Black Dahlia“.
Zsigmond arbeitete an Filmen wie „Liberty“, „The Rose“, „Menschen am Fluss“ und „Intersection“. Er drehte mit George Miller „Die Hexen von Eastwick“ und mit Kevin Smith „Jersey Girl“. Außerdem arbeitete er mit Woody Allen an „Melinda und Melinda“, „Cassandras Traum“ und „Ich sehe den Mann deiner Träume“, für Richard Donner stand er bei „Maverick“ and „Assassins“ hinter der Kamera.
Auf die Frage, wie er seine Projekte auswählt, antwortet Zsigmond im Interview mit The ASC: „Mein Grundsatz lautet: Wenn ein Film dem Publikum nichts Wertvolles zu vermitteln hat, lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, ihn zu drehen. Man hat im Leben nur Zeit für eine begrenzte Anzahl von Filmen. In vielleicht 75 Prozent der Fälle lässt sich schon beim Lesen des Drehbuchs erkennen, ob sich ein Film lohnt – doch ich habe mich auch schon getäuscht. Es gab Momente, in denen ich glaubte, ein Projekt würde ein guter Film werden, was sich dann aber nicht bewahrheitete. Es müssen so viele Faktoren zusammenspielen – die Schauspieler, der Regisseur, das Drehbuch.“
Zu Zsigmonds Fernseharbeiten zählt die HBO-Miniserie „Stalin“, für die er 1993 den Emmy Award für herausragende Einzelleistung in der Kameraführung für eine Miniserie oder ein Special gewann. Für seine Arbeit an der Miniserie „Die Nebel von Avalon“ aus dem Jahr 2001 wurde er für einen Emmy nominiert. Zwischen 2012 und 2014 drehte Zsigmond außerdem 24 Episoden von „The Mindy Project“.
2011 gründete Zsigmond zusammen mit seinem Kameramannkollegen Yuri Neyman das Global Cinematography Institute in Los Angeles. Das Institut bot ein fortgeschrittenes Ausbildungsprogramm im Bereich Kameraführung für Postgraduierte und erfahrene Filmemacher an.

„Ich ermutige Filmstudenten, die sich für Kameraarbeit interessieren, sich auch mit Bildhauerei, Malerei, Musik, Schriftstellerei und anderen Kunstformen zu beschäftigen“, sagt Zsigmond im Interview mit The ASC. „Filmemachen ist eine Verbindung all dieser Künste. Studenten fragen mich oft um Rat, und ich sage ihnen, dass sie mit Begeisterung bei der Sache sein müssen, denn es ist harte Arbeit. Man kann daran nur dann Freude haben, wenn man voll und ganz darin aufgeht. Wer sich nicht auf diese Weise darauf einlässt, für den kann der Beruf sehr frustrierend sein. Ich bereue nur eine Sache in meiner Karriere: Dass wir keine Stummfilme mehr drehen. Das ist die reinste Kunstform, die ich mir vorstellen kann.“

1998 nahm er den Lifetime Achievement Award der American Society of Cinematographers in Empfang. 2003 wurde er bei einer Umfrage der International Cinematographers Guild unter ihren Mitgliedern in die Top 11 der wichtigsten Kameramänner der Filmgeschichte gewählt.
 
Filmografie: 
 
1957: Ungarn in Flammen 
1963: Todesangst (The Sadist) 
1964: 2071 – Mutan-Bestien gegen Roboter (The Time Travelers) 
1964: What’s Up Front! 
1964: The Nasty Rabbit 
1965: Deadwood ´76 
1965: Summer Children 
1965: Psycho a Go-Go 
1965: Rat Fink 
1967: The Road to Nashville 
1967: Mondo Mod 
1967: Jennie: Wife/Child 
1967: Blood of Ghastly Horror 
1968: Prelude (Kurzfilm) 
1968: Das Rasthaus der teuflischen Schwestern (The Name of the Game Is Kill!) 
1969: Futz 
1969: The Monitors 
1969: Fünf blutige Gräber (Five Bloody Graves) 
1969: Hot Rod Action 
1969: The Picasso Summer 
1970: Astro-Vampire – Todesmonster aus dem All (Horror of the Blood Monsters) 
1971: The Ski Bum 
1971: Der weite Ritt (The Hired Hand) 
1971: McCabe & Mrs. Miller 
1971: Red Sky at Morning 
1972: Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance) 
1972: Spiegelbilder (Images) 
1973: Asphalt-Blüten (Scarecrow) 
1973: Der Tod kennt keine Wiederkehr (The Long Goodbye) 
1973: Zapfenstreich (Cinderella Liberty) 
1974: Das Mädchen von Petrovka (The Girl from Petrovka) 
1974: Sugarland Express 
1976: Catch Ferrari (Sweet Revenge) 
1976: Schwarzer Engel (Obsession) 
1977: Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters of the Third Kind) 
1978: Die durch die Hölle gehen (The Deer Hunter) 
1979: Philadelphia Clan (Winter Kills) 
1979: The Rose 
1979: Flesh & Blood (Fernsehfilm) 
1980: Heaven’s Gate 
1981: Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (Blow Out) 
1982: Verhext (Jinxed!) 
1983: Ein Tisch für fünf (Table for Five) 
1984: Eine starke Nummer (No Small Affair) 
1984: Menschen am Fluß (The River) 
1985: Was für ein Genie (Real Genius) 
1987: Die Hexen von Eastwick (The Witches of Eastwick) 
1988: Reise zur Insel der Geister (Journey to Spirit Island) 
1989: Die Schattenmacher (Fat Man and Little Boy) 
1990: Die Spur führt zurück – The Two Jakes (The Two Jakes) 
1990: Fegefeuer der Eitelkeiten (The Bonfire of the Vanities) 
1992: Stalin 
1993: Sliver 
1994: Begegnungen – Intersection (Intersection) 
1994: Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel (Maverick) 
1995: Crossing Guard – Es geschah auf offener Straße (Crossing Guard) 
1995: Assassins – Die Killer (Assassins) 
1996: Der Geist und die Dunkelheit (The Ghost and the Darkness) 
1998: Leben und lieben in L.A. (Playing by Heart) 
2000: Ljuset håller mig sällskap (Dokumentarfilm) 
2001: Das Haus am Meer (Life as a House) 
2001: The Body 
2001: Die Nebel von Avalon (The Mists of Avalon) 
2002: Bánk bán 
2004: Melinda und Melinda (Melinda and Melinda) 
2004: Jersey Girl 
2005: Surrender, Dorothy (Fernsehfilm) 
2006: The Black Dahlia 
2007: Cassandras Traum (Cassandra’s Dream) 
2010: Ich sehe den Mann deiner Träume (You Will Meet a Tall Dark Stranger) 
2010: Louis 
2011: The Maiden Danced to Death (A halálba táncoltatott leány) 
2013: Compulsion 
2012-2014: The Mindy Project (TV-Serie, 3 Folgen) 
2014: God the Father 
2014: Six Dance Lessons in Six Weeks 
 
Playlist:
01. Stanley Myers - Cavatina [Reprise] (The Deer Hunter) - 03:55 
02. Michel Legrand - Head For Home (The Picasso Summer) - 04:23 
03. John Williams - The Long Goodbye (The Long Goodbye) - 04:30 
04. John Williams - The Final Ride (The Sugarland Express) - 03:36 
05. David Mansfield - Overture (Heaven's Gate) - 03:58 
06. Bernard Herrmann - Sandra at Monument (Obsession) - 03:01 
07. Pino Donaggio - Theme From Blow Out (Blow Out) - 03:47 
08. John Williams - Love Theme (The River) - 04:55 
09. Jerry Goldsmith - The Bridge (The Ghost and the Darkness) - 04:09 
10. Ennio Morricone - We Must Not Forget (Fat Man and Little Boy) - 06:11 
11. Van Dyke Parks - The Plot Thickens (The Two Jakes) - 04:46 
12. Lee Holdridge - The Mystic's Dream (The Mists of Avalon) - 07:42 
13. Howard Shore - The End (Sliver) - 05:32 
14. James Newton Howard - End Titles (Intersection) - 04:10 
15. John Williams - Resolution and End Title (Close Encounters of the Third Kind) - 06:54 
16. Randy Newman - Opening (Maverick) - 05:37 
17. John Barry - Playing by Heart [Vows Renewed] (Playing by Heart) - 06:37 
18. Mark Isham - Madeline/Nothing Stays Buried Forever (The Black Dahlia) - 03:12 
19. Mark Isham - I Built Myself A Life (Life As A House) - 05:48 
20. Philip Glass - The Pursuit & Murder in the Park (Cassandra's Dream) - 06:46 
21. John Williams - The Dance of the Witches/End Credits (The Witches of Eastwick) - 04:47 
22. Lee Holdridge - Finale (The Mists of Avalon) - 05:19 
23. Jerry Goldsmith - Welcome to Tsavo #2 - Revised (The Ghost and the Darkness) - 09:54

Sonntag, 22. März 2026

Playlist #445 vom 22.03.2026 - PETER WEIR Special

Mit sechs Oscar-Nominierungen für seine Arbeiten an Filmen wie „Der Club der toten Dichter“, „Die Truman Show“ und „Der einzige Zeuge“ zählt Peter Weir zu den prominentesten australischen Filmemachern und wurde 2022 verdientermaßen mit einem Ehrenoscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Da lag sein letzter Film „The Way Back“ (2010) bereits zwölf Jahre zurück. Grund genug, Peter Weir mit einer Retrospektive zu ehren. Schließlich hat er auch bei der Auswahl der Musik für seine Filme stets ein gutes Händchen bewiesen. In dieser Sendung gibt es neben der original für seine Werke komponierten Musik von Bruce Smeaton, Maurice Jarre, Iva Davis, Christopher Gordon, Hans Zimmer und Burkhard Dallwitz auch verwendete Tracks von Vangelis, Jean Michel Jarre, Philip Glass, Tomaso Albinoni, Beethoven und Mozart zu hören. 
Peter Weir wurde am 21. August 1944 in Sydney geboren und besuchte das Scots College und die Vaucluse Boys High School, bevor er an der Universität Sydney Kunst und Jura studierte. Sein Interesse am Film wurde durch die Begegnung mit Kommilitonen geweckt, darunter Phillip Noyce und die späteren Mitglieder des Sydneyer Filmkollektivs Ubu Films.
Nach seinem Universitätsabschluss Mitte der 1960er Jahre begann er beim Sydneyer Fernsehsender ATN-7 als Produktionsassistent für die bahnbrechende satirische Comedy-Sendung „The Mavis Bramston Show“. Während dieser Zeit drehte Weir mit den Einrichtungen des Senders seine ersten beiden experimentellen Kurzfilme „Count Vim's Last Exercise“ und „The Life and Flight of Reverend Buck Shotte“.
Bei der Commonwealth Film Unit drehte Weir mehrere Dokumentarfilme sowie einen Spielfilm.
Mit dem Kurzfilm „Three Directions in Australian Pop Music“ (1972) fasste Weir Konzertaufnahmen von drei der bedeutendsten Rockbands aus Melbourne jener Zeit zusammen: Spectrum, The Captain Matchbox Whoopee Band und Wendy Saddington. Weirs letzte größere Arbeit für die CFU befasste sich mit einem benachteiligten Vorort von Sydney, „Whatever Happened to Green Valley“ (1973). Dabei wurden die Bewohner eingeladen, eigene Filmsequenzen zu drehen.
Weirs erster großer Independentfilm war der Kurzfilm „Homesdale“ (1971), eine schräge schwarze Komödie. Für seinen nächsten, ersten abendfüllenden Spielfilm ließ sich Weir von einem Pressebericht inspirieren, den Weir über zwei junge Engländerinnen gelesen hatte, die während einer Autoreise in Frankreich verschwunden waren. „Die Autos, die Paris auffraßen“ (1974) war eine Low-Budget-Komödie um eine Stadt, die ihre Existenz der fragwürdigen, doch allgemein anerkannten Praxis verdankt, verunglückte Autos und ihre Insassen auszuschlachten, und überzeugte weniger durch komplex gezeichnete Figuren und einen dramatischen Plot, sondern durch ihre außergewöhnliche Ausgangsidee einer zutiefst amoralischen Gesellschaft, die ungeniert Gewinn aus dem Schaden anderer Leute zieht, und Peter Weirs ausdrucksstarke Bildsprache.
Der Film war in den Kinos nur mäßig erfolgreich, erfreute sich aber großer Beliebtheit in den damals florierenden Autokinos.
Mit diesem Film, zusammen mit dem früheren „Homesdale“, etablierte Weir das thematische Grundmuster, das sein gesamtes Schaffen prägte: Fast alle seine Spielfilme handeln von Menschen, die in eine Krise geraten, nachdem sie auf die eine oder andere Weise von der Gesellschaft isoliert wurden – sei es physisch („Der einzige Zeuge“, „Mosquito Coast“, „Die Truman Show“, „Master and Commander“), sozial/kulturell („Picknick am Hanging Rock“, „Die letzte Flut“, „Der Club der toten Dichter“, „Green Card“) oder psychisch („Fearless“).
Weirs großer Durchbruch in Australien und international gelang ihm mit dem opulenten, atmosphärischen Historienfilm „Picknick am Valentinstag“ (1975), der mit erheblicher Unterstützung der staatlich geförderten South Australian Film Corporation entstand und in Südaustralien und im ländlichen Victoria gedreht wurde. Basierend auf dem Roman von Joan Lindsay und angesiedelt um die Jahrhundertwende, erzählt der Film die angeblich wahre Geschichte einer Gruppe Schülerinnen eines exklusiven Mädcheninternats, die am Valentinstag 1900 auf mysteriöse Weise während eines Schulausflugs verschwinden. Der Film gilt weithin als Schlüsselwerk der australischen Filmrenaissance Mitte der 1970er-Jahre und war der erste australische Film seiner Zeit, der sowohl von der Kritik gefeiert als auch international in den Kinos gezeigt wurde.
Bereits im Prolog vermittelt Peter Weir seinem Publikum die Botschaft, dass bei einem Picknick am Valentinstag einige Mädchen spurlos verschwunden sind. Und trotzdem entfaltet die Geschichte eine Sogwirkung, die einfach grandios inszeniert ist. Die hypnotisch-flirrenden Bilder von Kameramann Russell Boyd („Forever Young“, „Master & Commander“) gehen mit den mystischen Panflötenklängen von Gheorghe Zamfir und dem verträumten Piano-Score von Bruce Smeaton eine stimmige Symbiose ein, die das Verschwinden der Mädchen wirklich zu einem übernatürlichen Ereignis werden lässt. Interessant kreiert Weir aber auch die Gegensätze zwischen der wilden, unberechenbaren Natur und den strengen Regeln in einem viktorianischen Mädcheninternat. Während die Frage nach dem Verbleib der Mädchen unbeantwortet bleibt, sind die darauffolgenden Ereignisse im Internat nur allzu vorhersehbar. Peter Weir gelingt es, die Geschehnisse hier und dort eindringlich miteinander zu verbinden.
Weirs nächster Film „Die letzte Flut“ (1977) war ein übernatürlicher Thriller über einen Mann, der von furchterregenden Visionen einer drohenden Naturkatastrophe heimgesucht wird. Der Film mit dem amerikanischen Schauspieler Richard Chamberlain in der Hauptrolle, der dem australischen und internationalen Publikum als Titelheld der beliebten Fernsehserie „Dr. Kildare“ bestens bekannt war, erzählt die Geschichte von Dr. Kildare. „Die letzte Flut“ war ein nachdenkliches, ambivalentes Werk, das die Themen von „Picknick am Valentinstag“ aufgriff und die Interaktionen zwischen der Kultur der Aborigines und der europäischen Kultur erforschte.
In erster Linie als Justizdrama ausgelegt, verlagert sich der Film zunehmend auf die Frage, inwieweit der weiße Anwalt auch die Gabe der Prophezeiung besitzt. Peter Weir hat die Problematik des Zusammenlebens zwischen den beiden Gesellschaftsformen ebenso subtil thematisiert wie die bedrohlichen Naturphänomene in Form von sintflutartigen Regenfällen, Hagelschauern und anderen typisch apokalyptischen Zeichen, wobei Richard Chamberlain überzeugend den skeptischen Beobachter darstellt.
Zwischen „Die letzte Flut“ und seinem nächsten Spielfilm schrieb und inszenierte Weir den ungewöhnlichen Low-Budget-Fernsehfilm „Wenn der Klempner kommt“ (1979). In den Hauptrollen waren die australischen Schauspieler Judy Morris und Ivar Kants zu sehen; die Dreharbeiten dauerten nur drei Wochen. Inspiriert von einer Erzählung von Freunden, ist es eine schwarze Komödie über eine Frau, deren Leben durch einen subtil bedrohlichen Klempner aus den Fugen gerät.
Mit seinem nächsten Film, dem historischen Abenteuerdrama „Gallipoli“ (1981), landete Weir einen großen australischen Erfolg und erntete weiteres internationales Lob. Das Drehbuch stammte vom australischen Dramatiker David Williamson; der Film gilt als Klassiker des australischen Kinos und trug maßgeblich dazu bei, Mel Gibson („Mad Max“) zum Superstar zu machen.
Peter Weir inszeniert den Großteil seines Dramas als ausgelassenen Abenteuerfilm, indem sich die Freunde, die sich freiwillig für den Einsatz australischer und neuseeländischer Truppen im Kampf gegen die mit den Nazis verbündeten Türken gemeldet haben, selbst bei ihren ersten Übungen in Ägypten noch lachend in die Arme fallen. Doch je näher die Geschosse der Türken an ihrem Gefechtsstand einschlagen, desto mehr wird ihnen der tödliche Ernst der Lage bewusst. Weir schürt ihr bewusst Ressentiments gegen die britischen Offiziere, die die australischen Truppen rücksichtslos gegen die gut in den Stellungen liegenden Türken verheizen. Auch wenn Weir damit über das Ziel hinausschießen mag, ist ihm mit „Gallipoli“ ein eindringliches Drama über eine Männerfreundschaft und die Sinnlosigkeit des Krieges gelungen, das zudem mit Jean-Michel Jarres Musik aus „Oxygene“ und das Tomaso Albinoni zugeschriebene „Adagio in g-Moll“ interessant vertont worden ist.
Der Höhepunkt von Weirs früher Karriere war die 6 Millionen Dollar teure multinationale Produktion „Ein Jahr in der Hölle“ (1982), in der erneut Gibson die Hauptrolle spielte, diesmal an der Seite von Hollywood-Star Sigourney Weaver. Der Film erzählt eine Geschichte über journalistische Loyalität, Idealismus, Liebe und Ehrgeiz im turbulenten Indonesien Sukarnos im Jahr 1965. Es handelte sich um eine Adaption des Romans von Christopher Koch, der teilweise auf den Erlebnissen von Kochs Bruder Philip, dem Journalisten Philip, beruhte. Philip war Jakarta-Korrespondent der ABC und einer der wenigen westlichen Journalisten in der Stadt während des Putschversuchs von 1965. Der Film brachte Linda Hunt (die im Film einen Mann spielte) einen Oscar als Beste Nebendarstellerin ein.
Der Film konzentriert sich nicht nur auf die romantische Beziehung, die sich zwischen dem Reporter und der Botschaftsangestellten anbahnt, sondern vor allem auf die Rolle, in der sich Hamilton selbst in dem ausbrechenden Bürgerkrieg sieht, ob er bereit ist, größere Opfer zu bringen, als es beispielsweise seine Kollegen tun, die sich allein auf die Berichterstattung aus sicherer Entfernung und diverse Ablenkungen beschränken. Allzu tief dringt das Drama dabei freilich nicht in die politischen Dimensionen des Bürgerkriegs ein. Vielmehr thematisiert Weir den immerwährenden universalen Konflikt zwischen (gesellschafts-)politischen Ereignissen und der Berichterstattung darüber.
Weirs erster amerikanischer Film war der erfolgreiche Thriller „Der einzige Zeuge“ (1985), der erste von zwei Filmen, die er mit Harrison Ford drehte. Er handelt von einem Jungen, der Zeuge des Mordes an einem verdeckten Polizisten durch korrupte Kollegen wird und sich daraufhin in seiner Amischen Gemeinde verstecken muss, um ihn zu schützen. Weir führte Regie bei Fords einziger Performance, die ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte, während auch Kinderstar Lukas Haas für sein Filmdebüt viel Lob erhielt. „Der einzige Zeuge“ brachte Weir zudem seine erste Oscar-Nominierung als Bester Regisseur ein und war der erste von mehreren Filmen, die für den Oscar als Bester Film nominiert wurden – später gewann er zwei Oscars für den Besten Schnitt und das Beste Originaldrehbuch.
Es folgte der düsterere, weniger kommerzielle Film „Mosquito Coast“ (1986) nach einem Drehbuch von Paul Schrader („Taxi Driver“, „Katzenmenschen“), basierend auf Paul Theroux’ Roman.
„Mosquito Coast“ zeigt zunächst eine US-amerikanische Welt auf, die typisch für die westliche Zivilisation ist, eine Welt, in der Waren möglichst billig aus dem fernen Osten importiert werden und das Wohl des Einzelnen über dem der Gemeinschaft steht. Dass Allie Fox, dessen Erfindungen nur müde belächelt werden, weil sie keinen schnellen ökonomischen Nutzen bieten, dieser kapitalistischen Welt entfliehen möchte, lässt sich durchaus nachvollziehen. Interessant ist, dass er dieses Vorhaben so radikal und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Familie umsetzt und im tiefsten Dschungel den Eingeborenen das Leben noch luxuriöser bereiten möchte. Das verläuft natürlich nicht nach Plan, denn zum einen bekommt es Allie mit dem missionarischen Eifer eines Weißen zu tun, zum anderen mit rücksichtslosen Guerilla-Kämpfern, die Allies Errungenschaften drohen zunichtezumachen. Spätestens durch die Konfrontation mit dem Unwägbaren kippt die Stimmung, und Allie wird zum schwer erträglichen Tyrannen, unter dem vor allem seine Familie zu leiden hat. Weirs Fähigkeit und Faible, Eskapismus, Esoterik und Naturverbundenheit mit psychologischem Schrecken zu verbinden, wie er es in seinen in den 1970er Jahre entstandenen Filmen zum Ausdruck brachte, kommt auch in „Mosquito Coast“ zum Tragen.
Harrison Ford überzeugt dabei als leidenschaftlicher Kämpfer für die gute Sache, der allerdings über das Ziel hinausschießt, und die Konzentration auf die Dialoge, mit denen die Konflikte ausgetragen werden, machen „Mosquito Coast“ nicht gerade zugänglich. Doch als Drama, das den Kontrast zwischen Naturvölkern und vermeintlich fortschrittlichen Zivilisten zuspitzt, funktioniert der Film wunderbar.
Weirs nächster Film „Der Club der toten Dichter“ (1989) war ein internationaler Erfolg und präsentierte Robin Williams in der ungewohnten Rolle eines inspirierenden Lehrers in einer dramatischen Geschichte über Konformität und Rebellion an einem exklusiven Internat in Neuengland in den 1950er-Jahren. Der Film wurde für vier Oscars nominiert, darunter für den besten Film und die beste Regie. Er gewann den Oscar für das Beste Originaldrehbuch und verhalf den jungen Schauspielern Ethan Hawke und Robert Sean Leonard zum Durchbruch.
„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht lebend war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ Diese Zeilen aus Henry David Thoreaus (1817–1862) Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ steht als Leitspruch für Peter Weirs „Der Club der toten Dichter“, der wunderbar aufzeigt, wie schwierig es ist, sich mit einer eigenen Persönlichkeit von der Masse abzuheben und ein Leben ganz nach seiner eigenen Bestimmung zu führen. Dabei bietet das Drama alles auf, was zur intellektuellen wie seelischen Ertüchtigung notwendig ist. Das fängt mit dem restriktiven, rückwärtsgewandten Internat an, das alles versucht, um die jungen Männer nach konservativen Werten und Tugenden zu formen, und Abweichungen von der Norm hart bestraft. Es genügt ein aufmerksamer, engagierter Freigeist im Lehrkörper, um die starren Bahnen des Lehrstoffs aufzubrechen und das individuelle Potenzial seiner Schüler freizulegen und zu fördern. Das gelingt bei den selbstbewussten Neil und Knox nahezu augenblicklich, bei dem schüchternen Todd braucht es schon stete Ermunterung, bis auch er aus dem Schatten seines Bruders, der zu den besten Absolventen von Welton gehört, heraustreten und für sich selbst sprechen kann. Das Oscar-prämierte Drehbuch von Tom Schulman wartet mit einer Menge stimulierender Gedichte der großen Romantiker auf, lässt den „Club der toten Dichter“ zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden und darf als Plädoyer für eine Ausbildung jenseits konventioneller Lehranstalten verstanden werden, um die Persönlichkeit zu formen. Auch wenn hier etwas oberflächlich in Schweißweiß-Kategorien gedacht wird, fasziniert Weirs Drama als Hommage an die großen romantischen Dichter und die Kraft der Poesie. Das ist wunderbar fotografiert und adäquat mit dem fesselnden Score von Maurice Jarre („Fearless – Jenseits der Angst“, „Lawrence von Arabien“) untermalt.

Weirs „Green Card“ (1990) brachte ihm für sein Original-Drehbuch eine Oscar-Nominierung ein und präsentiert eine an sich klassische RomCom vor einem ungewöhnlichen Hintergrund und spielt mit seinem Humor ganz auf die kulturellen, aber auch persönlichen Unterschiede zwischen seinen beiden Protagonisten ab. Während Gérard Depardieu („Camille Claudel“, „Cyrano De Bergerac“) in seiner ersten Hollywood-Arbeit sich sichtlich wohl in der Rolle des temperamentvollen Franzosen fühlt, verleiht Andie MacDowell („… und täglich grüßt das Murmeltier“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) ihrer spröden Figur die nötige Portion sinnlichen Charme, um sie für Georges attraktiv zu machen und auch das Publikum für sich einzunehmen. Das gelingt Brontë nämlich weniger durch ihr soziales Engagement für benachteiligte Kinder in den Slums, für die sie mit Phil, seinen Freunden und den Kindern Gärten in Hinterhöfen anlegt, sondern eher durch ihre zurückhaltende Art, mit denen sie ihre Vorurteile gegen den forschen Franzosen mit Leidenschaft fürs Kochen allmählich ablegt – ebenso wie Georges mit der Zeit feststellen muss, dass er durch Brontë ein Gefühl für Heimat entwickelt. Zwar bedient sich Peter Weir („Die Truman Show“, „Master and Commander“) der üblichen Klischees bei der Völkerverständigung, doch findet er stets amüsante und wenig aufgesetzte Varianten, damit zu spielen und sie so wirklich komisch wirken zu lassen. Auch wenn die Story und Inszenierung ganz auf die beiden charismatischen Hauptdarsteller ausgelegt ist, überzeugen auch der übrige Cast in oft nur wenig ausdifferenzierten Nebenrollen, vor allem aber der reduziert arrangierte, sehr melodische Score von Hollywood-Star Hans Zimmer („Gladiator“, „Hannibal“).
„Fearless – Jenseits der Angst“ (1993) kehrte zu düstereren Themen zurück und zeigte Jeff Bridges in der Rolle eines Mannes, der nach einem schweren Flugzeugabsturz glaubt, unbesiegbar zu sein.
Nach einem Drehbuch von Rafael Yglesias („From Hell“, „Dark Water – Dunkle Wasser“), der auch für die Romanvorlage verantwortlich gewesen ist, inszenierte Peter Weir ein Drama rund um dramatische Nahtoderfahrungen. Dabei beleuchtet er nicht nur die Auswirkungen eines traumatischen Flugzeugabsturzes auf die betroffenen Passagiere, sondern auch ihr Umfeld, das sich auf Anwälte auf der Jagd nach Schadensersatzansprüchen ebenso erstreckt wie auf Therapeuten und vor allem Familienangehörige. Die Randfiguren wie der von John Turturro („Barton Fink“, „Quiz Show“) gespielte Therapeut und der von Tom Hulce („Amadeus“, „Eine Wahnsinnsfamilie“) verkörperte Rechtsanwalt reißen die Aspekte der psychologischen Betreuung und der juristischen Konsequenzen aus einem solchen Unglück aber nur an, zudem können weder Turturro noch Hulce ihren Rollen überzeugend Profil verleihen. Da auch Isabella Rossellini („Blue Velvet“, „Seitensprünge“) als Max‘ Frau unterfordert bleibt, liegt es allein an Jeff Bridges („The Big Lebowski“, „König der Fischer“) und Rosie Perez („Night on Earth“, „Real Love“), dem Drama emotionales Gewicht zu verleihen. Peter Weir bleibt in seiner Inszenierung dicht an den Figuren, hebt die Betroffenheit, Hilflosigkeit und Sorge der Angehörigen ebenso hervor wie die öffentliche Aufmerksamkeit und das Gefühl der Überlebenden, eine Grenze überschritten zu haben. Beim etwas überdramatisierten Finale mögen sich zwar die Geister scheiden, doch insgesamt ist Weir vor allem dank seiner hervorragenden Hauptdarsteller und der eigenen feinsinnigen Inszenierungskunst ein starkes Drama gelungen, das einmal mehr von Maurice Jarre angenehm unaufdringlich vertont worden ist.
Nach fünf Jahren kehrte Weir mit seinem bis dato größten Erfolg zurück: „Die Truman Show“ (1998), eine Fantasy-Satire über die Kontrolle des Lebens durch die Medien mit Jim Carrey in der Hauptrolle. „Die Truman Show“ war sowohl an den Kinokassen als auch bei den Kritikern ein Erfolg und erhielt positive Kritiken sowie zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Oscar-Nominierungen: für Andrew Niccol (Bestes Originaldrehbuch), Ed Harris (Bester Nebendarsteller) und Weir selbst (Beste Regie).
Der von Jim Carrey verkörperte Versicherungsangestellte Truman weiß nicht, dass er seit seiner Geburt vor dreißig Jahren der Star der höchst erfolgreichen Serie „The Truman Show“ ist, in der er – unwissentlich – der Star ist und die von Christof (Ed Harris) produziert wird. Seine Frau, die immer wieder ausgewählte Produkte in die Kamera hält und anpreist (und mit dem Product Placement die Finanzierung der Show sicherstellt) ist ebenso eingeweiht wie Trumans bester Kumpel Marlon (Noah Emmerich). Während Truman vergeblich versucht, die Stadtgrenzen zu überqueren, wird er immer öfter Zeuge von mysteriösen Zufällen wie Regengüsse, die nur ihn treffen, oder Fahrstühle, hinter denen sich Menschen verbergen. Christof versucht natürlich, mit allen Mitteln Trumans Nachforschungen zu unterbinden, damit die Show wie gewohnt weiterlaufen kann…
Mit seinem Drehbuch für „Die Truman Show“ geht Andrew Niccol („Gattaca“, „S1m0ne“) dem vor allem philosophisch interessanten Gedankengang nach, inwiefern wir wirklich sind, wer wir zu sein glauben, und wie real ist die Welt, in der wir leben. Was ist Konstrukt, was Wirklichkeit? „Die Truman Show“ ist allerdings alles andere als schwer verdauliche Gehirnkost. Zwar wird früh offenbart, dass Trumans Leben sich in aller Öffentlichkeit abspielt, wenn es 24 Stunden lang, siebe Tage die Woche von 5000 Kameras eingefangen und live in die Wohnstuben der Fernsehzuschauer übertragen wird, doch die Story ist ganz auf Truman abgestimmt und seine Wahrnehmung seiner Umgebung, seine Erinnerungen an den tragischen Tod seines Vaters, aber auch an die geheimnisvolle Schöne, die er auf den Fidschi-Inseln aufspüren will. Peter Weir verwebt Trumans Eindrücke aber immer wieder mit Szenen aus dem Kontrollraum des Studios, wo Christof und sein Team jederzeit gegensteuern können, wenn eine Sache aus dem Ruder zu laufen droht, Truman also mitbekommt, dass sein Leben nur das Konstrukt eines Fernsehproduzenten ist. Allzu tief steigt der Film aber nicht in die philosophische Betrachtung ein, sondern lässt Jim Carrey immer wieder die Möglichkeit, sein komisches Talent auszuspielen, ohne sich zum Affen zu machen. Interessant ist, wie echt seine Umgebung wirkt, so dass man als Zuschauer nicht umhinkommt, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn man selbst in einer konstruierten Welt aufwächst, und wie stark die eigene Identität überhaupt ausgeprägt sein kann, wenn die äußere Umgebung so manipulativ um einen herum errichtet worden ist. Peter Weir findet die richtige Balance zwischen Drama und Komödie, zwischen leichtem und nachdenklichem Ton, wobei Jim Carrey durch einen hervorragenden Cast ergänzt wird.
2003 kehrte Weir mit „Master and Commander – Bis ans Ende der Welt“ mit Russell Crowe in der Hauptrolle zum Historiendrama zurück. Die Verfilmung verschiedener Episoden aus Patrick O’Brians erfolgreicher Abenteuerserie, die während der Napoleonischen Kriege spielt, wurde von der Kritik gut aufgenommen, erzielte beim breiten Publikum jedoch nur mäßigen Erfolg. Der Film wurde für den Oscar als Bester Film nominiert und gewann zwei Oscars – für die Kameraarbeit seines langjährigen Mitarbeiters Russell Boyd und für den Tonschnitt.
Weir präsentiert dagegen einen klassischen Abenteuerfilm vor dem historischen Hintergrund von Napoleons Bemühungen, die Welt zu erobern. Nur mit den nötigsten Informationen über die H.M.S. Surprise und ihre Mission in einer Texteinblendung versehen, startet der Film direkt auf dem Schiff und einer möglichen Sichtung eines feindlichen Schiffes im Nebel. Fortan fangen Weir und sein Hauskameramann Russell Boyd das hektische Treiben auf engstem Raum auf und unter Deck ein, wobei sich Aubrey als gewiefter Taktiker erweist, der geschickt Möglichkeiten entwickelt, es mit einem größeren, mannstärkeren und schnelleren Schiff aufzunehmen. Die Jagd nach der Acheron bildet den dramaturgischen Faden der Geschichte, aber Weir bleibt ausnahmslos bei der Crew der Surprise, womit das Publikum vertrauter mit den tragenden Figuren der Handlung wird. Besonders ergreifend ist das Schicksal des jungen Fähnrichs Blakeney (Max Pirkis), dem im Laudanum-Rausch ein Arm amputiert wird, der aber aufgeweckt genug ist, um Maturin bei seinen Forschungen zu assistieren. Einmal mehr befasst sich Weir mit einem Mann, der entscheiden muss, inwieweit er über das Schicksal seiner ihm anvertrauten Männer bestimmen kann - die eigentlich nur nach Hause wollen -, denn sein Ehrgeiz, die Mission zu erfüllen, treibt ihn dazu an, auch Versprechen seinem Freund gegenüber zu brechen. Das aufwändig inszenierte See-Abenteuer fesselt mit dramatischer Action und für das Genre ungewohnt starken Dialogen. Mit Russell Crowe („Gladiator“, „A Beautiful Mind“) und Paul Bettany („Creation“, „Legion“) stehen zudem zwei gut aufeinander abgestimmte Darsteller im Zentrum, die die Story mühelos tragen.
In den 2000er-Jahren entwickelte Weir mehrere weitere Projekte, die jedoch nie realisiert wurden, darunter eine Adaption von „The War Magician“ mit Tom Cruise, eine Adaption von Robert Kursons Roman „Shadow Divers“, frühe Entwicklungsphasen eines geplanten „Shantaram“-Films mit Johnny Depp in der Hauptrolle sowie eine Adaption von William Gibsons Science-Fiction-Roman „Pattern Recognition“.
Peter Weir hat 2010 mit „The Way Back“ die 1952 erschienenen Memoiren des polnischen Gulag-Insassen Slavomir Rawicz verfilmt und beschreibt mit seinem packenden Epos die abenteuerliche, wenn auch historisch nicht unumstrittene Flucht einer ungleichen Schicksalsgemeinschaft über 6.500 Kilometer von Sibirien nach Indien. Ähnlich wie schon mit seinen Filmen „Die Truman Show“, „Ein Jahr in der Hölle“ oder „Der Club der toten Dichter“ lässt Weir seine Protagonisten ihre vertraute Welt verlassen, damit sie unter größten Entbehrungen ihre Freiheit finden und sich dabei von gesellschaftlichen Fesseln befreien. „The Way Back“ fängt zunächst Stalins skrupelloses Bestreben ein, den Kommunismus in die Welt zu tragen, präsentiert die unmenschlichen Zustände im sibirischen Strafgefangenenlager und nimmt sich dann sehr viel Zeit, die zigtausend Meilen andauernde Wanderung der Schicksalsgemeinschaft aus verschiedenen Ländern Richtung Süden in die Freiheit zu schildern. Weirs versierter Stammkameramann Russell Boyd fängt dabei die klaustrophobische, von Gewalt geprägte Atmosphäre im Straflager ebenso gekonnt ein wie die unterschiedlichen Landstriche. Mit wundervollen Landschaftsaufnahmen sengend heißer Wüsten und schneebedeckter Berge wartet „The Way Back“ mit interessanten Kontrasten auf, die sich in den unterschiedlichen Persönlichkeiten in der Truppe widerspiegeln. Weir verzichtet dabei auf übertriebenes Pathos, melodramatische Musik und große Gesten. Er bleibt dicht bei seinen Figuren, stellt ihre Ängste, aber vor allem ihren Überlebenswillen in den Mittelpunkt seines angenehm konventionell inszenierten Dramas, in dem gestandene Mimen wie Ed Harris, Mark Strong und Colin Farrell ebenso überzeugen wie die junge Saoirse Ronan und die Schar unbekannter osteuropäischer Darsteller.
2012 wurde berichtet, dass Weir im folgenden Jahr sein eigenes Drehbuch zu Jennifer Egans Gothic-Thriller „The Keep“ verfilmen und in Europa drehen würde. Weir beschrieb das Projekt als „im Grunde … einen Studiofilm“. Im Laufe der Jahre wurde er jedoch, ohne dass dies offiziell bekannt gegeben wurde, zunehmend als „im Ruhestand“ bezeichnet.
Nachdem ihm 2022 der Ehrenoscar für sein Lebenswerk zuerkannt wurde, bestätigte er in einem seiner seltenen Interviews seinen Ruhestand.
„Für Filmregisseure gibt es, wie für Vulkane, drei Hauptstadien: aktiv, ruhend und erloschen. Ich glaube, ich habe das letztere erreicht! Eine neue Generation ruft schon ‚Action‘ und ‚Cut‘ – viel Glück!“ Er berichtete, dass er seinen Ruhestand mit Besuchen antiker Ruinen und Schlachtfelder sowie mit Tauchgängen zu den Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg in der Truk-Lagune verbracht habe.
Im Jahr 2024 erhielt er auch auf den Filmfestspielen von Venedig einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Filmografie:

1971: Three to Go
1971: Homesdale
1973: Whatever Happened to Green Valley? (Dokumentarfilm)
1974: Die Autos, die Paris auffraßen (The Cars That Ate Paris)
1975: Picknick am Valentinstag (Picnic at Hanging Rock)
1977: Die letzte Flut (The Last Wave)
1979: Wenn der Klempner kommt (The Plumber)
1981: Gallipoli
1982: Ein Jahr in der Hölle (The Year of Living Dangerously)
1985: Der einzige Zeuge (Witness)
1986: Mosquito Coast
1989: Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society)
1990: Green Card – Schein-Ehe mit Hindernissen (Green Card)
1993: Fearless – Jenseits der Angst (Fearless)
1998: Die Truman Show (The Truman Show)
2003: Master and Commander – Bis ans Ende der Welt (Master and Commander: The Far Side of the World)
2010: The Way Back – Der lange Weg (The Way Back)
 

Playlist: 

01. Gheorge Zamfir - Doina Sus Pe Culmea Dealului (Picnic at Hanging Rock) - 04:08 
02. Jean Michel Jarre - Oxygene - Part II (Gallipoli) - 08:08 
03. Vangelis - L'Enfant (The Year Living Dangerously) - 05:02 
04. Maurice Jarre - Keating's Triumph (Dead Poets Society) - 05:59 
05. Bruce Smeaton - Ascent Theme (Picnic at Hanging Rock) - 04:22 
06. Edvard Grieg - Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46: II. The Death of Ase (The Plumber) - 04:32 
07. Maurice Jarre - Kwan (The Year Living Dangerously) - 07:06 
08. Maurice Jarre - Futility Of An Inside Job / Delerious John (Witness) - 03:08 
09. Jean Michel Jarre - Oxygene - Part IV (Gallipoli) - 04:14 
10. Maurice Jarre - Allie's Theme (Mosquito Coast) - 08:11 
11. Kronos Quartet & Dumisani Maraire - Mai Nozipo (Fearless) - 06:58 
12. Gheorge Zamfir - Doina Lui Petru Unc (Picnic at Hanging Rock) - 04:03 
13. Brian Bennett - Darkside (The Plumber) - 02:54 
14. Tomaso Albinoni - Adagio Per Archi E Organo In Sol Minore (Gallipoli) - 05:50 
15. Wolfgang Amadeus Mozart - Clarinet Concerto In A Major: Adagio (Green Card) - 08:37 
16. Philip Glass - Anthen - Part 2 (The Truman Show) - 03:49 
17. Burkhard Dallwitz - Underground / Storm (The Truman Show) - 03:37 
18. Iva Davies, Christopher Gordon & Richard Tognetti - The Far Side of the World (Master and Commander: The Far Side of the World) - 09:19 
19. Hans Zimmer - Instinct (Green Card) - 03:33 
20. Burkhard Dallwitz - Tibet (The Way Back) - 05:26 
21. Ludwig van Beethoven - Piano Concerto No. 5 (Op. 73) - Adagio Un Poco Mosso (Picnic at Hanging Rock) - 08:53

Freitag, 18. März 2022

Playlist #341 vom 27.03.2022 - R.I.P. WILLIAM HURT (1950-2022)

Die Filmwelt trauert um William Hurt. Vor allem in den 1980er Jahren war William Hurt in preisgekrönten Hollywood-Filmen zu sehen. Für seine Rolle als Homosexueller in „Kuss der Spinnenfrau“ (1985) erhielt er gleich einen Oscar als bester Hauptdarsteller und darauf gleich zwei weitere Nominierungen. Unvergesslich sind seine Darstellungen in Filmen wie „Höllentrip“, „Gorky Park“, „Gottes vergessene Kinder“, „Broadcast – Nachrichtenfieber“, „Die Reisen des Mr. Leary“ und „A History of Violence“. Am 13. März 2022 verstarb der versierte Darsteller im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. 
Der am 20. März 1950 in Washington, D.C., geborene William Hurt ist nach der Scheidung seiner Eltern im Alter von zwölf Jahren auf das Internat Middlesex School in Massachusetts geschickt worden, wo er durch einen Lehrer ermutigt wurde, an Schultheaterstücken mitzuwirken. Allerdings führte Hurts Weg zunächst zu einem Studium der Theologie an der Tufts University, bevor er sich ernsthaft der Schauspielerei zuwandte und zusammen mit Christopher Reeve und Robin Williams an der Juilliard School unter John Houseman die Schauspielausbildung absolvierte, nachdem diese drei als einzige Bewerber aus dem Jahrgang 1973 die Aufnahmeprüfung bestanden hatten. 
Hurt feierte zunächst erste Erfolge bei Off-Broadway-Aufführungen, war seit 1977 Mitglied der Circle Repertory Company und kehrte trotz seiner Hollywood-Karriere immer wieder auf die Theaterbühne zurück, wo er bei einigen Shakespeare-Stücken mitwirkte und für seine Hauptrolle an der Seite von Sigourney Weaver in David Rabes schwarzer Komödie „Hurlyburly“ 1985 mit einer Nominierung für den Tony Award belohnt wurde. 
Nach Auftritten in Fernsehserien wie „Einsatz in Manhattan“, „Menschen in Manhattan“ und „Great Performances“ bekam er in Ken Russells Science-Fiction-Thriller „Der Höllentrip“ (1980) gleich die Hauptrolle eines Harvard-Wissenschaftlers, der an sich selbst Experimente mit einem halluzinatorischen Medikament in einer Isolationskammer durchführt. Anschließend verkörperte er in Lawrence Kasdans Erotik-Thriller „Heißblütig – Kaltblütig“ (1981) einen Anwalt, der in die Fänge einer von Kathleen Turner gespielten Femme fatale gerät. Unter Kasdan verkörperte Hurt 1983 in „Der große Frust“ einen Drogendealer, in Michael Apteds Polit-Thriller „Gorky Park“ einen Moskauer Polizisten, der bei seinen Ermittlungen zu einem dreifachen Mord auf eine internationale Verschwörung stößt. 
Seine erfolgreichste Zeit erlebte Hurt bereits Mitte der 1980er Jahre, als er zunächst für seine Rolle als schwuler Gefangener in Hector Babencos Drama „Kuss der Spinnenfrau“ seinen ersten und einzigen Oscar gewann. Aber auch seine Darbietungen in Randa Haines‘ Liebesdrama „Gottes vergessene Kinder“ (1986) und James L. Brooks‘ komödiantisches Drama „Broadcast News – Nachrichtenfieber“ (1987) brachten Hurt jeweils eine Oscar-Nominierung ein. Nachdem Lawrence Kasdan ihn auch in seinem nächsten Film „Die Reisen des Mr. Leary“ (1988) besetzt hatte, war Hurt in den 1990er Jahren in so unterschiedlichen Werken wie Woody Allens Drama „Alice“ (1990), Wim Wenders Science-Fiction-Drama „Bis ans Ende der Welt“ (1991), Wayne Wangs komödiantisches Drama „Smoke - Raucher unter sich“ (1995), Alex Proyas‘ Fantasy-Drama „Dark City“ (1998), Stephen Hopkins‘ Familien-Abenteuer „Lost In Space“ (1998) und István Szabós Liebesdrama „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“ (1999) zu sehen. 
In den 2000er Jahren war Hurt meist nur noch in Nebenrollen wie Steven Spielbergs Science-Fiction-Drama „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001), M. Night Shyamalans Mystery-Thriller „The Village“ (2004), Sean Penns Road Movie „Into the Wild“ (2007) und Ridley Scotts Abenteuer-Drama „Robin Hood“ (2010) zu sehen. Seine vierte Oscar-Nominierung erhielt Hurt als skrupelloser Gangster-Boss in David Cronenbergs „A History of Violence“ (2005). 
Seit 2008 verkörperte Hurt den General Thaddeus im Marvel Cinematic Universe – von „Der unglaubliche Hulk“ über „The First Avenger: Civil War“, „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ bis zu „Black Widow“. Außerdem war er in wiederkehrenden Rollen in den Fernsehserien „Dune – Der Wüstenplanet“, „Damages – Im Netz der Macht“, „Goliath“ und „Condor“ zu sehen. 
 
Filmographie:
1977: Kojak – Einsatz in Manhattan (Kojak; Fernsehserie, 2 Folgen) 
1980: Der Höllentrip (Altered States) 
1981: Heißblütig – Kaltblütig (Body Heat) 
1981: Der Augenzeuge (Eyewitness) 
1983: Gorky Park 
1983: Der große Frust (The Big Chill) 
1985: Kuß der Spinnenfrau (Kiss of the Spider Woman) 
1986: Gottes vergessene Kinder (Children of a Lesser God) 
1987: Nachrichtenfieber – Broadcast News (Broadcast News) 
1988: Die Reisen des Mr. Leary (The Accidental Tourist) 
1990: Ich liebe Dich zu Tode (I Love You to Death) 
1990: Alice 
1991: Bis ans Ende der Welt 
1992: Die Pest (La peste) 
1991: Der Doktor – Ein gewöhnlicher Patient (The Doctor) 
1993: Mr. Wonderful 
1994: Die Geschworene – Verurteilt zur Angst (Trial by Jury) 
1995: Smoke 
1996: Eine Couch in New York (A Couch in New York) 
1996: Jane Eyre 
1996: Michael 
1998: Familiensache (One True Thing) 
1998: Dark City 
1998: Wunsch & Wirklichkeit (The Proposition) 
1998: Lost in Space 
1999: The 4th Floor – Haus der Angst (The 4th Floor) 
1999: Die Akte Romero (The Big Brass Ring) 
1999: Ein Hauch von Sonnenschein (Sunshine) 
1999: Do Not Disturb 
2000: Der Mann der 1000 Wunder (The Miracle Maker – The Story of Jesus) 
2000: Bei Berührung Tod (The Contaminated Man) 
2000: Dune – Der Wüstenplanet (Frank Herbert’s Dune, Fernseh-Miniserie) 
2001: A.I. – Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence: AI) 
2001: Rare Birds – Selten schräge Vögel! (Rare Birds) 
2001: Varian’s War – Ein vergessener Held (Varian’s War) 
2002: King of Queens (The King of Queens, Fernsehserie, Folge 4×25 Psycho-Kisten) 
2002: Spurwechsel (Changing Lanes) 
2002: Dem Paradies ganz nah (Au plus près du paradis) 
2002: Bis in alle Ewigkeit (Tuck Everlasting) 
2004: The Village – Das Dorf (The Village) 
2004: Das Geheimnis des blauen Schmetterlings (The Blue Butterfly) 
2005: Jagd nach Gerechtigkeit (Hunt for Justice) 
2005: A History of Violence 
2005: Syriana 
2005: Das 11. Gebot (The King) 
2005: Neverwas 
2006: Der gute Hirte (The Good Shepherd) 
2006: Nightmares & Dreamscapes (Fernsehminiserie, Folge 1×01 Schlachtfeld) 
2007: Mr. Brooks – Der Mörder in Dir (Mr. Brooks) 
2007: Into the Wild 
2007: Noise – Lärm! (Noise) 
2008: Das gelbe Segel (The Yellow Handkerchief) 
2008: 8 Blickwinkel (Vantage Point) 
2008: Der unglaubliche Hulk (The Incredible Hulk) 
2009: Die Gräfin (The Countess) 
2009: Die Mandela-Verschwörung (Endgame) 
2009: Damages – Im Netz der Macht (Damages, Fernsehserie, 10 Folgen) 
2010: The River Why 
2010: Robin Hood 
2011: Moby Dick (Fernsehzweiteiler) 
2011: Late Bloomers 
2011: Too Big to Fail – Die große Krise (Too Big to Fail) 
2013: Seelen (The Host) 
2013: Bonnie & Clyde (Fernsehfilm) 
2013: The Challenger 
2014: Winter’s Tale 
2014: Das Verschwinden der Eleanor Rigby (The Disappearance of Eleanor Rigby: Them) 
2015: Humans (Fernsehserie) 
2016: The First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War) 
2016: Zeit für Legenden (Race) 
2016–2021: Goliath (Fernsehserie, 14 Folgen) 
2018: Avengers: Infinity War 
2018: The Miracle Season 
2018–2020: Condor (Fernsehserie, 11 Folgen) 
2019: Avengers: Endgame 
2019: The Last Full Measure 
2021: Black Widow 
2022: The King’s Daughter 

Playlist: 

1. John Corigliano - Love Theme (Altered States) - 03:40 
2. James Newton Howard - End Credits (The Village) - 05:49 
3. Cliff Eidelman - Reconciliation (One True Thing) - 04:14 
4. Ennio Morricone - Jack, A Soldier's Prayer (A Time of Destiny) - 03:48 
5. John Williams - A.I. Theme (A.I. Artificial Intelligence) - 04:06 
6. John Barry - I'm Weak (Body Heat) - 03:25 
7. Michael Convertino - Forgiveness/Winter Into Spring (Children Of A Lesser God) - 04:06 
8. Howard Shore - The Return (A History Of Violence) - 04:37 
9. John Williams - Macon Alone (The Accidental Tourist) - 04:46 
10. Simon Boswell - In an Ideal World (Second Best) - 04:12 
11. Bill Conti - Young Jane/Main Title (Broadcast News) - 02:44 
12. Joseph Metcalfe - New Quarters (The King's Daughter) - 02:00 
13. Graeme Revell - Harmonica III (Until The End Of The World) - 03:42 
14. Graeme Revell - Paul Reigns (Dune) - 03:37 
15. Stephen Endelman - The Conception (The Proposition) - 03:59 
16. Brian Tyler - End Titles (The 4th Floor) - 05:19 
17. Lorne Balfe - A Sister Says Goodbye (Black Widow) - 04:14 
18. Craig Armstrong - Rocinha Favela (The Incredible Hulk) - 03:11 
19. Atli Örvarsson - Clockwork (Vantage Point) - 05:08 
20. Marcelo Zarvos & Bruce Fowler - Day Of The Locusts (The Good Shepherd) - 04:41 
21. Marcelo Zarvos - Beijing (Too Big To Fail) - 05:01 
22. Maurice Jarre - The Sonnenscheins (Sunshine) - 05:10 
23. Austin Wintory - Curious Eddy (The River Why) - 06:20 
24. David Arnold - Changing Lanes, Part 25 (Changing Lanes) - 02:27 
25. Alexandre Desplat - Beirut Taxi (Syriana) - 03:46 
26. Michael Brook - Carte Noir (Into the Wild) - 03:03 
27. Philip Glass - First Patient (Neverwas) - 03:58 
28. Bruce Broughton - Lost In Space (Lost In Space) - 03:32 
29. Trevor Jones - Main Title (Dark City) - 07:08

Samstag, 16. Juni 2018

Playlist #243 vom 24.06.2018 - ROGER DEAKINS Special

Der britische Kameramann Roger Deakins zählte bislang zu den brillanten Filmschaffenden in Hollywood, die für ihre außergewöhnliche Arbeit zwar immer wieder an Oscar-prämierten Filmen mitwirken und auch selbst für die prominente Auszeichnung nominiert worden sind, aber einfach nicht auf das Siegertreppchen steigen dürfen. Seit seiner ersten Oscar-Nominierung für die Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“ im Jahre 1995 hat es Deakins auf unglaubliche dreizehn Nominierungen gebracht, bis er in diesem Jahr beim vierzehnten Versuch verdientermaßen den Oscar für seine Arbeit an Denis Villeneuves „Blade Runner 2049“ erhielt.

Der am 24. Mai 1949 in englischen Torquay geborene Roger Deakins studierte zunächst Grafikdesign, entdeckte dann seine Liebe zur Fotografie und studierte an der National Film and Television School in London. Mitte der 1970er Jahre begann er vor an Dokumentationen und beim Fernsehen zu arbeiten, bis er 1984 seinen Kinoeinstand mit Michael Radfords Adaption des George-Orwell-Klassikers „1984“ feiern durfte. Radford engagierte Deakins drei Jahre später auch für sein Mystery-Krimi-Drama „Die letzten Tage in Kenya“, ehe die Coen-Brüder auf ihn aufmerksam wurden.
Nach „Barton Fink“ (1991) und „Hudsucker – Der große Sprung“ (1994) resultierte aus der dritten gemeinsamen Zusammenarbeit bei „Fargo“ (1996) Deakins zweite Oscar-Nominierung. Seither ließen die Coen-Brüder ihre Filme „The Big Lebowski“ (1998), „Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003), „Ladykillers“ (2004), „No Country For Old Men“ (2007), „True Grit“ (2010) und „Hail, Caesar!“ (2016) von Deakins bebildern. Aber auch mit den Regisseuren Sam Mendes („Jarhead“, „Zeiten des Aufruhrs“, „James Bond 007 – Skyfall“) und Denis Villeneuve („Prisoners“, „Sicario“, „Blade Runner 2049“) arbeitet Deakins regelmäßig zusammen.
Deakins wurde vor allem von Jean-Pierre Melville, Andrei Tarkovsky, Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi und Luchino Visconti beeinflusst. Melvilles „Armee im Schatten“ (1969) ist für ihn der größte Film überhaupt. Deakins war als Kameramann für immerhin an sieben Filmen tätig, die als „Bester Film“ für einen Oscar nominiert wurden: „Die Verurteilten“ (1994), „Fargo“ (1996), „A Beautiful Mind“ (2001), „No Country For Old Men“ (2007), „Der Vorleser“ (2008), „A Serious Man“ (2009) und „True Grit“ (2010), wovon „A Beautiful Mind“ und „No Country For Old Men“ auch als Sieger hervorgingen.
Ein ähnlich hartes Los im Rennen um die Oscars teilt übrigens Komponist Thomas Newman, der wie Deakins auch für „Die Verurteilten“ seine erste Nominierung für einen Academy Award erhielt und mittlerweile auf ebenfalls vierzehn Nominierungen kommt, ohne aber – im Gegensatz zu Deakins – je einmal einen gewonnen zu haben. Der Brite sieht dem Trubel um die alljährliche Oscar-Verleihung aber gelassen entgegen: „Natürlich ist es nett, wenn die Leute deine Arbeit sehen und schätzen. Ich weiß es wirklich nicht. Ich mache einfach weiter und ich mag es, Filme zu drehen. Ich meine, okay, es ist wirklich eine kuriose Sache, wenn ein Film ignoriert oder besprochen wird. Es ergibt für mich keinen Sinn. Das, was ich als meine beste Arbeit betrachte und einige der besten Filme, an denen ich gearbeitet habe, sind scheinbar spurlos verschwunden. Es wird nichts miteinander verrechnet“, meint Deakins.
Playlist:
01. Hans Zimmer & Benjamin Wallfisch - Tears In Rain (Blade Runner 2049) - 02:11
02. Thomas Newman - Shawshank Redemption (The Shawshank Redemption) - 04:31
03. James Newton Howard - I'm Back, Lucius … (The Village) - 07:41
04. Zbigniew Preisner - Main Title (The Secret Garden) - 03:33
05. Nico Muhly - Go Back To Your Friends (The Reader) - 05:22
06. Christopher Young - Scream Of Silence (The Hurricane) - 05:10
07. Carter Burwell - Delivery (Fargo) - 04:51
08. Carter Burwell - Blood Trail (No Country For Old Men) - 03:55
09. Carter Burwell - Ride To Death (True Grit) - 02:30
10. Carter Burwell - A Serious Man (A Serious Man) - 02:45
11. Mark Isham - Upside Down (In The Valley Of Elah) - 03:21
12. Graeme Revell - The Sheik's Abduction (The Siege) - 02:57
13. Craig Armstrong - Zones Of Time (In Time) - 02:11
14. Thomas Newman - Dickskinner (Jarhead) - 03:34
15. Thomas Newman - Elevator Cat & Mouse (Skyfall) - 04:00
16. James Horner - Hymn (Courage Under Fire) - 03:39
17. James Horner - The Waves Of The Caspian Sea (House Of Sand And Fog) - 04:00
18. James Horner - Nash Descends Into Parcher's World (A Beautiful Mind) - 04:37
19. Thomas Newman - End Title (Revolutionary Road) - 04:54
20. Howard Shore - Goodbye Sermon (Doubt) - 02:37
21. Nick Cave & Warren Ellis - Rather Lovely Thing (The Assassination Of Jesse James) - 03:15
22. Philip Glass - Thirteenth Dalai Lama (Kundun) - 03:23
23. Jóhann Jóhannsson - Desert Music (Sicario) - 05:06
24. Danny Elfman - Suite (Anywhere But Here) - 07:35
25. Aaron Zigman - You're A Shitty Carpenter (The Company Men) - 03:29
26. Alexandre Desplat - To Naoetsu (Unbroken) - 03:53
27. James Horner - This Land Is Not For Sale/End Titles (Thunderheart) - 08:14

Sonntag, 5. November 2017

Playlist #227 vom 12.11.2017 - NEUHEITEN 2017 (5)

In der letzten Neuheiten-Sendung in diesem Jahr dominieren die ruhigen, düster-melancholischen Klänge. Neben neuen Arbeiten von Carter Burwell, Thomas Newman, Stephen Warbeck, Philip Glass und Alexandre Desplat für die große Leinwand gibt es neue Musik zu den Fernsehserien „Taboo“, „The Walking Dead“, „Game of Thrones“ und „Fargo“, dazu Soundtracks zu den Dokumentarfilmen „Vietnam“, „Unrest“, „Jane“, „Blue Planet II“, „Sea Of Life“ und „To The Orcas, With Love“ sowie Soundtrack-Verwandtes von In The Nursery und Jeff Rona.

Der französische, in Spanien lebende Komponist Pascal Gaigne („Katmandú“, „Theo’s House“) schuf zum spanischen Historiendrama „Handia“ über den größten Mann der Welt eine sehr intime, subtile Musik, die zum genauen Zuhören einlädt. Sein prominenter Landsmann Alexandre Desplat vertonte derweil nach „The Ides of March“ (2011) und „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ (2014) mit dem Mystery-Crime-Drama „Suburbicon“ bereits die dritte Regiearbeit von Hollywood-Star George Clooney, der ein Drehbuch der Coen-Brüder („No Country For Old Men“, „Fargo“) mit Matt Damon und Julianne Moore in den Hauptrollen verfilmte.
Sehr umtriebig ist momentan der amerikanische Komponist Bear McCreary, der seine Karriere mit Fernsehserien wie „Battlestar Galactica“, „Human Target“, „Trauma“ und „Terminator: S. C. C.“ begann und in den letzten Jahren neben der Musik zur Zombie-Horror-Serie „The Walking Dead“ vermehrt fürs Kino und Filme wie „The Forest“, „The Boy“, „10 Cloverfield Lane“ und „Colossal“ engagiert worden ist. Momentan ist nicht nur der erste offizielle Score zur Erfolgsserie „The Walking Dead“ bei Lakeshore Records erschienen, nachdem bislang nur Song-Compilations, Promos und Bootlegs im Umlauf gewesen waren, sondern auch McCrearys Musik zu Jennifer Breas Doku-Drama „Unrest“, zu Danny Strongs biografischen Drama „Rebel In The Rye“ und zum Horror-Thriller „Happy Deathday“, in denen der Komponist verschiedenste Facetten seines Könnens präsentiert.
Fleißig ist auch Carter Burwell, Hauskomponist der Coen-Brüder, gewesen. Er kreierte die jeweils sehr melancholische, feinsinnige Musik zu Todd Haynes Verfilmung von Brian Selznicks Mystery-Familien-Drama „Wonderstruck“, zu Martin McDonaghs grandios besetzten Comedy-Crime-Drama „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und zu Simon Curtis‘ Biopic „Goodbye Christopher Robin“ über den Winnie-Pooh-Schöpfer A.A. Milne.
Ruhige, leicht exotisch angehauchte Klänge präsentieren Thomas Newman („Victoria & Abdul“) und Stephen Warbeck („Hampstead“), ehe Marco Beltrami mit der Musik zur Jo Nesbø-Verfilmung „Der Schneemann“ und Patrick Doyle mit dem farbenfrohen Orchesterscore zu Kenneth Branaghs Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassikers „Mord im Orient-Express“ für etwas lebhaftere Klänge sorgen.
Jeff Rona, der mit „Projector“ gerade auch ein Soloalbum (mit Gastkomponisten wie Peter Gregson und David Julyan) veröffentlicht hat, eröffnet den elektronischen Part der Sendung mit seiner Musik zu den beiden Dokumentarfilmen „To The Orcas, With Love“ und „Sea Of Life“, Trent Reznor und Atticus Ross („The Vietnam War“), Junkie XL („The Journey: Hunter Returns“) und Cliff Martinez („The Foreigner“) präsentieren teilweise recht rhythmisch pulsierende Scores, ehe die aus Sheffield stammenden Zwillinge Klive und Nigel Humberstone mit ihrem neuen Album „1961“ besonderen Ereignissen aus ihrem Geburtsjahr huldigen, beispielsweise dem Bau der Berliner Mauer („Torschlusspanik“), den Romanen „Solaris“ und „Catch-22“, den Weltraumspaziergängen von Yuri Gagarin und Amnesty International.
Auch der Oscar-nominierte Komponist Nicholas Britell („Moonlight“) kreierte für das biografische Comedy-Drama „Battle Of The Sexes“ einen coolen Vintage-Soundtrack. Der Film thematisiert den Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen, den 1973 die Tennis-Weltranglistenerste Billie Jean King (Emma Stone) vorantrieb und dabei auf erbitterten Widerstand des ehemaligen Champions Bobby Riggs (Steve Carell) stieß, der nicht nur seine besten Tage hinter sich hatte, sondern auch mit seiner Spielsucht kämpfen musste.
„Beim Komponieren des Scores habe ich mich zunächst auf zwei verschiedene musikalische ‚Welten‘ fokussiert: die ‚externe‘ Welt des Sports und des Wettbewerbs und die ‚interne‘ Welt der Figuren und ihrer persönlichen Reisen. Zusätzlich habe ich mich damit auseinandergesetzt, wie die 1970er Soundscapes auf frische und einzigartige Weise reflektiert werden können“, erklärt Britell im Booklet zum Soundtrack. „Letztlich ist das musikalische Terrain nicht gänzlich den 70ern angepasst, aber es stellt doch eine Hommage an die Art und Weise dar, wie Musik damals aufgenommen wurde. Wie benutzten Vintage-Mikrofone bei unseren Aufnahme-Sessions und wir spielten mit der Audio-Qualität und -Textur, um dem Score ein Gefühl dieser Ära zu verleihen.“
Altbekanntes mit Neuem zu vermischen war auch das Konzept von Minimal-Music-Legende Philip Glass („The Hours“, „The Secret Agent“) für die Arbeit an dem Soundtrack zu Brett Morgans Dokumentarfilm über Leben und Wirken der Primatenforscherin Jane Goodall. Im Jahr seines 80. Geburtstages präsentiert der Großmeister seit längerer Zeit wieder ein Orchesterwerk, das vor allem aus seinem Streichquartett Nr. 3 zitiert. Abgerundet wird die Sendung durch Max Richters düstere Musik zur Amazon-Serie „Taboo“, Jeff Russos bereits drittem Soundtrack zur erfolgreichen Krimi-Drama-Serie „Fargo“ und Ramin Djawadis farbenprächtiger Musik zur bereits siebten Staffel der Fantasy-Serie „Game Of Thrones“.
Playlist:
01. Pascal Gaigne - Academia de los ilustres (Handia) - 03:26
02. Fernando Velázquez - Marrowbone (Marrowbone) - 04:15
03. Ramin Djawadi - Rule Of Three (The Mountain Between Us) - 03:28
04. Alexandre Desplat - Playing Catch In The Sun (Suburbicon) - 03:36
05. Bear McCreary - Innocence (Rebel In The Rye) - 04:29
06. Bear McCreary - The Day Will Come (The Walking Dead) - 02:56
07. Bear McCreary - Conversion Disorder (Unrest) - 04:18
08. John Paesano - Lost For Words (Same Kind Of Different As Me) - 03:01
09. Carter Burwell - Keep Your Memories (Goodbye, Christopher Robin) - 03:27
10. Carter Burwell - The Meteorite (Wonderstruck) - 03:11
11. Thomas Newman - Gain The Ocean (Victoria & Abdul) - 02:42
12. Stephen Warbeck - Japanese Restaurant (Hampstead) - 03:33
13. Michael Brook - After Carlos (Stronger) - 04:07
14. Marco Beltrami - Main Titles (The Snowman) - 03:29
15. Patrick Doyle - Orient Express Suite (Murder On The Orient Express) - 03:20
16. Jeff Rona - A History Lesson (To The Orcas, With Love) - 03:13
17. Jeff Rona - Deep Sea Corals (Sea Of Life) - 03:52
18. Trent Reznor & Atticus Ross - Passing The Point (The Vietnam War) - 04:25
19. Junkie XL - A New Galaxy (The Journey: Hunter Returns) - 04:46
20. Cliff Martinez - She Used You (The Foreigner) - 04:13
21. Jeff Beal - Mirror Image (Gypsy) - 04:05
22. In The Nursery - Torschlusspanik (1961) - 04:56
23. Ramin Djawadi - Dragonstone (Game Of Thrones: Season 7) - 05:05
24. Hans Zimmer, Jacob Shea & Dave Fleming - The Blue Planet (Blue Planet II) - 03:17
25. Nicholas Britell - The Bra/Court Loss (Battle Of The Sexes) - 04:36
26. Philip Glass - Grub Is Born (Jane) - 03:47
27. Max Richter - Openings (Taboo) - 02:13
28. Jeff Russo - Fargo Main Theme [Season 3] (Fargo Year 3) - 02:30
29. Henry Jackman & Matthew Margeson - Poppy's Terms (Kingsman: The Golden Circle) - 03:01
30. Jeff Rona - Cerulean Blue (Projector) - 06:36

  © Blogger template Brooklyn by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP