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Sonntag, 1. Februar 2026

Playlist #442 vom 08.02.2026 - DAVID SHIRE Special

David Shire zählte in den 1970er Jahren mit seinen Arbeiten zu Francis Ford Coppolas „Der Dialog“ (1974) und Filmen wie „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (1974), „Die Hindenburg“ (1975), „Fahr zur Hölle, Liebling“ (1975) und „Die Unbestechlichen“ (1976) zu den profiliertesten Komponisten in Hollywood, aber auch bei Musik-Filmen und Musicals wie „Saturday Night Fever“, „Baby“ und „Big“ bewies Shire seine Könnerschaft. In der heutigen Sendung gibt es vor allem seine Filmmusik nicht nur zu den eingangs erwähnten Werken, sondern auch zu dem fürs Fernsehen gedrehte Remake des Hitchcock-Klassikers „Das Fenster zum Hof“ (1998), Peter Hyams‘ „2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ (1984) und David Finchers „Zodiac – Die Spur des Killers“ (2007) zu hören.
David Shire wurde am 3. Juli 1937 in Buffalo, New York, als Sohn von Esther Miriam (geb. Sheinberg) und Irving Daniel Shire, einem Bandleader und Klavierlehrer der Buffaloer Gesellschaftskapelle, geboren. An der Yale University lernte er seinen langjährigen Theaterpartner, den Liedtexter und Regisseur Richard Maltby Jr., kennen. Gemeinsam schrieben sie die Musicals „Cyrano“ und „Grand Tour“, die von der Yale Dramatic Association aufgeführt wurden. Shire war außerdem Co-Leiter des Jazzensembles Shire-Fogg Quintet in Yale und studierte als Phi-Beta-Kappa-Student Anglistik und Musik im Doppelstudium. 1959 schloss er sein Studium 1959 mit Auszeichnung ab.
Nach einem Semester Aufbaustudium an der Brandeis University und sechs Monaten Dienst in der Infanterie der Nationalgarde der US-Armee ließ sich Shire in New York City nieder. Dort arbeitete er als Pianist in Tanzkursen, bei Theaterproben und im Orchestergraben sowie als Musiker in einer Gesellschaftskapelle, während er gleichzeitig unentwegt mit Maltby an Musicals arbeitete. Ihre erste Off-Broadway-Show, „The Sap of Life“, wurde 1961 im One Sheridan Square Theater in Greenwich Village aufgeführt. 1963 schrieb er zusammen mit Bob Goldstein den Song „Washington Square“ für die Village Stompers.
Als Proben- und Orchesterpianist begann Shire mit Barbra Streisand in „Funny Girl“ (1964–67) zusammenzuarbeiten und wurde schließlich ihr fester Begleiter und gelegentlicher Arrangeur. Sie nahm fünf seiner Lieder auf und hob das von Maltby und Shire komponierte Stück „Starting Here, Starting Now“ in ihrem Fernsehspecial und der dazugehörigen Aufnahme „Color Me Barbra“ (1966) hervor. Parallel dazu schrieb Shire Bühnenmusik (unter anderem für Peter Ustinovs „Der unbekannte Soldat und seine Frau“ im Lincoln Center, 1967), was er auch in den folgenden Jahren fortsetzte: Off-Broadway-Produktionen mit seiner Musik waren beispielsweise „Wie es euch gefällt“ beim New Yorker Shakespeare Festival (1973), Smulniks „Walzer“ (1991), Donald Margulis’ „Das Loman-Familienpicknick“ (1993) und „Visiting Mr. Green“ (1997).
In den 1960er-Jahren begann Shire, Filmmusik für das Fernsehen zu komponieren, und wechselte Anfang der 1970er-Jahre zu Kinofilmen. Er heiratete die Schauspielerin Talia Shire, für deren Bruder Francis Ford Coppola er 1974 die Filmmusik zu „Der Dialog“ komponierte – sein wohl bekanntester Soundtrack. An einigen Stellen verzerrte Shire die Klavieraufnahmen auf verschiedene Weise, um alternative Klangtexturen zu schaffen und den Soundtrack abzurunden. Die Musik sollte die Isolation und Paranoia des Protagonisten Harry Caul (Gene Hackman) einfangen.
Shire komponierte später ursprünglich auch den Score zu Coppolas Meisterwerk „Apocalypse Now“ (1979), doch wurde dieser verworfen und erst später als „David Shire’s Apocalypse Now – The Unused Score“ von La-La Land Records veröffentlicht.
Zu seinen weiteren Filmen zählen „Zwei Menschen unterwegs“, „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“, „Die Hindenburg“, „Fahr zur Hölle, mein Liebling“, „Die Unbestechlichen“, „Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus“, „2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“, „Oz – Eine fantastische Welt“, „Nummer 5 lebt!“, „Max Dugans Moneten“ und „Zodiac“. Er komponierte die Originalmusik für „Saturday Night Fever“ (für die er zwei Grammy-Nominierungen erhielt) und arbeitete außerdem an mehreren Disco-Adaptionen mit, darunter „Night on Disco Mountain“. 1979 gewann er den Oscar für den besten Song für den Titelsong „It Goes Like It Goes“, den er zusammen mit Norman Gimbel für den Film „Norma Rae“ geschrieben hatte. Im selben Jahr wurde er in derselben Kategorie auch für „I'll Never Say Goodbye“ aus dem Film „The Promise“ nominiert; der Text stammt von Marilyn Monroe und Alan Bergman. 1979 erreichte sein Song „With You I‘m Born Again“, aufgenommen von Billy Preston und Syreeta, die Top 5 der internationalen Charts und hielt sich 26 Wochen in den Charts.
Für den Titelsong von „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ komponierte Shire einen Jazz-Funk-Groove in B-Moll und gestaltete die Melodien und Akkorde aus atonalen Zwölftonreihen in kurzen, unterschiedlich geformten Motivsequenzen. Der Abspann enthält ein ausführlicheres Arrangement des Themas.
Shires Filmmusiken wurden fünfmal für den Emmy nominiert. Zu seinen Hunderten von Kompositionen für das Fernsehen zählen: „Killer Bees“, „Raid on Entebbe“, „The Kennedys of Massachusetts“, „Serving In Silence: The Margarethe Cammermeyer Story“, „Das Fenster zum Hof“ mit Christopher Reeve, „Die Frauen von Brewster Place“ mit Oprah Winfrey und „The Heidi Chronicles“. Er komponierte außerdem die Titelmelodien für die Fernsehserien „Alice and McCloud“ und die Sitcom „The Practice“ mit Danny Thomas (1976–1977).
Shires Stil als Film- und Fernsehkomponist wird oft mit dem seines verstorbenen Kollegen und Zeitgenossen Jerry Fielding verglichen.
Ab Mitte der 1980er Jahre waren Shires Arbeiten nur noch selten im Kino zu hören, und er konzentrierte sich verstärkt auf die Arbeit fürs Fernsehen. 2007 feierte er ein Kino-Comeback mit der sparsamen Originalmusik für David Finchers Thriller „Zodiac – Die Spur des Killers“. Es folgten noch Scores für Peter Hyams‘ Thriller „Gegen jeden Zweifel“ (2009), Noah Pritzkers Komödie „Quitters“ (2015), Jenna Rickers Verschwörungsthriller „The American Side“ (2016), Russell Harbaughs Romanze „Love After Love“ (2017) und zuletzt David Gutniks Drama „Brighton Beach“ (2020).

Filmografie: 

1967-1970: CBS Playhouse (TV-Serie, 7 Folgen) 
1969-1970: Die Leute von der Shiloh Ranch (The Virginian, TV-Serie, 5 Folgen) 
1970: Ein Sheriff in New York (McCloud, TV-Serie, 7 Folgen) 
1971: Heißes Gold aus Calador (One More Train to Rob) 
1971: Beginn einer Ehe (Marriage: Year One) (Fernsehfilm) 
1971: Das ungeduldige Herz (The Impatient Heart) (Fernsehfilm))
1971: Zwei Galgenvögel (Skin Game) 
1971: Der Chef (Episode: The Priest Killer) (Fernsehfilm) 
1971: Is There a Doctor in the House (Fernsehfilm) 
1971: Drive, He Said 
1971-1972: Sarge (TV-Serie, 10 Folgen) 
1971: See the Man Run (Fernsehfilm) 
1971: Summertree 
1971-1972: Getting Together (TV-Serie) 
1971: Harpy (Fernsehfilm) 
1972: To Find a Man 
1973: Isn’t It Shocking? (Fernsehfilm) 
1973: Die Geier warten schon (Showdown) 
1973: College-Liebe (Class of ’44) 
1973: Zwei Menschen unterwegs (Two People) 
1973: Ganoven auf Abwegen (Steelyard Blues) 
1974: Spuren im Sand (The Godchild, Fernsehfilm) 
1974: The Virginia Hill Story (Fernsehfilm) 
1974: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (The Taking of Pelham One Two Three) 
1974: Der Dialog (The Conversation) 
1974: Sie können’s nicht lassen (Sidekicks, Fernsehfilm) 
1974: Tell Me Where It Hurts (Fernsehfilm) 
1974: The Tribe (Fernsehfilm) 
1974: Doctor Dan (Fernsehfilm) 
1974: The Healers (Fernsehfilm) 
1974: Killer Bees (Fernsehfilm) 
1974-1975: Lucas Tanner (TV-Serie, 11 Folgen) 
1975: Die Hindenburg (The Hindenburg) 
1975: Fahr zur Hölle, Liebling (Farewell, My Lovely) 
1975: Mitgiftjäger (The Fortune) 
1975: Winner Take All (Fernsehfilm) 
1975: Joe and Sons (TV-Serie) 
1976: Amelia Earhart (Fernsehfilm) 
1976: Und morgen wird ein Ding gedreht (Harry and Walter Go to New York) 
1976: Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus (The Big Bus) 
1976: Die Unbestechlichen (All the President’s Men) 
1976-1977: Sirota’s Court (TV-Serie, 13 Folgen) 
1977: Something for Joey (Fernsehfilm) 
1977: The Greatest Thing That Almost Happened (Fernsehfilm) 
1977: The Storyteller (Fernsehfilm) 
1977: Nur Samstag Nacht (Saturday Night Fever) 
1977: …die keine Gnade kennen (Raid on Entebbe) 
1978: Stunde der Bewährung (Straight Time) 
1978: The Defection of Simas Kudirka (Fernsehfilm) 
1978: Daddy, I Don’t Like It Like This (Fernsehfilm) 
1978: Straight Time: He Wrote It for Criminals (Fernsehfilm) 
1979: Die Chance seines Lebens (Fast Break) 
1979: The Promise 
1979: Norma Rae – Eine Frau steht ihren Mann (Norma Rae) 
1979: Diane 
1981: Amanda lässt die Puppen tanzen (The Night the Lights Went Out in Georgia) 
1981: Homerún (Fernsehfilm) 
1981: Mrs. Hines & Tochter (Only When I Laugh) 
1981: Ich brauche einen Erben (Paternity)
1981: Norma Rae (Fernsehfilm) 
1982: Garp und wie er die Welt sah (The World According to Garp) 
1983: Max Dugans Moneten (Max Dugan Returns) 
1984: Oh Gott! Du Teufel (Oh God! You Devil) 
1984: 2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (2010: The Year We Make Contact) 
1985: Blue Yonder – Flug in die Vergangenheit (The Blue Yonder, Fernsehfilm) 
1985: Oz – Eine fantastische Welt (Return to Oz) 
1985: Vergesst die Liebe nicht (Do You Remember Love, Fernsehfilm) 
1986: Nacht, Mutter (Night, Mother) 
1986: Nummer 5 lebt! (Short Circuit) 
1986: Trage deines Bruders Bürde (Promise, Fernsehfilm) 
1987: Final Night – Die letzte Nacht (Backfire) 
1987: Sturz ins Dunkel – Die Geschichte einer Mutter (Convicted: A Mother’s Story, Fernsehfilm) 
1987: Mayflower Madam (Fernsehfilm) 
1988: Ich bin Du Vice Versa) 
1988: Der Schrei nach Liebe (God Bless the Child, Fernsehfilm) 
1988: Der Affe im Menschen (Monkey Shines) 
1988: Jesse – Engel im Tal des Todes (Jesse, Fernsehfilm) 
1989: Steven – Die Entführung (I Know My First Name Is Steven) (Fernsehfilm) 
1989: Brewster Place (The Women of Brewster Place, Mini-Serie) 
1990: The Kennedys of Massachusetts (Mini-Serie) 
1990: Keine Zeit für Tränen (A Promise to Keep, Fernsehfilm) 
1990: Babynapping – Roberts Entführung (Always Remember I Love You, Fernsehfilm) 
1990: Das große Erdbeben in L.A. (The Big One: The Great Los Angeles Earthquake) (Fernsehfilm) 1991: Ein Meer für Sarah (Sarah, Plain and Tall, Fernsehfilm) 
1991: Wahre Freunde (The Boys, Fernsehfilm) 
1991: Tollwütig (Paris Trout, Fernsehfilm) 
1992: Der letzte Wunsch (Last Wish, Fernsehfilm) 
1992: Agenten leben einsam (Bed & Breakfast) 
1992: Bed of Lies (Fernsehfilm) 
1992: Broadway Familie (Broadway Bound) (Fernsehfilm) 
1992: Verhängnisvolle Liebe (Something to Live For: The Alison Gertz Story, Fernsehfilm) 
1992: Room for Two (TV-Serie, 5 Folgen) 
1992: Haus der Drachen (The Habitation of Dragons, Fernsehfilm) 
1992: Alptraum ohne Erwachen (Nightmare in the Daylight, Fernsehfilm) 
1992: Gut gezielt ist halb getroffen (Four Eyes and Six-Guns, Fernsehfilm) 
1993: Sarah zwischen Land und Meer (Skylark, Fernsehfilm) 
1993: Danielle Steel – Herzschlag für Herzschlag (Heartbeat, Fernsehfilm) 
1993: Die Ninja-Morde von Bel Air (Bloodlines: Murder in the Family, Fernsehfilm) 
1993: Was bleibt, ist die Erinnerung (Remember, Fernsehfilm) 
1994: Das Haus des Anderen (Jane’s House, Fernsehfilm) 
1994: Danielle Steel – Nur einmal im Leben (Once in a Lifetime, Fernsehfilm) 
1994: Der Mann, der niemals starb (The Man Who Wouldn’t Die) 
1994: Future Love (Fernsehfilm) 
1994: Lily in Winter (Fernsehfilm) 
1994: Der Ruf des Todes (Reunion, Fernsehfilm) 
1995: In der Hitze des Südens (A Father for Charlie, Fernsehfilm) 
1995: Serving in Silence: The Margarethe Cammermeyer Story (Fernsehfilm) 
1995: Die letzte Hoffnung (My Brother’s Keeper, Fernsehfilm) 
1995: My Antonia (Fernsehfilm) 
1995: Eine heiße Affäre (One Night Stand) 
1995: Tecumseh (Fernsehfilm) 
1995: Verlorene Träume (The Heidi Chronicles, Fernsehfilm) 
1995: Mörderische Gefühle (Murderous Intent, Fernsehfilm) 
1995: Der letzte Ritt (Streets of Laredo, Mini-Serie) 
1996: Jakes Frauen (Jake’s Women, Fernsehfilm) 
1995: Der Kampf ums Glück (Almost Golden: The Jessica Savitch Story, Fernsehfilm) 
1997: Letztes Gefecht am Saber River (Last Stand at Saber River, Fernsehfilm) 
1997: Tanzen mit Olivia (To Dance with Olivia, Fernsehfilm) 
1997: Alone (Fernsehfilm) 
1998: Alien Nightmare (Fernsehfilm) 
1997: Ms. Scrooge – Ein wundervoller Engel (Ms. Scrooge) 
1998: Das Fenster zum Hof (Rear Window, Fernsehfilm) 
1999: Double Platinum – Doppel Platin! (Double Platinum) 
1999: Privatdetektiv Spenser: Verdächtiges Schweigen (Spenser: Small Vices, Fernsehfilm) 
1999: Winter’s End – Wiederkehr der Liebe (Sarah, Plain and Tall: Winter’s End, Fernsehfilm) 
2000: Thin Air (Fernsehfilm) 
2002: Two Against Time (Fernsehfilm) 
2002: Ash Wednesday 
2004: The Tollbooth 
2007: Zodiac – Die Spur des Killers (Zodiac) 
2009: Gegen jeden Zweifel (Beyond a Reasonable Doubt) 
2015: Quitters 
2015: Walk On By 
2016: The American Side 
2017: Love After Love 
2020: Brighton Beach

Playlist: 

01. David Shire - Finale and End Credits (The Conversation) - 03:54 
02. David Shire - Preparations (Killer Bees) - 03:25 
03. David Shire - The Taking (The Taking of Pelham One Two Three) - 03:12 
04. David Shire - Three Mile Limited (Farewell, My Lovely) - 03:50 
05. David Shire - Suspect Montage (The Hindenburg) - 03:20 
06. David Shire - Finale and End Title (All the President's Men) - 02:48 
07. David Shire - God's Country (Three For The Road) - 03:32 
08. David Shire - Basketball (The Greatest Thing That Almost Happened) - 03:18 
09. David Shire - The Imprisonment (Raid On Entebbe) - 03:36 
10. David Shire - The Rescue (The Big Bus) - 05:18 
11. David Shire - Night On Disco Mountain (Saturday Night Fever) - 05:11 
12. David Shire - Welcome To Cadwallader (Fast Break) - 03:51 
13. David Shire - Remembrance Montage (Paternity) - 04:15 
14. David Shire - Enter Melanie - Enter Ella (Monkey Shines) - 03:56 
15. David Shire - Luddington Walk (Old Boyfriends) - 04:14 
16. David Shire - Main Title (Max Dugan Returns) - 04:09 
17. David Shire - Picnic Scene (Norma Rae) - 03:24 
18. David Shire - Central Park Flashback (Daddy, I Don't Like It Like This) - 03:14 
19. David Shire - Sarahendipity (Sarah, Plain & Tall) - 04:48 
20. David Shire - This Terrible Love… (Skylark) - 02:34 
21. David Shire - Night Scene/Joke Triumph (Short Circuit) - 04:17 
22. David Shire - Mattie Says Goodbye (The Women of Brewster Place) - 03:25 
23. David Shire - Main Title (The Journey Inside) - 03:11 
24. David Shire - Reunion (Last Stand at Saber River) - 05:03 
25. David Shire - Windows IV (Rear Window) - 03:56 
26. David Shire - New Worlds (2010) - 04:01 
27. David Shire - Strictures at an Exhibition (Small Vices) - 02:54 
28. David Shire - One Night Stand (One Night Stand) - 02:12 
29. David Shire - Night Montage (Jake's Women) - 02:24 
30. David Shire - Confrontation (Zodiac) - 03:34 
31. David Shire - One Guess Left/But Not For Much Lobger (Return To Oz) - 11:03

Montag, 19. Januar 2026

Playlist #441 vom 25.01.2026 - DEAN CUNDEY Special

Betrachtet man John Carpenters „Halloween“ (1978) als Meilenstein des Slasher-Horror-Genres, verdankt der Film seine Wirkung auch der ungewöhnlichen Kameraarbeit von Dean R. Cundey, der zu den ersten Kameraleuten zählt, der die Steadicam eingesetzt hat. Seither hat Cundey nicht nur weiterhin für John Carpenter gearbeitet, sondern auch mit prominenten Regisseuren wie Steven Spielberg, Robert Zemeckis, Joel Schumacher, Nancy Myers und Ron Howard. Ebenso prominent ist die Musik, die in der heutigen Sendung zu Filmen wie „Casper“, „Die Klapperschlange“, „Liebe braucht keine Ferien“, „Was Frauen wollen“, „Zurück in die Zukunft“, „Hook“ oder „Jurassic Park“ von Komponisten wie Jerry Goldsmith, James Horner, Alan Silvestri, John Williams, Hans Zimmer, Ennio Morricone und John Carpenter zu hören ist.
Dean Raymond Cundey wurde am 12. März 1946 im kalifornischen Alhambra geboren und bastelte bereits als Kind begeistert Modellkulissen, mit denen er sein frühes Interesse an Filmen bekundet haben dürfte, ebenso seine Leidenschaft für das Magazin „American Cinematographer“. Während seines Studiums an der UCLA Film School war der zweifache Oscargewinner und Kameramann James Wong Howe („Die tätowierte Rose“, „Der alte Mann und das Meer“) einer seiner Dozenten. Nach dem Abschluss seines Studiums im Jahr 1968 arbeitete Cundey zunächst in unterschiedlichen Funktionen in Low-Budget-Produktionen, teils als Beleuchter oder als Make-Up-Künstler bei „Nackt auf hartem Sattel“ (1968). Schließlich folgten Engagements als Hauptkameramann für heute längst vergessene Werke wie „Zum Killen dressiert“ (1973), „So Evil, My Sister“ (1974), „That Girl From Boston“ (1975), „Black Shampoo“ (1976) und „Satan’s Cheerleaders“ (1977). Als Cundey die Produzentin Debra Hill kennenlernte, engagierte sie ihn für John Carpenters „Halloween“.
Cundeys Mitarbeit an dem Film brachte erhebliche Vorteile mit sich. Neben seinem beachtlichen Können als Kameramann und Director of Photography besaß er auch den Vorteil, den Großteil seiner Ausrüstung selbst in einem großen Van, dem sogenannten „Filmvan“, transportieren und unkompliziert von einem Drehort zum nächsten wechseln zu können.
Cundeys Arbeit an „Halloween“ zählt zu den besten seiner Karriere. Neben seinem Talent für Lichtsetzung, insbesondere in der berühmten Flurszene, in der das verborgene Gesicht von Michael Myers langsam durch ein blaues Licht neben der Maske enthüllt wird, gehörte er zu den ersten Kameramännern, die die damals noch recht neue Steadicam, auch Panaglide genannt, einsetzten.
Der Panaglide ermöglichte es dem Kameramann, die Kamera quasi zu tragen und Aufnahmen zu machen, die zuvor als zu schwierig oder gar unmöglich galten. In „Halloween“ diente der Panaglide als Referenzpunkt für Michael Myers‘ Perspektive und zeigte dem Publikum, was er sah.
Cundey arbeitete später erneut mit Carpenter und Hill an den Filmen „The Fog“ (1980), „Die Klapperschlange“, „Halloween II“ (beide 1981), „Das Ding aus einer anderen Welt“ und „Halloween III – Die Nacht der Hexen“ (beide 1982). 1986 arbeitete er ein letztes Mal mit Carpenter an dem aufwendig produzierten Fantasy-Abenteuerfilm „Big Trouble in Little China“.
Neben seiner Arbeit mit Carpenter wirkte Cundey unter anderem an Filmen wie „Psycho II“ (1983), „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (1984), der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie (1985–1990), „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988), „Road House“ (1989), „Hook“ (1991), „Jurassic Park“ (1993), „Apollo 13“ (1995), „Was Frauen wollen“ (2000), „Garfield – Der Film“ (2004) und „Liebe braucht keine Ferien“ (2006) mit. 1997 gab er mit der Direct-to-Video-Fortsetzung „Liebling, wir haben uns geschrumpft“ sein Regiedebüt.
Zuletzt arbeitete er in Kanada an „Camp Rock“, einem von mehreren Filmen, die er außerhalb der USA drehte, darunter auch „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, der hauptsächlich in England entstand und der Cundey seine bislang einzige Oscar-Nominierung einbrachte.
Im Jahr 2011 drehte Cundey den Comedyfilm „Jack and Jill“, bei dem aufwendige Split-Screen- und Motion-Control-Effekte zum Einsatz kamen, um die Illusion zu erzeugen, dass Schauspieler Adam Sandler mit mehreren Leinwandfiguren interagiert.
Im Jahr 2002 wurde Cundey mit einem Daytime Emmy für sein Mitwirken an einer Episode der Sendung „Religion & Ethics Newsweekly“ ausgezeichnet. Die Society of Camera Operators zeichnete ihn 1999 mit dem President’s Award aus. 2014 wurde er mit dem ASC Lifetime Achievement Award geehrt.

„Für mich liegt die besondere Befriedigung in meinem Beruf als Kameramann – man könnte es fast meinen persönlichen Egotrip nennen – darin, zu wissen, dass meine Arbeit auch nach meinem Tod weiterleben wird“, bekannte Cundey in einem Interview. „Die meisten Menschen haben Berufe, in denen die Arbeit nach getaner Arbeit verschwindet. Ich habe das große Glück, in einem Beruf mit bleibendem Wert zu arbeiten. Er verleiht mir eine einzigartige Form der Unsterblichkeit. Sie ist natürlich nicht vergleichbar mit der Unsterblichkeit großer Künstler wie Leonardo da Vinci oder Michelangelo. Aber in gewisser Weise bedeutet sie, dass zukünftige Generationen meine Arbeit entdecken und wissen können, dass ich zu diesem Zeitpunkt hier war.“

Filmografie (Auswahl):

1973: Zum Killen dressiert (The No Mercy Man) 
1973: Brother on the Run 
1974: Wo der rote Farn wächst (Where the Red Fern Grows) 
1974: So Evil, My Sister 
1975: That Girl From Boston 
1976: The Witch Who Came from the Sea 
1976: Black Shampoo 
1976: Creature from Black Lake 
1976: Der Bastard (The Human Tornado) 
1977: Satan’s Cheerleaders 
1977: Action Man – Ein Mann, ein Kämpfer 
1977: Charge of the Model T’s 
1978: Hi Riders – Jungs, lasst die Fetzen fliegen (Hi-Riders) 
1978: Goodbye, Franklin High 
1978: Hanging on a Star 
1978: Halloween – Die Nacht des Grauens (John Carpenter’s Halloween) 
1978: The Kid from Not-So-Big 
1979: Die unschlagbaren Sieben von Las Vegas (Angels‘ Brigade) 
1979: Rock ’n’ Roll Highschool (Rock ’n’ Roll High School) 
1979: Roller Boogie 
1979: The Fog – Nebel des Grauens (John Carpenter’s The Fog) 
1980: Galaxina 
1980: Alien Shock 
1980: Das Geheimnis der fliegenden Teufel (Without Warning) 
1981: Die Klapperschlange (Escape from New York) 
1981: Separate Ways 
1981: King Kobra 
1981: Halloween II – Das Grauen kehrt zurück (Halloween II) 
1982: Das Ding aus einer anderen Welt (The Thing) 
1982: Halloween III (Halloween III – Season of the Witch) 
1982: Citizen Soldier 
1983: The Invisible Woman (Fernsehfilm) 
1983: Die Initiative (M.A.D.D.: Mothers Against Drunk Drivers, Fernsehfilm) 
1983: Psycho II 
1983: Die Chaotenclique (D.C. Cab) 
1984: Amazons (Fernsehfilm) 
1984: Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten (Romancing the Stone) 
1984: Exit – Ausgang ins Nichts (Invitation to Hell) 
1985: Warnzeichen Gen-Killer (Warning Sign) 
1985: Zurück in die Zukunft (Back to the Future) 
1986: Big Trouble in Little China 
1987: Projekt X (Project X) 
1988: Zwei mal Zwei (Big Business) 
1988: Falsches Spiel mit Roger Rabbit (Who Framed Roger Rabbit) 
1989: Geschichten aus der Gruft (Tales from the Crypt, Fernsehserie, eine Folge) 
1989: Zurück in die Zukunft II (Back to the Future Part II) 
1989: Road House 
1990: Zurück in die Zukunft III (Back to the Future Part III) 
1991: Hook 
1991: Valkenvania – Die wunderbare Welt des Wahnsinns (Nothing But Trouble) 
1992: Der Tod steht ihr gut (Death Becomes Her) 
1993: Jurassic Park 
1994: Flintstones – Die Familie Feuerstein (The Flintstones) 
1995: Casper 
1995: Apollo 13 
1997: Flubber 
1997: Liebling, jetzt haben wir uns geschrumpft (Honey, We Shrunk Ourselves) (Regie) 
1998: Ein Zwilling kommt selten allein (The Parent Trap) 
1999: Battlestar Galactica: The Second Coming 
2000: Was Frauen wollen (What Women Want) 
2003: Looney Tunes: Back in Action 
2004: Garfield – Der Film (Garfield: The Movie) 
2005: The West Wing: Im Zentrum der Macht (The West Wing, TV-Serie) 
2006: Liebe braucht keine Ferien (The Holiday) 
2007: The Whisper – Die Stimme des Bösen (The Whisper) 
2008: Camp Rock 
2009: Ein Pferd fürs Leben (Amazing Racer) 2010: Spy Daddy 
2011: Jack und Jill (Jack and Jill) 
2013: Crazy Kind of Love 
2013: Unter Feinden – Walking with the Enemy (Walking with the Enemy) 
2014: Freiheit (Freedom) 2015: The Girl in the Photographs 
2015: Diablo 
2017: Liebe zu Besuch (Home Again) 
2017: Slamma Jamma 
2019: Anastasia (Anastasia: Once Upon a Time) 
2022: Das Buch von Boba Fett (The Book of Boba Fett, Mini-Serie) 
2023: The Mandalorian (TV-Serie)
 

Playlist:

01. John Carpenter - End Credits (Halloween) - 03:33 
02. John Carpenter & Alan Howarth - The Duke Arrives / Barricade (Escape From New York) - 03:35 
03. Alan Silvestri - Struggling for the Stone (Romancing the Stone) - 06:03 
04. Alan Silvestri - It's Been Educational / Clocktower (Back to the Future) - 10:32 
05. Alan Silvestri - Eddie's Theme (Who Framed Roger Rabbit) - 05:22 
06. Jerry Goldsmith - Mother's Room #2 (Psycho II) - 04:28 
07. James Horner - A Square Peg (Apollo 13) - 03:48 
08. John Carpenter - The Fog Enters Town (The Fog) - 07:24 
09. Craig Safan - End Credits (Warning Sign) - 03:22 
10. John Carpenter & Alan Howarth - Wing Kong Exchange (Big Trouble In Little China) - 04:41 
11. Ennio Morricone - End Credits (The Thing) - 04:37 
12. John Williams - The Never-Feast (Hook) - 04:42 
13. John Williams - Welcome to Jurassic Park (Jurassic Park) - 07:53 
14. James Horner - First Lesson (Project X) - 03:20 
15. Jeff Rona - Raining Steel (Whisper) - 05:23 
16. Alan Silvestri - Goodbye Clara (Back to the Future III) - 03:03 
17. James Horner - One Last Wish (Casper) - 04:21 
18. Danny Elfman - Gamma Ray (Flubber) - 03:03 
19. Ludwig Göransson - Face to Face (Star Wars: The Mandalorian - Chapter 1) - 05:12 
20. Hans Zimmer - Maestro (The Holiday) - 03:53 
21. Alan Silvestri - End Credits (Death Becomes Her) - 05:55 
22. Alan Silvestri - Searching For Erin (What Women Want) - 04:05 
23. Jerry Goldsmith - Dead Duck Walking (Looney Tunes: Back in Action) - 03:13 
24. John Carpenter & Alan Howarth - Halloween II Suite A (Halloween II) - 10:05

Sonntag, 4. Januar 2026

Playlist #440 vom 11.01.2026 - R.I.P. Rob Reiner (1947-2025)

Unter den Verstorbenen, die Hollywood im vergangenen Jahr zu beklagen hatte (darunter die Schauspieler Udo Kier, Diane Keaton und Richard Chamberlain), war der von Filmregisseur, Produzent und Schauspieler Rob Reiner wohl am tragischsten, steht doch sein eigener Sohn Nick im Verdacht, seine Eltern ermordet zu haben. Bekannt wurde Reiner zunächst als Schauspieler in der Fernsehserie „All in the Family“, später machte er als Regisseur von Filmen wie den beiden Stephen-King-Verfilmungen „Stand by Me“ und „Misery“ sowie „Die Braut des Prinzen“, „Harry und Sally“ sowie „Eine Frage der Ehre“ Furore. In der heutigen Sendung in Gedenken an Rob Reiner gibt es Musik von Jack Nitzsche, Marc Shaiman, Mark Knopfler, Jeff Beal, Ry Cooder und anderen zu hören.
Robert „Rob“ Reiner wurde am 6. März 1947 im New Yorker Stadtteil Bronx als Sohn des Regisseurs, Schauspielers und Komikers Carl Reiner und der Schauspielerin Estelle Reiner geboren. Bereits als Zwölfjähriger war Reiner in der Serie „77 Sunset Strip“ zu sehen, worauf Gastauftritte in Serien wie „Alfred Hitchcock Presents“, „Batman“, „The Andy Griffith Show“, „The Beverly Hillbillies“ und „Die Partridge Familie“ folgten.
Populär wurde er ab 1971 mit seiner Emmy-preisgekrönten Rolle als Schwiegersohn Michael „Meathead“ Stivic in der Serie „All in the Family“ (1971–1979), der Vorlage für die deutsche Serie „Ein Herz und eine Seele“. Ähnlich wie später Diether Krebs‘ Rolle war Reiners Figur als überzeugter Linker angelegt, der mit seinem reaktionären Schwiegervater regelmäßig aneinandergeriet. Erstmals wurden hier im US-Fernsehen Rassismus, Homosexualität und Emanzipation thematisiert.
Auch wenn Reiner in den 1980er Jahren sich hauptsächlich als Regisseur betätigte, so blieb er doch auch Schauspieler. Er hatte oft Nebenrollen in seinen eigenen Filmen, wirkte aber auch weiterhin in Werken anderer Regisseure mit. So übernahm er über die Jahre Rollen in bekannten Kinofilmen wie „Schlaflos in Seattle“, „Schmeiß’ die Mama aus dem Zug!“, „Der Club der Teufelinnen“, „Mit aller Macht“ und „EDtv“. In der Fernsehserie „New Girl“ verkörperte er von 2012 bis 2018 in insgesamt elf Folgen den Vater der von Zooey Deschanel dargestellten Protagonistin Jessica Day. Er war in Martin ScorsesesThe Wolf of Wall Street“ (2013) als Max Belfort zu sehen, Vater von Leonardo DiCaprios Hauptfigur Jordan Belfort. 2025 hatte er als Albert Schnurr eine wiederkehrende Rolle in der vierten Staffel der Serie „The Bear: King of the Kitchen“
Nach kleineren Fernseh-Regiearbeiten feierte Reiner mit der Mockumentary „This Is Spinal Tap“ (1984) seinen Einstand für das Kino, einer Komödie über die Höhen und Tiefen einer fiktiven Rockband, die im englischsprachigen Raum zum Kultfilm avancierte. Reiner selbst übernahm eine Rolle als angeblicher Dokumentarfilmer, der die Musikgruppe begleitet, und schrieb am Drehbuch mit. Nach dem Teenager-Streifen „Der Volltreffer“ mit John Cusack inszenierte Reiner das Coming-of-Age-Drama „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986) nach einem Kurzroman von Stephen King, die sowohl bei der Directors Guild of America als auch der Hollywood Foreign Press Association eine Nominierung für die beste Regie einbrachte.
In der Liebeskomödie „Harry und Sally“ (1989) sind Billy Crystal und Meg Ryan als Liebespaar in einer wechselhaften Beziehung zu sehen, in dem Gerichtsdrama „Eine Frage der Ehre“ (1992) bekommt es Tom Cruise als eigenwilliger junger Marineanwalt mit Jack Nicholson zu tun.
Es folgten der ironisch angehauchte Märchenfilm „Die Braut des Prinzen“ (1987), die Stephen-King-Adaption „Misery“ (1990) mit der für ihre Darstellung Oscar-prämierte Kathy Bates und James Caan in den Hauptrollen. Die enge Beziehung zu Stephen Kings Werk schlug sich 1987 auch in der von Rob Reiner zusammen mit Andrew Scheinman gegründeten Produktionsfirma Castle Rock Entertainment nieder.
Seit dem Flop mit der Komödie „North“ (1994), die in verschiedenen Kategorien sechs „Goldene Himbeeren“-Nominierungen erhielt, büßten Rob Reiners Regiearbeiten immer wieder mal an Qualität ein und konnten nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Auf die erfolgreiche romantische Komödie „Hallo, Mr. President“ (1995) mit Michael Douglas in der Rolle des verwitweten US-Präsidenten, der sich frisch verliebt, folgte das Drama „An deiner Seite“ (1999) mit Bruce Willis und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen, die Liebeskomödie „Alex & Emma“ (2003) mit Luke Wilson als jungen Schriftsteller auf zwei Zeitebenen und „Wo die Liebe hinfällt …“ mit Jennifer Aniston und Kevin Costner in den Hauptrollen.
2007 inszenierte Reiner die Tragikomödie „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson in den Hauptrollen als krebskranke ältere Männer, die vor ihrem Tod noch eine Weltreise unternehmen. In den 2010er Jahren drehte Reiner mehrmals politisch akzentuierte Filme wie die Biografie „LBJ“ (2016) von US-Präsident Lyndon B. Johnson und „Shock and Awe“ (2017) über die Gründe der Irak-Invasion unter der Regierung Bush, jeweils mit Woody Harrelson in der Hauptrolle besetzt. Reiners letzte Regiearbeit war der im September 2025 erschienene Film „Spinal Tap II: The End Continues“, eine Fortsetzung von „This Is the Spinal Tap“, welche die altgewordenen Rockmusiker aus dem ersten Film bei ihrem Comeback zeigt.
Am 14. Dezember 2025 wurden er und seine Ehefrau Michele Singer von ihrer Tochter in ihrem Haus in Brentwood erstochen aufgefunden. Beamte des Los Angeles Police Department leiteten daraufhin Mordermittlungen ein.

Filmografie (Regie):

1974: Sonny Boy (Fernsehfilm)
1981: Likely Stories, Vol. 1 (Fernsehfilm)
1981: Spinal Tap: The Final Tour (Kurzfilm)
1984: This Is Spinal Tap
1985: Der Volltreffer (The Sure Thing)
1986: Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (Stand by Me)
1987: Die Braut des Prinzen (The Princess Bride)
1989: Harry und Sally (When Harry Met Sally…)
1990: Misery
1992: Eine Frage der Ehre (A Few Good Men)
1994: North
1995: Hallo, Mr. President (The American President)
1996: Das Attentat (Ghosts of Mississippi)
1997: I Am Your Child (Fernsehfilm)
1999: An deiner Seite (The Story of Us)
2003: Alex & Emma
2004: Everyday Life (Fernsehfilm)
2005: Wo die Liebe hinfällt … (Rumor Has It…)
2007: Das Beste kommt zum Schluss (The Bucket List)
2010: Verliebt und ausgeflippt (Flipped)
2012: 8 (Fernsehfilm)
2012: The Magic of Belle Isle – Ein verzauberter Sommer (The Magic of Belle Isle)
2014: Das grenzt an Liebe (And So It Goes)
2015: Being Charlie – Zurück ins Leben (Being Charlie)
2016: LBJ
2017: Shock and Awe
2023: Albert Brooks: Defending My Life (Dokumentarfilm)
2025: Spinal Tap II: The End Continues

Playlist:

01. Marc Shaiman - Pep Talk (A Few Good Men) - 03:15 
02. Marc Shaiman - She Can't Be Dead (Misery) - 06:16 
03. Eric Clapton & Marc Shaiman - Keepin' Out of Mischief Now (The Story of Us) - 04:34 
04. Marc Shaiman - Remembering Mother (Albert Brooks: Defending My Life) - 03:40 
05. Marc Shaiman - Prologue (Ghostos of Mississippi) - 06:14 
06. Jack Nitzsche - Suite (Stand By Me) - 03:37 
07. Marc Shaiman - Operation Hell Hath No Fury (The First Wives Club) - 04:45 
08. Marc Shaiman - Hawaii (North) - 03:21 
09. Marc Shaiman - Make the Deal (The American President) - 03:43 
10. Mark Knopfler - Once Upon a Time… Storybook Love (The Princess Bride) - 04:00 
11. Marc Shaiman - It's About '68 / He's Gone (LBJ) - 04:23 
12. Jeff Beal - Secret War Committee (Shock and Awe) - 03:20 
13. Ry Cooder - Don't Break Our Hearts (Primary Colours)  - 03:03 
14. Marc Shaiman - Buster's Last Stand (Misery) - 04:14 
15. Marc Shaiman - Theme from Defending My Life (Albert Brooks: Defending My Life) - 02:20 
16. Marc Shaiman - Life and Death (The Bucket List) - 03:54 
17. Marc Shaiman - The Big Break In (The First Wives Club) - 05:17 
18. Mark Knopfler - Guide My Sword (The Princess Bride) - 05:11 
19. Jeff Beal - Democratic Experiment (Shock and Awe) - 06:09 
20. Marc Shaiman - Honor (A Few Good Men) - 03:47 
21. Marc Shaiman - Klandestine Meeting (Ghosts of Mississippi) - 03:37 
22. Marc Shaiman - The Speech (LBJ) - 03:42 
23. Ry Cooder - Wide Sky (Primary Colours) - 06:03 
24. Eric Clapton & Marc Shaiman - Let's Go to Chow Fun (The Story of Us) - 03:21 
25. Randy Edelman - Streetwalkin' Ed (EDtv) - 03:26 
26. Marc Shaiman - End Credits (The Bucket List) - 03:53 
27. Marc Shaiman - President Shepherd (The American President) - 07:27

Sonntag, 21. Dezember 2025

Playlist #439 vom 28.12.2025 - Neuheiten 2025 (7)

In der letzten Sendung mit neuen Soundtracks in diesem Jahr gibt es ein Wiederhören mit vielen alten Bekannten. So ist Hollywood-Starkomponist Hans Zimmer mit gleich zwei neuen Arbeiten vertreten, ebenso Ilan Eshkeri, Stephen Warbeck und Newcomerin Ariel Marx. Dazu gibt es neue Musik zum neuen „Avatar“-Abenteuer von Simon Franglen, ein klassisches Werk von Stephen Edwards und zum Remake des Science-Fiction-Films „The Running Man“ nach der Vorlage von Richard Bachman alias Stephen King. Abgerundet wird das zweistündige Programm mit der Musik zu Serien wie „Fallout“, „Landman“ und „The Iris Affair“.
Stephen King ist seit seinem 1974 veröffentlichten und von Brian De Palma großartige verfilmten Debütroman „Carrie“ lange Zeit ein Garant für erfolgreiche Leinwandadaptionen gewesen. Star-und populäre Genre-Regisseure wie Stanley Kubrick („Shining“), David Cronenberg („Dead Zone“), John Carpenter („Christine“), Rob Reiner („Stand By Me“, „Misery“) und Tobe Hooper („Brennen muss Salem“) nahmen sich der Gruselgeschichten des „King of Horror“ an. Mittlerweile haben auch Remakes früherer King-Verfilmungen Hochkonjunktur. Nachdem Andy Muschietti 2017 erfolgreich Stephen Kings Horror-Epos „Es“ 2017 als Zweiteiler neuverfilmt hatte, Remakes von „Friedhof der Kuscheltiere“, „Firestarter“ und „Salem’s Lot“ allerdings kläglich scheiterten, feiert nun „The Running Man“ seine Wiederauferstehung. In der ersten Verfilmung von 1987 kämpfte noch Arnold Schwarzenegger in einer wenig überzeugenden Leinwandadaption um sein Leben in einer Fernsehshow. Nun wagte sich Edgar Wright („Shaun of the Dead“, „Baby Driver“) an eine ansprechende Neuverfilmung, die von dem momentan sehr umtriebigen Steven Price („Gravity“, „Herz aus Stahl“) mit ebenso wuchtigen wie feinfühligen elektronischen und orchestralen Arrangements vertont worden ist.
Ein Wiedersehen gibt es auch mit den Nachwuchs-Illusionisten von „Die Unfassbaren“. Nach den zwei erfolgreichen ersten Filmen, die jeweils mehr als 330 Millionen US-Dollar in die Kinokassen spülten, wächst das Ensemble der gemeinnützig agierenden Jung-Magier in „Now You See Me, Now You Don’t“ noch einmal an. Mit dabei ist auch wieder Komponist Brian Tyler, der bereits die ersten beiden Teile vertonte.
Hollywood-Starkomponist Hans Zimmer, der seine bekanntesten Werke wie „Gladiator“, „Fluch der Karibik“, „Interstellar“, „The Dark Knight“, „Thelma & Louise“, „Dune“, „Inception“ und „Rain Man“ auch hierzulande wieder live präsentierte, vertonte jetzt nicht nur James L. Brooks Tragikomödie „Ella McCay“, in der eine idealistische junge Politikerin familiäre Probleme und ein anspruchsvolles Berufsleben unter einen Hut bringen muss, sondern sich gleichzeitig darauf vorbereitet, den Job ihres Mentors, des langjährigen Gouverneurs des Staates, zu übernehmen, sondern auch die deutsche Produktion „Schwarzes Gold“, das um 1900 in der Lüneburger Heide spielt. Dort arbeitet die Bauerntochter Johanna Lambert als Magd, um ihre Familie zu ernähren. Sie ahnt nicht, dass unter den Feldern ihrer Heimat Erdöl-Vorkommen darauf warten, den Entdeckern und Förderern Reichtum zu schenken. Nur Richard, der Sohn des benachbarten Großbauern Pape, kennt das Geheimnis und träumt davon, mit Johanna eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Ihre Liebe steht jedoch unter keinem guten Stern. Als der einflussreiche Ölhändler Tyler Robertson im Dorf auftaucht, entbrennt ein gnadenloser Kampf um Besitz und Macht. Wilhelm Pape, von Habsucht getrieben, setzt alles daran, um die Lamberts zu enteignen…
Der versierte Pianist und Komponist Stephen Edwards hat seit Anfang der 1990er Jahre vor allem für Action-Filme wie „American Karate Tiger“, „Shadowchaser II“, „Fist of Legend“, „Bloodsport II“, „High Voltage“ und „The Patriot“ die Musik beigesteuert, komponiert aber auch klassische Werke wie „Requiem For My Mother“, das er zu Ehren seiner 2006 verstorbenen Mutter geschrieben hatte, das 2008 in der Carnegie Hall und später beim Music Sacra Festival im Vatikan aufgeführt wurde.

„Nachdem ich 2023 die Liebe wiedergefunden hatte, inspirierte mich die Idee, das Requiem als Klavierkonzert neu zu interpretieren – nur mit der bereits existierenden Orchesteraufnahme und einer neuen Klavierstimme, die ich über das Original legen konnte. Ich hatte das Requiem über die Jahre immer wieder neu interpretiert und mich gelegentlich ans Klavier gesetzt, um meine Arrangements der gesamten Partitur zu spielen – einfach zum Vergnügen“, erzählt Stephen Edwards die Entstehungsgeschichte seines neuen Werks „Prayer For Peace: Serenade for Piano and Orchestra“. „Wie sich herausstellte, war die letzte Aufnahme, die ich in meinem Studio vor dem Brand in Palisades am 7. Januar 2025 gemacht habe. Ich habe diese Aufnahme vor der Katastrophe gemacht.“

Der britische Oscar-Preisträger Stephen Warbeck („Billy Elliott“, „Shakespeare in Love“) meldet sich mit zwei neuen Arbeiten zurück. Gaby Dellals Drama „Park Avenue“ erzählt von der Rancherin Charlotte, die vor ihrem kontrollsüchtigen Ehemann flieht und in die Wohnung ihrer Mutter zurückkehrt. Dort entdeckt sie zwar ihre Jugendliebe und das Leben, das sie hinter sich gelassen hat, wieder, doch nun müssen sich Mutter und Tochter auch mit unausgesprochenen Wahrheiten auseinandersetzen.
„Die Musik für ,Park Avenue‘ sollte persönlich und exzentrisch sein, aber dennoch zum Gesamtbild der Geschichte passen“, meint Warbeck. „Wir wollten, dass Kits einzigartige Lebensanschauung sich in der Musik widerspiegelt. Regisseurin Gaby Dellal bestand darauf, dass die Musik niemals sentimental oder rührselig wirken sollte. Einige Monate vor den Aufnahmen war ich im Urlaub und sah ein Open-Air-Konzert mit Lars Danielsson, der zusammen mit seinem Freund John Parricelli spielte. Als ich ihm zuhörte, wollte ich seinen Klang in den Mittelpunkt der Komposition stellen und habe die Musik darum herum aufgebaut.“ Während der Score zu „Park Avenue“ vor allem von dem Zusammenspiel von Cello und Bass geprägt wird und aus von Jazz- und klassischen Musikern eingespielt wurde, arbeitete Warbeck bei Rebecca Coleys Dokumentarfilm „Point of Change“ über zwei Surfer, die auf die perfekte Welle stoßen, mit Lewis Morison zusammen.
„Indonesischer Gesang, Perkussion und Flöten bilden das Herzstück des Soundtracks und verankern ihn in den spirituellen und kulturellen Wurzeln der Insel. Handpans und Daumenklaviere wurden durch den gesamten Soundtrack verwoben, um das rituelle und natürliche Schönheitsgefühl der Insel widerzuspiegeln und Klangfarben zu schaffen, die zugleich archaisch und unmittelbar wirken“, erzählen Stephen Warbeck und Lewis Morison von ihrer Arbeit an „Point of Change“. Diese Elemente verschmelzen mit westlichen Instrumenten und modernen Klangfarben und spiegeln wider, wie sich lokale Traditionen unter dem Einfluss von außen wandelten. In der Zusammenarbeit mit anderen Musikern, die ihre eigene haptische Energie einbrachten, entwickelte sich der Soundtrack zu etwas Vielschichtigem und Lebendigem – einem Treffpunkt von Kulturen, Klangfarben und Epochen.“
Ebenso wie das Lionsgate-Franchise „Die Unfassbaren“ geht auch James Camerons Fantasy-Blockbuster-Reihe „Avatar“ mit „Avatar: Fire and Ash“ in die dritte Runde.
Die Sullys finde weiterhin Unterschlupf beim Clan der Metkayina an der Küste Pandoras. Dennoch tun sie sich schwer, zu einer Art Normalität zu finden, denn der Tod von Neteyam während des Kampfes gegen die Resources Development Administration (RDA) der Menschen wiegt immer noch schwer. Jake, Neytiri, Lo’ak, Tuk, Spider und Kiri müssen alle ihren eigenen Weg finden, mit diesem bitteren Verlust umzugehen. Schließlich entscheiden die Sullys, dass es vor allem für Spider an diesem Ort nicht mehr sicher genug ist. Er soll zurück in die Festung der Omatikaya gebracht werden. Doch auf dem Weg dahin werden sie vom Mangkwan-Clan, dem Volk der Asche, angegriffen. Der Clan hat sich von der Lebensweise der Na'vi abgekehrt, seit ein Vulkanausbruch ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hat. Und auch die RDA hat noch nicht das letzte Wort gesprochen. Jeff Danna ist die Musik zur Netflix-Serie „The Abandons“ mit Gillian Anderson und Lena Headey in den Hauptrollen zu hören, die 1854 im Washington-Territorium zwei Frauen spielen, die an den entgegengesetzten Enden der Gesellschaft in einen gefährlichen Strudel aus Schuld und Geheimnissen verwickelt werden. Die eine führt ein privilegiertes Leben im Wohlstand, die andere hält eine selbst gewählte Familie aus Waisen und Außenseiter*innen zusammen. Was sie verbindet, sind zwei Verbrechen, eine verbotene Liebe und ein Stück Land, das Silber in seinem Boden birgt. Ihre Wege kreuzen sich auf schicksalhafte Weise – und ihr Konflikt spiegelt die tiefe Kluft zwischen Reichtum und Armut im Amerika des 19. Jahrhunderts wider.
Mit „Hamnet“ hat Max Richter auf atmosphärische Weise die unbekannte Liebesgeschichte, die Shakespeares größtes Meisterwerk inspirierte, vertont. „Hamnet“, von der Oscar-prämierten Autorin und Regisseurin Chloé Zhao, erzählt die bewegende Geschichte von Liebe und Verlust, die Shakespeare zu seinem zeitlosen Klassiker „Hamlet“ inspirierte.

Playlist: 

01. Steven Price - You Can't Kill An Idea (The Running Man) - 03:01 
02. Brian Tyler - History Lesson (Now You See Me, Now You Don't) - 04:25 
03. Ramin Djawadi - Time Takes a Toll (Fallout - Season 2) - 04:02 
04. Dan Romer - Traitor (My Dead Friend Zoe) - 03:04 
05. Jonny Greenwood - Trust Device (One Battle After Another) - 03:51 
06. Hans Zimmer - Hope Comes Close (Ella McCay) - 07:06 
07. Hans Zimmer & Aleksey Igudesman - Lonely Heath (Black Gold) - 04:41 
08. Ariel Marx - You Are Vast (Murdaugh - Death in the Family) - 02:22 
09. Ariel Marx - Weird Reaction (The Hand That Rocks the Cradle) - 02:28 
10. Ryan Taubert - Welcome Home (Xeno) - 03:29 
11. Stephen Edwards - From Death to Life (Prayer For Peace) - 03:33 
12. Alexandre Desplat - Madame Suzanne (Les Aigles de la République) - 03:04 
13. Andrew Lockington - This Is The Dream (Landman - Volume 2) - 03:41 
14. Stephen Warbeck - The Poem and the Truth (Park Avenue) - 05:13 
15. Stephen Warbeck & Lewis Morison - The Perfect Wave (Point of Change) - 03:06 
16. Ilan Eshkeri - Edward Guiness (House of Guiness) - 04:16 
17. Ilan Eshkeri - Jacqueline (Desperate Journey) - 03:57 
18. Simon Franglen - Sacrifice (Avatar - Fire and Ash) - 04:30 
19. Roque Baños & Ben Cherney - The Ring (Bone Lake) - 04:09 
20. Theodore Shapiro - You'll Learn (The Housemaid - Vol. 2) - 03:49 
21. Mikel Hurwitz - Resilience > Eruption (Soul of a Nation) - 03:52 
22. Stuart Hancock - Finding Mama and Baba (Largo) - 02:57 
23. Jeff Danna - A Fallen Priest (The Abandons) - 03:02 
24. Atli Örvarsson - Antigod (The Iris Affair) - 04:14 
25. Dustin O'Halloran - Kind People (Eleanor the Great) - 02:54 
26. Terence Blanchard - Wendell Pierce (Katrina: Come Hell and High Water) - 05:35 
27. Mark Isham - The Tub Room (Soul On Fire) - 03:44 
28. Jeff Russo - True to Yourself (The Twisted Tale of Amanda Knox) - 02:57 
29. Christopher Young & Gil Young - Johnny Loves Mom's Gums (Marvel's Deadpool VR) - 03:11 
30. Max Richter - Of A Ghost (Hamnet) - 08:46

Sonntag, 7. Dezember 2025

Playlist #438 vom 14.12.2025 - SIGUR RÓS, JÓNSI & ALEX SOMERS

So klein die skandinavische Insel mit der dünnsten Besiedlung in Europa auch sein mag, verfügt sie doch über eine äußerst vitale Musikszene. Nicht nur die Sugarcubes und ihre Sängerin Björk sorgten international seit den 1980er und 1990er Jahren international für Furore, auch Acts wie GusGus, Of Monsters and Men, Emilíana Torrini und vor allem Sigur Rós zählen zu den populärsten Vertretern der isländischen Pop-Szene. Darüber hinaus haben Komponisten wie Jóhann Jóhannsson, Atli Örvarsson, Ólafur Arnalds und Sigur-Rós-Frontmann Jónsi in den vergangenen Jahren im Bereich der Neoklassik und Filmmusik auf sich aufmerksam gemacht. In der heutigen Sendung fokussieren wir uns auf die Arbeiten von Jónsi und seinem ehemaligen Partner Alex Somers, die sowohl als Solo-Künstler als auch gemeinsam für originelle Soundtrack- und andere Arbeiten verantwortlich zeichnen.
Sigur Rós (Photo by Hörður Óttarson)

Der seit seiner Geburt auf einem Auge blinde Jón Þór Birgisson alias Jónsi gründete Sigur Rós 1994 zusammen mit dem Bassisten Georg Hólm und dem Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson, wobei der Bandname Jónsis Schwester Sigurrós geschuldet ist, die am Tag der Bandgründung geboren wurde. Das 1997 erschienene Debütalbum „Von“ nahm noch recht viel Zeit in Anspruch und resultierte in einem ebenso düsteren wie naturverbundenen Werk, das noch nicht sehr in sich geschlossen wirkte.
Das änderte sich mit dem 1999 erschienenen Nachfolger „Ágætis byrjun“, das nicht nur stärker strukturiert und instrumentiert daherkam, sondern auch ein Orchester aufbot und introspektive Klänge, orchestrale Wucht, kurze Intermezzi und symphonischen Epen präsentierte.
Mit ihrer sphärisch klingenden, teilweise von melancholischen Melodien geprägten Musik haben sich Sigur Rós stilistisch in den weit interpretierbaren Bereichen Post-Rock, Shoegazing und Ambient eingerichtet, ohne einer Szene oder einem Subgenre zugeordnet werden zu können. Eine Band, die weltweit über 10 Millionen Alben verkauft, ohne einen Hit oder einen Grammy zu haben, und dabei größtenteils auf Isländisch singt – einer Sprache, die von weniger als 400.000 Menschen gesprochen wird –, beschreitet zwangsläufig ganz eigene Wege, wozu vor allem Jónsi Birgissons gestrichene Gitarre und seine geisterhafte Falsett-Stimme beitragen.
2002 erschien das dritte, zunächst namenlose Album der Band. Der Gesang auf dem Album vollzieht sich in einer melodischen, nicht-existenten Fantasie-Sprache, die Sigur Rós vonlenska (dt. Hoffnungsländisch) nannten. Ebenso wie das Album blieben auch die acht Songtitel unbetitelt, später erhielt das auch musikalisch minimalistische und schwerer zugängliche Album wegen der Abbildungen auf dem Cover, die Klammern gleichen, den Namen „( )“.
Ebenfalls 2002 erschien der instrumentale Soundtrack „Hlemmur“ zu einem Film über die Obdachlosen am Busbahnhof Hlemmur in Reykjavik.
2003 verpflichtete Merce Cunningham die Band, für sein Tanzstück „Split Sides“ die Musik zu komponieren. Anfang 2005 schrieben Sigur Rós außerdem ein Stück zur Tanzaufführung des Royal Danish Ballet zu Hans Christian AndersensLittle Match Girl“.
Seither erzeugen Sigur Rós mit sphärischen Klängen eine ganz eigene musikalische Melancholie auf der Bühne, heimsten mit Erfolgsalben wie „Ágætis byrjun“, „( )“ und „Takk…“ (2005), „Hvarf-Heim“ (2007), „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ (2008), „Valtari“ (2012) und „Kveikur“ (2013) Gold und Platin ein und waren auch in der vierten Staffel beliebten Serie „Game of Thrones“ mit einem Gastauftritt als Musikanten auf der Hochzeit König Joffrey Baratheons zu sehen.
Abseits ihrer regulären Studio-Alben schufen Sigur Rós hypnotische Musik für altnordische Poesie („Odin’s Raven Magic“, 2020), eine 24-stündige Autofahrt entlang der isländischen Küste („Route One“, 2016) und Ambient-Klangbäder („Liminal Sleep“, 2019).
 
In der Zwischenzeit haben sich Jónsi und der aus Baltimore, Maryland, stammende Künstler und Musiker Alex Somers im Jahr 2003 in Boston kennengelernt. Somers, der unter anderem das Artwork für das Sigur-Rós-Album „Takk…“ kreierte. Somers hatte 2003 mit Scott Alario die kurzlebige Band Parachutes gegründet, um dann 2005 nach Island zu ziehen, wo er mit Jónsi das Projekt Jónsi & Alex gründete. Sie arbeiteten auch an visueller Kunst, die die Grundlage für ihr limitiertes Hardcover-Buch „Riceboy Sleeps“ (2006) bilden sollte. In den Pausen zwischen Jónsis Tourneen und Studioaufnahmen mit Sigur Rós arbeiteten sie weiterhin zu Hause an ihrer Musik und schufen so nach und nach das umfangreiche Werk, das heute das Album „Riceboy Sleeps“ (2009) ausmacht.
2010 veröffentlichte Jónsi sein erstes Solo-Album „Go“, wobei die Single „Around Us“ auf dem Soundtrack von EA Sports’ „FIFA 11“ vertreten gewesen ist. Außerdem steuerte er das Lied „Sticks & Stones“ für den Soundtrack des Films „Drachenzähmen leicht gemacht“ bei sowie die Lieder „Where No One Goes“ und „Together from Afar“ für die beiden Fortsetzungen.
2011 schrieb er den Soundtrack zu Cameron Crowes Kinofilm „Wir kaufen einen Zoo“. 2021 folgte der Soundtrack zu „Tom Clancy’s Gnadenlos“.
Zwischenzeitlich erschien 2020 mit „Shiver“ Jónsis zweites Studioalbum, ein Jahr später mit „Obsidian“ das dritte. Das 2024 veröffentlichte Album „First Light“ war ursprünglich als Teil eines Videospielsoundtracks geplant, weshalb es auch unter anderem über die Musik- und Wellness-Plattform Myndstream veröffentlicht wird.
Jónsi sagt selbst zum Ursprung seines neuen Albums: „Ich schrieb diese Musik in einer Zeit, in der es weltweit zu Unruhen und Ungleichgewichten kam, für ein Videospiel. Ich stellte mir ,First Light’ als eine momentane, fantastische, überdrehte, utopische Welt vor, in der jeder und alles in ewigem Frieden und Harmonie zusammenlebt.“ Weiter sieht er die Musik als etwas Hoffnungsvolles: „Wir entscheiden uns für Schönheit statt Unordnung, für Hoffnung statt Angst, für unsere universellen göttlichen Schutzengel, die über uns wachen und uns alle durch Liebe, Melodie und Musik miteinander verbinden.“
Jónsi & Alex (Photo by Lilja Birgisdóttir)
 
Seit Alex Somers zusammen mit Jónsi 2014 die Musik zur Science-Fiction-Serie „Manh(a)ttan“ komponierte, schrieb er – teilweise unter eigenem Namen – die Musik für Filme wie „Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück“ (2016), „Honey Boy“ (2019), „Audrey“ (2020), „Fresh“ (2022), „Causeway“ (2022) und „Holland“ (2025) sowie für die Fernsehserien „Branson“, „Under the Bridge“ und „Überkompensation“. Zuletzt schrieb Alex Somers den Soundtrack zum Dokumentarfilm „A Life Illuminated“ und zusammen mit Jónsi zum Film „Rental Family“.
Außerdem erschien 2023 mit „Átta“ das achte Album von Sigur Rós. Nachdem so viel Zeit seit dem vergleichsweise aggressiven Sound des Albums „Kveikur“ vergangen ist, präsentiert sich „Átta“ als Ruhepol nach dem Sturm – fast ohne Schlagzeug und von stiller Schönheit durchdrungen. Die Band wollte „einfach nur minimalistische Drums und eine wirklich sparsame, schwebende und schöne Musik“, sagte Jónsi. „Wir werden älter und zynischer, deshalb wollte ich uns einfach bewegen, damit wir wieder etwas fühlen!“
Georg fügte hinzu: „Dieses Album klingt wie ein Sigur-Rós-Album, ist aber introvertierter als zuvor. Es ist sehr weitläufig mit diesem Streicherklang, aber es blickt mehr nach innen als nach außen.“
Es wurde größtenteils im bandeigenen Sundlaugin-Studio in Island aufgenommen, während das London Contemporary Orchestra in den Abbey Road Studios seinen umfangreichen musikalischen Reichtum beisteuerte. Der Dirigent des Orchesters, Robert Ames, leitete anschließend eine Reihe internationaler Ensembles auf einer aufwendigen Sigur-Rós-Tournee, die sich von der Meltdown-Show auf über zwei Jahre ausdehnte. Kjartan, Robert Ames und seine Frau Maria Huld Markan Sigfúsdóttir (von den langjährigen Sigur-Rós-Kollaborateuren Amiina) schrieben Orchesterarrangements für die Konzerte, darunter Neuinterpretationen alter Favoriten wie – vom minimalistischen Album „( )“ aus dem Jahr 2002 – „Untitled #1 – Vaka“ sowie „Sé lest“ und „Hoppípolla“ von „Takk…“ und „Von“ von ihrem Debütalbum.
Begleitet vom New Yorker Wordless Music Orchestra tourte das Trio im Sommer 2023 achtmal durch Nordamerika. Seitdem wurde es von zahlreichen weiteren Orchestern unterstützt, darunter Symphony+81 in Japan, das Balvig Orchestra in Schweden und Dänemark sowie die Stadtorchester von Sydney, Melbourne, Brisbane und Adelaide auf ihrer Australien-Tournee 2025. Im September 2025 tourten sie erneut durch Europa, unter anderem mit vier Konzerten in der legendären Royal Albert Hall in London, und beendeten ihre Reise gemeinsam mit dem Noordpool Orkest in Amsterdam.
„Es ist schon seltsam, dass ein paar Jungs aus Island, die auf Isländisch und in irgendeiner Fantasiesprache singen, auf der ganzen Welt spielen und so viele Menschen zu ihren Konzerten kommen wollen“, sagte Jónsi. „Es gibt keine Texte oder Geschichten, an denen sich die Leute festhalten können. Es geht vielmehr um die puren Emotionen, die die Menschen durch die Musik erleben.“

Diskografie/Filmografie (Auswahl):

Sigur Rós:
1997: Von
1998: Von Brigði = Recycle Bin (Remix-Album)
1999: Ágætis Byrjun
2002: ( )
2003: Hlemmur (Soundtrack)
2005: Takk…
2007: Hvarf – Heim
2008: Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust
2011: Inni (Live-Album)
2012: Valtari
2013: Kveikur
2017: Route One
2019: Liminal Sleep
2023: Átta
 
Jónsi:
2010: Go
2011: We Bought A Zoo (Soundtrack)
2018: The Feeling of Going (Soundtrack)
2020: Shiver
2021: Tom Clancy’s Without Remorse (Soundtrack)
2021: Obsidian
2024: First Light
2025: The Long Melody (Soundtrack)
 
Alex Somers:
2016: Captain Fantastic: Einmal Wildnis und zurück
2016: Dawson City: Frozen Time (Soundtrack)
2017: Black Mirror – Hang the DJ (Soundtrack)
2018: Hale County, Tag für Tag (Hale County This Morning, This Evening, Soundtrack)
2019: Honey Boy (Soundtrack)
2020: Twelve (Soundtrack)
2020: Here We Are: Notes For Living On Planet Earth (Soundtrack)
2020: Audrey (Soundtrack)
2021: Together Together (Soundtrack)
2021: Siblings
2021: Siblings 2
2022: Fresh (Soundtrack)
2022: Causeway (Soundtrack)
2022: Branson (Soundtrack zur Miniserie)
2024: Under the Bridge (Soundtrack zur Miniserie)
2024: Nickel Boys (Alex Somers & Scott Alario, Soundtrack)
2025: Holland (Soundtrack)
2025: Überkompensation (Overcompensating, TV-Serie)
2025: A Life Illuminated (Soundtrack zum Dokumentarfilm)
 
Jónsi & Alex:
2009: Riceboy Sleeps
2015: Aloha: Die Chance auf Glück (Aloha, Soundtrack)
2016: Manh(a)ttan (Soundtrack)
2019: Lost And Found
2025: Rental Family (Soundtrack)
Playlist:
01. Alex Somers & Jónsi - Found Family (Rental Family) - 03:16 
02. Sigur Rós - Von (Von) - 05:12
03. Sigur Rós - Bíum Bíum Bambaló (Angels of the Universe) - 06:53 
04. Alex Somers & Jónsi - Chapter One [excerpt] (All Animals) - 11:15 
05. Jónsi & Alex Somers - Stokkseyri (Riceboy Sleeps) - 07:10 
06. Alex Somers - Fortress (Captain Fantastic) - 04:37 
07. Jónsi - We Bought A Zoo (We Bought A Zoo) - 04:22 
08. Jónsi & Alex Somers - Moving Plates [Liminal Remix] (Liminal) - 03:06 
09. Alex Somers & Jónsi - Chapter Three [Alex Somers Remix] (Liminal 2) - 04:47 
10. Jónsi & Alex Somers - Hundslappadrifa (Lost & Found) - 06:09 
11. Jónsi & Alex Somers - There's Something I Need to Tell You (Manh(a)ttan) - 03:26 
12. Alex Somers - A Good Day (Honey Boy) - 03:05 
13. Alex Somers - Fell In Love With Her (Audrey) - 04:13 
14. Jónsi - Aftermath (Tom Clancy's Without Remorse) - 03:23 
15. Alex Somers - Into Place (Here We Are) - 04:13 
16. Alex Somers - Breakthrough (Holland) - 03:49 
17. Jónsi - Undercurrent (First Light) - 04:14 
18. Alex Somers - Color Memory (Nickel Boys) - 05:48 
19. Alex Somers - Lose Control (Overcompensating) - 04:08 
20. Alex Somers - Left the Sea (Fresh) - 03:32 
21. Alex Somers - Wake Up (Causeway) - 03:34 
22. Alex Somers - Kimblings (Siblings) - 06:11 
23. Jónsi - Hedione (Obsidian) - 12:40

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