Unter den neuen Soundtracks, die ich heute vorstellen darf,
sind wie gewohnt etliche Kompositionen zu finden, die für Streaming-Serien-Highlights
wie „Wednesday“, „The Gilded Age“, „Alien: Earth“, „Black Mirror“ und „The
Hunting Wives“ entstanden sind, aber auch für Kinoproduktionen wie Guillermo
del Toros Neuverfilmung des Grusel-Klassikers „Dracula“, Liam
Neesons erfolgreiche Wandlung vom Action-Star zum Komödianten in „Die nackte
Kanone“ oder für die BBC-Natur-Dokumentation „Parenthood“. Abgerundet
wird die Sendung durch das Album „Cinema“ des Cellisten Hauser
mit seinen Bearbeitungen meist populärer Filmmelodien von Max Steiner, John
Barry, Ennio Morricone, Henry Mancini und Vangelis sowie Marcel
Barsottis elektronischem Score zu seinem eigenen Science-Fiction-Film „Imperia“.
Nachdem
Helen Mirren und
Pierce Brosnan
bereits in der grandiosen Mafia-Serie
„Mobland“ vorzüglich miteinander
harmoniert haben, sind sie nun erneut gemeinsam vor der Kamera zu sehen,
diesmal in
Chris Colombus‘ Mystery-Thriller-Komödie
„The Thursday
Murder Club“, zu der der versierte Altmeister
Thomas Newman („Grüne
Tomaten“, „The Green Mile“) einen äußerst vielfarbigen elektronischen Score
mit spannenden akustischen Akzenten beigesteuert hat.
Atticus Ross‘ Frau Claudia Sarne, die bereits
an etlichen Soundtracks ihres Mannes („The Book of Eli“, „Broken City“, „Triple
9“) beteiligt gewesen ist, etabliert sich mittlerweile als eigenständige
Komponistin, vor allem für Fernsehserien wie „Outcast“, „Black Mirror“
und „Shining Girls“.
Die True-Crime-Mini-Serie „The Yoghurt Shop Murders“
befasst sich mit dem tragischen Mord an vier Teenagerinnen in einem „I Can't
Believe It's Yogurt“-Laden am 6. Dezember 1991 in Austin, Texas, und geht den
Traumata, die das Verbrechen hinterließ, ebenso nach wie dem Labyrinth der
Ermittlungen. Sarnes feinfühlige Piano-Komposition schafft das passende
atmosphärische musikalische Umfeld dazu.
Chad Hartingtons Horror-Film „The Threesome“
kam zwar bereits 2021 in die Kinos, doch der hörenswerte Score von Keegan
DeWitt wurde erst jetzt von MovieScore Media veröffentlicht. Der Film
erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dessen Liebe ihn zu einem
unerwarteten Dreier verleitet, um so seinen größten Traum wahrwerden zu lassen.
Doch als die Fantasie endet, müssen alle drei mit ernüchternden Konsequenzen
rechnen und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

„Chad und ich trafen uns mit 17 Jahren. Wie so viele in
diesem Alter verband uns unsere Liebe zu Liedern, Platten und Filmen. Wir
hätten unterschiedlicher nicht sein können und sind es immer noch, aber damals
keimte etwas auf, das uns heute oft ohne große Erklärungen zusammenarbeiten
lässt. Er sagte mir einfach, dieser Film solle Epochen und Genres überschreiten
und stattdessen ein authentisches Porträt von Menschen mit Fehlern sein, die
ihr Bestes geben und oft mit komischen Ergebnissen scheitern. Sofort dachten
wir an die romantischen Komödien und Dramen der 80er und 90er Jahre, voller
unglaublicher Schauspieler, die nicht perfekt waren, oft das Falsche taten und
uns ständig herausforderten, sie zu mögen. Charaktere, die uns allen sehr
ähnlich waren“, erzählt DeWitt von der Arbeit an „The Threesome“.
„Ich war inspiriert von den romantischen, mitreißenden Filmmusiken des Italiens
der 1960er Jahre mit Monica Vitti. Sie waren voller Sex und Witz und
hatten unverkennbare Melodien, die einem das Herz brachen. Als ich am Klavier
saß, hatte die Partitur auf mich gewartet. Auf meinem einfachen Klavier
entstanden mit ,The End‘, ,The Threesome‘ und ,A New Reality‘ diese schmerzenden
Melodien, die von der Kindlichkeit junger Liebe, der Lust der 20er und dann dem
bösen Erwachen und den Erkenntnissen des Erwachsenseins sprachen, die immer
schneller kommen, als wir erwarten. Diese Intimität verband sich auch irgendwie
mit dem rauen und treibenden Sound der Manchester New Wave in unseren
Tanzszenen oder den sich auflösenden perkussiven Spiralen unserer Actionszenen.“
Samuel Van Grinsvens Horror-Drama „Went Up the
Hill“ erzählt von Jacks Reise zur Beerdigung seiner entfremdeten Mutter ins
entlegene Neuseeland, wo er ihre Witwe Jill trifft. Als der Geist seiner Mutter
in die Körper der beiden zurückkehrt, führt das zu einem lebensbedrohlichen
nächtlichen Dreiertanz.
„Die Musik für
‚Went Up the Hill‘ war für mich eine
besondere Herausforderung, insbesondere die Balance zwischen Intimität und
Überirdischem zu finden. Ich habe mich stark auf Ambient-Vocals und erweiterte
Gesangstechniken konzentriert – Kehlkopfklopfen, Tonhöhendrift, ASMR-ähnliche
Ticks und Klicks, Atemelemente und mehr“, erzählt Komponist
Hanan Townshend.
„Der Film thematisiert tiefe psychische Traumata, und die Musik wurde so
gestaltet, dass sie das Innenleben der Figuren widerspiegelt und erforscht,
während sie in Erinnerungen und Trauer versinken.“
Der Cellist
Hauser blickte auf eine zehnjährige
Karriere als eine Hälfte von den
2Cellos zurück, als er sich 2020 mit
dem Solo-Album
„Classic“ erfolgreich als Solo-Künstler etablierte. Brillierte
er vor fünf Jahren mit eigenwilligen Bearbeitungen klassischer Melodien für
Cello und Orchester, legt er nun mit
„Cinema“ ein Album vor, das ganz
unterschiedliche Filmkompositionen aus mehr als 80 Jahren zu neuem Leben
erweckt. Dabei hat er mit
London Symphony Orchester unter der Leitung
von
Robert Ziegler nicht nur klassische Filmmelodien wie „Tara’s Theme“
aus
Max Steiners Soundtrack zu
„Vom Winde verweht“ (1939),
Nino
Rotas Liebesthema aus
„Romeo und Julia“ (1968),
Andrew Lloyd Webbers
„The Music of the Night“ aus
„Das Phantom der Oper“ (1986) und
John
Barrys Musik zu
„Somewhere in Time“ (1980), sondern auch
Lalo
Schifrins „Mission: Impossible“-Thema,
Sam Smiths „Writing’s on
the Wall“ aus dem Bond-Film
„Spectre“ und
Billie Eilishs „What
Was I Made For“ aus
„Barbie“ auf aufregende Weise interpretiert. Zu den
weiteren Höhepunkten des Albums zählen Kompositionen von
Yann Tiersen („Die
fabelhafte Welt der Amelie“),
Ennio Morricone („Der Profi“),
Vangelis
(„1492 – Die Eroberung des Paradieses“) und
Trevor Jones („Der
letzte Mohikaner“).
„Dies ist ein sehr persönliches Album, weil es einige meiner
Lieblingsmelodien enthält“, sagt Hauser. „Einige dieser Werke würde ich
als ,versteckte Juwelen‘ bezeichnen, die vielen Menschen vielleicht noch
unbekannt sind. Aber ich bin sicher, sobald die Fans sie auf ,Cinema‘
hören, werden auch sie ihre Favoriten darin finden.“
In einem früheren Leben komponierte
Marcel
Barsotti Soundtracks u.a. für
Sönke Wortmanns „Die Päpstin“
und
„Das Wunder von Bern“. Mittlerweile ist er unter die Regisseure
gegangen und hat nach einigen Musikvideos 2024 erstmals Regie bei dem
vollständig mit KI generierten dystopischen Science-Fiction-Drama
„Transformation“
geführt, das bei etlichen internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden
ist. In diesem Jahr legte
Barsotti mit
„Imperia“ den nächsten,
ebenfalls komplett mit KI erstellten Science-Fiction-Film vor. Der 36-minütige
Film erzählt die Geschichte der brillanten Wissenschaftlerin Lilly Rose, die
bei der Entdeckung mysteriöser Würfel auf der Erde und dem spurlosen Verschwinden
von Menschen entdeckt, dass eine uralte außerirdische Zivilisation die
Menschheit für ein unheimliches Ritual benutzt. Doch je tiefer Lilly in das
Geheimnis eindringt, desto klarer wird ihr, dass sie selbst der Schlüssel zu
ihrer Rettung oder ihrem Untergang sein könnte…
Barsotti hat
bei „Imperia“ nicht nur Drehbuch, Kamera, Produktion und Sounddesign
verantwortet, sondern natürlich auch den Soundtrack komponiert, der am 05. Oktober veröffentlicht wird. Der elektronische
Score ist ebenso rhythmisch pulsierend wie atmosphärisch dicht ausgefallen und
vereint geschickt fesselnde Techno-, kratzige Industrial- und verführerische Dark-Ambient-Elemente
miteinander.
Playlist:
01. Thomas Newman - Blood Roses (The Thursday Murder Club) - 02:52
02. Claudia Sarne - Head Noise (The Yoghurt Shop Murders) - 04:00
03. Keegan DeWitt - Read the Room (The Threesome) - 03:17
04. Jeff Russo - Wendy's Transition (Alien: Earth) - 04:37
05. Jeff Russo - Sorry (Untamed) - 04:21
06. Chris Bacon - Tale of the Skull Tree (Wednesday - Season 2: Vol. 1) - 02:50
07. Harry Gregson-Williams & Rupert Gregson-Williams - Her Tone (The Gilded Age - Season 3) - 03:17
08. Daniel Pemberton - Cloning Machine (Black Mirror: USS Callister - Into Infintiy) - 03:07
09. Ariel Marx - The Void (Black Mirror: Hotel Reverie) - 03:58
10. Steven Price - No Sex in the Pond (Oh, Hi!) - 03:34
11. Laura Karpman - Nina's Theme (Duster) - 03:20
12. Hanan Townshend - Funeral and Wake (Went Up The Hill) - 02:59
13. Hauser - Chi Mai (Cinema) - 04:22
14. Atli Örvarsson - 幸存者 (Dongji Rescue) - 04:42
15. Danny Elfman - A Very Sad Story (Dracula) - 03:23
16. Carter Burwell - Destiny and Dreams (Honey Don't!) - 03:17
17. Marcel Barsotti - The Story of Cryon (Imperia) - 02:17
18. Hans Zimmer & James Everingham - A New Awakening (Chief of War - Season 1) - 03:24
19. Frank Ilfman - Time (Ada: My Mother the Architect) - 03:29
20. Dominic Lewis - Keep Calm & Carry On (Nobody 2) - 02:35
21. David Wingo & Dabney Morris - The Hookup (Splitsville) - 02:54
22. Fernando Velázquez - Cambio y dando (Las Muertas) - 03:48
23. Danny Bensi & Saunder Jurriaans - Road Hallucinations (The Chemistry of Death) - 03:06
24. Lorne Balfe - My Name Is Frank Drebin Jr. (The Naked Gun) - 03:05
25. Blanck Mass - Polly (She Rides Shotgun) - 03:05
26. Jeff Danna - Sophie on Trail Camera (The Hunting Wives - Season 1) - 02:31
27. Clinton Shorter - It's Not Fair (The Rainmaker - Season 1) - 03:09
28. Ruth Barrett - In This Life (The Terminal List: Dark Wolf) - 03:07
29. Pessi Levanto - In the Juvie (Kevlarsjäl) - 02:43
30. Austin Wintory - Water Battles Fire (Sword of the Sea) - 04:05
31. Bear McCreary - We Two Might Be One (Outlander: Blood of My Blood - Season 1) - 07:33
32. Anne Dudley – Love Locks (Signs of Life) – 02:47
33. Tom Howe - Elephants (Parenthood: Freshwater) - 08:08
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