Montag, 15. Oktober 2012

Playlist # 96 vom 21.10.2012 - OLIVER STONE Special

Mit seinen oft sehr politischen, manchmal extrem gewalttätigen Filmen steht der unbequeme amerikanische Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Oliver Stone immer wieder in der Kritik. Dabei sorgten nicht nur seine Präsidenten-Portraits „JFK – Tatort Dallas“, „Nixon“ und „W.“ für reichlich Diskussionsstoff, sondern auch die Gewaltorgien „Natural Born Killers“ und „U-Turn“. Nun startet sein neuer Film „Savages“ in den Kinos.

Als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter wurde Oliver Stone episkopalisch erzogen, er konvertierte aber später zum Buddhismus. Bereits im Alter von fünf Jahren schrieb Oliver Stone Marionettenstücke für seine Cousins, später verfasste er erste Geschichten und sogar ein Buch über seine Familie und das Leben im Allgemeinen. Seinen Roman „A Child’s Night Dream“ wollte aber kein Verlag annehmen, worauf der Autor das halbe Manuskript frustriert in den East River warf. Nach einem eher erfolglosen Jahr in Yale arbeitete Stone als Englischlehrer in Vietnam, kehrte für kurze Zeit an die Universität von Yale zurück, um sich dann als Freiwilliger für Vietnam zu melden. Bei seinen Fronteinsätzen zwischen April 1967 und November 1968 wurde Stone zweimal verwundet und mit dem „Purple Heart“ und dem „Bronze Star“ ausgezeichnet. Später sollte Stone seine Fronterfahrungen zu seiner Vietnam-Trilogie aus den Antikriegsfilmen „Platoon“, „Geboren am 4. Juli” und “Zwischen Himmel und Hölle” verarbeiten.
Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg begann Stone ein Studium an der Filmhochschule der New York City University, wo Martin Scorsese sein erster Lehrer war. Nach einigen nicht realisierten Drehbüchern konnte er mit dem B-Movie-Horrorfilm „Die Herrscherin des Bösen“ 1972 sein erstes Drehbuch verkaufen und sogar selbst verfilmen. Auch mit „The Hand“ blieb er zunächst dem Horror-Genre treu. Daraufhin sollte Oliver Stone erst einmal als Autor seine ersten großen Erfolge verbuchen. Bereits für sein Drehbuch zu Alan Parkers „12 Uhr nachts – Midnight Express“ erhielt er 1978 seine erste Oscar-Auszeichnung, danach folgten die Bücher zu „Conan der Barbar“, „Scarface“ und „Im Jahr des Drachen“.
Seine Drogensucht und das wilde Partyleben trieben Oliver Stone fast in den Bankrott, dann rettete ihn der immense Erfolg von „Platoon“, für den er seinen ersten Regie-Oscar in Empfang nehmen konnte. Charlie Sheen spielt den Studienabbrecher Chris Taylor, der sich 1967 freiwillig für Vietnam meldet und schnell feststellen muss, dass der Krieg keine Helden schafft, sondern aus den Menschen rohe Bestien macht. Besonders schwer zu schaffen macht Taylor aber der Konflikt in den eigenen Reihen zwischen dem brutalen Sergeant Barnes (Tom Berenger) und Sergeant Elias (Willem Dafoe), der sich trotz der nervenaufreibenden Kämpfe seine Menschlichkeit bewahrt hat.
„In ‚Platoon‘ geht es vordergründig ‚nur‘ um amerikanische Soldaten. Tatsächlich geht es um jeden Soldaten, auch die des Vietcong, die im Film nur am Rande erscheinen. Ein vietnamesischer Film über den Krieg würde sicherlich ganz anders aussehen, weil Vietnam von den USA angegriffen wurde und noch heute unter den Folgen zu leiden hat. Es bleibt trotzdem eine Erkenntnis, die ‚Platoon‘ nicht direkt vermittelt, sich aber aus dem Film ziehen lässt. Der Krieg ist kein Mittel der Politik, sondern die Kapitulation nach der Politik. Ist ‚Platoon‘ Pflaster oder Heilung? Weder noch. Der Film ist Versuch einer skrupellosen Annäherung. Und hier wird ‚Platoon‘ auch zu einer sehr persönlichen Angelegenheit, nämlich der von Oliver Stone selbst“, resümiert Ulrich Behrens auf filmstarts.de
Zwar stellte Stone bereits kurz zuvor in „Salvador“ (1986) wunde Punkte der jüngsten amerikanischen Vergangenheit stark polemisierend dar, doch avancierte erst der mit vier Oscars (bester Film, beste Regie, bester Schnitt und Ton) ausgezeichnete Film „Platoon“ zum Prototyp der Stoneschen Aufklärungsarbeit. Denn auch in den nachfolgenden Werken thematisierte Stone immer wieder Erlebnisse eines isolierten Einzelgängers, der mit den Verfehlungen und Schattenseiten der US-Gesellschaft konfrontiert wird.
„Wall Street“ (1987) wurde dabei von dem Schiffbruch seines eigenen Vaters inspiriert, der als Börsenmakler an der Wall Street tätig war. Der junge Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen) träumt davon, für den schwerreichen Börsianer Gordon Gekko (Michael Douglas) zu arbeiten. Als er mit Insiderinformationen von seinem Vater Carl Fox (Martin Sheen) bei Gekko punkten kann, sieht er sich am Ziel seiner Träume, doch dann muss er verfolgen, wie Gekko aus reiner Profitgier das Unternehmen, in dem Buds Vater arbeitet, auflöst, statt es zu retten. Nach dem börsenkritischen „Wall Street“ wandte sich Stone ein Jahr später dem medienkritischen „Talk Radio“ zu, mit dem der Regisseur den 1984 begangenen Mord an dem Radio-Moderator Alan Berg thematisierte.
In Houston strahlt der Sender KGAB jede Nacht die Sendung „Night Talk“ aus, in der Moderator Barry Champlain (Eric Bogosian) kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er die Anrufe seiner Hörer kommentiert. Was für die einen den Reiz der Sendung ausmacht, ist für andere eine üble Beleidigung, auf die mit Morddrohungen reagiert wird. Das erfolgreiche Programm soll nach dem Wunsch von Produzentin Laura (Leslie Hope), Studioleiter Dan (Alec Baldwin) und Dietz (John Pankow) von der Unternehmensführung auf ganz Texas ausgedehnt werden, wenn sich Champlain etwas zurücknehmen würde, doch der hält von solch faulen Kompromissen gar nichts und gefällt sich darin, seine Hörer weiter so zu beschimpfen, wie er es für richtig hält.
„In der Darstellung dieses (medienmäßig vermittelten) Systems ist Oliver Stone in gewisser Weise skrupellos ehrlich. Seine Enthüllung unterscheidet sich von anderen genau durch diese Ehrlichkeit, durch die Verlässlichkeit, mit der er sein Publikum in die Geschichte verwickelt“, meint Ulrich Behrens auf filmstarts.de. „‘Talk Radio‘ ist ein viel zu wenig beachteter Film aus dem Werk Oliver Stones, der seinen berechtigten und gleichberechtigten Platz hat etwa neben ‚Nixon‘ oder ‚JFK‘. In diesem Film ist es nicht so sehr die Verschwörungstheorie, sondern viel mehr das innere, heimliche, unausgesprochene Übereinkommen zwischen Medienmachern, Hörerschaft und Anrufern, ihre Angelegenheiten auf die beschriebene Art und Weise zu regeln, weil sie es anders nicht können.“ 
Sowohl zu „Wall Street“ als auch „Talk Radio“ komponierte der ehemalige The-Police-Drummer Stewart Copeland die elektronisch produzierte Musik, die heutzutage schon arg antiquiert klingt.
Nach „Platoon“ präsentierte Oliver Stone 1989 mit „Geboren am 4. Juli“ den zweiten Part seiner Vietnam-Trilogie. Tom Cruise spielt den Kleinstadt-Sunnyboy Ron Kovic, der sich voller Patriotismus freiwillig zu den Marines meldet, um an vorderster Front in Vietnam zu kämpfen. Doch all seine Erwartungen werden schwer enttäuscht, schließlich kehrt er querschnittsgelähmt in seine Heimat zurück und sieht sich der Ignoranz seiner Landsleute ausgesetzt. Deprimiert verfällt Ron dem Alkohol, kommt aber in einem mexikanischen Veteranencamp mit sich ins Reine und beginnt ein neues Leben als engagierter Vietnam-Gegner.
„Abgesehen von kleineren Makeln ist ‚Geboren am 4. Juli‘ unzweifelhaft ein bedeutender und absolut sehenswerter Beitrag zur Aufarbeitung des neben den Weltkriegen prägendsten Kapitels der US-amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Getragen von einer tadellosen Inszenierung und Tom Cruise‘ überzeugendem Spiel entsteht das gestochen scharfe Bild eines Amerikas, das propagandistisch angefeuert in einen Krieg taumelt, dessen wahres Ausmaß es spät begreift, freilich ohne dass die Durchhalteparolen der Befürworter deswegen verhallen würden. So sehr der Film an sich in der amerikanischen Kultur verwurzelt ist, so sehr weist er wegen seiner universellen Thematik darüber hinaus und gibt damit wertvolle Denkanstöße über die Wechselwirkungen zwischen Krieg und Gesellschaft“, resümiert Tobias Mayer auf filmstarts.de
1991 zeichnete Oliver Stone ein nicht unumstrittenes Portrait der Kultformation „The Doors“ und konzentrierte sich dabei auf das Leben des charismatischen Frontmanns Jim Morrison. Inspiriert von Aldous Huxleys Essay „The Doors Of Perception“ gründen Jim Morrison (Val Kilmer) und Ray Manzarek (Kyle MacLachlan) 1965 am Strand von Venice Beach The Doors. Wenig später von Gitarrist Robby Krieger (Frank Whaley) und Drummer John Densmore (Kevin Dillon) unterstützt, treten sie in kleinen Clubs auf und landen schließlich im angesagten "Whiskey-A-Go-Go", woraufhin sie von Elektra unter Vertrag genommen und von Produzent Paul Rothchild (Micheal Wincott) entdeckt werden.
Schon das erste Album „The Doors“ startet dank der Single „Light My Fire“ 1967 voll durch, doch der Drogenkonsum macht vor allem Jim Morrison zu schaffen, der immer exzentrischere Bühnenauftritte hinlegt und die Beziehung zu seiner Freundin Pamela Courson (Meg Ryan) aufs Spiel setzt.
 „Stone stellt die düsteren Seiten Morrisons zwar in den Vordergrund und reizt die dramatische Komponente voll aus, grast aber auch die wichtigsten Stationen der Doors gründlich ab. Es gelingt ihm trotzdem, ein exaktes Porträt des Menschen Jim Morrison zu zeichnen. Ob dabei jedes Detail der Wahrheit entspricht, wie es Manzarek bestreitet, ist nicht weiter wichtig, es geht darum, einen Eindruck von dem Charakter zu vermitteln. Dramaturgisch präsentiert sich Stones Film makellos, trotz der 140 Minuten Spielzeit ist das Tempo auf hohem Niveau. Das Geschehen orientiert sich an der Bandgeschichte, allerdings immer mit dem Fokus auf Morrison“, meint Carsten Baumgardt auf filmstarts.de. „‘The Doors‘ ist ein berauschender, mitreißender Trip, eine aufrichtige, aber liebevolle Hommage an einen Mythos. Die Legende Jim Morrison wird angemessen gewürdigt, ohne sie zu glorifizieren oder zu verurteilen. Jeder muss sich über das Verhalten des genialen, aber selbstzerstörerischen Rockstars und Dichters selbst sein Urteil bilden. Oliver Stone gibt keine Wertung vor, aber seine Sympathie und Verehrung für Morrison ist dennoch unübersehbar. Der Abschied aus dem Film ist traurig.“
Ein weiteres Portrait, das noch heftiger diskutiert wurde, lieferte Stone mit „JFK – Tatort Dallas“. Auf der Basis der beiden Bücher „On The Trail Of The Assassins” von Jim Garrison, dem damaligen Bezirksstaatsanwalts von New Orleans, und “Crossfire: The Plot Who Killed Kenndy“ von Jim Marrs schrieb Stone insgesamt sechs Drehbücher und drehte Material für einen zehnstündigen Film, der schließlich auf drei Stunden und im späteren Director’s Cut auf immerhin noch 206 Minuten heruntergekürzt wurde. Erzählt wird der Film aus der Perspektive des Ermittlers. Als John F. Kennedy am 22. Januar 1963 kurz vor 12.30 Uhr bei einer Fahrt durch Dallas von mehreren Schüssen tödlich getroffen wird, befasst sich Bezirksstaatsanwalt Garrison (Kevin Costner) mit einer Schlägerei zwischen einem pensionierten Agenten und einem Privatdetektiv. Zwei Stunden später wird Lyndon B. Johnson als 36. Präsident der USA vereidigt und der mutmaßliche Attentäter Lee Harvey Oswald (Gary Oldman) verhaftet, der allerdings behauptet, nur der Sündenbock zu sein. Zwei Tage später wird Oswald auf dem Weg ins Bezirksgefängnis vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby (Brian Doyle-Murray) erschossen. Nachdem die von Präsident Johnson eingerichtete Warren-Kommission im September 1964 zum Ergebnis gekommen ist, dass es sich bei dem Kennedy-Attentat um die Tat eines Einzelnen und nicht um eine Verschwörung handelte, stellt Garrison eigene Untersuchungen an und stößt auf antikommunistische Exil-Kubaner, rechtsradikale Kreise und FBI- und CIA-Verbindungen einzelner Personen, doch letztlich kann Garrison keine stichhaltigen Beweise für eine Verschwörung vorlegen.
„‘JFK‘ fördert auch erstmals offen zutage, dass Stones wahrheitsbemühte Weltvision tatsächlich aus den Wahrheiten der Postmoderne zusammengefügt ist: authentische Wochenschau- und Amateuraufnahmen mischen sich mit exakt kopierten Nachahmungen des originären Szenarios, dann etwa, wenn in Abraham Zapruders Super-8-Aufnahmen des Anschlags neue Perspektiven eingeflochten werden oder Gary Oldman als Lee Harvey Oswald eine detailgetreue Rekonstruktion der Exekution durch Jack Ruby durchläuft. In diesem Sinne mutet Kevin Costners einstündiges Schlussplädoyer (überdies das längste der Filmgeschichte) wie ein Appell an die Zuschauer, dem gängigen Wahrheitsverständnis kein Vertrauen zu schenken“ („Filmregisseure“, Reclam, 3. Auflage, 2008, S. 718). 
Nachdem „Platoon“ und „Geboren am 4. Juli“ die Traumata des Vietnam-Krieges aus amerikanischer Perspektive schilderte, wandte sich Stone 1993 mit „Zwischen Himmel und Hölle“ als Abschluss seiner Vietnam-Trilogie der vietnamesischen Seite zu. Die 1949 in Vietnam geborene Le Ly (Hiep Thi Le) wächst in Armut auf und erlebt den Krieg in aller Grausamkeit, wird vergewaltigt, gefoltert und verstoßen. Als Prostituierte in Saigon lernt sie den GI Steve (Tommy Lee Jones) kennen, der sie heiratet und 1970 mit nach San Diego nimmt. Doch da sich ihr mutmaßlicher Erlöser als psychisches Wrack entpuppt, muss Le Ly ihr Leben selbst in die Hand nehmen.
An den Kinokassen und bei den Academy Awards fiel Oliver Stones Drama, das durch den Score des japanischen New-Age-Komponisten Kitaro wunderschön untermalt wurde, allerdings durch.
Mit „Natural Born Killers“ präsentierte Oliver Stone 1994 einen ebenso unkonventionellen wie gewagten Kommentar zu Voyeurismus und Gewalt in Amerikas Medienkultur. Darin agieren Mickey (Woody Harrelson) und Mallory Knox (Juliette Lewis) als Liebespaar, das während seines Trips durch die USA innerhalb weniger Wochen 50 Menschen getötet hat und von dem sadistischen Cop Jack Scagnetti (Tom Sizemore) fanatisch gejagt wird. Als das von der Öffentlichkeit heldenhaft verehrte Pärchen in der Wüste von einer Klappenschlange gebissen wird, endet der Überfall auf eine Apotheke im Gefängnis. Auch wird der Aufenthalt des Killerpaars mit Hilfe von Anstaltsleiter Dwight McClusky (Tommy Lee Jones) und TV-Reporter Wayner Gale (Robert Downey jr.) zu einem Medienereignis aufgebauscht …
„Mit ‚Natural Born Killers‘ liefert er ein unvergleichliches und nie da gewesenes Meisterwerk der Sonderklasse: Subversive Pop-Art und regelrecht abartige Brüche der Konventionen, Vermischung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Zeichentrick, Fotokollagen, überzeichnete Farbaufnahmen und psychologische Hintergrundmotive machen aus dem Film einen wahrhaften Trip, der einem schwer zusetzt. Die exzessiven Gewalt- und Sexdarstellungen, vermengt mit biblischen Motiven und beißender Mediensatire bieten das richtige Rüstzeug, um der Gesellschaft den Spiegel in einer nie erlebten Unverfrorenheit vorzuhalten. Der Zuschauer wird als Voyeur entlarvt und in die Abgründe seiner eigenen Seele geschickt. Und nachdem er wieder emporgestiegen ist, bleibt ihm ein Selbstbild der Nacktheit und Unzulänglichkeit erhalten, auf das er am liebsten spucken möchte“, fasst Samuel Rothenpieler auf filmstarts.de zusammen.  Den passenden Soundtrack dazu produzierte Trent Reznor von Nine Inch Nails.
„Nixon“ stellte 1995 den zweiten Film von Oliver Stone über einen US-amerikanischen Präsidenten dar. Nachdem es bei „JFK – Tatort Dallas“ allerdings um die Verschwörungstheorien hinter dem Attentat auf John F. Kennedy ging, handelt es sich bei „Nixon“ schon eher um ein klassisches Biopic. Stone stützt sich dabei hauptsächlich auf die unzähligen Tonbänder, die Nixon von allen Gesprächen im Weißen Haus mitschnitt, und erzählt das Leben von Richard Nixon (Anthony Hopkins) in Rückblenden. Zum einen wird die schwierige Beziehung zur strenggläubigen Mutter (Mary Steenburgen) und zum temperamentvollen Vater thematisiert, dann der frühe Tod der beiden Brüder, der Richard überhaupt erst das Jura-Studium ermöglichte. Ebenso war es dann der Tod John F. Kennedys, der Nixon den Sprung ins Weiße Haus ermöglichte.
Stone skizziert die weiteren Stationen in Nixons Leben: 1940 die Heirat mit seiner Frau Pat (Joan Allen), 1946 der Einzug ins Repräsentantenhaus, 1950 die Ernennung zum Senator und zwei Jahre später zum Vizepräsidenten unter Eisenhower. Seinen Präsidentschaftswahlkampf gegen Kennedy verliert er 1960, acht Jahre später wird er auf dem Höhepunkt des Vietnam-Kriegs zum Präsidenten gewählt. 1974 tritt er nach der Watergate-Affäre von seinem Amt zurück.
„Aber es geht Oliver Stone in ‚Nixon‘ nicht allein darum, diesem Nixon, der die USA in die größte Verfassungskrise seiner Geschichte stürzte, die Absolution zu erteilen. Wie auch ‚JFK‘ ist ‚Nixon‘ hochgradig spekulativ und suggestiv; Stone stützt sich zwar auf Fakten und Zeitzeugenberichte, knüpft diese aber zu einer sich jeglicher Chronologie verweigernden Assoziationskette, die man nicht mit der Realität verwechseln sollte“, meint Oliver Nöding in seiner Filmkritik auf filmgazette.de. „Unzweifelhaft bleibt nach Betrachtung seines in jeder Hinsicht beeindruckenden und buchstäblich überwältigenden Films, der in der letzten halben Stunde von seiner eigenen Komplexität vollkommen zerrissen wird und haarscharf am Rande des Scheiterns wandelt, aber die Erkenntnis, dass der Anstoß für jegliches politisches Wirken nicht im Individuum allein zu suchen ist. Auch der mächtigste Mann der Welt ist nicht die erste Ursache, sondern vor allen Dingen Wirkung. Er ist nur der Repräsentant dessen, was ist, ein Vertreter eines unbeherrschbaren, unberechenbaren Systems, das in einer schönen Sequenz als wildes, unzähmbares Tier beschrieben wird. Es konnte, so Stone, damals keinen anderen Präsidenten geben als Nixon.“ 
Wie schon bei „JFK“ und "Geboren am 4. Juli" arbeitete Oliver Stone bei „Nixon“ mit dem großen amerikanischen Komponisten John Williams zusammen, der mit seiner großartigen Orchestermusik wieder den richtigen Ton für ein Stück amerikanischer Geschichte fand.
Mit "U-Turn - Kein Weg zurück" ist Oliver Stone 1997 ein spannender Film-noir-Krimi geglückt, in dem reichlich Stones eigenwillige Bildsprache zu bewundern ist. In stakkatoartiger Schnittfolge wechseln sich verschwommene Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit grellem Farbmaterial ab, womit das Tempo forciert und Verwirrung erzeugt wird. Der Gauner Bobby Cooper (Sean Penn) landet mit seinem kaputten Auto in Susperior, Arizona, wo sich ein debiler Mechaniker (Billy Bob Thornton) um den Wagen kümmert. Die Zeit drängt, denn in Las Vegas muss Bobby dringend seine Schulden begleichen. Die Wartezeit will er sich mit der attraktiven Grace (Jennifer Lopez) vertreiben, doch dabei wird er von dem hitzigen Ehemann Jake McKenna (Nick Nolte) gestört und aus dem Haus geschmissen. Als McKenna wenig später Bobby ein lukratives Geschäft vorschlägt, kann er kaum ablehnen, da ihm seine Kohle gestohlen wurde. Er soll Grace töten …
„Als ein steckengebliebenes Road Movie mit augenfälligen Parallelen zu ‚Red Rock West‘ peilt ‚U-Turn‘ ohne Umschweife die Verbindung von Film noir und Western an. Die Peckinpah-Metapher von den sich selbst zerfleischenden Wüstentieren aus ‚The Wild Bunch‘ ist von Anfang an allgegenwärtig, der örtliche Sherriff (Powers Boothe) rät dem undurchsichtigen Fremden weilerzuziehen, und das Doppelspiel mit Grace und Jake zitiert in Form einer Spirale Tay GarnettsThe Postman Always Rings Twice‘. Wer sich diese unterschiedlichen Genre- und Filmbilder als eher krampfhafte Kombination vorstellt, die von der Montagetechnik und Bildästhetik zusammengehalten wird, mit der man Stone als Regisseur gemeinhin assoziiert, der bekommt ein ziemlich genaues Bild von ‚U-Turn‘“, meint Jan Distelmeyer auf filmzentrale.com
Eine Ausnahmeerscheinung in Stones Filmographie stellt aber „An jedem verdammten Sonntag“ dar. Stone, der sich schon immer als Chronist seiner Heimat verstand, setzte sich hier mit den Mechanismen innerhalb des US-Nationalsports American Football auseinander. Tony D’Amato (Al Pacino) hat zweimal hintereinander mit den Miami Sharks den Football-Superbowl gewonnen, doch dann gerät das Team in die Krise, verliert reihenweise seine Spiele und dann auch noch verletzungsbedingt Quarterback-Veteran Cab Rooney (Dennis Quaid) und seinen Ersatzmann. An deren Stelle kann sich Neuling Will Beamen (Jamie Foxx) zunächst nicht behaupten, wird aber bald zum Star des Teams, der dem Ruhm allerdings auch zu Kopf steigt. D’Amato hat alle Mühe, den Jungen zu bändigen und sich die skrupellose Clubbesitzerin Christina Pagniacci (Cameron Diaz) vom Leib zu halten, die sich zunehmend in das Tagesgeschäft des Trainers einmischt.
Stone interessiert sich für alles an seiner Geschichte, aber nicht für den Sport. Dessen Mythen werden zelebriert, aber nur so viel, wie unverzichtbar ist, und um zu zeigen, was nicht mehr funktioniert. ‚Any Given Sunday‘ ist ein Film über das Umfeld geworden, über Korruption und Prostitution, verlogene, heuchlerische Politiker, Ärzte, die je nach Bedarf fit oder krankspritzen, Aktionäre, die nach Spielergebnissen nur die Börsenwerte und Ablösesummen nachrechnen, über die Herrschaft des Geldes der Medien, die den Sport längst gekauft haben. Pathos ist hier nur noch ein Fluchtreflex für Betrüger. Reaktionär ist der Film trotz seines manchmal martialischen Tonfalls schon deshalb nicht, weil all diese Brüche unversöhnt gezeigt werden“, urteilt Rüdiger Suchsland auf artechock.de. „Auch stilistisch liefert Stone das Gegenteil aller Riefenstahl-Ästhetik: Ganz tief hinein taucht seine Kamera in die Arena, knapp über der Grasnarbe geht sie zentimeterdicht an Ball und Spieler heran. Kein Foul, kein fieser Trick, keine Brutalität bleibt ihr verborgen. Nicht der totalitäre Blick, der das Individuum klein macht, oder es in die Masse integriert, sondern die Vereinzelung inmitten des Stadions bestimmt die Wahrnehmung. Rasant und virtuos geschnitten, montiert Stone seine Bildfetzen mit Werbe-Ästhetik, Popmusik und der Semantik der TV-Sportinszenierungen.“ 
Mit „Comandante“, „Persona Non Grata“ und „Looking For Fidel“ drehte Oliver Stone 2003 und 2004 einige Dokumentationen (die beiden letztgenannten sind in der großartigen „Oliver Stone Collection" von Warner Bros. als Bonus enthalten). „Comandante“ ist das Ergebnis eines Besuchs, den Stone im Februar 2002 mit zwei Handkameras Fidel Castro abstattete. Stone dokumentiert öffentliche Auftritte und private Momente, nimmt dabei die Rolle des Interviewers ein und bebildert Castros Ausführungen mit historischen Film-, Bild- und Tonaufnahmen. Nachdem Stone von den Kritikern vorgeworfen wurde, Castros Statements, die dem offiziellen Sprachgebrauch entsprachen, nicht weiter hinterfragt zu haben, besuchte der Regisseur im April 2003 den kubanischen Staatschef erneut und fragte für seinen Film „Looking For Fidel“ etwas hartnäckiger nach der sehr instabilen Beziehung zwischen den USA und Kuba oder der Hinrichtung von Gefangenen. „Persona Non Grata“ ist schließlich das Ergebnis einer Reise des Filmemachers nach Jerusalem, Tel Aviv und Ramallah, wo sich Stone mit Führern aus beiden Lagern im israelisch-palästinensischen Konflikts traf.
Erst fünf Jahre nach „An jedem verdammten Sonntag“ präsentierte Stone mit „Alexander“ seinen nächsten Spielfilm. Das Historienepos portraitiert den von Colin Farrell dargestellten antiken Herrscher Alexander der Große (356 – 323 v. Chr.) und seine Beziehungen zu seiner Mutter Olympias (Angelina Jolie), seinem Vater Philipp (Val Kilmer), seinem Heeresführer Hephaistion (Jared Leto), zu seiner schönen Frau Roxane (Rosario Dawson) und zu seinem General Ptolemaios (Anthony Hopkins). Zunächst besteht seine Mission darin, nach dem Besteigen des Throns den Mord an seinem Vater zu rächen und die Perser aus Kleinasien zu vertreiben. Schließlich zieht er auch in Ägypten ein und will Indien erobern, doch im gnadenlosen Dschungelkampf muss der Herrscher über 90 Prozent der damals bekannten Welt herbe Verluste einstecken. Bei Publikum und Kritik kam das dreistündige Historienspektakel allerdings nicht so gut weg.
„Man könnte also sagen, dass Oliver Stones ‚Alexander‘ gescheitert ist. Ihm fehlt die homerische Dramaturgie, auf die ‚Troja‘ bauen konnte, und Colin Farrells Mienenspiel unter der blondierte Mähne kann im Multiplex schwer mit den Duellen konkurrieren, die ‚Gladiator‘ und ‚Troja‘ zu bieten hatten. ‚Alexander‘ besteht fast zu gleichen Teilen aus losen Enden, kruden Klischees, interessanten Andeutungen, spektakulären Massenszenen und Holzhammerpsychologie. Zugleich kann man zu dem Schluss kommen, dass mit diesem Film vor allem unser Blick scheitert, wenn er auf eindeutige Sinnstiftung angelegt ist: der Blick auf einen Film, der als ‚Oliver-Stone-Film‘ immer schon zweifellos auf das Filmemacher-Subjekt verweist, und der Blick auf die Historie, die sich als kohärente Geschichte eines starken (Ver-)Führers erweisen soll“, resümiert Jan Distelmeyer auf taz.de
Wenig hilfreich für Oliver Stones Mission erwies sich auch der exotische, aber auch unterkühlte Score von Vangelis („Blade Runner“, „1492 – Conquest Of Paradise“).
Oliver Stone, der die Traumata von John F. Kennedys Ermordung und des Vietnam-Krieges so großartig filmisch aufbereitet hatte, widmete sich mit „World Trade Center“ 2006 einer weiteren Katastrophe, den Anschlägen des 11. September. Überraschenderweise setzte sich der Filmemacher aber mit keiner der vielen Verschwörungstheorien auseinander, sondern inszenierte ein ganz und gar menschliches Drama über eine Einheit von New Yorker Cops, die sich in der U-Bahn-Ebene unter den zerbombten Türmen an die Evakuierung der Menschen machen, als das Rettungsteam unter Tonnen von Stahl, Glas und Beton begraben wird.
Oliver Stone, der ewige Querulant, der sich so gerne den amerikanischen Traumata widmet und sie in der Vergangenheit oft mit aufklärerischem Furor und politischer Brisanz sezierte, beschränkt sich darauf, mit ruhiger Hand und schwellendem Pathos die - authentische - Geschichte einer Rettung aus den Trümmern der Türme nachzuerzählen. Eine amerikanische Seifenoper“, resümiert Andreas Borcholte in seiner Rezension auf spiegel.de.
„Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Ich habe ‚JFK‘ gedreht, der auf umfangreichen Recherchen basiert, und das war's dann auch schon. Und diesen Film machte ich auch nur, weil mich die persönliche Geschichte des Staatsanwalts Jim Garrison faszinierte“, entgegnet Stone den Kritikern in einem Spiegel Online-Interview. „Genauso bewegten mich bei ‚World Trade Center‘ die individuellen Schicksale der verschütteten Polizisten und ihrer Familien. All die wilden Gerüchte zum 11. September haben mich nicht interessiert. Ich mache Filme über Menschen, nicht über theoretische Konstrukte. Ich suchte auch nicht krampfhaft nach Geschichten zu diesem Thema. ‚World Trade Center‘ war das einzige Drehbuch, das ich dazu las.“ 
Craig Armstrong komponierte dazu einen entsprechend gefühlvollen Score und war – neben Brian Eno und David Byrne - auch später an dem Soundtrack zum leicht missglückten „Wall Street“-Sequel „Wall Street – Geld schläft nicht“ beteiligt.
Mit „W. – Ein missverstandenes Leben“ näherte sich Oliver Stone einem weiteren Präsidenten, diesmal dem durch den ungerechtfertigten Irak-Krieg beim amerikanischen Volk in Ungnade gefallenen George W. Bush. Der Regisseur lehnte sich bei seinem Portrait allerdings nicht so weit aus dem Fenster, wie man es von seinen früheren Werken gewohnt gewesen ist.
„Legte Stone mit ‚JFK‘ noch eine eigene, kontroverse Theorie zum Kennedy-Attentat vor, begnügt er sich dieses Mal mit einer simplifizierenden Nacherzählung längst bekannter Hintergründe. Wenn der sinister aufspielende Richard Dreyfuss als Dick Cheney auf die Frage nach einem Rückzugsplan aus dem Irak mit einem achselzuckenden ‚There is no exit. We stay!‘ reagiert, ist offensichtlich, wo Stone die eigentlichen Übeltäter verortet - und wen er von Schuld freispricht. Jeffrey Wright gibt als Colin Powell die Stimme der Vernunft, mehr als ein tadelndes ‚Diplomatic bullshit!‘ erntet er damit nicht“, meint Jan Hamm in auf filmstarts.de.
Stones Version des Bush-Kabinetts repliziert ein Bild, das sich die linke Öffentlichkeit schon vor Jahren zurechtgelegt hat. Gewagt oder gar erkenntnisreich ist sein Blick in die Schattenwelt des Weißen Hauses zu keinem Zeitpunkt. Mitsamt den Figuren reduziert er auch die Chronologie auf wenige Etappen. Die Anschläge vom 11. September werden bestenfalls implizit verhandelt, andere für die US-Wahrnehmung der Regierungsarbeit zentrale Themen wie etwa die Hurrikan-Katastrophe in New Orleans bleiben ganz außen vor. Wie spannend wäre es gewesen, Brolins Interpretation der privaten Reaktionen auf all diese Ereignisse mitzuverfolgen. Wie viel mutiger und detaillierter wäre Stones dritte Aufarbeitung einer amerikanischen Präsidentschaft damit gewesen. So kommt ‚W.‘ als politischer Film nie über eine herkömmliche Geschichtsstunde hinaus.“ 
Auch mit seinem „Wall Street“-Sequel „Wall Street – Geld schläft nicht“ konnte Oliver Stone 2010 kein Comeback feiern, obwohl der Film von der Kritik wohlgesonnener aufgenommen worden ist.
Gordon Gekko (Michael Douglas) kommt nach 23 Jahren aus dem Gefängnis und versucht, wieder Fuß an der New Yorker Wall Street zu fassen. Da jedoch niemand mit dem Ex-Häftling ins Geschäft kommen will, konzentriert sich Gekko auf sein leider auch zerrüttetes Familienleben. Über Jacob (Shia LaBeouf), den Verlobten seiner Tochter und ebenfalls Broker an der Wall Street, versucht er wieder Zugang zu seiner Tochter Winnie (Carey Mulligan) zu finden und sich im Gegenzug an Hedgefond-Manager Bretton James (Josh Brolin) zu rächen, der offensichtlich verantwortlich für das Verschwinden von Jacobs Mentor Lewis Zabel (Frank Langella) zu sein scheint.
„Sei es der mit Kraftausdrücken und Erotika durchflochtene Börsenjargon oder die Accessoire-Besessenheit der Broker, die sich in Handy, Hemden und Haargel zeigt - Stone inszeniert diese Oberflächlichkeiten mit so viel Glanz, Verve und Energie, dass man über den Inhalt kaum mehr nachdenken muss. Wenn dunkle Wolken im Zeitraffer über Manhattan ziehen, die Wall Street aus der Vogelperspektive gezeigt wird und dann in zoomenden Splitscreens lauter Männer an Telefonen sprechen - dann fühlt und hört es sich einfach ungeheuer zeitgenössisch an“, meint Barbara Schweizerhof auf taz.de.
Mit seinem aktuellen Film „Savages“ hat Oliver Stone den Bestseller-Krimi „Tage des Zorns“ von Don Winslow verfilmt und dabei zusammen mit dem Autor auch das Drehbuch verfasst. Der Film erzählt die Geschichte der beiden unterschiedlichen Freunde Ben (Aaron Johnson) und Chon (Taylor Kitsch), die ein goldenes Händchen dafür haben, das beste Gras herzustellen, das weit und breit zu haben ist. Zudem teilen sie sich Ophelia (Blake Lively) als Freundin. Als aber das mexikanische Baja-Kartell (in Gestalt von Salma Hayek und Benicio Del Toro) eine Abfuhr für einen Deal erhält, wird Ophelia entführt. Zusammen mit dem DEA-Agenten Dennis (John Travolta) nehmen Ben und Chon den Kampf gegen das Kartell auf. „‘Savages‘ hätte also allein aufgrund des brisanten, gesellschaftspolitischen Hintergrunds genügend Potenzial geboten, um Oliver Stone eine Rückkehr zur Hochform der achtziger und neunziger Jahre zu ermöglichen. Das Resultat ist letztendlich nicht mehr als eine handwerklich gediegene Genrearbeit, die jedoch nicht von jener wütenden Kraft durchdrungen ist, die in Stones früheren Filmen in beinahe jedem Kader zu spüren war“, urteilt Jörg Schiffauer auf ray-magazin.at. „Nun mag es nicht zwingend Aufgabe fiktionaler Arbeiten sein, gesellschaftliche Realitäten exakt abzubilden, doch der Brutalität, mit der Mexikos Drogenkartelle agieren – als Beleg sei hier nur an Gianfranco Rosis bedrückend-beeindruckende Dokumentation ‚El Sicario, Room 164‘ erinnert – mit tarantinoesker Überzeichnung zu begegnen, zählt allein aus dramaturgischer Sicht vermutlich nicht zu Stones besten Entscheidungen. Vor allem aber kann man sich bei ‚Savages‘ des Eindrucks nicht erwehren, dass Oliver Stones Wut auf gesellschaftliche Missstände, früher treibende Kraft für seine Filme, einer beinahe routinierten Gelassenheit gewichen ist. Was immer die Ursache dafür sein mag, am gegenwärtigen Zustand der Welt kann es wohl am allerwenigsten liegen.“
Auch wenn Oliver Stone die gesellschaftskritische Wucht seiner früheren Werke abhandengekommen zu sein scheint, bieten seine Filme noch immer noch ansprechende Kinounterhaltung. Wie schon bei „Natural Born Killers“ bietet der Soundtrack zu „Savages“ jedenfalls ein buntes Potpourri an musikalischen Stilen, angefangen bei dem Score von Newcomer Adam Peters (ehemals Echo & The Bunnymen) über die TripHop-Klänge von Thievery Corporation und Massive Attack bis zu Reggae-Klängen von Peter Tosh. Oliver Stone lässt die Kritik an seinen Werken allerdings auch ziemlich kalt:
„Ich sehe meine Filme vor allem als Dramen über Individuen in persönlichen Kämpfen, und ich sehe mich selber zuerst als Dramatiker, dann erst als politischen Filmemacher. Mich interessieren verschiedene Blickpunkte. Im Endeffekt sind die Probleme des Planeten universell, und Nationalismus ist eine sehr destruktive Kraft. Und ich mag Anarchie in Filmen. Meine Helden waren Buñuel und Godard. ‚Außer Atem‘ war einer der ersten Filme, bei denen ich erinnere, dass sie mich wirklich prägten, wegen seines Tempos und seiner Energie. Man sagt, meine Mittel seien nicht subtil. Aber das ist zuallererst, was wir brauchen: ein Kino, das uns wachrüttelt, unsere Nerven und unser Herz.“ 

Filmographie:
1971: Last Year in Viet Nam (Kurzfilm)
1979: Mad Man of Martinique (Kurzfilm)
1974: Die Herrscherin des Bösen (Seizure)
1981: Die Hand (The Hand)
1986: Salvador
1986: Platoon
1987: Wall Street
1988: Talk Radio
1989: Geboren am 4. Juli (Born on the Fourth of July)
1991: The Doors
1991: John F. Kennedy – Tatort Dallas (JFK)
1993: Zwischen Himmel und Hölle (Heaven & Earth)
1994: Natural Born Killers
1995: Nixon – Der Untergang eines Präsidenten (Nixon)
1997: U-Turn – Kein Weg zurück (U Turn)
1999: An jedem verdammten Sonntag (Any Given Sunday)
2003: Comandante (Doku)
2003: Persona Non grata (Doku)
2004: Looking for Fidel (Doku)
2004: Alexander
2006: World Trade Center
2008: W. – Ein missverstandenes Leben (W.)
2009: South of the Border (Doku)
2010: Wall Street: Geld schläft nicht (Wall Street 2: Money Never Sleeps)
2012: Savages

Playlist:
1 Thievery Corporation feat. Anoushka Shankar - Mandala (Savages) - 04:02
2 Georges Delerue - Love Theme - Finale (Salvador) - 04:24
3 Georges Delerue - Main Title (Platoon) - 02:27
4 Samuel Barber - Adagio for Strings (Platoon) - 06:51
5 Stewart Copeland - Anacott Steal (Wall Street) - 02:53
6 Stewart Copeland - Dietz: Just Come Right In Here (Talk Radio) - 03:05
7 John Williams - Prologue (JFK) - 04:00
8 John Williams - Born On The Fourth Of July (Born On The Fourth Of July) - 05:44
9 John Williams - The Miami Convention (Nixon) - 03:18
10 Kitaro - Heaven And Earth [Land Theme] (Heaven And Earth) - 07:39
11 Peter Gabriel + Nusrat Fateh Ali Khan - Taboo (Natural Born Killers) - 04:22
12 The Doors - Light My Fire (The Doors) - 07:06
13 Nine Inch Nails - Something I Can Never Have (Natural Born Killers) - 04:04
14 Barry Adamson - Hungry Ants (Natural Born Killers) - 03:11
15 Jamie Foxx - Any Given Sunday Outro (Any Given Sunday) - 02:31
16 Missy Elliott - Who You Gonna Call (Any Given Sunday) - 04:08
17 Ennio Morricone - Dialogue With The Indian (U-Turn) - 03:26
18 Vangelis - Garden Of Delight (Alexander) - 04:05
19 Craig Armstrong - World Trade Center Piano Theme (World Trade Center) - 04:01
20 Craig Armstrong - Ethereal (World Trade Center) - 05:25
21 Craig Armstrong - Money (Wall Street 2: Money Never Sleeps) - 03:13
22 Paul Cantelon - Bayou (W.) - 03:41
23 Adam Peters - Hijack In The Desert (Savages) - 03:17
24 Adam Peters - Dust Bowl (Savages) - 01:55
25 Adam Peters - Savages … Forces Of Nature (Savages) - 03:13
26 Massive Attack - Paradise Circus [Gui Boratto Remix] (Savages) - 08:06
27 The Doors - The End (The Doors) - 11:42

Montag, 1. Oktober 2012

Playlist # 95 vom 07.10.2012 - LISA GERRARD + BRENDAN PERRY (DEAD CAN DANCE) Special

Seit 1981, als sich Brendan Perry und Lisa Gerrard im fernen Australien unter dem Namen Dead Can Dance firmierten und sich damit in die Nähe von ähnlich lautenden Bands wie Death In June, Play Dead oder Christian Death begaben, haftet ihnen das dunkel-mystische Etikett der Gothic-Szene an. Dabei hat sich das ausdrucksstarke Duo stets eindeutigen musikalischen Kategorien entzogen und munter zwischen Wave-, Mittelalter-, Neoklassik- und World-Music-Elementen seine eigene Nische gefunden und über die Jahre mit Meisterwerken wie „Within The Realm Of A Dying Sun“, „Aion“ und „Into The Labyrinth“ perfektioniert.

Mit dem Ende ihrer Liebesbeziehung ging die Band nach dem 96er Album „Spiritchaser“ auseinander. Das seit einigen Wochen erhältliche Comeback-Album „Anastasis“ kam für Fans und Kritiker überaus überraschend. Lisa Gerrard hat sich nach der Auflösung der Band eine erfolgreiche Solo-Karriere aufgebaut, die durch ihre Teilnahme an dem populären „Gladiator“-Soundtrack mit Hans Zimmer einen enormen Popularitätsschub erhielt. Zusammen mit Musikern wie Jeff Rona („A Thousand Roads“), Pieter Bourke („Ali“, „The Insider“), Cye Wood (“The Trail Of Genghis Khan”) und aktuell Marcello De Francisci (“Insight”, “Oranges And Sunshine”, “Samsara”) machte sie sich einen Namen in der Independent-Filmmusikszene und veröffentlichte – ebenfalls meist unter Mithilfe von Künstlern wie Patrick Cassidy, Pieter Bourke und De Francisci – diverse Soloalben, die allerdings selten die Qualität der ausgefeilten und berührenden Dead-Can-Dance-Werke erreichten. Das gelang Brendan Perry mit seinen gerade mal zwei Soloalben „The Eye Of The Hunter“ (1999) und „Ark“ (2011) schon wesentlich besser.
Allerdings blieb unverkennbar, dass die Genialität beider Musiker nur gemeinsam zur vollen Blüte geraten kann. Insofern war die Dead-Can-Dance-Tour im Jahre 2005 schon ein Schritt in die Richtung, die nun mit dem neuen Album „Anastasis“ endlich wieder in neuem Material mündete. Die acht Songs klingen ganz wie die vertrauten Dead Can Dance, wirken aber bei aller kompositorischer Güte ungewöhnlich glatt produziert, wie man es bereits auf dem elektronisch inszenierten „Ark“-Album von Brendan Perry wahrnehmen konnte.
„Spätestens seit dem Einsatz mittelalterlicher Instrumente auf ihrem dritten Album 'Within The Realm Of A Dying Sun' (1987) machte das Duo aus Brendan Perry und Lisa Gerrard Weltmusik avant la lettre. Daneben inspirierten sie den Neoklassik-Aufschwung, und mit Gerrards glossolalisch-sinntransgredierendem Altgesang erfand man das Heavenly-Voices-Genre, das freilich zügig zum Sammelbecken für gefühligversäuselten Ethnokitsch mutierte“, schreibt Thomas Hübener in seiner Rezension auf spex.de und beschreibt das neue Album wie folgt: „Statisch und dynamisch zugleich wälzen sich kräftige Streicher, fast schon wagnernde Dissonanzbläser sowie ein ungeheuer körperliches Schlagwerk einen reinigenden Pilgerweg entlang. Der Seelenaufschwung wird gebremst durch eine Erdenschwere, die man zuletzt ganz am Beginn ihrer Laufbahn hörte.
Gerrards Klosterschwesterchoräle gleichen dem durch tiefe Nachtschwärze brechenden Mondstrahl, Perrys Trauerrednerbariton brummt wie gehabt voller nachrufhafter Versöhnlichkeit. Um die Welt, in der wir leben, mit ihren Supermärkten, Like-Buttons und Aufreißlaschen, geht es natürlich wieder mal nicht, dafür um Wiedergeburt, Erinnerung, den Weltgeist – die platonischen big issues eben. Das ist halt der Deal. Man hat sich aber noch nie so gern auf ihn eingelassen wie bei ‚Anastasis‘.“ Daneben gibt es auch neue Soundtracks zu hören: Die neu veröffentlichte Deluxe-Version des Soundtracks zu Ron Frickes „Baraka“ enthält den Dead-Can-Dance-Klassiker „The Host Of Seraphim“, zu Frickes neuen Film „Samsara“ komponierten sowohl Michael Stearns („Baraka“) als auch Lisa Gerrard mit Marcello De Francisci die Musik. Der nonverbale Film wurde in über zwanzig Ländern auf allen fünf Kontinenten gedreht und präsentiert eine „geführte Meditation“ über den Kreislauf des Lebens, von der Geburt bis zum Tod.
Gedreht in über zwanzig Ländern auf allen fünf Kontinenten, begleiten wir Fricke, der seine Karriere als Kameramann für den Klassiker „Koyaanisqatsi“ (1982) begann und so gleich das Vorbild für seine eigene Arbeit geliefert bekam, auf eine „geführte Meditation“ über den Kreislauf des Lebens, von der Geburt bis zum Tod. Die hypnotischen und atemberaubend schönen Aufnahmen wurden auf 70mm gedreht. Die Dreharbeiten dauerten mehr als fünf Jahre und führten das Team an außergewöhnliche und magische Orte auf der ganzen Welt.
„Eigentlich ist ein solches Unterfangen zum Ethno-Kitsch verdammt. Und tatsächlich scheint der Film in eine fatale Schieflage zu geraten, wenn zu Beginn opulente Naturaufnahmen übergehen in dramatisch beleuchtete Kirchen-Innenräume. Doch ‚Samsara‘ erstarrt keinesfalls in sakraler Ehrfurcht. Schon bald schleichen sich düstere Zwischentöne ein. So steht inmitten der Kirche auch der aufgebahrte, einbalsamierte Leichnam eines Kindes. Tod und Vergehen nehmen langsam immer mehr Platz ein und werden zu einer festen Größe im Bedeutungsraum von ‚Samsara‘. Bald verlässt der Film die archaische Natur ganz und zeigt in langen, beeindruckenden Zeitraffer-Sequenzen den Irrsinn der modernen Zivilisation und ihrer Produktionsprozesse. Maschinen scheinen das Leben zu verschlingen: zerlegen Schweine, köpfen Hühner, melken Kühe in einer unaufhörlich sich drehenden Anlage. Menschen stehen an Fließbändern, bauen Autos, Computer, Sexpuppen, Waffen und werden uniformer Bestandteil eines scheinbar unaufhaltsamen Prozesses. Das Rad des Lebens, hier rast es in unkontrollierbarer Geschwindigkeit dahin. ‚Samsara‘ verdichtet die Arbeitswelten moderner Gesellschaften in einer Eindringlichkeit, die ‚Metropolis‘ und ‚Moderne Zeiten‘ nur erahnen konnten“, fasst Oliver Kaever in seiner Rezension auf programmkino.de zusammen.
„Dass ‚Samsara‘ aber mehr zu bieten hat als Schauwerte, ist nicht den Bildern, sondern ihrer Montage zu verdanken – zumindest dann, wenn die Filmemacher, wie Eingangs beschrieben, assoziativ arbeiten und Bedeutung nicht erzwingen wollen. Das gelingt ihnen nicht immer. Wenn Fleischproduktion und Fettleibigkeit verschränkt werden, wirkt der zivilisationskritische Ansatz zu platt. Meist aber widerstehen Fricke und Magidson solcher Direktheit und erschaffen ein genuin filmisches Universum, das nicht mit Sprache erklärt oder wiedergegeben werden kann. Eine dunkle Magie geht von diesem Film aus, die das Leben in seiner ganzen schrecklichen Schönheit zeigt.“

Playlist:
1 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Modern Life (Samsara) - 06:07
2 Dead Can Dance - The Host Of Seraphim (Baraka) - 06:17
3 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - It's Been A Long Time (Insight) - 03:06
4 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Let The Rest Go (Oranges And Sunshine) - 04:52
5 Dead Can Dance - Anabasis (Anastasis) - 06:51
6 Lisa Gerrard - The Messenger (Black Opal) - 05:05
7 Brendan Perry - Babylon (Ark) - 06:10
8 Dead Can Dance - Amnesia (Anastasis) - 06:38
9 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - In The Beginning Was The Word (Departum) - 03:47
10 Lisa Gerrard + Michael Edwards - The Path Ahead (Ichi) - 04:15
11 Brendan Perry - Utopia (Ark) - 05:58
12 Brendan Perry - Voyage Of Bran (Eye Of The Hunter) - 05:33
13 Dead Can Dance - Opium (Anastasis) - 05:46
14 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Diary For The Fallen (Departum) - 04:28
15 Lisa Gerrard - Desert Song (Black Opal) - 04:32
16 Lisa Gerrard - Black Forest (Black Opal) - 04:41
17 Dead Can Dance - Return Of The She-King (Anastasis) - 07:52
18 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Food Chain (Samsara) - 04:05
19 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Let The Children Play (Departum) – 04:14
20 Brendan Perry - Wintersun (Ark) - 06:03
21 Lisa Gerrard – Tell It From The Mountain (Black Opal) – 04:36
22 Lisa Gerrard + Marcello De Francisci - Geisha (Samsara) - 04:31
23 Brendan Perry - Crescent (Ark) - 09:34

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