Sonntag, 30. Januar 2011

Playlist # 51 vom 30.01.11 - MATT DAMON Special

Matt Damon, der am 8. Oktober 1970 bei Cambridge, Massachusetts, geborene Schauspieler, wurde nicht nur 2007 vom People Magazine zum “Sexiest Man Alive” gekürt, sondern zählt seit den 90er Jahren zu den am höchsten gehandelten Schauspielern in Hollywood und ist derzeit in Clint Eastwoods Mystery-Thriller „Hereafter“ zu sehen. Als in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsener Sohn des Börsenmaklers Kent Telfer Damon und der Erziehungswissenschaftlerin Nancy Carlsson Paige lebte Damon nach deren Scheidung mit seiner Mutter und seinem Bruder Kyle in Cambridge – in unmittelbarer Nähe seines entfernten Cousins und engen Freundes Ben Affleck, mit dem er immer wieder gemeinsam an Filmen arbeitete.

© by Nicolas Genin
1988 machte Damon seinen Abschluss an der Cambridge Rindge and Latin School, wo er immer wieder in verschiedenen Theatergruppen spielte. Zwar studierte er von 1988 bis 1992 in Harvard Englisch, machte aber nie einen Abschluss, sondern widmete sich verstärkt der Schauspielerei. Nach einem ersten Auftritt in „Mystic Pizza“ mit Julia Roberts (1988) wurde man in Hollywood auf Damon aufmerksam, als er mit einer Nebenrolle in Walter Hills „Geronimo“ (1993) überzeugte. Damon zog nach Los Angeles und schaffte mit Edward Zwicks Kriegsdrama „Mut zur Wahrheit“ 1996 – fast - den Durchbruch als Schauspieler. In der Zwischenzeit lief es allerdings nicht so gut für Damon. Statt der durch „Geronimo“ erhofften Aufträge schnappte ihm Leonardo DiCaprio die Rolle in Sam Raimis „Schneller als der Tod“ weg, Joaquin Phoenix seinen Part in Gus Van Sants „To Die For“ und Edward Norton die Rolle in „Zwielicht“. Stattdessen arbeitete er mit seinem Freund Ben Affleck an dem Drehbuch zu „Good Will Hunting“, für das sich jedoch niemand zu interessieren schien. Matt Damon beobachtete, wie sein Freund Matthew McConnaughey in John Grishams „A Time To Kill“ durchstartete, und klapperte alle Grisham-Verfilmungen ab, die gerade im Umlauf waren, und hatte Glück: Er bekam die Hauptrolle in Francis Ford Coppolas Adaption von Grishams Bestseller „Der Regenmacher“. Um sich den Südstaaten-Akzent für die Rolle anzueignen, arbeitete er in Knoxville, Tennessee, für umsonst in einer Bar und heuerte einen der Kunden sogar als Stimm-Trainer an. Nach dem Erfolg von „Der Regenmacher“ war Miramax bereit, Affleck und Damon 500.000 Dollar für „Good Will Hunting“ zu zahlen.

Das Beste daran war, dass nicht nur Gus Van Sant („Drugstore Cowboy“) als Regisseur, Danny Elfman als Komponist und Robin Williams als Hauptdarsteller gewonnen werden konnten, sondern dass Damon und Affleck selbst ihre Wunschrollen verkörpern durften. Was allerdings niemand erwartete, war 1998 die Nominierung für sieben Oscars. Es wurden dann nur zwei, aber die beiden Freunde durften sich eine Trophäe für ihr Drehbuch teilen, den anderen erhielt Robin Williams als bester Nebendarsteller. Dann engagierte Steven Spielberg Matt Damon für eine Hauptrolle in seinem Kriegsdrama „Saving Private Ryan“ – wo er den Soldaten Ryan spielte, der von Tom Hanks gerettet wurde. Ebenfalls 1998 wirkte er in John Dahls Poker-Drama „Rounders“ mit, wo er mit seiner früheren Nemesis Edward Norton die Hauptrollen besetzte und die Spitze der US-Kinocharts eroberte.
Auch privat lief es für Damon blendend. Nach einer kurzen Affäre mit seiner „Good Will Hunting“-Freundin Minnie Driver ging er eine Beziehung mit Winona Ryder ein, die er nach zwei Jahren ausgerechnet an Mark Wahlberg verlor, auf dessen Street-Credibility Damon ohnehin schon eifersüchtig gewesen war. Daraufhin liierte er sich mit Ben Afflecks Assistentin Odessa Whitmire und spielte erfolgreich die Hauptrolle in Billy Bob Thorntons Verfilmung von Cormac McCarthys Bestseller „All die schönen Pferde“, wo er einen jungen Mann darstellte, der in Mexiko ein besseres Leben suchte und dort Liebe und tödliche Gefahr fand.

Die nächste einträchtige Hauptrolle hatte Damon als mysteriöser Thomas Ripley in der Patricia-Highsmith-Verfilmung ihres Klassikers „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Jude Law und Gwyneth Paltrow in den weiteren Hauptrollen, dann in Robert Redfords Golf-Drama „Die Legende von Bagger Vance“.
Im Jahre 2001 trat er neben Brad Pitt, George Clooney, Andy Garcia und Julia Roberts in Steven Soderberghs Star-besetzten Remake von „Ocean’s Eleven“ auf, übernahm Sprechrollen in „The Majestic“ und „Spirit: Stallion Of The Cimarron“, ehe er nach „Good Will Hunting“ mal wieder für Gus Van Sant vor der Kamera stand, diesmal in dem Independent-Film „Gerry“, wo er mit Casey Affleck in der Wüste herumirrte. Zum endgültigen Superstar wurde er schließlich durch die „Bourne“-Trilogie.
Mit der körperlich herausfordernden Hauptrolle in der Verfilmung von Robert Ludlums Agenten-Thriller „Die Bourne-Identität“ verdiente Damon zehn Millionen Dollar. Nachdem das furios inszenierte Action-Spektakel, in dem Damon den CIA-Agenten Jason Bourne darstellte, der ohne jegliche Erinnerung angeschossen aus dem Meer gefischt wird und feststellen darf, dass er über ausgezeichnete Sprach- und Kampffähigkeiten verfügt, beim Einspielergebnis locker die 100-Millionen-Dolar-Grenze nahm, wurden gleich zwei Sequels geplant. Doch in der Zwischenzeit übernahm er eine Rolle in George Clooneys Regiedebüt „Confessions Of A Dangerous Mind“, ehe er mit Greg Kinnear in der Komödie „Unzertrennlich“ ein siamesisches Zwillingspaar mimt, das bei einer TV-Show groß rauskommt. Mit dem zweiten Bourne-Film „Die Bourne-Verschwörung“ wurde der Erfolg von „Die Bourne-Identität“ sogar locker getoppt. 176 Millionen Dollar spielte die Jagd von Jason Bourne auf seine von der CIA angeheuerten Attentäter allein in den USA ein. Aufgrund dieses Erfolgs bat Damon die Produzenten seines nächsten Films, dem Nachfolger von „Ocean’s Eleven“, seinen Part zu kürzen, doch diese planten eher Damons Rolle als Linus Caldwell zu vergrößern.
Nach der Trennung von Odessa Whitmire und einer kurzen Beziehung mit Eva Mendes schwor sich Damon, nie wieder etwas mit einer Kollegin anzufangen, und verliebte sich in die argentinische Innenarchitektin Luciana Barroso, die er 2005 auch heiratete.
Zusammen mit Heath Ledger spielte Damon in Terry Gilliams immer wieder verschobenen Film „The Brothers Grimm“, die gegen eine echte Hexe (Monica Bellucci) kämpfen mussten. In Martin Scorseses „The Departed“, einem Remake des asiatischen Thrillers „Infernal Affairs“, agierte Matt Damon zusammen mit Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio und seinem verhassten Kollegen Mark Wahlberg. Es folgte die Hauptrolle in Robert De Niros „Der gute Hirte“, wo er den Studenten Edward Wilson spielte, der von der Vorläuferorganisation der CIA angeheuert wird und schnell lernt, seine Gefühle und moralischen Impulse zu unterdrücken, was die Beziehung zu seiner von Angelina Jolie gespielten Frau nicht erleichtert.
Wie bereits drei Jahre zuvor kamen auch 2007 die nächsten Sequels der höchst erfolgreichen „Ocean’s“- und „Bourne“-Reihen in die Kinos. Allerdings könnten die Rollen in Soderberghs „Ocean’s 13“ und Paul Greengrass‘ „The Bourne Ultimatum“ nicht unterschiedlicher sein. Während er als Linus Caldwell sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen durfte, musste Matt Damon als Jason Bourne wieder alle Register eines Top-Agenten ziehen, um seinem „Macher“ gegenüberzutreten.

In Soderberghs „The Informant!“ mimt Damon einen hochrangigen Industriemanager, der dem FBI erzählen muss, dass sein Unternehmen an internationalen Preisabsprachen beteiligt ist.
In Clint Eastwoods „Invictus“ tritt er als südafrikanischer Rugby-Kapitän auf, der von Nelson Mandela angeheuert wird, die Nation zu vereinen.
Im vergangenen Jahr stand Matt Damon wieder für Paul Greengrass vor der Kamera, wo er im Polit-Thriller „Green Zone“ eine Verschwörung im Irak aufzudecken versucht. In Clint Eastwoods „Hereafter“ spielt Matt Damon ein Medium, das mit den Toten kommunizieren soll, es aber lieber vermeiden würde, es zu tun. Und schließlich ist er in dem neuen Coen-Film „True Grit“ zu sehen. Auf weitere Filme mit dem sympathischen Top-Star darf man gespannt sein.
Die Soundtracks zu seinen Filmen sind dabei ebenso vielseitig wie die Rollen, in die Matt Damon mühelos zu schlüpfen scheint. Da sind die patriotischen Scores von James Horner („Courage Under Fire“) und John Williams („Saving Private Ryan“), der südstaatliche Score von Elmer Bernstein zu „Der Regenmacher“ und die gefühlvollen, melodischen Arbeiten von Rachel Portman („Die Legende von Bagger Vance“) und Danny Elfman („Good Will Hunting“) auf der einen Seite zu nennen, die rhyhthmisch-pulsierenden (John Powells Adrenalin-geschwängerten Scores zur „Bourne“-Reihe), lässig-groovenden (David Holmes‘ Soundtracks zu Soderberghs „Ocean’s“-Trilogie und Christopher Youngs „Rounders“) und die exotisch angehauchten Scores von Kyle Eastwood/Michael Stevens („Invictus“) und Alexandre Desplat („Syriana“) auf der anderen.

Filmographie:
1988: Pizza Pizza – Ein Stück vom Himmel (Mystic Pizza)
1990: Aufbruch der Söhne (Rising Son)
1992: Der Außenseiter (School Ties)
1993: Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend)
1996: Mut zur Wahrheit (Courage Under Fire)
1997: Chasing Amy
1997: Der Regenmacher (The Rainmaker)
1997: Good Will Hunting
1998: Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan)
1998: Rounders
1999: Dogma
1999: Der talentierte Mr. Ripley (The Talented Mr. Ripley)
2000: Titan A.E.
2000: Forrester – Gefunden! (Finding Forrester)
2000: Die Legende von Bagger Vance (The Legend of Bagger Vance)
2000: All die schönen Pferde (All the Pretty Horses)
2001: Jay & Silent Bob schlagen zurück (Jay and Silent Bob Strike Back) (Cameo-Auftritt)
2001: Ocean’s Eleven
2002: Hilfe, ich habe ein Date! (The Third Wheel)
2002: Gerry
2002: Die Bourne Identität (The Bourne Identity)
2002: Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (Confessions of a Dangerous Mind) (Cameo-Auftritt)
2003: Unzertrennlich (Stuck on You)
2004: Eurotrip (Cameo-Auftritt)
2004: Die Bourne Verschwörung (The Bourne Supremacy)
2004: Ocean’s Twelve
2004: Jersey Girl (Cameo-Auftritt)
2005: Brothers Grimm (The Brothers Grimm)
2005: Syriana
2006: Departed – Unter Feinden (The Departed)
2006: Der gute Hirte (The Good Shepherd )
2007: Das Bourne Ultimatum (The Bourne Ultimatum)
2007: Ocean’s Thirteen
2007: Jugend ohne Jugend (kurze Gastrolle)
2008: Che – Guerrilla (Cameo-Auftritt)
2009: Der Informant! (The Informant!)
2009: Entourage (kurze Gastrolle)
2009: Invictus – Unbezwungen (Invictus)
2010: Green Zone
2010: Hereafter
2010: 30 Rock
2010: True Grit
Playlist:
1 James Horner - Night Mutiny (Courage Under Fire) - 02:58
2 John Williams - Finding Private Ryan (Saving Private Ryan) - 04:37
3 Danny Elfman - Will Hunting (Good Will Hunting) - 02:41
4 Christopher Young - Rounders (Rounders) - 03:47
5 David Holmes - Tess (Ocean's Eleven) - 03:21
6 Dario Marianelli - Sleeping Beauties (Brothers Grimm) - 03:50
7 Gabriel Yared - Crazy Tom (The Talented Mr. Ripley) - 04:48
8 Rachel Portman - The Day Of The Match Dawns (The Legend Of Bagger Vance) - 03:07
9 Alexandre Desplat - The Commute (Syriana) - 04:21
10 Kyle Eastwood & Michael Stevens - To Conquer (Invictus) - 02:31
11 Marcelo Zarvos & Bruce Fowler - Miriam (The Good Shepherd) - 04:16
12 John Powell - Traffic Jam (Green Zone) - 02:59
13 John Powell - The Drop (The Bourne Supremacy) - 03:42
14 Clint Eastwood - End Titles (Hereafter) - 06:10

Sonntag, 16. Januar 2011

Playlist # 50 vom 16.01.11 - DARREN ARONOFSKY Special

Der am 12. Februar 1969 im New Yorker Brooklyn geborene Drehbuchautor und Regisseur Darren Aronofsky, der gerade seinen neuen Film „Black Swan“ in den Kinos präsentiert, zählt derzeit neben Regisseuren wie David Fincher und Spike Jonze zu den interessantesten Filmemachern, die die Branche zu bieten hat. Nachdem er 1991 in Harvard sein Studium der Anthropologie, in Film und Animation mit Auszeichnung absolviert hatte, besuchte Aronofsky das American Film Institute und inszenierte seine ersten drei Kurzfilme „Supermarket Sweep“, „ Fortune Cookie" (beide 1991) und „Protozoa“ (1993), bevor er 1996 anfing, an seinem ersten Langfilm „Pi“ zu arbeiten.

Der 1998 beim Sundance Film Festival ausgezeichnete metaphysische Thriller „verknüpfte Elemente der Chaostheorie, abgehobene Mathematik, die Kabbala und paranoide Verschwörungsfantasien zu einer alle Vorstellungen sprengenden Filmerzählung über ein in seiner New Yorker Wohnung verschanztes, zahlenbesessenes Genie auf seiner Suche nach der mathematischen Formel für das Universum“, so Andrew Bailey in seinem Portrait des fantasiebegabten wie kopflastigen Filmemachers in „Cinema Now“ (Taschen, S. 66).

Für den vitalen elektronischen Soundtrack zeichnete nicht nur der ehemalige Pop-Will-Eat-Itself-Frontmann und Songwriter Clint Mansell mit seiner ersten Musik für einen Film verantwortlich, auch progressive Electro-Acts wie Orbital, Massive Attack, Autechre und Aphex Twin untermalten die gänzlich in Schwarz-Weiß festgehaltene Paranoia, den nervenaufreibenden halluzinativen Trip des Mathematik-Genies Max Cohen perfekt.
Ähnlich verstörend kam 2000 auch „Requiem For A Dream“ daher, eine ungeschönte Psycho-Studie über drogenabhängige junge Leute, die immer tiefer in den Sog aus Sucht und Verzweiflung geraten. Mit außergewöhnlich eingesetzten Stilmitteln wie Split-Screens, Zeitraffer, schnellen Schnittfolgen und der hypnotischen wie verstörenden Musik von Clint Mansells, die dieser mit dem Kronos-Quartett eingespielt hat, inszenierte Aronofsky Hubert Selbys 1978 veröffentlichtes Buch als qualvolles Anti-Sucht-Drama, das kein Happy End erlaubt.
Erst 2006 präsentierte Aranofsky seinen nächsten Film „The Fountain“. „Die Suche nach dem Sinn des Lebens und der Fortexistenz nach dem Tod ist Thema des auf drei Zeitebenen spielenden Films. Ausgehend von den fieberhaften Bemühungen eines Onkologen, den Wettlauf gegen den Tod seiner geliebten Frau zu gewinnen, entdeckt der Film Parallelen in den Mythen und Philosophien anderer Zeiten und Kulturkreise, bis hin zu einer 500 Jahre in der Zukunft angesiedelten Vision von der Vollendung des Lebens im ewigen Kreislauf des Kosmos“, fasst das Lexikon des Internationalen Films 2007 zusammen und befindet: „Ein komplexer, bildstarker Versuch, das menschheitsbewegende Thema durch die Allegorien und Symmetrien der ineinander verwobenen drei Geschichten auf sehr individuelle Weise für ein an Fantasy-Filmen geschultes Publikum aufzubereiten.“ (S. 419)

„Kein Wunder, dass der Film mit ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ (1968) verglichen wurde. Die überwältigende Kameraführung von Matthew Libatique und eine Filmmusik, die das Kronos Quartet und Clint Mansell zusammenführt, trugen das ihre dazu bei, dass der Schöpfer von ‚Pi‘ seinen Status als visionärer Lieferant anspruchsvoller filmischer Kopftrips festigen konnte.“ (Cinema Now, S. 66)
Im Gegensatz zum philosophisch-prätentiösen „The Fountain“, aber auch Aronofskys vorangegangenen Werken, die durch ihre prachtvolle Ästhetik berauschten, traten 2008 bei „The Wrestler“ das audio-visuelle Element vollkommen in den Hintergrund, um die unaufgeregte Geschichte eines abgehalfterten Wrestlers (Mickey Rourke) möglichst einfühlsam wie schnörkellos zu erzählen, wobei die Kamera immer bei Mickey Rourke bleibt und seine Geschichte auf fast dokumentarische Weise einfängt.
Laut Aronofsky stellt sein neuer Film „Black Swan“ eine Art Pendant zu „The Wrestler“ dar. Begrub dieser jegliche Illusion über den Show-Kampfsport, zeigt „Black Swan“ nun die Schattenseiten des filigranen Balletts auf. Es ist eine doppelbödige Version von Tschaikowskis berühmtem „Schwanensee“, dessen Musik Clint Mansell für den „Black Swan“-Score aufgegriffen hat. In der ursprünglichen Geschichte wird eine Prinzessin in einen weißen Schwan verwandelt und kann nur durch die Liebe eines Prinzen ihre Freiheit zurückerlangen. Doch ihr düsteres Ebenbild, der schwarze Schwan, verführt den Prinzen … Dieses märchenhafte Element hat Aronofsky durch Mystery-Thriller-Elemente umzusetzen versucht, die dem Drama seine Spannung verleihen. Natürlich gibt es wundervolle Ballettszenen zu bewundern, die Aronofsky auf gewohnt virtuose Weise in Szene gesetzt hat, aber schonungslos rücken auch die geschundenen, blutenden Füße ins Bild.

„Seit Roman Polanskis ‚Repulsion‘ ('Ekel', 1965) hat man wohl keine so dichte und beklemmende Studie einer von Ängsten in die Psychose getriebenen jungen Frau gesehen. Die Ballerina Nina – eine Oscar-reife Leistung von Natalie Portman – strebt nach Perfektion und der Hauptrolle in ‚Schwanensee‘ und verliert sich immer mehr in Zwangsvorstellungen“, stellt Susanne Ostwald in der Neuen Züricher Zeitung fest. „Zwar bedient Aronofsky sich einiger recht vordergründiger Spannungseffekte, und auch die Spiegel-Symbolik sowie die Metapher vom guten und bösen Schwan sind recht plakativ. Doch als Mittel zum Zweck funktionieren sie ausgezeichnet, denn sein Film entwickelt einen Sog, dem man sich unmöglich entziehen kann.“

Filmographie:
1991: Supermarket Sweep (Kurzfilm)
1991: Fortune Cookie (Kurzfilm)
1993: Protozoa (Kurzfilm)
1998: Pi
2000: Requiem for a Dream
2006: The Fountain
2008: The Wrestler
2010: Black Swan
2011: The Wolverine

Playlist:
1 Clint Mansell - Cruel Mistress (Black Swan) - 03:29
2 Clint Mansell - We Got The Gun (Pi) - 04:49
3 Gus Gus - Anthem (Pi) - 04:52
4 Clint Mansell - Aeternal [Remix by Andy Gray & Paul Oakenfold] (Requiem For A Dream Remixed) - 06:50
5 David Holmes - No Man's Land (Pi) - 06:18
6 Clint Mansell feat. The Kronos Quartet - Hope Ouverture (Requiem For A Dream) - 02:34
7 Clint Mansell - Deluxed [Remix by Delerium] (Requiem For A Dream Remixed) - 07:20
8 Clint Mansell feat. The Kronos Quartet - Lux Aeterna (Requiem For A Dream) - 03:54
9 Clint Mansell feat. The Kronos Quartet & Mogwai - Tree Of Live (The Fountain) - 03:45
10 Clint Mansell feat. Slash - Glory Be (The Wrestler) - 02:00
11 Clint Mansell - A Swan Song (Black Swan) - 06:22

Sonntag, 2. Januar 2011

Playlist # 49 vom 02.01.11 - PATRICK DOYLE Special

Patrick Doyle ist ein eindrucksvollste Beispiel für die rasante Karriere eines Soundtrackkomponisten gewesen, dessen Marktwert mit jedem Film, den er mit einem ebenfalls aufstrebenden Regisseur macht, steigt. Ähnlich wie sich Howard Shore mit David Cronenberg oder Danny Elfman mit Tim Burton in die erste Liga der Hollywood-Komponisten katapultiert haben, ist es vor allem dem Multi-Talent Kenneth Branagh („Frankenstein“) zu verdanken, dass Doyle auch außerhalb der britischen Grenzen sehr gefragt gewesen ist.

Doyles musikalischer Hintergrund ist dabei – ebenso wie bei so vielen der jüngeren Filmmusikkomponisten -äußerst ungewöhnlich. Der am 6. April 1953 im schottischen Uddingston geborene Doyle beendete sein Studium an der Royal Scottish Academy of Music and Drama 1974, wo er Piano und Gesang studierte, war aber bereits vorher als Musiker und Schauspieler tätig. Nachdem er 1978 seinen ersten Score geschrieben hatte, komponierte er die Musik für unzählige Radio-, Fernseh- und Theaterproduktionen. 1987 stieß Doyle zur Renaissance Theatre Company und arbeitete dort als Komponist und Musikregisseur. Unter der Regie von Derek Jacobi, Geraldine Mc Ewan und Judi Dench schrieb er die Scores zu den Theaterproduktionen von „Hamlet“, „As You Like It“ und „Much Ado About Nothing“. Mit „King Lear“ und „A Midsummer Night´s Dream“ ging die Renaissance Theatre Company auf Welttournee. Schließlich beauftragte Kenneth Branagh Patrick Doyle, den Score für sein Film-Debüt „Henry V.“ zu schreiben.
„Wir haben uns durch einen gemeinsamen Freund, John Sessions, kennengelernt, mit dem ich in den vorangegangenen Jahren zusammen gespielt habe“, erinnert sich Doyle an das erste Zusammentreffen mit Branagh. „Als John eines Tages mit Kenneth sprach, suchte dieser gerade einen Komponisten für seine nächste Theaterproduktion 'Twelfth Night', und John sprach von mir, dass ich sowohl schauspielerte als auch komponierte. Kenneth ließ John mich fragen, ob ich daran interessiert sei, die Musik für 'Twelfth Night' zu schreiben. So kamen wir zusammen. Nach 'Twelfth Night' ging ich mit 'Hamlet' auf Tour durch Großbritannien. Am Ende der Tour erfuhr ich, dass Kenneth 'Henry V.' verfilmen wollte. Ich fragte ihn, ob ich die Gelegenheit bekommen könnte, die Musik für den Film zu schreiben, obwohl ich noch nie für einen Film gearbeitet habe. Aber es war auch Kenneth' erster Film und eine große Herausforderung für uns beide, das Projekt anzugehen. Ich hatte keine Ahnung von all den technischen Dingen, die mit dem Musikprozess zusammenhängen. Ich verbrachte jeden Tag Stunden über Stunden damit, die Regieanweisungen mit Hilfe des Computers mit der Musik in Übereinstimmung zu bringen.“
Um Shakespeares Drama einem größeren Publikum nahezubringen, versuchte Branagh, eine moderne Sichtweise des Stückes herauszuarbeiten, eine Studie über das englische Klassensystem, den Krieg, die Rolle von Mann und Frau und Macht zu realisieren. Insofern wies er Doyle an, die Musik einer modernen Interpretation anzupassen.
„Ich verlangte keine authentischen mittelalterlichen Klänge. Der Score musste aus unserer Zeit stammen, auf klassische Weise reich in den Tönen, aber unmittelbar zugänglich. Eine von Pats großen Gaben ist die der Melodie, und ich wollte für jede Melodie eine Wirkung.
Die großen Bühnenbild-Stücke benötigten ein Underscoring, das genauso kraftvoll und direkt war wie die Worte an sich“, schrieb Branagh in den Liner Notes zu „Henry V.“, setzte mit diesem Statement aber zugleich Maßstäbe für seine zukünftigen Kollaborationen mit Doyle - „Viel Lärm um Nichts“, „Schatten der Vergangenheit“ und „Frankenstein“.
„Kenneth hat eine sehr genaue Vorstellung davon, welche wichtigen Eigenschaften der Score aufweisen muss. Er liebt melodiöse Scores mit sehr ausgeprägten Themen“, meint Doyle. „Bei 'Frankenstein' gab es z.B. Musik für eine Ballraumszene und die Flöte, die der alte Mann und die Kreatur spielten. Dafür mussten Songs eingespielt werden, und die Musik zur Ballraumszene wurde dann das Liebesthema des Films. Kenneth hat genaue Vorstellungen, wie Musik an bestimmten Punkten der Geschichte einzusetzen ist.“
Nach dem überraschenden Erfolg von Branaghs „Henry V.“-Verfilmung 1991 ließen weitere Engagements nicht lange auf sich warten. Doyle komponierte den voluminösen Score zum Walt-Disney-Abenteuer „Shipwrecked“, bevor im selben Jahr Branagh für Paramount die Sydney-Pollack-Produktion „Dead Again“ („Schatten der Vergangenheit“) realisierte - natürlich mit Doyle als Komponisten.
1992 schrieb Doyle die Musik für den Oscar-prämierten Film „Indochine“ von Regis Wargnier, für „Into The West“ von Mike Newell und die Renaissance-Theatre/BBC-Radio-3-Co-Produktionen von „Hamlet“ und „Romeo and Juliet“, ehe er ein Jahr später wieder mit Kenneth Branagh zusammenkam, um in der Toskana das Shakespeare-Stück „Much Ado About Nothing“ („Viel Lärm um Nichts“), diesmal mit solchen Stars wie Branaghs Ehefrau Emma Thompson, Michael Keaton, Denzel Washington und Keanu Reeves zu drehen.
„Es war ein großer Spaß. Ich bin vorher nie in Italien gewesen. Dort sind mir die meisten meiner musikalischen Ideen gekommen. Einige Melodien wurden dort auch geschrieben und von den Schauspielern eingesungen, wenn wir bei den späteren Aufnahmen in London auch andere Stimmen verwendeten. Das Liebesthema für 'Dead Again', das verworfen wurde, schrieb ich für 'Sigh No More Ladie'´ um.“
Spätestens mit diesem Erfolg wurde sowohl Branagh als auch Doyle der Weg nach Hollywood geebnet. Zunächst wurde Doyle von Frazer Heston für die Castle-Rock-Produktion einer der besseren Verfilmungen eines Stephen-King-Bestsellers engagiert: „Needful Things“ begeistert vor allem durch seine pompösen Chöre, die ein wenig an Jerry Goldsmiths bravouröse „Omen“-Trilogie erinnern. Schließlich wurde der gefragte Komponist für das Mafia-Epos „Carlito's Way“ von Brian de Palma rekrutiert.
„Es ist eine schöne Sache, mit vielen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich liebe die Zusammenarbeit mit Kenneth Branagh, und wir werden sicher weitermachen. Aber er weiß genauso gut, wie hilfreich es ist, mit anderen Schauspielern zu arbeiten, wie ich weiß, dass es nützlich ist, mit anderen Regisseuren zusammenzuarbeiten. Es ist sehr verdienstvoll, mit anderen Stilen konfrontiert zu werden, andere Arbeitsweisen kennenzulernen.
Ich genieße das sehr. Brian de Palma ist z.B. ein sehr talentierter Regisseur, von dem ich sehr viel gelernt habe. Er hat mir viel darüber erzählt, wie man Musik in einem Film platziert. Aber man lernt von jedem Regisseur. Es ist ein konstanter Lernprozess. Frazer Heston liebte es z.B., Stimmen in dem Score zu haben. Jeder hat seine eigenen Ideen.“
Der bislang größte Erfolg des eingespielten Teams Branagh/Doyle war eine Produktion von Francis Ford Coppola. Nachdem der Maestro sich selbst der Neuverfilmung von „Bram Stoker's Dracula“ angenommen hatte, produzierte er mit „Dracula“-Drehbuchautor James V. Hart „Mary Shelley's Frankenstein“, in dem Kenneth Branagh wieder einmal sowohl als Hauptdarsteller als auch als Regisseur agierte. Ausgestattet mit einem fürstlichen Budget schuf Doyle einmal mehr einen bombastischen, sehr melodiösen Orchesterscore.
„Natürlich hatte ich mehr Möglichkeiten, aber der Film benötigte auch eine große Musik. Der Score ist sehr opernhaft. Wir benutzten z.B. sechs Trompeten. Wenn das Budget vorhanden ist, um solche Sachen zu machen, nutzt man sie natürlich auch aus, wenn sie dem Film dienlich sind. Aber jeder Film benötigt einen anderen Stil, ein anderes Orchester, und man muss sich überlegen, welche die beste Verfahrensweise, welche Gruppe die kleinste und die größte sein soll.“
Wie bei früheren Branagh-Filmen war Doyle auch oft am Set. Schließlich mussten die Tanzsequenzen und das Lied vorher geschrieben und arrangiert werden. Darüber hinaus brachte Doyle Richard Briers (dem blinden Großvater) das Flötenspiel bei und übte mit Helena Bonham Carter am Klavier, trat aber auch selbst in der Festszene als Dirigent des Ballorchesters auf.
Dass Doyle aber nicht nur auf monumentale Scores festgeschrieben ist, bewies er nicht nur mit seinem Jazz angehauchten „Carlito's Way“, sondern auch jüngst mit dem leichtfüßigen Score zu Garry Marshalls Sadomaso-Komödie „Exit To Eden“ und der Musik zu „A Little Princess“. Doch trotz der steigenden Popularität ist es Doyle bislang vergönnt geblieben, mit seiner Familie in England wohnen zu bleiben. „Bislang war ich noch in der Lage, die meiste Zeit in England verbringen zu können. Ich bin für manche Projekte nach Hollywood geflogen, um mich mit dem Regisseur zu treffen, konnte die Musik aber in England schreiben und aufnehmen. Solange ich die Möglichkeit habe, hier zu bleiben, bleibe ich hier. Und sollte ich aus irgendwelchen Gründen nach Hollywood gehen müssen, werde ich auch das tun.“
Im November 1997 wurde bei dem sympathischen Komponisten Leukämie diagnostiziert, doch er erholte sich glücklicherweise von der Krankheit und stellte seine Arbeit für „Große Erwartungen“ und „Quest For Camelot“ fertig. Zu seinen jüngsten populären Werken zählt der vierte „Harry Potter“-Film „Harry Potter und der Feuerkelch“, die Verfilmung des Fantasy-Bestsellers „Eragon“, die Fred-Vargas-Thriller-Adaption von „Saat des Todes“ („Have Mercy On Us All“) und der Familienfilm „Die Insel der Abenteuer“ („Nim’s Island“).

Filmographie:
1989 - Henry V
1990 - Shipwrecked
1991 - Dead Again
1992 - Indochine
1992 - Into the West
1993 - Carlito's Way
1993 - Much Ado About Nothing
1993 - Needful Things
1994 - Mary Shelley's Frankenstein
1994 - Exit to Eden
1995 - A Little Princess
1995 - Sense and Sensibility
1995 - Une femme francaise
1996 - Hamlet
1996 - Mrs. Winterbourne
1997 - Donnie Brasco
1998 - Quest for Camelot
1998 - Great Expectations
1999 - East-West
2000 - Blow Dry
2000 - Love's Labour's Lost
2001 - Bridget Jones' Diary
2002 - Killing Me Softly
2002 - Gosford Park
2003 - Calendar Girls
2003 - Secondhand Lions
2003 - The Galindez File

2004 - Nouvelle-France
2005 - Harry Potter and the Goblet of Fire
2005 - Nanny McPhee
2005 - Jekyll & Hyde
2005 - Man to Man
2005 - Wah-Wah
2006 - Eragon
2006 - As You Like It
2006 - The Last Legion

2007 - Sleuth
2007 - Have Mercy on Us All
2008 - Nim's Island
2008 - Igor

Playlist:
1 Patrick Doyle - Goodnight, Children (Nanny McPhee) - 04:22
2 Patrick Doyle - Opening Title (Henry V) - 03:34
3 Patrick Doyle - Yes I Speak (Mary Shelley's Frankenstein) - 05:39
4 Patrick Doyle - The Headlines (Dead Again) - 03:25
5 Patrick Doyle - The Escape (A Little Princess) - 02:59
6 Patrick Doyle - Finn (Great Expectations) - 02:54
7 Patrick Doyle - The Adoption (Indochine) - 03:50
8 Patrick Doyle - Une Femme Francaise (Une Femme Francaise) - 05:04
9 Patrick Doyle - Carlito And Gail (Carlito's Way) - 04:05
10 Patrick Doyle - Donnie And Lefty (Donnie Brasco) - 04:27
11 Patrick Doyle - Camille (Saat des Todes) - 02:16
12 Patrick Doyle - The Turning Point (Needful Things) - 12:08

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