Sonntag, 15. Januar 2017

Playlist #206 vom 22.01.2017 - NEUHEITEN 2017 (1)

Zu Beginn des Jahres 2017 sind bereits einige interessante neue Soundtracks erschienen, die ich euch gern zusammen mit einigen Highlights des ausgehenden letzten Jahres im Rahmen des ersten Neuheiten-Specials in 2017 vorstellen möchte. Freut euch auf neue Scores von Hans Zimmer, Thomas Newman, Alan Silvestri, Rachel Portman, Max Richter, Marcelo Zarvos und vielen neuen Talenten.

Den Anfang macht eine der mittlerweile längsten Filmemacher/Komponist-Kollaborationen in Hollywood, nämlich die zwischen Regisseur Robert Zemeckis und Komponist Alan Silvestri, die seit dem 1984 produzierten Abenteuerfilm „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ ununterbrochen zusammengearbeitet haben.
Ihr mittlerweile 16. gemeinsam realisiertes Projekt ist die historische Thriller-Romanze „Allied – Vertraute Fremde“, in der Brad Pitt den kanadischen Geheimdienstoffizier Max Vatan spielt, der 1942 in Casablanca die die französische Résistance-Kämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) kennen- und lieben lernt. Nach einer gemeinschaftlich durchgeführten Mission heiratet das Paar sogar. Doch die Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als Max erfährt, dass seine Frau eine Doppelagentin sein soll. Silvestri („The Walk“, „Flight“) schuf dazu eine recht einfach gestrickte Musik mit romantischen Streicherelementen, einigen Percussions und manchmal etwas antiquiert wirkenden Electronics.
Etwas abwechslungsreicher gestaltet sich da der Score von Thomas Newman zu dem Weltraum-Liebes-Drama „Passengers“, das derzeit die deutschen Kinocharts anführt. In dem neuen Film des norwegischen Regisseurs Morten Tyldum („The Imitation Game“, „Jo Nesbø's Headhunters“) begeben sich der Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) und die Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) auf eine Jahrzehnte andauernde Reise zu einer Kolonie auf einem fernen Planeten, werden aber durch eine Fehlfunktion 90 Jahre zu früh geweckt. Abgesehen von der Anziehungskraft zwischen ihnen fragen sie sich, warum sie überhaupt aufgewacht sind …
Thomas Newman („Skyfall“, „The Help“) zählt nach wie vor zu den mit Abstand interessantesten Vertretern seiner Zunft. Mit seiner meist zurückhaltenden Musik zu „Passengers“ findet er zwar wie gewohnt die richtigen Töne, um das Geschehen auf der Leinwand musikalisch zu unterstützen, aber als eigenständiges Hörerlebnis bleibt „Passengers“ doch weit hinter so großartigen Werken wie „Road To Perdition“, „The Green Mile“ oder „American Beauty“ zurück. Nichtsdestotrotz wartet der Soundtrack mit einigen sehr coolen Tracks auf, die den Fan versöhnlich stimmen dürften.
Nach „Gone By Gone – Kein Kinderspiel“ und „The Town – Stadt ohne Gnade“ stellt das Prohibitions-Drama „Live By Night“, das Anfang Februar auch bei uns in den Kinos startet, die dritte Zusammenarbeit zwischen Hauptdarsteller/Regisseur Ben Affleck („Argo“) und Komponist Harry Gregson-Williams dar. Er kreierte ebenso ruhige wie einfühlsame Klänge wie Theodore Shapiro zu David Frankels Drama „Verborgene Schönheit“ mit Will Smith in der Hauptrolle, Marcelo Zarvos zur Showtime-Serie „The Affair“ und zu Denzel Washingtons historischen Drama „Fences“ oder Rachel Portman zu dem BBC-Film „Their Finest“.
Es gibt einige interessante neue Scores von südländischen Europäern wie Pascal Gaigne, Armand Amar, Grégoire Auger, Fernando Velázquez, Nathaniel Méchaly, Alexandre Lessertisseur, Grégoire Hetzel und Laurent Perez Del Mar zu hören, dazu Carter Burwells Musik zum Biopic des McDonalds-Gründers Ray Kroc („The Founder“) und eine schöne Zusammenarbeit der Komponisten Hans Zimmer, Pharrell Williams und Benjamin Wallfisch zu Theodore Melfis biografischen Drama „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“.
Hans Zimmer hat darüber hinaus mit „The Classics“ ein Album mit Höhepunkten seiner umfassenden, mit einem Oscar und zwei Golden Globes preisgekrönten Arbeiten neu aufgenommen. Mit dem Tschechischen Philharmonie Orchester unter Leitung von Gavin Greenaway haben u.a. der chinesische Starpianist Lang Lang, die US-amerikanische Crossover-Geigerin Lindsey Stirling, die britische Sängerin und Songwriterin Leona Lewis, die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili, der deutsche Trompeter Till Brönner und der Londoner Organist Roger Sayer ausgesuchten Stücken aus den Soundtracks zu „Interstellar“, „Gladiator“, „Man Of Steel“, „König der Löwen“ und „Inception“ ein neues Gesicht verliehen. Für diese Sendung habe ich mich für das Stück „Light“ aus Terrence Malicks Kriegsdrama „The Thin Red Line“ entschieden, dem der russisch-israelische Geiger Maxim Vengerov seine eigene Stimme leiht.
Abgerundet wird die Sendung durch einige coole elektronische Tracks von Junkie XL zu Ian Walshs Surfer-Film „Distance Between Dreams“, von Ex-Tangerine-Dream-Musiker Paul Haslinger zum „Resident Evil“-Sequel „The Final Chapter“ und von Steve Moore, der zu „The Mind’s Eye“ herrliche Retro-Sounds kreierte, die an John Carpenters beste Arbeiten erinnern.
Playlist: 
01. Alan Silvestri - Essaouira Desert/Main Title (Allied) - 05:22
02. Thomas Newman - The Starship Avalon (Passengers) - 04:15
03. Harry Gregson-Williams - Three Years, Four Months (Live By Night) - 02:56
04. Theodore Shapiro - Whit And Amy/Time Visit #2 (Collateral Beauty) - 03:04
05. Marcelo Zarvos - Birth - Fire (The Affair - Seasons 2) - 05:04
06. Marcelo Zarvos - Gabriel's Trumpet (Fences) - 03:16
07. Pascal Gaigne - El faro de las Orcas [Despertar] (El faro de las Orcas) - 03:32
08. Armand Amar - Retour à Paris (Un sac de billes) - 04:21
09. Rachel Portman - End Credits (Their Finest) - 03:14
10. Hans Zimmer, Pharrell Williams & Benjamin Wallfisch - Rocket Peril (Hidden Figures) - 03:09
11. Hans Zimmer - Light (The Classics) - 07:07
12. Carter Burwell - Multimixer Man Part 1 and 2 (The Founder) - 02:48
13. Michael Giacchino - Rebellions Are Built On Hope (Rogue One: A Star Wars Story) - 02:56
14. Ramin Djawadi - We Are Not The Same (The Great Wall) - 03:17
15. Nathaniel Méchaly - Noaidi Hymn (Midnight Sun) - 03:15
16. Fernando Velázquez - Yo Sé Lo Que Vi (Contratiempo) - 06:53
17. Max Richter - Wheels Within Wheels (Miss Sloane) - 04:02
18. Trent Reznor & Atticus Ross - Them And Us (Patriots Day) - 04:18
19. Junkie XL - Always Ready (Distance Between Dreams) - 05:18
20. Dominic Lewis - Juliana's Letter (The Man In The High Castle - Season 2) - 04:00
21. Grégoire Auger - Fin (La Mécanique de l'ombre) - 05:17
22. Paul Haslinger - This Is My Story (Resident Evil: The Final Chapter) - 02:18
23. Steve Moore - Zack's Back (The Mind's Eye) - 04:13
24. Gregory Rogove - Keep Going, Driving Through The Past (Given) - 06:44
25. Alexandre Lessertisseur - Hurt (Glacé) - 03:38
26. Grégoire Hetzel - Repons d'Elie (L'ami, Francois d'Assise et ses frères) - 04:05
27. Laurent Perez Del Mar - Elle se sépare (Carole Matthieu) - 08:01

Sonntag, 1. Januar 2017

Playlist #205 vom 08.01.2017 - ABEL KORZENIOWSKI Special

Mit seiner Musik für die Showtime-Serie „Penny Dreadful“ erhielt der polnische Komponist Abel Korzeniowski im vergangenen Jahr eine verdiente Emmy-Nominierung, der Soundtrack zu den Staffeln 2 & 3 dazu wurde gerade von Varese Sarabande auf einem Doppel-Album veröffentlicht. Darüber hinaus ist seine Musik gerade in Tom Fords neuen Thriller-Drama „Nocturnal Animals“ in den Kinos zu hören. Grund genug, sich an dieser Stelle etwa ausführlicher mit dem preisgekrönten Komponisten zu beschäftigen, der seit seiner Golden-Globe-nominierten Musik zu „A Single Man“ auch in Hollywood ein gefragter Mann geworden ist.

Der am 18. Juli 1972 im polnischen Krakau geborene Korzeniowski schloss 1996 sein Studium der Instrumentalmusik mit Schwerpunkt auf dem Streichinstrument Cello ab, vier Jahre später in der Klasse von Krzysztof Penderecki auch sein Studium am Institut für Komposition, Dirigieren und Musiktheorie in Krakau. Bereits seine frühen Arbeiten liegen mittlerweile auf CD vor. So hat Sony Music Polska die Soundtracks zu „Duze zwierze“ (2000) und „Ein Engel in Krakau“ (2002), und Caldera hat erst im vergangenen Jahr die Doppel-CD „Early Works“ veröffentlicht, auf der die eindrucksvollen Arbeiten zu „I Served the King of England” (2003), „The Odyssey” (2005), „Kafka” (2001), „Antigone” (1996) und „The Tempest” (2003) vereint sind und einen guten Einblick in das vielseitige Wirken des Komponisten gewähren.
So präsentiert sich die Musik zu „I Served The King of England“ durch den Einsatz von Hammered Dulcimer und Akkordeon mit feinen osteuropäischen Klängen, der Score zu „The Odyssey“ verbindet antike griechische Musik mit modernen wie mittelalterlichen westlichen Einflüssen, während „Kafka“ und „Antigone“ die experimentellere Seite des Komponisten offenbaren und „The Tempest“ durch elegante Melodien und interessanten musikalischen Farben betört.
Im Jahr 2004 komponierte Korzeniowski neue Musik für Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927). Sein Freund Krzysztof Gluchowski produzierte 2004 ein Stummfilm-Festival in Krakau und stellte dem Komponisten ein großes Orchester, Chor und Sänger zur Verfügung.
„Es war eine großartige Möglichkeit, verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich wollte ‚Metropolis‘ für ein modernes Publikum zugänglich machen und versah es mit einer Art Zitatensammlung, indem ich es mit momentanen Ereignissen in der modernen Geschichte verknüpfte“, erzählt Korzeniowski im Interview mit original-score.de. „Dafür schrieb ich einige Gedichte, die als ein Kommentar zum Film fungieren. Die Produktion war gewaltig, wir hatten ein 90-köpfiges Orchester und zwei Chöre. Dazu gab es Electronics, Solo-Sänger und zwei Projektoren, die auf 20 Bilder die Sekunde eingestellt waren.“ 
Nachdem Korzeniowski ein halbes Jahr lang an 147 Minuten Musik geschrieben hatte, fühlte er sich bereit, nach Hollywood zu gehen, wo er u.a. 2009 die für einen Golden Globe nominierte Musik zu Tom Fords Drama „A Single Man“ komponierte.
„Das Hauptthema ist sehr simpel, es ist eigentlich eine Melodie für eine Solo-Violine. Es wiederholt sich selbst, und die ganze Orchestration, die hauptsächlich aus einem Streichorchester besteht, ist dazu da, diese einzelne Melodie zu unterstützen. Der ganze Score ist einfach, es gibt keine unnötigen Verzierungen, keine Electronics – die ganze Musik ist sehr klassisch“, rekapituliert der Komponist im selben Interview.
Die Musik erregte die Aufmerksamkeit von Madonna, die Korzeniowski engagierte, um ihren Film „W.E.“, der die Romanze zwischen Wallis Simpson und dem Herzog von Windsor thematisierte, mit einer bittersüßen Musik zu untermalen. Für Patricia Kaas, die auf dem Album „Kaas Chante Piaf“ zum 50. Todestag von Edith Piaf deren Songs neu interpretierte, übernahm Korzeniowski das Arrangement und die Produktion, komponierte dazu das Stück „Song For The Little Sparrow“.
Neben seiner Musik zu Spiel- und Dokumentarfilmen komponierte Korzeniowski auch die Musik zu Werbefilmen von BMW und Tiffany & Co. Zum 175-jährigen Jubiläum des berühmten Juwelierhauses wurde der Kurzfilm „The Dream Maker“ produziert, für den der Oscar-nominierte Kameramann Darius Khondji („Sieben“, „Midnight In Paris“) und Korzeniowski Charles Lewis Tiffanys New York in atemberaubende Bilder und Musik einfingen.
„In vielerlei Hinsicht gleicht meine Musik klassischer Juwelierkunst – es dreht sich um ein sauberes, elegantes und perfekt proportioniertes Design, im Streben nach der ultimativen Harmonie zwischen allen Elementen der Komposition, und im unglaublichen Augenmerk auf das Detail. Ich bin fasziniert von den kleinsten Elementen, wie sie miteinander interagieren, um eine größere emotionale Geschichte zu kreieren.“ 
Zuletzt war der polnische Ausnahmekomponist vor allem für die Showtime-Serie „Penny Dreadful“ tätig, die nach drei Staffeln im vergangenen Jahr abgesetzt worden ist.
„Auch wenn ich enttäuscht bin, dass diese Figuren nicht weiter erforscht werden, fühle ich mich extrem geehrt und bin sehr dankbar, dass ich ein Teil dieser Serie sein durfte. Es war ein absolutes Vergnügen, mit Showtime und dem ganzen PD-Team zu arbeiten.“

Filmographie:
2000 Das große Tier (The Big Animal)
2002 Aniol w Krakowie
2002 Czlowiek, którego nie ma (Kurz-Dokumentation)
2002 Rozwój (Kurz-Dokumentation)
2003 Pogoda na jutro
2004 Metropolis (1927)
2006 Kurc (Documentary short)
2006 The Half Life of Timofey Berezin
2007 Battle for Terra
2008 Confessions of a Go-Go Girl (Fernsehfilm)
2008 What We Take from Each Other (Kurzfilm)
2009 A Single Man
2009 Gwiazda Kopernika
2009 Tickling Leo
2011 W.E.
2013 Escape from Tomorrow
2013 Romeo & Julia
2014 Polacy w oczach swiata (Dokumentation)
2014-2016 Penny Dreadful (TV-Serie)
2015 Ziarno prawdy 
2016 Nocturnal Animals
Playlist:
01. Abel Korzeniowski - Table For Two (Nocturnal Animals) - 03:23
02. Abel Korzeniowski - Stillness Of The Mind (A Single Man) - 03:53
03. Abel Korzeniowski - Chmury (Aniol w Krakowie) - 04:30
04. Abel Korzeniowski - Nowy dzien (Pogoda Na Jutro) - 05:21
05. Abel Korzeniowski - Aquarius (Copernicus Star) - 04:30
06. Abel Korzeniowski - Memoirs (Kafka) - 04:17
07. Abel Korzeniowski - Dumka (I Served The King Of England) - 04:29
08. Abel Korzeniowski - Stasimon I (Antigone) - 04:06
09. Abel Korzeniowski - Odysseus' Theme (The Odyssey) - 04:17
10. Abel Korzeniowski - Song Of Time (The Tempest) - 03:42
11. Abel Korzeniowski - Woisna [Spacer I] (Duze Zwierze) - 04:43
12. Abel Korzeniowski - The Dream Maker (The Dream Maker) - 05:11
13. Abel Korzeniowski - Magic Kingdom, Pt. 2 (Escape From Tomorrow) - 03:05
14. Abel Korzeniowski - Packing Up (Tickling Leo) - 03:46
15. Abel Korzeniowski - Juliet's Dream (Romeo & Juliet) - 03:43
16. Abel Korzeniowski - Song For The Little Sparrow (Kaas chante Piaf) - 03:24
17. Abel Korzeniowski - Epilogue (Battle For Terra) - 03:45
18. Abel Korzeniowski - Maria (Metropolis) - 03:41
19. Abel Korzeniowski - Six Hours (W.E.) - 04:17
20. Abel Korzeniowski - Closer Than Sisters (Penny Dreadful) - 03:14
21. Abel Korzeniowski - Guardian Angels (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 03:15
22. Abel Korzeniowski - Be True (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 03:56
23. Abel Korzeniowski - Boat To Africa (Penny Dreadful - Seasons 2 & 3) - 04:45
24. Abel Korzeniowski - Becoming George (A Single Man) - 03:50
25. Abel Korzeniowski - Anna & Volder (Copernicus Star) - 03:51
26. Abel Korzeniowski - Letters (W.E.) - 04:03
27. Abel Korzeniowski - Low B (Battle For Terra) - 03:55
28. Abel Korzeniowski - Especially You (Confessions Of A Go-Go Girl) - 06:28

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