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Samstag, 15. August 2026

Playlist #456 vom 23.08.2026 - Neuheiten 2026 (4)

Christopher Nolans opulentes Historienepos „Die Odyssee“ zählt fraglos zu den Highlights dieses Kinosommers, wenn nicht des ganzen Jahres. Wie schon zu Nolans vorangegangen Filmen „Tenet“ und „Oppenheimer“ komponierte Ludwig Göransson dazu den passenden, mitreißenden Score, den es in dieser Sendung ebenso zu hören gibt wie neue Arbeiten von Hanan Townshend, David Holmes, Christopher Lennertz, Marcelo Zarvos, Volker Bertelmann, A.R. Rahman sowie die Musik zu Serien wie „The Agency“, „SILO“, „Unsere kleine Farm“, „Cape Fear“ und „House of the Dragon“.
Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell landete 2014 mit dem ungewöhnlichen Horrorfilm „It Follows“ erst einen Überraschungshit, um dann mit seinem nächsten Film „Under the Silver Lake“ 2018 fürchterlich baden zu gehen. Nun präsentiert er uns mit „The End of Oak Street“ einen durchaus massentauglichen Abenteuerfilm, in dem eine Nachbarschaft plötzlich in die Vergangenheit versetzt und anschließend von Dinosauriern überrannt wird. Die stimmungsvolle musikalische Untermalung besorgte der versierte Michael Giacchino („Cloverfield“, „Up“), der zudem noch das neue Marvel-Abenteuer „Spider-Man: Brand New Day“ vertonte.
In seinem Dokumentarfilm „Eyríki“ begleitet Nikolai Galitzine den Kampf einer kleinen arktischen Gemeinde gegen den Klimawandel und gesellschaftliche Veränderungen, nachdem ihre Kirche in einem Sturm einem Brand zum Opfer gefallen ist.
,Eyríki‘ ist eine Liebeserklärung an Grímsey, eine wunderschöne, abgelegene Insel vor der Küste Islands mit einer schrumpfenden Bevölkerung von nur noch etwa 25 Menschen. Als uns Regisseur Nikolai Galitzine den Film zum ersten Mal zeigte, war sofort klar, dass die Musik intim und zurückhaltend sein musste“, erklären die beiden britischen Komponisten Kathryn MacLennan und Mike MacLennan („Civilisations: Rise & Fall“) die Entstehung ihrer sehr gefühlvollen, minimalistisch instrumentierten Musik.
„Im Mittelpunkt des Films stehen die Zerstörung und der Wiederaufbau der Kirche von Grímsey. Daher schufen wir eine Palette aus Flächenklängen und Texturen, die von Kirchenglocken inspiriert sind, und verwebten sie mit der gesamten Musik. Diese werden mit Streichern – gespielt vom Geiger John Mills vom Tippett Quartet – und subtilen Synthesizern kombiniert, um eine Klangwelt zu erschaffen, die zerbrechlich und hoffnungsvoll zugleich wirkt. Es war uns wichtig, dass die Musik die emotionale Landschaft dieser abgelegenen Gemeinde widerspiegelt, die mit Bevölkerungsrückgang, Klimawandel und einer ungewissen Zukunft zu kämpfen hat, und dabei stets Raum für ihre Stimmen und Geschichten lässt.“
Markus Goller („Frau Ella“, „25 km/h“) erzählt in seinem Film „23 000 Leben“ die Geschichte des Seenotrettungsschiffes Iuventa, das 2016 und 2017 im zentralen Mittelmeer im Einsatz war, bevor es von italienischen Behörden beschlagnahmt wurde. Die Crew der Iuventa war in dieser Zeit bei 16 Einsätzen an der Rettung von mehr als 23.000 Menschen beteiligt. Volker Bertelmann („Im Westen nichts Neues“, „Konklave“)komponierte zu dem bewegenden Drama eine feinfühlige, mitreißende Musik mit Piano, Streichern und Synthesizern.
In dem Drama „Deep Quiet Room“ erzählt Ko-shang Shen die Geschichte von Ming, die nach dem Selbstmord seiner schwangeren Frau die Pflege seines Schwiegervaters übernimmt und dabei auf dunkle Familiengeheimnisse stößt, die das Motiv für Yi-tings tragische Entscheidung enthüllen.
„Für ‚Deep Quiet Room‘ sprachen Regisseur Ko-shang Shen und ich oft über Stille, nicht einfach als Abwesenheit von Geräuschen, sondern als emotionalen Raum, den das Publikum betreten kann. Ein Großteil der Musik basiert auf Zurückhaltung: zerbrechliches präpariertes Klavier, sparsame Streicher, ferne Resonanzen und wiederkehrende Melodiefragmente, die sich im Verlauf der Geschichte subtil verändern“, berichtet Hanan Townshend („The Tree of Life“) von der Arbeit an dem Drama. „Der Film durchläuft sechs emotionale Abschnitte, die jeweils eine andere Phase von Trauer, Offenbarung, Schuld und letztendlich Zerstörung widerspiegeln. Anstatt diese als separate musikalische Welten zu behandeln, suchten wir nach einem einzigen thematischen Faden, der sich organisch parallel zum Innenleben der Figuren entwickeln konnte. Viele der Musikstücke wurden aus einer, wie Ko-shang es nannte, ,göttlichen Perspektive‘ angegangen – Musik, die mit Mitgefühl statt mit Urteilen beobachtet. Selbst in den düsteren Passagen versuchten wir, offene Horrorsprache zu vermeiden und stattdessen auf Mehrdeutigkeit, stille Spannung und emotionale Schwere zu setzen. Das Ergebnis ist eine Musik, die fein zwischen Intimität und Unbehagen changiert und die Auseinandersetzung des Films mit verdrängten Traumata widerspiegelt.“
Christopher Nolan („Inception“, „Interstellar“) hat seit zwanzig Jahren davon geträumt, Homers „Odyssee“ zu verfilmen. Längst hat der Oscar-prämierte Filmemacher einen Statur erreicht, in dem er offenbar jedes Projekt realisieren kann. In der fast dreistündigen Neuverfilmung – u.a. wurde das antike Epos 1954 mit Kirk Douglas und 2024 mit Ralph Fiennes in der Titelrolle auf die große Leinwand gebracht – versucht König Odysseus (Matt Damon) nach dem Trojanischen Krieg wieder zu seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) und seinem Sohn Telemachos (Tom Holland) nach Ithaka zurückzukehren. Doch der Heimweg wird schwieriger als erwartet, denn Odysseus steht ein langes Abenteuer voller Gefahren bevor. So muss er sich unter anderem mit der Göttin Kalypso (Charlize Theron), dem Zyklopen Polyphem (Bill Irwin) und der Zauberin Circe (Samantha Morton) auseinandersetzen. 
In der Zwischenzeit macht sich in Odysseus‘ Heimat Ithaka eine Horde von potenziellen Nachfolgern breit, die gerne Penelope heiraten und dadurch den Thron für sich beanspruchen würden. Daher begibt sich Telemachos auf der Suche nach seinem Vater nun zu König Menelaos von Sparta (Jon Berthal), Odysseus‘ Mitstreiter im Trojanischen Krieg, und bittet diesen um Rat. Da der Film in der Bronzezeit spielt, wies Nolan seinen Komponisten Ludwig Göransson an, kein traditionelles Orchester zu verwenden, weil es das damals nicht gab, sondern Bronze als thematischen Anker für die Musik zu verwenden. Göransson nahm auf, wie er 35 Bronzegongs unterschiedlicher Größe sowie unkonventionelle Gegenstände wie Altmetall, Klimaanlagen, Wände und Geländer schlug. Dadurch entstand ein treibender, metallischer Puls, der sich oft nahtlos in das Sounddesign des Films einfügt. Während die Partitur stark auf rohen, perkussiven Elementen basiert, verwendete Göransson auch authentische Instrumente aus dieser Zeit. Um den melodischen Elementen Authentizität zu verleihen, verwendete er rekonstruierte Lyren und die Aulos – ein traditionelles antikes griechisches Doppelpfeifeninstrument. Um emotionales Tempo und ein menschliches Element hinzuzufügen, überlagerte er diese Klänge mit Synthesizern und ätherischen Hintergrundgesang, einschließlich Beiträgen des Künstlers James Blake.
Der Animations-Film „Winnipeg, el barco de la esperanza“ von Beitia und Elio Quiroga erzählt die Geschichte einer Odyssee von 2200 spanischen Flüchtlingen, die im September 1939 von Frankreich nach Chile segelten, um nach drei Jahren verheerenden Bürgerkriegs der Diktatur Francisco Francos zu entkommen.
„Die Komposition der Filmmusik für ,Winnipeg, el barco de la esperanza‘ war eine sehr emotionale Reise“, blickt Komponist Diego Navarro auf seine Arbeit an dem Film zurück. „Ich bin seit Beginn des Projekts im Jahr 2019 dabei, als die Produzenten mich um ein Interessenbekundungsschreiben baten, um den Soundtrack zu schreiben. Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich tief bewegt. Die Geschichte hat mich sehr berührt. Unmittelbar danach begann ich zu recherchieren und entdeckte unter anderem, dass Mitglieder eines oder mehrerer baskischer Chöre mit den Passagieren reisten. Aus offensichtlichen Gründen fand ich diese Tatsache faszinierend. Sie widmeten sich der Unterhaltung und sangen vierstimmig während der langen, beschwerlichen und einmonatigen Überfahrt nach Valparaíso, durch einen Atlantik, der von deutschen U-Booten heimgesucht wurde, und überwanden unzählige Hindernisse. Sie waren ein wesentlicher Bestandteil. Deshalb entschied ich, dass das Hauptthema neben dem Sinfonieorchester auch Chorgesang beinhalten sollte – und zwar nicht nur in diesem Stück, das den Kern der Filmmusik bildet, die ich später komponieren sollte.“
 
Playlist: 
01. Michael Giacchino - Old Pool Politics (The End of Oak Street) - 03:15 
02. David Holmes & Brian Irvine - Irish Class (Trespasses) - 04:26 
03. David Holmes - Lying to Myself My Whole Life (The Christophers) - 03:13 
04. Kathyrn MacLennan & Mike MacLennan - Fiskveiðar (Eiríki) - 04:26 
05. Adiescar Chase - The End (All Night Wrong) - 02:55 
06. Emilie Levienaise-Farrouch & Lindsay Wright - A Source Abroad (The Agency - Season 2) - 03:12 
07. Christopher Lennertz - The Truth (72 Hours) - 03:24 
08. Volker Bertelmann - 23 000 Leben (23 000 Leben) - 04:37 
09. Marcelo Zarvos - Atlantis Landing (Spacewoman) - 04:04 
10. Hanan Townshend - Living a Twisted Life (Deep Quiet Room) - 05:14 
11. Dominik Scherrer - Car Crash Guilt (The Rapture) - 03:38 
12. Ludwig Göransson - Penelope (The Odyssey) - 04:16 
13. Claudia Sarne - Supergirl Suite (Supergirl) - 03:05 
14. Atli Örvarsson - Vitamins (SILO - Season 3) - 05:02 
15. Nathaniel Mechaly - Father Uploaded (O Horizon) - 04:24 
16. Diego Navarro - Calamidad (Winnipeg, El Barco De La Esperanza) - 03:03 
17. Dan Romer - River Crossing (Little House on the Prairie - Season 1) - 03:01 
18. Ramin Djawadi - If This Be Victory (House of the Dragon - Season 3) - 05:40 
19. Ceiri Torjussen - Shabnam's Story (Delhi Crime 3) - 04:26 
20. Jeff Russo - Family (Cape Fear - Season 1) - 04:14 
21. A.R. Rahman - Nizma's Sister (BAAB) - 04:55 
22. Jason Lazarus - Klyle (Operation Taco Gary's) - 02:24 
23. François Tétaz - Love in the Shadows (My Brilliant Career) - 03:48 
24. Isabella Summers - Drive to the Field (Lucky) - 04:35 
25. Isabella Summers - Judith's Story (Ride or Die) - 03:52 
26. John Carpenter, Cody Carpenter & Daniel Davies - Resolution (Cathedral) - 03:49 
27. Michael Giacchino - Suite New Day (Spider-Man: Brand New Day) - 06:14 
28. Pino Donaggio - Don't Bring a Knife to an Axe Fight (Her Private Hell) - 09:54

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