Mittwoch, 16. November 2011

Playlist # 72 vom 20.11.11 - STEVEN SPIELBERG Special

Steven Spielberg ist zweifellos der Inbegriff des Blockbuster-Kinos. Produktionen wie die „Der weiße Hai“, „E.T. – Der Außerirdische“ oder „Jurassic Park“ zählen zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Momentan ist er mit seinem ersten Animationsfilm in den Kinos vertreten: „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der ‚Einhorn‘“.

Der am 18. Dezember 1946 in Cincinnati, Ohio, als Kind jüdischer Eltern geborene Spielberg drehte schon mit zwölf Jahren erste Amateurfilme mit Schauspielern und gewann mit seinem 40-minütigen Kriegsfilm „Escape To Nowhere“ als 13-Jähriger schon einen Wettbewerb. Nach einem weiteren Amateurfilm („Firelight“, 1963) bewarb er sich zweimal um ein Filmstudium an der University of Southern California, ging aber nach den Ablehnungsbescheiden nach Los Angeles, um Englische Literatur zu studieren und sich sein Wissen um die amerikanische Filmgeschichte und die des modernen europäischen Kinos selbst anzueignen.
Sein 1969 auf dem Atlanta Film Festival präsentierter Kurzfilm „Amblin“ brachte dem Nachwuchsfilmer bereits einen Siebenjahresvertrag mit Universal ein. Zunächst arbeitete er fürs Fernsehen an Serien wie „Night Gallery“ und „Columbo“, bevor er mit „Duell“ (1971) einen Fernsehfilm inszenierte, der in Europa sogar in die Kinos kam. In der Verfilmung einer Story von Richard Matheson („I Am Legend“) wird ein Handelsvertreter von einem Truck mit unsichtbarem Fahrer verfolgt, der offensichtlich nur den Tod seines Opfers will.
„Mit diesem Film bereits schreibt sich Spielberg in die Chronik des neuen amerikanischen Films ein, der die Mythen des alten Kinos ebenso in Frage stellt wie seine Dimensionierungen. ‚Duell‘ ist ebenso ein ‚skelettierter‘ Thriller, ein negatives Road Movie und ein bitterer Heimatfilm“, resümiert Georg Seesslen in „Steven Spielberg und seine Filme“ (Schüren, 2001, S. 16).
In den USA feierte Spielberg sein Kinodebüt mit dem Drama „Sugarland Express“ (1974), der ihn auch mit dem Komponisten John Williams zusammenbrachte, dem künftigen Dirigenten des Boston Pops Orchestra, der viele Jahre bei Universal-TV gearbeitet hatte. Die Verfilmung eines authentischen Falls aus dem Jahre 1969 schildert die Flucht eines Kleinkriminellen mit einer jungen Frau (Goldie Hawn), die auf dem Weg nach Sugarland einen Polizisten kidnappen und deshalb eine Schar von Polizisten, Presseleuten und Neugierigen nach sich ziehen.
Bereits ihre zweite Zusammenarbeit sollte sowohl für Steven Spielberg als auch für John Williams den Durchbruch in Hollywood bedeuten, denn „Der weiße Hai“ bietet Hochspannung im besten Hitchcock-Stil. Als am Strand der Kleinstadt Amity die grausam zerstückelte Leiche eines Mädchens gefunden wird, will niemand wahrhaben, dass ein Weißer Hai dafür verantwortlich gewesen sein soll. Während Polizeichef Brody (Roy Scheider) den Strand schließen will, spielen Bürgermeister und Geschäftsleute den Vorfall herunter, bis das nächste Opfer zu beklagen ist. Zusammen mit dem Hai-Experten Matt Hooper (Richard Dreyfuss) und Vietnam-Veteran Quint (Robert Shaw) macht sich der wasserscheue Brody auf die Jagd nach dem Ungeheuer.
„Darauf, dass die Geschichte der Heimsuchung von Heimat und Familie durch das namenlose Untier, einer monströsen Synthese von Phallus und Vagina, offenkundig sexuelle Aspekte hat, wurde häufig hingewiesen. Aber ‚Der weiße Hai‘ ist auch ein Film über menschliche Urängste und charakterliche Schwächen, aus deren Überwindung Helden geboren werden. Dass er außerdem auch noch von der kapitalistischen, sich selbst gefährdenden Gesellschaft, vom patriotischen Amerika, von Massenhysterie, Schuld, Sühne und der Aufopferung des Einzelnen für die Gemeinschaft handelt, macht deutlich, wie Spielberg eine im Grunde denkbar simple Geschichte auf vielen Ebenen lesbar macht“, resümiert Steffen Haubner in Jürgen Müllers „Die besten Filme der 70er“ (Taschen, 2006, S. 172 ff.). „Dabei sollte man jedoch keineswegs unterschlagen, dass ‚Der weiße Hai‘ einer der nervenzerreißendsten Thriller aller Zeiten ist. Wenn Spielberg erklärt, er habe sich bei den Dreharbeiten gefühlt, als könne er die Zuschauer mit einem elektrischen Viehtreiberstock dirigieren, so sagt das einiges aus über die eiskalte Präzision, mit der er, unterstützt von einem unglaublich suggestiven Soundtrack, die Spannungskurve ansteigen und wieder abfallen lässt, nur, um bereits den nächsten dramaturgischen Höhepunkt vorzubereiten.“
Mit den nachfolgenden Filmen bewies Spielberg seine Vielseitigkeit. Das Science-Fiction-Märchen „Unheimliche Begegnung mit der dritten Art“ (1977) prägte den Ruf des Regisseurs als legitimer Erbe von Walt Disney. Die überladene Kriegskomödie „1941? - Wo, bitte, geht’s nach Hollywood?“ entwickelte sich allerdings zu einem Flop, so dass sich Spielberg für sein nächstes Projekt mit George Lucas einen kongenialen Produzenten suchte: Ihre gemeinsame Faszination für die Cliffhanger-Serials ihrer Jugend mündete in dem Spektakel „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981), das mit seinen exotischen Schauplätzen, sehenswerten Stunts und Special Effects das Genre des Abenteuerfilms mit neuem Leben erfüllte.
Mit „E.T. – Der Außerirdische“ (1982), einer rührseligen Geschichte über die Freundschaft zwischen dem 12-jährigen Eliot und einem auf der Erde gestrandeten Alien, rührte Spielberg ein Millionenpublikum zu Tränen und verarbeitete die Traumata seiner Jugend: „,E.T‘ war ein Film über meine Kindheit – über die Scheidung meiner Eltern. Ich brauchte einen besonderen Freund, und dafür musste ich meine Vorstellungskraft einsetzen, um zu Orten zu gelangen, wo ich mich gut fühlen konnte“, bekannte Spielberg einmal im Interview.
Nach der Produktion von Tobe Hoopers „Poltergeist“ (1982), Joe Dantes „Gremlins“ (1984) und Robert Zemeckis „Zurück in die Zukunft“ (1985) sowie dem selbst inszenierten Indiana-Jones-Sequel „Der Tempel des Todes“ (1984) wandte sich Spielberg mit „Die Farbe Lila“ (1985) erstmals einem ernsten Stoff zu, indem er sich mit den Problemen afroamerikanischer Frauen im amerikanischen Süden der 30er Jahre auseinandersetzte.
Mit der Verfilmung von J.G. Ballards „Das Reich der Sonne“ (1987) schilderte Spielberg den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines kleinen Jungen, dann inszenierte er mit „Always“ (1989) das Remake von Victor Flemings „Kampf in den Wolken“ (1944), ehe der wegen seiner Oberflächlichkeit oft kritisierte Filmemacher mit „Hook“ (1991) eine Art Sequel zu Disneys „Peter Pan“ präsentierte. 
Einen phänomenalen Erfolg durfte Spielberg 1993 mit „Jurassic Park“ feiern. Die faszinierend realistisch wirkenden Dinosaurier avancierten zu den eigentlichen Stars des Films, den Spielberg meisterhaft spannend inszeniert hat. Für sein nächstes Werk konnte Steven Spielberg endlich und gleich zweimal die begehrte Oscar®-Trophäe in Empfang nehmen: Das in Schwarzweiß gedrehte Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ (1993) schildert auf fast semidokumentarische Weise das Leben des Unternehmers Oskar Schindler, der in seinen Fabriken verfolgte Juden vor den Nazis beschützte.
Nach „Jurassic Park 2: Vergessene Welt“ (1997) und dem Drama „Amistad“ (1997) belebte Spielberg 1998 mit „Der Soldat James Ryan“ den Kriegsfilm neu. Der dreistündige Film erzählt von einem achtköpfigen Trupp, der in der Normandie einen jungen Amerikaner suchen soll, dessen Mutter bereits alle anderen Söhne im Krieg verloren hat. Von seinem Freund und Kollegen Stanley Kubrick erbte Spielberg das Projekt „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001).
Die tragische Odyssee eines kindlichen Androiden verwirklichte der Regisseur ebenso mit gewohnt größtmöglichem technischen Aufwand wie die Adaption von Philip K. Dicks Utopie „Minority Report“ (2002) mit Tom Cruise in der Hauptrolle eines Polizisten in der präventiven Verbrechensbekämpfung, der selbst eines Mordes verdächtigt wird.
Danach wandte sich Spielberg mit dem Gaunerstück „Catch Me If You Can“ (2002) und der Tragikomödie „Terminal“ (2004) leichteren Stoffen zu, ehe er mit „München“ (2005) eine weitere Auseinandersetzung mit seinen jüdischen Wurzeln präsentierte.
Ausgehend von der Geiselnahme israelischer Sportler bei der Olympiade in München 1972 erzählt der Film das Drama eines jungen Israelis (Eric Bana), der die palästinensischen Drahtzieher des Attentats ausschalten soll. Noch im selben Jahr erschien mit „Krieg der Welten“ der bis dato teuerste Film aller Zeiten. Tom Cruise spielt einen Kranführer, der nach der Invasion der Außerirdischen um sein Leben und das seiner Kinder kämpft. Die Ähnlichkeit zu den Attentaten des 11. September kommt sicher nicht von ungefähr. Aber die Adaption von H.G. Wells‘ düsterer Utopie aus dem Jahre 1897 dokumentiert vor allem einmal mehr Spielbergs Freude am Spektakel und Zerstören.
„Schon immer ist Spielberg, dieser Meister nicht nur der amerikanischen Paranoia, in tiefere Ebenen, in unsere archetypischen Albträume und Ängste vorgestoßen“, befindet Katja Nicodemus in „Die Zeit“ vom 30.06.05 (S. 41). „,Krieg der Welten‘, diese ganz auf Schock und Schrecken setzende Science-Fiction, ist wieder ein großes Paranoia-Werk, das den Zeitgeist zugleich aussaugt und durchleuchtet. Es hat eine gewisse Ironie, dass sich Spielberg nicht mit seinen Aufklärungsdramen, nicht mit ‚Amistad‘, ‚Der Soldat James Ryan‘ oder ‚Schindlers Liste‘, sondern mit der von ihm etwas verschämt betrachteten Popcorn-Ware am nachhaltigsten ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.“ 
Im Jahre 2008 vereinten sich Harrison Ford, John Williams und Steven Spielberg in „Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel“ zu ihrem vierten gemeinsamen Abenteuer. Diesmal wurde der Archäologe Indiana Jones und sein Kumpel Mac (Ray Winstone) 1957 von der sowjetischen Agentin Irina Spalko (Cate Blanchett) und ihren Helfern gekidnappt, damit Indy eine geheimnisvolle Kiste identifiziert, in der sich ein Außerirdischer befinden soll, der 1947 in Roswell abgestürzt ist. Nach der spektakulären Flucht treibt es den Uni-Professor nach Europa, wo er in den Besitz einer mysteriösen Karte gelangt, die auf einen Goldschatz im peruanischen Urwald hinweist.
„Indiana Jones ist ein nostalgischer Held mit einem Hauch von pulp noir. Das heißt, im Vergleich zu einer Comicfigur hat dieser Charakter, der den auf holzhaltigem Papier (pulp) gedruckten Comcis der vierziger Jahre entsprungen scheint, ein kompliziertes Innenleben und seine dunklen Seite“, meint Georg Seesslen in „Die Zeit“ vom 15.05.08 (S. 52). „Vor allem aber ist Indy einer der letzten großen infantilen Helden, ein ewig suchendes Kind. Dr. Jones muss sich in Indiana Jones verwandeln, weil er einerseits in seiner bürgerlichen Existenz vor Langeweile umkommt, andererseits weil er unter dem Peter-Pan-Bewusstsein seines Schöpfers Steven Spielberg leidet: Kindbleiben und Erwachsenwerden sind gleich unmöglich.“
Die Rechte für die Verfilmung von Hergés Comic-Serie „Die Abenteuer von Tim und Struppi“, von denen seit 1929 insgesamt 23 Bände erschienen sind, hat sich Steven Spielberg schon vor dem Tod des belgischen Comic-Zeichners gesichert. Im ersten, von Spielberg selbst inszenierten Abenteuer der 3-D-Trilogie, lernt der junge Reporter Tim (Jamie Bell) und sein treuer Hund Struppi auf der Suche nach einer interessanten Story Kapitän Haddock (Andy Serkis) kennen. Sie nehmen die Spur zu einem Schatz auf, müssen dabei aber mit unliebsamen Verfolgern fertig werden, die es ebenfalls auf den Schatz abgesehen haben.

„Natürlich lässt einen die rasante Dramaturgie nicht wie beim Comic bei einzelnen Bildern verweilen. Dies und die vielen Action-Szenen sowie die Änderungen im Story-Verlauf dürften ‚Tim und Struppi‘-Puristen denn auch wie hunderttausend Höllenhunde aufjaulen lassen. Doch Film ist ein anderes Medium als Comics und Hergé hatte schon Recht, als er kurz vor seinem Tod zum jungen Spielberg sagte: ‚Wenn einst jemand meine Comics verfilmt, dann sollten Sie es sein.‘ Denn Spielberg führt einen zwar nicht in die Kindheit zurück, aber an einen Ort, der durch einen dreidimensionalen Nostalgie-Bilderrausch ähnlich viel Spaß macht“, resümiert Philippe Zweifel im Tagesanzeiger.
Mit seinem nächsten Film „War Horse“ widmet sich Spielberg einmal mehr dem Thema Krieg, das er aus unterschiedlichen Perspektiven in Filmen wie „Schindlers Liste“, „Das Reich der Sonne“, „Krieg der Welten“ oder „Der Soldat James Ryan“ bereits beackert hat. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Morpurgo aus dem Jahre 1982 und erzählt die Geschichte eines Fohlens, das an die Armee verkauft wird und schnell in die Kämpfe des Ersten Weltkriegs in Frankreich konfrontiert wird, wo es durch seine hoffnungsvolle Ausstrahlung zu einem Sympathieträger für die Soldaten wird. Natürlich ist für die Musik einmal mehr John Williams verantwortlich gewesen.
John Williams und Steven Spielberg
“Es ist wie jede Art von Zusammenarbeit, künstlerisch oder anderweitig, die vielleicht Maßstäbe setzt für Leute, so geduldig miteinander zu sein und auf so komfortable Weise miteinander an so unterschiedlichen Projekten zu arbeiten. Es sagt, glaube ich, eine Menge über Steven Spielberg und vor allem über seinen Charakter aus. Er ist in jeder Hinsicht ein sehr loyaler Mann, der der Familie ebenso ergeben wie den Künstlern und Handwerkern, mit denen er arbeitet“, beschrieb John Williams einmal im Interview mit Thirteen die Zusammenarbeit mit Steven Spielberg. „Ich lernte Steven Spielberg in den frühen 70ern in den Universal Studios kennen. Wir wurden uns durch den älteren Jennings Lang vorgestellt, einem Vorsitzenden bei Universal, der mich fragte, ob ich mal mit einem 23-jährigen Mann zu Mittag essen würde, der gerade mit Goldie Hawn einen Film namens ‚Sugarland Express‘ gemacht hat. Ich traf Spielberg zum Essen. Wir gingen in ein sehr angesagtes Restaurant in Beverly Hills, wo wir speisten, und ich würde sagen, dass es das erste Mal in seinem Leben gewesen ist, dass er eine Flasche Wein vergoss. Er schien nicht zu wissen, was er machen sollte. Bemerkenswert an dem Essen aber war, abgesehen von der Bestellung der Flasche Wein, die keiner von uns trank, die Tatsache, dass er die Scores erinnerte, die ich geschrieben hatte, ‚The Cowboys‘ und ‚The Reivers‘, das William-Faulkner-Stück und andere Dinge, TV-Themen, die ich selbst fast schon vergessen hatte und die er summen konnte. ‚ Das ist dieses und jenes Thema aus diesem und jenem Film.‘ Also, ein Teil der Antwort über die Beständigkeit unserer Beziehung liegt in der Tatsache begründet, dass er Musik liebt und an ihr interessiert ist. Ich muss sagen, dass eines der größten Stücke von Glück in meinem Leben darin bestand, Steven Spielberg getroffen und eine Beziehung mit ihm zu haben, die über einen so langen Zeitraum so harmonisch und produktiv gewesen ist.“

Filmographie:
1968: Amblin'
1969: … und die Alpträume gehen weiter (Night Gallery) (Fernsehserie), Episode Eyes
1971: Duell (Duel) (Fernsehfilm; 1973 erweitert als Kinofilm)
1971: Columbo – Tödliche Trennung (Columbo: Murder By The Book) (Fernsehfilm)
1972: Haus des Bösen (Something Evil) (Fernsehfilm)
1973: Savage (Fernsehfilm)
1974: Sugarland Express (The Sugarland Express)
1975: Der weiße Hai (Jaws)
1977: Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters Of The Third Kind)
1979: 1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood (1941)
1981: Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders Of The Lost Ark)
1982: E. T. – Der Außerirdische (E.T. the Extra-Terrestrial)
1983: Unheimliche Schattenlichter (Twilight Zone – The Movie) (Segment 2: Kick The Can)
1984: Indiana Jones und der Tempel des Todes (Indiana Jones And The Temple Of Doom)
1985: Die Farbe Lila (The Color Purple)
1985: Unglaubliche Geschichten (Amazing Stories) (Fernsehserie), Episoden "Die Notlandung" (The Mission) und "Der Geisterzug" (Ghost Train)
1987: Das Reich der Sonne (Empire Of The Sun)
1989: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (Indiana Jones And The Last Crusade)
1989: Always – Der Feuerengel von Montana (Always)
1992: Hook
1993: Jurassic Park
1993: Schindlers Liste (Schindler’s List)
1997: Vergessene Welt: Jurassic Park (The Lost World: Jurassic Park)
1997: Amistad
1998: Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan)
1999: The Unfinished Journey
2001: A.I. – Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence: AI)
2002: Minority Report
2002: Catch Me If You Can
2004: Terminal (The Terminal)
2005: Krieg der Welten (War of the Worlds)
2005: München (Munich)
2008: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull)
2011: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (The Adventures of Tintin)
2011: Die Gefährten (War Horse)

Playlist: 
1 John Williams - Man Against Beast (Jaws) - 05:34
2 John Williams - Theme (Sugarland Express) - 03:37
3 John Williams - The Sentries (1941) - 03:32
4 John Williams - Suite (Close Encounters of the Third Kind) - 06:00
5 John Williams - Finale and End Credits (Indiana Jones and the Temple of Doom) - 06:18
6 John Williams - Call of the Crystal (Indiana Jones and the Crystal Skull) - 03:49
7 John Williams - E.T. and Me (E.T.) - 04:55
8 Quincy Jones - The First Letter (The Color Purple) - 05:03
9 John Williams - The Parachute (Amazing Stories: The Mission) - 03:02
10 John Williams - Cadillac of the Skies (Empire of the Sun) - 03:50
11 John Williams - The Rescue Operation (Always) - 05:19
12 John Williams - Theme from Jurassic Park (Jurassic Park) - 03:27
13 John Williams - The Trek (The Lost World: Jurassic Park) - 05:23
14 John Williams - Jewish Town (Schindler's List) - 04:38
15 John Williams - Crossing the Atlantic (Amistad) - 03:20
16 John Williams - Hymn to the Fallen (Saving Private Ryan) - 06:10
17 John Williams - The Mecha World (A.I.) - 06:22
18 John Williams - Minority Report (Minority Report) - 06:28
19 John Williams - The "Float" (Catch Me If You Can) - 04:56
20 John Williams - A Legend is Born (The Terminal) - 03:19
21 John Williams - Reaching the Country (War of the Worlds) - 03:23
22 John Williams - Remembering Munich (Munich) - 04:40
23 John Williams - The Return to Marlinspike Hall and Finale (The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn) - 05:51

Freitag, 4. November 2011

Playlist # 71 vom 06.11.11 (1) - DAVID CRONENBERG Special

Der kanadische Filmemacher und Gelegenheitsschauspieler David Cronenberg wird als einer wichtigsten Mitbegründer des sogenannten „Body Horror“ angesehen, doch in den letzten Jahren hat er sich erfolgreich dem psychologischen Thriller gewidmet und liefert mit seinem aktuellen Film „Eine dunkle Begierde“ sogar ein lupenreines Biopic ab.
Der am 15. Mai 1943 in Toronto als Sohn einer Musikerin und eines Autors (u.a. von Comic-Büchern im Zweiten Weltkrieg) geborene Cronenberg studierte an der University of Toronto zunächst Biochemie und Biologie, machte seinen Abschluss 1967 allerdings in Literatur. Schon während seiner Schulzeit begann Cronenberg, Kurzfilme zu drehen, Ende der 60er Jahre folgten knapp einstündige experimentelle Filme, die sich mit wissenschaftlichen Experimenten rund um paranormale Phänomene auseinandersetzten.

„Erst mit 22 oder 23 Jahren wurde mir bewusst, dass ich einen Film machen könnte. Aber ich glaubte, keinen Zugang zu den nötigen Hilfsmitteln zu haben, bis ich einen Film sah, der von Studenten meiner Schule gemacht worden war: ‚Winter Kept Us Warm‘ – Der Titel ist ein Zitat aus T.S. Eliots ‚The Waste Land‘. Eine Menge Leute waren in dem Film, mit denen ich befreundet war. Ich kann den Schock und die Erheiterung, einen Film von Leuten zu sehen, die ich kannte, nicht in Worte fassen. Ich war echt aufgeregt. Für mich war das eine unglaubliche Offenbarung“, wird Cronenberg in Rolf Giesens „Lexikon des phantastischen Films – Band 1“ (Ullstein, 1984, S. 148) zitiert.
Cronenberg beobachtete Kameraleute bei der Arbeit und drehte 1966 mit „Transfer“ einen surrealistischen Sieben-Minuten-Film in 16 mm über Leute, die in Schneefeldern hocken und an gedeckten Tischen sitzen, als ob sie drinnen wären. Sein nächster Kurzfilm „From The Drain“ (1967) handelte von zwei Männern, die sich in der Badewanne unterhalten. Bereits Cronenbergs erste Werke „Stereo“ (1969) und „Crimes Of The Future“ (1970) wirkten ohne Musik und Dialoge jenseits des Mainstreams. Ab 1971 übernahm er dann Pausenfüller für das kanadische Fernsehen, Aufträge für TV-Serien und ab 1989 auch für Werbespots.
Mit seinen ersten Filmen „Shivers – Der Parasiten-Mörder“ (1975), „Rabid – Der brüllende Tod“ (1977) und „Die Brut“ (1979) thematisierte Cronenberg in einem oft wissenschaftlichen Ambiente das Umkippen von Machtverhältnissen, den unkontrollierbaren Fremdkörper, der sich in einen Organismus einnistet, und die explizit dargestellte Gewalt, die Körper nicht nur deformiert, sondern oft genug auch zerstört.
In Cronenbergs ersten kommerziellen Spielfilm „Shivers“ pflanzt ein Wissenschaftler seiner Geliebten mit den Antibiotika einen Parasiten ein, der die im Körper versagenden Organe und Funktionen ersetzen soll. Leider mutiert die Frau dabei zu einem Sex-Monster, das die Bewohner eines futuristischen Hochhauses mit dem phallischen Parasiten infiziert. Eine ganz ähnliche Thematik präsentierte Cronenberg mit seinem nächsten Werk „Rabid“, wo ein Chirurg bei einer durch einen Unfall verletzten Frau eine verbotene Gewebe-Transplantation vornimmt. Nach ihrer „Genesung“ entwickelt die Frau allerdings vampirische Impulse, die sie mit rasender Geschwindigkeit in ihrer Umwelt verbreitet.
In „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ (1981) kann ein junger Mann namens Cameron Vale dank des Beruhigungsmittels Ephemerol, das seine Mutter während der Schwangerschaft eingenommen hat, nicht nur die Gedanken anderer Menschen lesen, sondern auch in deren Nervensystem einzugreifen. Von dem Ephemerol-Erfinder wird Cameron gebeten, andere sogenannte „Scanners“ zu finden, die ihre Fähigkeiten zu bösen Zwecken einsetzen und damit auch mal Köpfe zerplatzen lassen.
In „Die Brut“ (1979) rächt sich eine von ihrem Mann verlassene Hausfrau mit einem neuen Geburtsorgan, das kleine Monster gebiert, die alle umbringen, die ihre Mutter zur Weißglut treiben.
„Wie immer bei Cronenberg macht der Eingriff des fremden Gedankens den Menschen nicht einfach zur seelenlosen Marionette; Körper und Seele sind so leicht nicht zu trennen. Der fremde Gedanke muss ganz buchstäblich ins Fleisch dringen, und das führt nicht nur zu einigen heftigen Effekten, sondern auch zu einer filmischen Darstellung von Anstrengung, Erschöpfung und Einsamkeit, die die Überwindung des alten kostet“, konstatieren Georg Seeßlen und Fernand Jung in „Science Fiction. Grundlagen des populären Films – Band 2“ (Schüren, 2003, S. 502). „Dieses Spannungsfeld von nüchterner Wissenschaft und übersinnlicher, oft durch Drogen beförderten Erfahrungen kennzeichnet auch seine späteren Filme. Je mehr sich Technik, Wissenschaft und Moderne ausbreiten, desto mehr sich die Architektur und die Technologie auf optisch klare Strukturen zu reduzieren scheinen, desto mehr wuchert in den visionären Bildern von David Cronenberg das Organische, Fleischliche, Unberechenbare. Die Figur des mad scientist, des verrückten Wissenschaftlers, den wir aus Hunderten von amerikanischen Science Fiction- und Horrorfilmen kennen, bekommt bei Cronenberg eine neue tiefere Bedeutung. Es ist der Mensch, der die Möglichkeiten der neuen Technologie ausnutzt, um sehr alte Impulse, den Zugriff auf den menschlichen Körper und seine Seele, zu verknüpfen“, stellen die beiden Autoren schließlich in „Horror. Grundlagen des populären Films“ (Schüren, 2006, S. 341) fest.
Mit „Die Brut“ begann auch die bis heute andauernde, sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Cronenberg und dem Komponisten Howard Shore, der in der kanadischen Rock-Jazz-Band Lighthouse Flöte und Saxophon spielte, Songs komponierte und sogar sang, bevor er zwischen 1975 und 1980 als musikalischer Leiter der NBC Comedy-Serie „Saturday Night Life“ tätig wurde. Als er ungefähr 1978 damit begann, sich wieder mit dem Komponieren zu beschäftigen und nach geeigneten Filmen umzuschauen, traf er auf David Cronenberg, für dessen frühere Filme Ivan Reitman („Ghostbusters“) bereits produzierte Musik zusammengestellt hatte. Für „Die Brut“ komponierte Shore einen Score für 21 Streicher, und diese Instrumentengruppe sollte prägend für die weitere Zusammenarbeit zwischen Cronenberg und Shore werden.
1982 folgte die kompromisslose Mediensatire „Videodrome“ (1982). Der Fernsehproduzent Max Renn (James Woods) unterhält sein Publikum mit Gewaltsendungen und Sexfilmen. Als er an Aufnahmen einer Show gerät, in der Frauen gefoltert werden, leidet Renn unter Halluzinationen und verwandelt sich schließlich selbst in ein Abspielgerät.
Seinen kommerziellen Durchbruch erzielte Cronenberg 1983 mit der Verfilmung von Stephen Kings Bestseller „The Dead Zone“. Hier fällt der Englischlehrer Johnny Smith (Christopher Walken) nach einem Autounfall ins Koma, aus dem er nach fünf Jahren wieder erwacht. Während er seine Frau mittlerweile an einen anderen verloren hat, gewann er doch die Fähigkeit des Hellsehens hinzu. Doch diese Gabe erweist sich schnell als Fluch. Er braucht nur die Hand eines Menschen zu berühren und kann in dessen Vergangenheit oder Zukunft blicken. Zwar vermag er auch Morde aufzuklären und Menschen vor Unheil zu bewahren, doch leiden seine physischen wie psychischen Kräfte darunter. Als er den Provinzpolitiker Greg Stillson (Martin Sheen) kennenlernt, erkennt Smith, dass Stillson als Präsident der Vereinigten Staaten den „Dritten Weltkrieg“ auslösen wird.
Musikalisch stand Howard Shore allerdings bei diesem Projekt außen vor – das Studio wollte ihn nicht. Dafür kam mit Michael Kamen jemand an Bord, der sich vor allem als Arrangeur für Supergruppen wie Pink Floyd, Queen und Aerosmith einen Namen machte, bevor er auch als Filmkomponist große Erfolge feiern durfte („Stirb langsam 1-3“, „Lethal Weapon 1-4“, „James Bond – Lizenz zum Töten“). Nach dem Treffen mit Produzentin Debra Hill, Regisseur David Cronenberg und dem legendären Dino De Laurentiis machte sich Kamen gleich an die Arbeit. „Ich flog zurück nach London, wo ich den kompletten Score in zehn Tagen schrieb, die ganze Nacht bei weit geöffnetem Fenster auf das Klavier einhämmerte. Sehr früh am Morgen klingelte eine zerstreut aussehende Nachbarin im Nachthemd an meiner Tür. Sie zitterte, als sie sagte: ‚Bitte, bitte hören Sie auf, Klavier zu spielen. Sie ängstigen mich und meine Familie zu Tode, wir haben Albträume gehabt, wir konnten nicht schlafen… Bitte hören Sie auf!‘ Da wusste ich, dass ich etwas richtig gemacht haben musste“, erinnert sich der 2003 plötzlich an einem Herzinfarkt verstorbene Komponist im Booklet zu „The Dead Zone“.
Mit „Die Fliege“, einem Remake des Horrorklassikers von Kurt Neumann aus dem Jahre 1958 mit Vincent Price in der Hauptrolle, drehte Cronenberg 1986 seinen letzten Horrorfilm, nachdem der Filmemacher von seinen Fans schon als „Baron of Blood“ oder „Dave Deprave“ („der verderbte Dave“) tituliert worden ist. Cronenbergs Version handelt von dem eigenbrödlerischen Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum), der sich von seiner neuen Freundin, der Journalistin Veronica (Geena Davis) seine Arbeit mit der von ihm entwickelten Telebox dokumentieren lässt. Zunächst nur dazu gedacht, Gegenstände von einer Box in die andere zu teleportieren, wagt Brundle den Selbstversuch.
Doch bei dem Experiment schlüpft auch eine Fliege in den Teleporter und sorgt so für einen nicht erwünschten Gen-Mix. Brundle weist nach dem Versuch zunehmend die körperlichen Merkmale einer Fliege auf und mutiert zu einem Monster.
1988 folgte mit „Die Unzertrennlichen“ ein Psychothriller, in der die beiden eineiigen Zwillinge Elliot und Beverly Mantle (Jeremy Irons in einer Doppelrolle) nicht nur ihren Erfolg als Gynäkologen, sondern auch ihre Frauenbekanntschaften teilen. Als sie ein Verhältnis mit der Schauspielerin Claire (Geneviève Bujold) beginnen, verliebt sich der sensible Beverly in sie, verfällt den Drogen und vernachlässigt die gemeinsame Praxis. Elliot will es ihm gleich tun, doch im Drogenrausch führt die Beziehung zwischen den Zwillingen zu einer bizarren Operation.
„Des Regisseurs Fatalismus von der Unausweichlichkeit des Todes, der er zumeist mit mutierten Körpergeschwüren Ausdruck gibt, wird in 'Dead Ringers' nicht etwa vom Body- zum inneren Horror transferiert, sondern trotz des Verzichts auf graphische Deformationen fortgesetzt. Tatsächlich bilden die Mantle-Brüder als mutiertes Genprodukt das bis dato komplexeste Geschwür, sie erscheinen als dessen äußerlich perfekte fleischliche Materialisierung. Der Wille des Geistes über den Körper ist längst nicht gebändigt, sondern fast eliminiert: Jetzt, da sich Biologie als Schicksal behauptet und den Geist als endgültig untrennbar vom Fleisch versteht, müssen 'The Brood' und 'Scanners' gestrig erscheinen. In 'Dead Ringers' finden Gedankenspiele von Seele und Geist über Körper und Fleisch nicht mehr statt: Die Biologie steuert den Menschen. Und befällt ihn mit Krankheiten oder führt zu seinem unaufhaltsamen Ende“, befindet Rajko Burchardt in einer auf filmzentrale.com veröffentlichten Rezension. 
Dieser Film beruht ebenso auf einer wahren Begebenheit wie „M. Butterfly“ (1993), Cronenbergs überraschend sanft inszenierte Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von David Henry Hwang. Als der französische Diplomat Rene Gallimard (Jeremy Irons) 1964 in China bei einer Aufführung von „Madame Butterfly“ der bezaubernden Sängerin Song Li verfällt, setzt er seine gesamte Existenz aufs Spiel, ahnt aber nicht, dass seine Angebetete eigentlich ein Mann ist und für die chinesischen Kommunisten spioniert.
„Das Unglück von Cronenbergs Film besteht darin, dass er alles, was ihn inspiriert hat, mitschleppen muss: den authentischen Fall, das Broadway Melodram, die Oper von Puccini, den Sensationsprozess und die Kulturrevolution. So verzettelt er sich, statt sich auf den Wahnsinn seiner Figuren einzulassen, in Kostümen, Zitaten und Dekors“, kritisiert Andreas Kilb in der Zeit. „Seit zwanzig Jahren dreht Cronenberg Filme, die von der Zerstörung und Verwandlung der Körper handeln, vom Irrsinn der Seelen, vom Aufstand der Gedanken gegen das Fleisch. Die Geschichte von Song Liling und Rene Gallimard schien für seine wilden Phantasien wie geschaffen. Vielleicht ist er gerade deshalb an ihr gescheitert: Statt sie aus ihrer exotischen Maskerade zu befreien, hat er sie bloß getreulich nachgestellt. So ging es ihm wie Bernard Boursicot, der auch nur sah, was er sehen wollte. Aber es war eine Illusion.“
Zuvor adaptierte Cronenberg 1991 William S. Burroughs Kultroman „Naked Lunch“, in der der Autor seine eigenen Drogenerfahrungen und sexuellen Phantasien verarbeitete. „Naked Lunch“ beschreibt die wahnwitzige Geschichte des erfolglosen Autors Bill Lee (Peter Weller), der sich als Kammerjäger durchschlägt und sich zusammen mit seiner Frau Joan Insektengift spritzt, um davon high zu werden. Doch bei ihrem traditionellen Wilhelm-Tell-Spiel erschießt Bill seine Frau und flüchtet sich an einen fiktiven Ort namens Interzone, wo eine riesige Kakerlake Bill zwingt, seine Erlebnisse niederzuschreiben. „‘Naked Lunch‘ zeigt Cronenberg in Reinform. Er entfesselt einen halluzinatorischen Mahlstrom, der jede Realität und sämtliche Bewußtseinzustände aufsaugt -ein Film als Horrortrip“, befindet Karl-Eugen Hagmann in seiner film-dienst-Rezension (zitiert auf Arthaus.de). „‘Naked Lunch‘ lässt sich durchaus als bitterböser Kommentar auf eine fehlgeleitete Welt deuten, die sich auf dem Regress zur Ursuppe befindet. Doch der Suche nach tieferen Bedeutungsebenen stehen Cronenbergs auf den direkten Effekt hin kalkulierte Ekelbilder im Wege. Primäres Ziel Cronenbergs ist die Verunsicherung des Publikums, das Aufbrechen von festen Strukturen jeder Art. Doch seine filmischen Mittel provozieren in erster Linie Abwehrmechanismen.“
Eine weitere Literaturverfilmung folgte 1996 mit “Crash”. J.G. Ballard thematisierte in seinem 1973 veröffentlichten Roman die Deformation der Psyche, die einer durch Deformation des Körpers folgt. Als der Werbefilmer J.G. Ballard (James Spader) durch einen Autounfall Dr. Helen Remington (Holly Hunter) kennenlernt, gerät er in den Sog von Vaughan (Elias Koteas), der tödliche Unfälle berühmter Filmstars nachstellt und seine Freundin (Rosanna Arquette) längst zu einem vernarbten Kunst-Werk verunstaltet hat, das nur noch durch Chrom und Leder zusammengehalten wird. „Der aufgrund seiner verstörenden Radikalität bis heute recht unpopuläre Cronenberg-Film nähert sich dem Thema Fetisch und Psychopathologie einerseits auf kompromisslos direkte Weise, in seiner detaillierten, einfühlsamen Figurenzeichnung bleibt der Film dennoch subtil und hintergründig. Das zentrale Motiv in Cronenbergs Schaffen der 80er- und 90er-Jahre, die Kollision von Technik und (menschlicher) Körperlichkeit, findet in 'Crash' die wohl ungewöhnlichste und erfrischendste Umsetzung im Schaffen des kanadischen Regisseurs“, fasst Sebastian Schwittay auf negativ-film.de zusammen.
Mit seinem 1999 veröffentlichten Film „eXistenZ“ präsentierte Cronenberg fast einen Nachfolger zu „Videodrome“, wo es auch schon um die durch die Medien geschaffene Irrealität ging. Diesmal geht es um die künstliche Realität, die in Spielen kreiert wird. Jennifer Jason Leigh mimt die Spiele-Erfinderin Allegra Geller, die im Namen ihres Auftraggebers zwölf ihrer Bewunderer in einer Kirche um sich versammelt, um ihr neues Spiel „eXistenZ“ auszuprobieren. Allerdings wird „eXiszenZ“ nicht über herkömmliche Konsolen gespielt, sondern der Spieler agiert selbst in einer sehr real wirkenden Welt, indem er durch eine organische Schnur und einem Bioport im Rückenmark mit dem Spielszenario verbunden wird. Doch Allegras Kritiker, die eine Versklavung der Spieler befürchten, setzen alles daran, die Ikone der Spiele-Branche zu töten.
„Bei weitem nicht so düster wie ‚Die Unzertrennlichen‘, so fatal wie ‚Videodrome‘ (James Woods als lebender Videorecorder), so psychedelisch umwabert wie ‚Naked Luch‘ (Peter Weller als Verlängerung seiner Schreibmaschine) oder so todessehnsüchtig und sexuell stimulierend wie ‚Crash‘ (die kühnste Fleisch-Metall-Legierung), wirkt ‚eXistenZ‘ über weite Strecken erfrischend komisch (Willem Dafoe, der Jude Law mit einem MG-Schlagbolzen stöpselt, bevor Leigh in ihrerseits penetrieren kann). Und trotz der letztendlich unauflösbaren Labyrinthik der Spielebenen bleibt der Film stets überschaubar, weil das Spiel selbst die Realität nachstellt. Die Hatz auf Leigh als Künstler ist aktuelles Beiprodukt (die Rushdie-‚Fatwa‘), die Musik zitiert Morricones Mundharmonika-Dissonanzen aus ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘, der Dialog ist gelöst, was diesen Cronenberg mitsamt all den anderen Qualitäten zu seinem möglicherweise größten Publikumserfolg führen könnte“, meint kino.de

Mit „Spider“ begab sich Cronenberg 2002 erneut in die abgründigen Labyrinthe der menschlichen Psyche. Der Film schildert die Rückkehr eines Mannes (Ralph Fiennes) in die Gesellschaft, nachdem er aus der psychiatrischen Anstalt entlassen worden ist. Er bezieht ein trostloses Kämmerchen in der Pension der resoluten Mrs. Wilkinson (Lynn Redgrave) und rekapituliert auf seinen einsamen Spaziergängen durch das verlassene Industriegebiet des Londoner East End seine Kindheit. Dabei erinnert er auch die Umstände, die zum Tod seiner Mutter (Miranda Richardson) führten.
„Der Film bietet eine Vielzahl existenzphilosophischer Betrachtungen, eine ödipal anmutende Grundproblematik und eine ganze Reihe von brillanten Metaphern (eine zerbrochene Fensterscheibe als spinnennetzförmiges Puzzle fasst beinahe den ganzen Film in nur einem Bild zusammen), die ‚Spider‘ vom reinen Unterhaltungskino weit entfernen. Statt dessen ist Cronenberg ein zur Reflektion einladendes Gesamtwerk mit Sogwirkung gelungen, das in der vermittelten Grundatmosphäre filmisch zwischen den trügerischen Welten eines David Lynch und dem paranoiden Wahn von Roman Polanskis ‚Der Mieter‘ (1976) oszilliert“, fasst Benjamin Hachmann auf filmszene.de zusammen.
Recht konventionell inszenierte Cronenberg seinen nächsten Film „A History Of Violence“ (2005), eine Gewaltorgie mit fast tarantinoscher Spaßnote. Tom Stall (Viggo Mortensen) lebt zusammen mit seiner Frau Edie (Maria Bello) und ihren beiden Kindern still und zurückgezogen in einer kleinen Stadt im Mittleren Westen. Er gerät jedoch überraschend ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, als er in einem Restaurant zwei Verbrecher ausschaltet und zum Helden erkoren wird. Das bekommen auch zwei Mafiosi mit, die Tom einen Besuch abstatten und eine offene Rechnung von früher begleichen wollen.
"Was Cronenbergs Film zu einem kleinen Meisterwerk erhebt, von einem bis in die Nebenrollen vorzüglich besetzten Ensemble einmal abgesehen, ist die Perfektion seiner Herstellung. Man kennt Cronenberg als den finsteren Fantasten von Mensch-Maschine-Verschmelzungen, seltsamen Obsessionen und klaffenden Körperöffnungen. Doch nun legt er in diesem scheinbaren Action-Picture eine so atemberaubende handwerkliche Präzision an den Tag, als hätte zeitlebens nichts anderes als kurze, schmutzige Genre-Filme hergestellt. Mit analytischer Kühle dekonstruiert er die Mittel, die das Gewaltkino entwickelt hat, um seinen Zuschauern Schauer kathartischer Befriedigung über den Rücken zu jagen“, urteilt Sebastian Handke in „Der Tagesspiegel“ vom 13.10.2005.
In „Tödliche Versprechen“ (2007) hat Cronenberg das Mafioso-Setting nach London verlegt, wo die Hebamme Anna (Naomi Watts) nach dem Tod einer Mutter bei der Geburt deren Identität feststellen möchte, als Hinweise aber nur ein russisches Tagebuch und ein Streichholzbriefchen mit der Adresse eines russischen Restaurants hat. Sie lernt den attraktiven Nikolai (Viggo Mortensen) kennen, der für den russischen Patriarchen und Besitzer des besagten Restaurants, Semyon (Armin Mueller-Stahl), arbeitet. Semyon bietet Anna zwar seine Hilfe ein, doch als sie erfährt, dass das Tagebuch die kriminellen Machenschaften Semyons und seines aufbrausenden Sohnes Kirill (Vincent Cassel) aufdeckt, schwebt sie in höchster Lebensgefahr.
"Der alpha-maskuline, undurchschaubare Viggo Mortensen und die elfenhafte Naomi Watts sind ein so unwahrscheinliches Paar, dass wohl nur ein Schreckensmeister wie Cronenberg darauf verfallen konnte. Die Idee der Familie ist das Zentrum von ‚Tödliche Versprechen‘, sie wird hinreißend variantenreich und intelligent präsentiert: als biologischer Bund, als ethnische Gruppe im Exil, als kriminelle Gemeinschaft, als ödipales Verhängnis oder auch als Wahlverwandtschaft; und immer hat so eine Familie ja auch Ärger mit ihren Außenseitern“, lautet das Fazit von Anke Westphal in der „Berliner Zeitung“ vom 27.12.07.
Mit seinem neuen Film „Eine dunkle Begierde“ setzt sich der kanadische Ausnahmeregisseur mit den Anfängen der Psychoanalyse auseinander und präsentiert seinen sicher konventionellsten Film. Im Mittelpunkt des klassischen Biopics stehen aber weniger die berühmten Vordenker Carl Jung und Sigmund Freud, sondern die unter hysterischen Anfällen leidende Patientin Sabrina Spielrein (Keira Knightley), die 1904 in Zürich in die Privatklinik von Professor Bleuler (André Hennicke) eingeliefert wird, wo Dr. Carl Jung (Michael Fassbender) damit beginnt, die intelligente junge Frau nach den Methoden seines Wiener Kollegen Professor Sigmund Freud (Viggo Mortensen) zu therapieren, nämlich in Gesprächen.
Innerhalb von zwei Jahren macht Jung mit seiner attraktiven Patientin nicht nur erhebliche Fortschritte, sondern hat die Psychologie-Studentin auch zu seiner Assistentin gemacht, der er auch sonst sehr zugeneigt ist. Bevor die Affäre jedoch an die Öffentlichkeit gelangt, beendet Jung sie, worauf sich Sabina bei Freud um eine Anstellung bewirbt …
Cronenbergs Sicht der Geschichte trübt kein Staubkorn, er dringt zu einer Art Essenz des Genres vor, arbeitet mit präzisen, verknappten Szenen, in denen das Verhältnis zwischen Forschung und Existenz, Arzt und Patient sowie Lehrer und Schüler in Bewegung gerät. Was man hier in großer Komplexität - und ohne Verzicht auf Dramatik - zu sehen bekommt, ist das faszinierende Bild einer Gruppe, die energisch neues Terrain beschritten hat, aber nicht alle Freiheiten des Geistes gleichermaßen zu leben verstand“, meint Dominik Kamalzadeh in derStandard.at
Seit 1979 arbeitet David Cronenberg fast ausschließlich mit dem Komponisten Howard Shore zusammen, einzig bei der Stephen-King-Verfilmung „The Dead Zone“ griff er auf Michael Kamen zurück. Der seit seiner Jugendzeit mit dem Filmemacher befreundete Shore hat die Zusammenarbeit mit Cronenberg einmal so beschrieben: „Wir haben viele Gemeinsamkeiten, was die Art und Weise betrifft, Filme zu machen. Wir wuchsen daran, gemeinsam Filme zu machen. Er ist brillant. Er war anderen immer Jahre voraus. Es ist eine große Herausforderung, mit David Cronenberg zu wachsen. Für mich als Komponist ist diese Beziehung eine großartige Sache. Es ist für mich immer wieder eine große Herausforderung, Stücke zu schreiben, die sich so dramatisch von den vorherigen unterscheiden.“
Der Soundtrack zur aktuellen Cronenberg/Shore-Kollaboration enthält nicht nur den sehr einfühlsamen Score von Howard Shore, sondern auch einen ausgiebigen Ausschnitt aus Richard Wagners „Siegfried Idyll“ mit dem kunstfertigen Piano-Spiel von Lang Lang.

Filmographie:
1966: Transfer (Kurzfilm)
1967: From the Drain (Kurzfilm)
1969: Stereo
1970: Crimes of the Future
1975: Parasiten-Mörder (Shivers)
1977: Rabid – Der brüllende Tod (Rabid)
1979: 10.000 PS – Vollgasrausch im Grenzbereich (Fast Company)
1979: Die Brut (The Brood)
1981: Scanners – Ihre Gedanken können töten (Scanners)
1983: Videodrome
1983: The Dead Zone
1986: Die Fliege (The Fly)
1988: Die Unzertrennlichen (Dead Ringers)
1991: Naked Lunch – Nackter Rausch (Naked Lunch)
1993: M. Butterfly
1996: Crash
1999: eXistenZ
2000: Camera (Kurzfilm)
2002: Spider
2005: A History of Violence
2007: At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World (Kurzfilm)
2007: Tödliche Versprechen – Eastern Promises (Eastern Promises)
2011: Eine dunkle Begierde (A Dangerous Method)

Playlist:
1 Howard Shore - Reflection (A Dangerous Method) - 05:56
2 Howard Shore - The Shape Of Rage (The Brood) - 03:00
3 Howard Shore - Pins And Needles (Videodrome) - 03:04
4 Howard Shore - Vale Captured (Scanners) - 04:07
5 Michael Kamen - Opening Titles (The Dead Zone) - 04:20
6 Howard Shore - Birthday Party (Dead Ringers) - 04:20
7 Howard Shore - The Last Visit (The Fly) - 02:22
8 Howard Shore - Fadela's Coven (Naked Lunch) - 03:31
9 Howard Shore - Concubine (M. Butterfly) - 04:10
10 Howard Shore - Mirror Image (Crash) - 03:24
11 Howard Shore - Gasworks (Spider) - 04:21
12 Howard Shore - The Road (A History Of Violence) - 03:08
13 Howard Shore - Tatiana (Eastern Promises) - 05:10

Playlist # 71 vom 06.11.11 (2) - NEUHEITEN 2011 (2)

In den letzten Wochen sind so viele interessante neue Soundtracks veröffentlicht worden, dass ich eine kleine, aber feine Auswahl davon in der zweiten Stunde der heutigen Sendung vorstellen möchte, darunter mal wieder etwas von Craig Armstrong und John Williams, aber auch von Danny Elfman, Lisa Gerrard, Christophe Beck und vielen anderen.

Den Anfang machen die Scores zu zwei TV-Produktionen, die nachdrücklich dokumentieren, dass die Zeiten längst vorbei sind, in denen fürs Fernsehen nur schnell produzierte Synthi-Scores komponiert werden.
Trevor Morris hat bereits hervorragende Arbeit für die Fernseh-Produktionen „The Tudors“ und „Die Säulen der Erde“ geleistet und so bereits den Grundstein für ein weiteres Highlight legen können, wie das mit dem Emmy ausgezeichnete, mit schönen Chor- und Gitarren-Klängen versehene Hauptthema zur Showtime-Serie „Die Borgias – Sex. Macht. Mord. Amen.“ eindrucksvoll unterstreicht und so die passende musikalische Untermalung für die Geschichte der berühmt-berüchtigten Familie rund um Rodrigo Borgia, besser bekannt als Papst Alexander VI, präsentiert.
Ramin Djawadi, der gerade mit seiner Arbeit zum „Fright Night“-Remake im Kino zu hören gewesen ist, hat sich durch seinen Score zu „Clash Of The Titans“ für die Fernsehserie „Game Of Thrones“ empfohlen und einen äußerst vitalen Score kreiert, der mittelalterliche Klänge mit modernen Instrumenten und choralen Gesängen verbindet.
Die sind bekanntermaßen auch ein charakteristisches Merkmal von Craig Armstrong, der nach seiner Arbeit mit Pop-Ikonen wie Madonna, Pet Shop Boys und Massive Attack durch seinen Score zu „Romeo & Juliet“ über Nacht zu einem Star in der Filmmusikszene avancierte und vor allem von Regisseur Oliver Stone („World Trade Center“, „Wall Street 2“) sehr geschätzt wird. Für den Justin-Timberlake-Thriller „In Time“ komponierte der Brite einen für seine Verhältnisse ungewöhnlich rhythmischen Action-Score, der aber auch immer wieder Raum für entspannende Momente lässt.
In Sachen Action-Komödien ist Christophe Beck ein vielgefragter, versierter Mann. Zuletzt hat er Filme wie „R.E.D.“, „Stichtag“ und „Hangover 2“ vertont und für Brett Ratners „Aushilfsgangster“ ("Tower Heist“) eine Musik komponiert, die das Feeling von Scores aus den 70ern wie zu „The Taking Of Pelham 123“, „The Hot Rock“ und „The Anderson Tapes“ auf originelle Weise in die heutige Zeit transformierte.
Danny Elfman, der mit besagtem Brett Ratner an „Roter Drache“ und „Family Man“ zusammenarbeitete, darf sein einzigartiges Talent, das vor allem sein Freund Tim Burton immer wieder zu Höchstleistungen herausfordert, in dem Action-Drama „Real Steel“ erneut unter Beweis stellen. Zwar zählt der Score zu dem Film, in dem Hugh Jackman einen ehemaligen Profi-Boxer spielt, der einem ausrangierten Roboter das Boxen beizubringen versucht, nicht zu Elfmans stärksten Arbeiten, aber seine charakteristischen Klangwelten sind auch hier deutlich wahrzunehmen.
Das gilt auch für die lang erwartete neue Zusammenarbeit von Regiemeister Steven Spielberg und seinem langjährigen Weggefährten John Williams. Für die neue Leinwandadaption der legendären „Tim & Struppi“-Comics von Hergé unter dem Titel „Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der ‚Einhorn‘“ hat Williams wieder einen großartigen, abwechslungsreichen, bewegenden Score komponiert.
„Betrachtet man die Anzahl der Action-Filme, die er musikalisch untermalt hat – von ‚Star Wars‘ über ‚Indiana Jones‘ bis zu ‚Tintin‘ – lässt sich mit Sicherheit sagen, dass, wenn Abenteuer einen Namen hat, dass muss es John Williams sein“, bekundet Steven Spielberg im Booklet zum „Tintin“-Soundtrack. „Als ich das erste Mal den ‚Tintin‘-Score hörte, hatte ich das Gefühl, dass John seit ‚Jaws‘ und ‚Star Wars‘ kaum gealtert ist. Diese neue Musik besitzt die gleiche Energie und Fülle, und sie ist so verwickelt in die Story, Figuren und Bilder verwoben, dass ich mich wieder wie ein Jüngling fühle.“ 
Im nächsten Jahr soll übrigens die von Peter Jackson inszenierte Fortsetzung in die Kinos kommen... Dario Marianelli hat sich mit seinen Scores zu Literaturverfilmungen wie „Abbitte“, „Stolz und Vorurteil“ oder zuletzt „Eat Pray Love“ einen Namen in der Filmmusikszene machen können. Für die neue Adaption von Charlotte Brontës viktorianischen Klassiker „Jane Eyre“ war der Komponist also wie prädestiniert.
„Von den vielen Freuden, die ich erlebte, während ich die musikalische Sprache herauszufinden suchte, die Jane auf ihrem Pfad begleiten könnte, war keine größer als den Violinisten Jack Liebeck zu treffen: sein leidenschaftliches, vollherziges, üppiges Spiel wurde die innere Stimme für Janes wahres Selbst“, beschreibt Marianelli seine Zusammenarbeit mit dem virtuosen Solisten an dem wundervoll lyrischen Score.
Die australische Künstlerin Lisa Gerrard hat seit ihrem Durchbruch in der Filmmusikszene mit der Zusammenarbeit mit Hans Zimmer an „Gladiator“ immer wieder mit anderen Musikern kollaboriert, wie mit Pieter Bourke an „Ali“ und „The Insider“, mit Jeff Rona an „A Thousand Roads“ oder mit Cye Wood an „The Trail of Gegnghis Khan“. Für ihre beiden jüngsten Soundtracks hat die Dead-Can-Dance-Sängerin und –Komponistin mit Marcello De Francisci sehr unterschiedliche Werke komponiert. Während „In/Sight“ eher in der klassischen Psycho-Thriller-Tradition steht und einen neuen Aspekt in Gerrards Schaffen darstellt, wirkt die Musik zum Drama „Oranges and Sunshine“ zugänglicher. Gerrards kongenialer Dead-Can-Dance-Partner Brendan Perry hat seit der Auflösung der Band, die nur noch live zusammen auftritt, zwar keine Soundtracks veröffentlicht, aber zwei eindrucksvolle Solo-Alben. Wie genial dieser Mann Musik zu schreiben versteht, demonstriert das Anfang 2010 veröffentlichte Album „Ark“ von den ersten Klängen bis zum elegischen Schlussstück „Crescent“ ohne Unterbrechung. Sozusagen als Bonus zu Lisa Gerrards Beiträgen spiele ich das hymnische „Wintersun“.
Zwei neue Werke gibt es auch vom ehemaligen Red-Hot-Chili-Peppers-Drummer Cliff Martinez, der einmal mehr einen neuen Steven-Soderbergh-Film musikalisch veredelt hat. „Contagion“ bietet ebenso wie der Score zu „Drive“ die typischen Ambient-Soundscapes mit leicht rhythmischen Elementen. Und auch von Thomas Newman, um den es seit den 2008 produzierten Blockbustern „Zeiten des Aufruhrs“ und Disneys „Wall-E“ etwas ruhiger geworden ist, gibt es gleich zwei neue Werke zu hören. Während die Musik zu dem Thriller-Drama „Eine offene Rechnung“ ("The Debt") leider für Newman-Verhältnisse etwas unspektakulär ausgefallen ist, präsentiert er sich bei „The Help“ einmal mehr in bestechender Bestform. Die Verfilmung von Kathryn Stocketts Bestseller über Freundschaft, Courage und Ausgrenzung in den Südstaaten der 60er Jahre hat Newman mit einem bemerkenswerten, eindringlichen Score versehen, der allerlei ungewöhnliche Instrumente wie Ukulele, Dulcimer, Zither, Cavaquinho, Dulcigurdy oder Cristal Baschet in die zurückhaltenden Orchesterarrangements einbettet.

Playlist: 
1 Trevor Morris - The Borgias Main Title (The Borgias) - 01:34
2 Ramin Djawadi - Love In The Eyes (Game Of Thrones) - 04:00
3 Craig Armstrong - In Time Choral Theme (In Time) - 03:20
4 Christophe Beck - Theme From Tower Heist (Tower Heist) - 03:30
5 Danny Elfman - You Deserve Better (Real Steel) - 04:03
6 John Williams - Marlinspike Hall (The Adventures Of TinTin: The Secret Of The Unicorn) - 04:00
7 Dario Marianelli - Wandering Jane (Jane Eyre) - 03:01
8 Lisa Gerrard & Marcello De Francisci - Insight (In/Sight) - 03:34
9 Lisa Gerrard & Marcello De Francisci - Let The Rest Go (Oranges and Sunshine) - 04:52
10 Brendan Perry - Wintersun (Ark) - 06:03
11 Cliff Martinez - They're Calling My Flight (Contagion) - 03:02
12 Cliff Martinez - Where's The Deluxe Version? (Drive) - 05:32
13 Thomas Newman - One More Parcel (The Debt) - 03:23
14 Thomas Newman - Ain't You Tired (End Title) (The Help) - 06:29

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