Playlist #461 vom 01.11.2026 - Neuheiten 2026 (5)
In der heutigen Sendung gibt es nicht nur neue Soundtrack-Arbeiten von renommierten Komponisten wie Alexandre Dresplat, Harry Gregson-Williams, Marco Beltrami und Hanan Townshend zu hören, sondern auch Artverwandtes, so eine neue klassische Komposition von Marcel Barsotti und Instrumentaltracks aus den neuen Alben von Midge Ure und Aerial Ship of Flowers.
Vor fünfzehn Jahren inszenierte Drehbuchautor und Regisseur Aaron
Sorkin mit „The Social Network“ eine Geschichte über die Anfänge von
Facebook. Mit seinem neuen Film „The Social Reckoning“ geht Sorkin nun
einen Schritt weiter und geht der Unternehmenspolitik des Social-Media-Riesen
auf den Grund, den Umsatz über die Sicherheit der Nutzer zu stellen. Bei ihren
Recherchen fördern eine Facebook-Ingenieurin und ein
Wall-Street-Journal-Journalist nach und nach bislang verborgene Vorgänge
innerhalb des Unternehmens zutage und bringen sie auf die Spur von
Informationen, die weitreichende Folgen haben könnten. Sorkin beruft sich dabei
auf die Hintergründe zu den „Facebook Files“, die Jeff Horwitz im „Wall
Street Journal“ im Oktober 2021 veröffentlichte. Die Musik stammt dazu von
Oscar-Preisträger Alexandre Desplat („Shape of Water“, „The Curious
Case of Benjamin Button“).
Marcel Barsotti, der vor allem durch seine
Filmmusiken zu „Die Päpstin“ (2009), „Das Wunder von Bern“
(2003), „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (2006) und „Jesus liebt
mich“ (2012) bekannt geworden ist, hat in letzter Zeit vor allem als
Regisseur der Filme „Imperia“ und „Transformation“ von sich reden
gemacht, die mit künstlicher Intelligenz gedreht wurden. Nun tritt der
umtriebige Mann wieder mit einer musikalischen Komposition in Erscheinung, dem
Cello-Werk „Hope“. Es wurde mit der Cellistin Isabella Fink, Kammermusik-Aufnahmen
und Klarinetten von Stefan Meusburger und dem Lumena Ensemble eingespielt. „HOPE
steht für Frieden in einer Welt, die derzeit völlig aus dem Gleichgewicht
geraten ist, für eine bessere Umwelt, für eine bessere Kommunikation und dafür,
einander wieder mehr zuzuhören. Es steht für all die Menschen, Tiere und
Lebewesen auf dieser Welt, die dringend Hilfe benötigen, für die Hoffnung, dass
wir wieder in Demokratien leben können – anstatt in Angst und Gewalt“, fasst Barsotti
die Botschaft seines Stückes zusammen. „Jeder sollte die HOPE für eine bessere
Welt in sich tragen. Genau deshalb habe ich dieses Musikstück geschrieben.“
Bevor die schwedische Band Twice A Man am 20.
November ihr neues Album „Reveries Before Silence“ veröffentlicht,
präsentiert Bandmitglied Karl Gasleben in Zusammenarbeit mit dem Maler
und Gitarristen Peter Davidson das fünfte Album ihres Projekts Aerial
Ship of Flowers. Auf „Secret Fields“ sind dreizehn instrumentale
Kompositionen im weiten Feld des Ambient zu finden, wobei elektronische
Soundscapes, flirrende Rhythmen und sanfte Gitarrenklänge eine hypnotische Symbiose
eingehen.
Der neuseeländische Komponist Hanan Townshend hat
durch seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem renommierten Filmemacher Terrence
Malick bei Projekten wie „The Tree of Life“ (2011), „To the
Wonder“ (2014), „Knight of Cup“ (2015) und „Voyage of
Time“ (2016) für Furore gesorgt. Mit „Clear Sky“ legt er nun
die Musik zu dem Dokumentarfilm von Shawn Clear Sky Davies und Michael
Del Monte vor.
Der Film folgt Shawn Clear Sky Davies auf seinem
Kampf gegen Sucht und die Entfremdung von seiner Kultur – mithilfe
psychedelischer Therapie und einer Reise quer durchs Land, um sich seiner
Mutter zu stellen.
„Für ‚Clear Sky‘ wollten Regisseur Michael Del Monte und ich, dass die Musik eine tiefe Verbindung zu Shawns innerer Reise spürbar macht. Der Film durchläuft Themen wie Sucht, Identität, Langstreckenlauf, psychedelische Therapie und Shawns schrittweise Wiederannäherung an seine Anishinaabe-Kultur. Die Musik musste sowohl die Dunkelheit seiner Vergangenheit als auch die Hoffnung auf die Zukunft einfangen. Ein Großteil der Musik entstand aus einfachen Worten oder Ideen: Bewegung, Natur, Suche. Shawns Geschichte hat eine starke körperliche Komponente – vor allem durch seine Leidenschaft fürs Laufen –, aber auch eine spirituelle Dimension, während er beginnt, ein Gefühl für Kultur, Zugehörigkeit und die Verbindung zum Land wiederzufinden. Ich wollte, dass diese Welten miteinander verschmelzen, indem ich Klangfarben, Streicher, Klavier und Flöte mit eher atmosphärischen und impressionistischen Elementen kombinierte. Eine wichtige Frage war, wie sich Shawns indigene Identität musikalisch darstellen ließ; wir versuchten, uns diesem Aspekt des Films mit Zurückhaltung und Respekt zu nähern. Die Musik begleitet oft seine Sehnsucht nach seiner Kultur, anstatt zu versuchen, stellvertretend für sie zu sprechen; so behalten Momente der Zeremonie und der kulturellen Verbundenheit ihr eigenes Gewicht“, beschreibt Hanan Townshend die Arbeit an dem Film. „Im Verlauf des Films wandelt sich die Musik allmählich von einer rastlosen, kreisenden Unruhe hin zu etwas Offenerem und Aufgelösterem. Musikstücke wie ‚Running‘, ‚That’s in Me‘ und ‚Forgive Myself‘ spiegeln verschiedene Phasen dieser Wandlung wider. Letztlich wollte ich, dass die Musik wirkt, als würde sie gemeinsam mit Shawn suchen – und sich von Wut, Sucht und Entfremdung hin zu Vergebung, Identität und einem Gefühl der Zugehörigkeit bewegen.“
Außerdem komponierte Townshend noch den Score zum
Neo-Western „Angel and the Badman“.
In ihrem Dokumentarfilm „Your Attention Please“
untersucht Sara Robin den Einfluss sozialer Medien auf die Sicherheit
und psychische Gesundheit von Jugendlichen. Der Film blickt mit einer gewissen
Nostalgie auf eine idealisierte Vergangenheit zurück und stellt Aktivistinnen
wie Kristin Bride vor, die gegen Cybermobbing kämpfen, sowie Innovatoren, die
Werkzeuge entwickeln, um Teenagern zu helfen, im Netz bessere Entscheidungen zu
treffen.
„Die Filmmusik zu ,Your Attention Please‘ wurde für ein kleines Ensemble aus Streichern, Flöten und Klarinetten komponiert, untermalt von einer Ebene aus modularer Elektronik und Synthesizern, die wie ein Schleier über der Musik liegt – so wie die digitale Welt über unserem Leben schwebt“, beschreibt der französische Komponist Raphaël Dargent seine Arbeit an dem Film. „Das Dokumentarfilmformat verlangte nach Zurückhaltung: Die Musik bleibt eher im Hintergrund und gibt den Stimmen auf der Leinwand Raum zur Entfaltung, anstatt sie lediglich einzurahmen. Im Zentrum steht ein wiederkehrendes, synkopiertes Streichermotiv, das den rastlosen Puls einer Technologie nachzeichnet, die uns stets einen Schritt voraus ist und uns immer wieder ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt. Dennoch ist die Musik keineswegs düster. Trotz des unterschwelligen Unbehagens findet die akustische Komposition immer wieder zu Wärme und Zärtlichkeit zurück und spiegelt so die stille Überzeugung des Films wider, dass all dies nicht zwangsläufig so sein muss.“
Mit „Monsieur“ hat Méliane Marcaggi einen
Krimi inszeniert, der unmittelbar nach der sozialen und sexuellen Revolution
vom Mai 1968 angesiedelt ist, die zwar Paris im Sturm erobert hatte, im tiefen
französischen Hinterland aber weitgehend folgenlos blieb. In der
nordfranzösischen Provinz besitzt Monsieur Demest ein riesiges Anwesen und
regiert die Region mit eiserner Hand. Eines Abends wird Catherine, eine
Küchenhilfe, gebeten, auf seine fünfjährige Enkelin Sylvie aufzupassen. Auf dem
Rückweg zum Haus für das Abendessen wird sie von einem Landarbeiter
schikaniert, und die anderen Männer stimmen in die Schikanen ein. Catherine
gerät völlig durcheinander und verliert die Orientierung – und als sie wieder
aufblickt, ist Sylvie verschwunden. Am nächsten Morgen trifft ein
Erpresserbrief ein.
„Dieser Fernsehfilm ist ein reiner Krimi, ein Film noir, bei
dem die Regisseurin die musikalische Atmosphäre nicht auf die reinen
Konventionen des Thriller-Genres beschränken wollte“, erklärt Komponist Cyrille
Aufort. „Sie wollte auch eine psychologische Ebene betonen, die die verschiedenen
Protagonisten prägt: einerseits die Welt der Kindheit, andererseits das Leid,
die Angst und das Schweigegebot, denen bestimmte Figuren unterworfen sind. Die
Musik wechselt daher zwischen verschiedenen Stilen – von Fantasy über
Krimi-Drama bis hin zu einer gewissen Romantik.“
Der französische Film- und Videospiel-Komponist Florian
Bochkovsky präsentiert mit „Archdevil“ ein düsteres, episches Instrumentalstück, das
zwar vom Teufel inspiriert ist, aber eher als Fantasiefigur, nicht von seiner
biblischen Darstellung.
„Wuchtige, tiefe Blechbläser verkörpern das Böse, während
die Streicher mit wiederkehrenden Ostinato-Motiven innere Unruhe und
Zerrissenheit ausdrücken. Die brutalen, bewusst unregelmäßigen
Schlagzeugrhythmen vermitteln eine infernalische Atmosphäre. Die Chorstimmen
verleihen dem Ganzen zugleich etwas Dunkles und Göttliches“, beschreibt Bochkovsky,
der Komponisten wie Howard Shore, John Powell, Paul Anthony Romero und Olivier
Derivière schätzt, sein Stück, das über Youtube nun auch den Weg in
diese Sendung gefunden hat.
Playlist:
02. Marcel Barsotti - Hope - 03:57
03. Aerial Ship of Flowers - Below the Rain (Secret Fields) - 04:58
04. Hanan Townshend - Forgive Myself (Clear Sky) - 04:48
05. Midge Ure - Hearing the Invisible (Man of Two Worlds) - 03:56
06. Volker Bertelmann - Petitions (The Uprising) - 05:31
07. Volker Bertelmann - Revelations (Verity) - 08:16
08. Bear McCreary - Whatever the Gale Might Bring (Outlander: Blood of My Blood - Season 2) - 04:53
09. Marco Beltrami - Echoes (Unabomber) - 03:51
10. Rupert Gregson-Williams - Our Story (Practical Magic 2) - 04:40
11. Raphaël Dargent - Fractals (Focal Point) - 02:16
12. Raphaël Dargent - Enough Is Enough (Your Attention Please) - 03:26
13. Harry Gregson-Williams - Heading to Grand Junction (The Dog Stars) - 03:15
14. Harry Gregson-Williams - Explanations (Animals) - 05:16
15. Hans Zimmer, Andrew Christie & Lebo M - Main Theme (LION) - 05:04
16. Hans Zimmer, Kara Talve & Anze Rozman - Prehistoric Planet III Theme (Prehistoric Planet: Ice Age) - 04:38
17. Armand Amar & Gregoire Korniluk - The Unspoken (The Eternal Song) - 05:09
18. Fil Eisler - The Boy on the Beach (Outer Banks - Season 5) - 04:25
19. Cyrille Aufort - Final Words (Monsieur) - 03:53
20. Bryce Dessner - Real Mother (Monster - The Lizzie Borden Story) - 03:19
21. Hanan Townshend - Confederate Gold (Angel and the Badman) - 03:01
22. Uno Helmersson - Recovering (Ocean Dreams) - 03:24
23. Laura Karpman - Salinas (East of Eden) - 03:43
24. Ruth Barrett - Spirit in the Sky (Law & Order: Organized Crime - Seasons 3-5) - 03:16
25. Terence Blanchard - The Original, Driving While Black (By Any Means) - 05:37
26. Florian Bochkovsky - Archdevil - 02:54
27. Daniel Hart - A Love That Will Cradle You (The Vampire Lestat) - 08:32




