Playlist #460 vom 18.10.2026 - DION BEEBE Special
Im Kreis prominenter Kameraleute zählt der
australisch-südafrikanische Dion Beebe nicht zu den ganz Großen. Dabei
hat er durch seine Oscar-prämierte Zusammenarbeit mit Regisseur Rob Marshall
(„Die Geisha“) und auch durch die erfolgreiche Kollaboration mit Michael
Mann bei „Collateral“ und „Miami Vice“ ein gefragter Mann
seiner Zunft geworden. Er arbeitete über die Jahre mit Ang Lee, Jane
Campion, Michael Bay, Martin Campbell, Doug Liman und Niki Caro
zusammen. In der heutigen Sendung gibt es deshalb Musik aus den Soundtracks zu
seinen Arbeiten von Angelo Badalamenti, John Williams, Stephen Warbeck,
James Newton Howard, Danny Elfman, Christophe Beck und anderen zu hören.
Dion Beebe wurde 1968 im australischen Brisbane,
Queensland, geboren und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit in Kapstadt
(Südafrika), bevor er nach Australien zurückkehrte und von 1988 bis 1990 die Australian
Film Television and Radio School in Sydney besuchte, wo er als Student der Cinematography
eingeschrieben war. Anschließend arbeitete er als Kameramann und Regisseur für
Musikvideos. Er begleitete Projekte für Künstler wie INXS, Beyoncé,
Rihanna, Lana Del Rey, Arctic Monkeys und Tony Bennett sowie
preisgekrönte Werbespots für Marken wie Burberry, Guinness, Apple, Victoria’s
Secret und BMW.
1992 gab er sein Filmdebüt als Kameramann mit dem Film „Crush“.Für seine Kameraarbeit an Rob Marshalls „Chicago“
wurde er erstmals für einen Academy Award nominiert; später gewann er den Oscar
für „Die Geisha“ (2005). Doch schon zuvor hat er bei Michael Manns
„Collateral“ Großes geleistet, als er eine neue Art der filmischen
Inszenierung der Nacht erfand, wobei er mehr oder weniger bewusst an eine fast
hundertjährige Tradition anknüpfen musste: die des Film noir. Zwar hatte dieses
stark reglementierte Genre bereits einige Wandlungen durchlaufen, doch nachdem
digitale Bilder mittlerweile zunehmend unseren Alltag durchdrangen, hielt Michael
Mann die Zeit für gekommen, dem nächtlichen Thriller eine neue Dimension zu
verleihen. „Collateral“ wurde teilweise mit neuen Digitalkameras gedreht, was Dion
Beebe die Möglichkeit bot, die weitaus lichtempfindlicheren Sensoren dieser
neuen Technik voll auszuschöpfen. Der Kameramann nutzte das vorhandene Licht
der Stadt optimal, um der Erzählung eine ausgeprägt urbane Atmosphäre zu
verleihen. Die tausenden Lichter der Metropole Los Angeles tragen auf beinahe
impressionistische Weise zur Ausleuchtung der Schauspieler und des Sets bei –
ebenso sehr wie die im Kino üblichen gerichteten Scheinwerfer. Zudem verlieh Beebe
dem Film jenen grau-blauen Farbton, der an einen vom Stadtlicht erhellten,
rauchigen Himmel erinnert und zum Markenzeichen dieses mittlerweile zum
Kultfilm avancierten Werks wurde.
Doch dies war nicht Beebes erste Bewährungsprobe. Als
Australier hatte er sich bereits mehrfach mit dem gleißenden Sonnenlicht seiner
Heimat auseinandersetzen müssen. Bei „Holy Smoke“ – seinem ersten
Projekt für einen Film seiner Landsfrau Jane Campion – musste er
beispielsweise durch Lichtreflexion eine Lösung finden, um die Kontraste
zwischen den Gesichtern von Kate Winslet und Harvey Keitel in
einer schattenlosen Wüste hervorzuheben, in der die unaufhörliche Sonne jeden
Punkt des Bildes versengte. Beebe ist aber vielseitig genug, um sich auf
natürliche Umgebungen einzustellen und komplexe Studiotechniken zu beherrschen.
Im Studio ist der Kameramann wie ein Gott, der jedes gewünschte Bild erschaffen
kann – „vorausgesetzt, man versteht das Licht wirklich“, erklärt Beebe.
Dazu gehört etwa das Verständnis dafür, wie Licht je nach reflektierendem
Material wirkt. Für „Die Geisha“, der fast vollständig im Studio gedreht
wurde, errichtete man eine gewaltige Metallkonstruktion, um das Licht des
Japans der Vorkriegszeit in Kalifornien nachzubilden. Ein Bild von reiner
filmischer Qualität, der Gegenentwurf zum stilisierten Naturalismus von „Collateral“.
Doch genau das ist die Aufgabe des Kameramanns, wie Dion Beebe bescheiden in
Erinnerung ruft: „Im Dienste der Geschichte stehen.“
2019 kehrte Beebe nach Australien zurück, um
gemeinsam mit seiner Frau, der Regisseurin Unjoo Moon, den Film „I Am
Woman“ zu drehen; anschließend tauchte er in die Unterwasserwelt von
Disneys „Arielle, die Meerjungfrau“ ein. Zuletzt wirkte er an „Michael“
mit, Antoine Fuquas Biopic über Michael Jackson.
Filmografie:
1992: Crush
1993: The Journey
1994: Eternity
1995: Vacant Possession
1996: Fu sheng
1996: What Have I Written
1998: My Own Country (Fernsehfilm)
1998: Praise
1998: Sehnsucht und Erinnerung (Memory & Desire)
1999: Holy Smoke!
2000: Forever Lulu
2001: Die Liebe der Charlotte Gray (Charlotte Gray)
2002: Equilibrium
2002: Chicago
2003: In the Cut
2004: Collateral
2005: Die Geisha (Memoirs of a Geisha)
2006: Miami Vice
2007: Machtlos (Rendition)
2009: Die fast vergessene Welt (Land of the Lost)
2009: Nine
2011: Green Lantern
2012: Gangster Squad
2012: The Zen of Bennett
2014: Edge of Tomorrow
2014: Into the Woods
2016: 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi
2017: Schneemann (The Snowman)
2018: Mary Poppins’ Rückkehr (Mary Poppins Returns)
2019: Gemini Man
2019: I Am Woman
2023: Arielle, die Meerjungfrau (The Little Mermaid)
2026: Michael
Playlist:
02. Stephen Warbeck - Waiting (Charlotte Gray) - 04:46
03. Klaus Badelt - Dupont's Admonition/Partridge is Found Out (Equilibrium) - 05:05
04. Danny Elfman - Roxie's Suite (Chicago) - 03:58
05. James Newton Howard - Would Anyone Notice? (Collateral) - 03:53
06. John Williams - The Journey to the Hanamachi (Memoirs of a Geisha) - 04:06
07. John Murphy - Miami Vice Theme (Miami Vice) - 06:54
08. Paul Hepker & Mark Kilian - Journal (Rendition) - 05:36
09. Michael Giacchino - Enik the Altrusian (Land of the Lost) - 03:19
10. Angelo Badalamenti - Waiting, Reaching, Seeking (Holy Smoke!) - 03:56
11. James Newton Howard - The Origin of Parallax (Green Lantern) - 03:25
12. Steve Jablonsky - The City of Angels (Gangster Squad) - 04:06
13. Stephen Warbeck - The Village (Charlotte Gray) - 05:26
14. John Williams - Sayuri's Theme and End Credits (Memoirs of a Geisha) - 05:06
15. Christophe Beck - Live Die Repeat (Edge of Tomorrow) - 04:23
16. Danny Elfman - After Midnight (Chicago) - 03:24
17. John Murphy - Meet Fred (Miami Vice) - 03:53
18. Klaus Badelt - Viviana/O'Brien Combustion/John Cries (Equilibrium) - 05:11
19. Antonio Pinto - Requiem (Collateral) - 01:56
20. Paul Hepker & Mark Kilian - Roundabout (Rendition) - 03:15
21. Stephen Warbeck - Charlotte Gray (Charlotte Gray) - 05:43
22. Lorne Balfe - Last Shot (Gemini Man) - 03:55
23. Angelo Badalamenti - Montage Finale (Holy Smoke!) - 04:58
24. Marco Beltrami - Main Titles (The Snowman) - 03:30
25. John Williams - The Fire Scene and the Coming of War (Memoirs of a Geisha) - 06:48
26. Lorne Balfe - Forgotten (13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi) - 09:09






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