Samstag, 22. November 2014

Playlist #151 vom 30.11.2014 - CHRISTOPHER NOLAN Special

Seit seinem Langfilmdebüt „Following“ zählt der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Christopher Nolan zu der jüngeren Generation von Filmemachern, die sich mit Aufsehen erregenden Independent-Filmen dafür qualifizieren, imposante Blockbuster-Produktionen zu verwirklichen. Nachdem Nolan bereits mit seinem zweiten Film „Memento“ (2000) seine Eintrittskarte nach Hollywood lösen konnte, hauchte er dem kränkelnden „Batman“-Franchise mit seiner „The Dark Knight“-Trilogie neues Leben ein und präsentiert nun mit dem Science-Fiction-Drama „Interstellar“ einmal mehr großes Kino.

Der am 30. Juli 1970 in London als Sohn einer britischen Mutter und eines amerikanischen Vaters geborene Christopher Nolan besitzt zwei Staatsbürgerschaften und wuchs während seiner Kindheit auch abwechselnd in beiden Ländern auf. Nolan begann sich früh, für das Filmemachen zu interessieren, drehte schon als Kind mit der Super-8-Kamera seines Vaters Kurzfilmchen, studierte nach der Schule aber zunächst Englische Literatur am University College of London. An der Film Society der UCLA machte er erste Erfahrungen mit dem 16mm-Format.
Nach seinem surrealistischen Kurzfilm „Tarantella“ (1989), der sogar im Fernsehen ausgestrahlt wurde, war der Kurzfilm „Doodlebug“ (1996) auf dem Cambridge Filmfestival zu sehen. Sein Langfilmdebüt feierte Nolan 1998 mit dem ganz in rauen Schwarz-Weiß-Tönen gedrehten Film-noir-Drama „Following“.
Im Mittelpunkt des Films steht der Einzelgänger Bill, der willkürlich fremde Menschen unter dem Vorwand, als Schriftsteller zu recherchieren, verfolgt, doch zunehmend wird Bill von voyeuristischer Neugier getrieben. Als er eines Tages von dem Einbrecher Cobb deshalb zur Rede gestellt wird, gehen die beiden eine ungewöhnliche Liaison ein: Bill beginnt Cobb bei seinen Raubzügen zu begleiten, denn Cobb geht es nicht allein darum, die Wohnungen auszurauben, sondern er genießt die Macht, in den persönlichen Dingen seiner Opfer zu stöbern und in ihr Leben einzudringen. Kompliziert wird die Sache für Bill, als er sich in die attraktive Geliebte einer Unterweltsgröße verliebt.
„Bereits in seinem Erstlingswerk zeigt sich die Vorliebe des Künstlers für verschachtelte Erzählstrukturen, düstere Atmosphäre und doppelbödige Geschichten. Perfekt beherrscht der Regisseur die Zeitmaschine Film, liefert eine spannende a-chronologische Erzählung und kunstvolle Montage ab, setzt stimmungsvoll auf klassische Schwarz-Weiss-Fotografie und verführt den Zuschauer konsequent zu eigenem Denken“, heißt es dazu auf film-zeit.de.
Noch verstörender präsentierte sich Nolans nächstes Werk „Memento“ (2000), in dem Guy Pierce den ehemaligen Versicherungsagenten Leonard Shelby spielt, der nach einem traumatischen Erlebnis sein Kurzzeitgedächtnis verlor: Er musste mit ansehen, wie seine Frau Catherine (Jorja Fox) vergewaltigt und anschließend ermordet wurde. An alles, was davor geschah, kann sich er erinnern, was danach auch passiert, vergisst Leonard spätestens nach 15 Minuten wieder, dann sind seine Erinnerungen gelöscht. Um überhaupt seinen Alltag zu organisieren, nimmt er Polaroid-Fotos auf und macht sich Notizen. Doch sein Leben dient nur noch einem Zweck. Er will Rache für seine geschändete Frau. In akribischer Kleinarbeit zeichnet er den Kriminalfall nach, denn die Polizei glaubt ihm nicht, dass es bei dem Überfall einen zweiten Täter gegeben hat, während er den anderen erschossen hat. Mit Hilfe des zwielichtigen Teddy (Joe Pantoliano) und der ebenso undurchschaubaren Kellnerin Natalie (Carrie-Ann Moss) versucht Leonard Licht ins Dunkel zu bringen. Die bedeutsamsten Fakten, die er mühsam gesammelt hat, ließ er sich auf den Körper tätowieren...
Nolan, der das Drehbuch nach einer Kurzgeschichte seines Bruders Jonathan schrieb, kümmert sich nicht um die Konventionen des kommerziellen Kinos. Er dreht die Zeitlinie einfach um. ‚Memento‘ beginnt mit dem Schluss und arbeitet sich ‚von hinten nach vorne voran‘ – in kleinen Etappen von fünf bis zehn Minuten. Parallel dazu verläuft eine zweite, in schwarz-weiß gehaltene Handlungsebene gradlinig nach vorn, um am Ende bei der Auflösung auf die Hauptebene zu treffen. Hört sich kompliziert an, ist es auch teilweise. Jedenfalls solange, bis man sich an Nolans extravagante Erzählstruktur gewöhnt hat“, begeistert sich filmstarts.de und hält „Memento“ für den „cleversten Film Noir der letzten Jahre“. 
Der nur 4,5 Millionen Dollar teure Film startete seinen Siegeszug bei seiner Premiere beim Sundance Filmfestival, stieg nach acht Wochen Spielzeit in die Top 10 ein und hatte nach 23 Wochen in den Top 30 eindrucksvolle 26 Millionen Dollar eingespielt.
Nach diesem imponierenden Clou war der Weg für Nolan geebnet, auch mit echten Stars zu arbeiten. Für das 2002 inszenierte Remake „Insomnia“ des gleichnamigen Thrillers des Norwegers Erik Skjoldbjaerg aus dem Jahre 1997 vereinte Nolan die drei Oscar-Preisträger Al Pacino, Robin Williams und Hilary Swank vor der Kamera.
Pacino ist dabei in der Rolle der Cop-Legende Will Dormer zu sehen, der in der Einöde Alaskas der unerfahrenen Polizistin Ellie Burr (Hilary Swank) bei der Aufklärung des Mordes an einer 17-jährigen Schülerin zu helfen. Allerdings hat er mit seinem Partner Hap Eckhart (Martin Donovan) jemanden an der Seite, der mit der Abteilung für Innere Angelegenheiten einen Deal abschließen will, der Dormer wegen eines Fehlverhaltens die Karriere kosten würde, während Eckhart selbst seine Haut retten könnte. Als die beiden Ermittler dem Täter auf die Spur kommen und im Nebel stellen wollen, kommt es zur Katastrophe, aus der sich Dormer mit einer Lüge zu retten versucht. Doch der Krimi-Autor Walter Finch (Robin Williams) kennt den wahren Ablauf der Ereignisse und will mit Dormer einen Handel eingehen …
Pacino torkelt begnadet pointiert durch die Szenerie, jedoch zu lange alleine. Denn ‚Insomnia‘ hätte großartig sein können, wenn Robin Williams früher ins Spiel gekommen wäre. Das ist aber erst nach fast der Hälfte der Fall, wodurch die Begegnungen der beiden Kontrahenten etwas zu kurz kommen. Immerhin sind diese Szenen des psychologischen Seilziehens wirklich eindringlich und im unverzichtbaren Showdown um die obligaten Actionelemente ergänzt. Enorm versiert spielt Williams bis dahin gegen sein Weichwäscherimage an gibt sich mit Pacino auf gleicher künstlerischer Höhe. Über melancholischen Stimmungen und eleganter Fotografie hätte ‚Insomnia‘ letztlich die Spannungskurve straffen sollen. Aber auch so ist Christopher Nolans erst dritter Film ein reifes Werk“, befindet Flemming Schock in seiner Rezension auf filmspiegel.de.
Auch wenn „Insomnia“ nicht den Aha-Effekt der beiden Vorgänger hervorrief, riss sich Hollywood fortan um das Wunderkind Nolan. Ihm wurde die Herkules-Aufgabe zugesprochen, den dahinsiechenden Batman-Mythos, der durch die bislang letzten Verfilmungen zu einem harmlosen Pop-Spektakel verkommen war, mit neuem Leben zu füllen.
Dies gelang ihm 2005 bereits mit „Batman Begins“, einem Film, der rekapituliert, wie Bruce Wayne (Christian Bale) dazu gekommen ist, im Fledermauskostüm für die Gerechtigkeit in seiner korrupten Heimatstadt Gotham City zu kämpfen. Nachdem er als Kind den Mord an seinen wohlhabenden Eltern mitansehen musste, sucht der Millionenerbe Wayne weiterhin nach Antworten und landet schließlich im tibetischen Tempel von Ra’s Al Ghul (Ken Watanabe), wo er von dem mysteriösen Lehrmeister Henri Ducard (Liam Neeson) ausgebildet wird. Statt sich jedoch auf den blutigen Pfad der Schattenkrieger zu begeben, kehrt Wayne nach Gotham zurück und beginnt, das Verbrechen in der Stadt im Fledermauskostüm und mit Hilfe von High-Tech-Waffen aus der Rüstungsfirma seines Vaters zu bekämpfen. Dabei steht ihm der aufrechte Cop Jim Gordon (Gary Oldman) zur Seite. Mit dem Unterweltboss Carmine Falcone (Tom Wilkinson) und dem Super-Schurken Scarecrow (Cillian Murphy) haben Batman und Gordon gleich zwei harte Nüsse zu knacken …
Nolan verwendet viel Zeit darauf, die leitmotivische Angst zu etablieren, die Bruce Wayne gefangen hält, seit er den Mord an seinen Eltern mitansehen musste. Doch die Mixtur aus sorgsam inszenierten Initiationsriten, dem esoterisch-therapeutischen Vokabular und der rationalen Action-Ästhetik wurde von der Kritik durchaus gespalten aufgenommen.
Während vor allem Christian Bale („American Psycho“, „Equilibrium“) glaubhaft alle Facetten seiner Rolle abdeckt und sich das Drehbuch von Nolan und David S. Goyer („Blade“, „Dark City“) originell an den Comic-Vorlagen orientiert, konnte der Film als Ganzes nur die wenigsten Kritiker überzeugen.
„Spürbar ist, wie sehr Nolan und Goyer um ein ernsthaftes Psychogramm ihrer Figur und einen harten Realismus gekämpft haben. Design und Ausstattung des Films wirken düster und verwittert, Gotham City erscheint als postkapitalistische Hölle, in der es nur Elend, Luxus und Verbrechen gibt. Am Ende bekommt es Batman erneut mit der Ninja-Sekte zu tun, die den Sündenpfuhl Gotham vernichten will. Eine idealistische Terrorgruppe, die der westlichen Dekadenz den Kampf ansagt, das ist durchaus zeitgemäß. Auch eine leise Kritik am radikalen Spiel der neoliberalen Kräfte zieht sich durch den Film, zum Beispiel wenn Rutger Hauer schön eiskalt als Shareholder-freundlicher Boss des Wayne-Imperiums auftritt. Am Ende freilich versinkt alles in einem abstrusen Finale aus Bombast, Lärm und Getöse“, resümiert Andreas Borcholte auf spiegel.de
„Batman Begins“ war die erste Zusammenarbeit zwischen Christopher Nolan und dem Star-Komponisten Hans Zimmer, der sich für den Score zu „Batman Begins“ noch die Unterstützung seines ebenfalls prominenten Freundes und Kollegen James Newton Howard holte.
„James und ich haben seit einer Ewigkeit davon gesprochen, mal etwas zusammen zu machen. Das hat bislang nie geklappt, weil immer einer von uns gerade mit einem Film beschäftigt gewesen ist – das Timing hat nie gepasst. Als ‚Batman Begins‘ anstand, sprach Chris [Nolan] mit mir ausführlich über den Film und über die Dualität des Charakters, aber das war zu einer Zeit in meinem Leben, als ich wirklich keinen großen Orchestral-Score produzieren wollte, da ich schon einige gemacht hatte und lieber einige schräge, elektronische Sachen geplant hatte. Aber ich wusste, dass er auch das große orchestrale Ding benötigte. Schließlich geht es immer noch darum, dass Bruce Wayne dem Tag gehört und Batman der Nacht, also handelt es sich um eine gespaltene Persönlichkeit. Irgendwann fragte ich Chris: ‚Hast du etwas dagegen, wenn ich meinen Freund James einlade und wir es zusammen angehen?‘ Es ist nicht so, dass wir Themen oder Ähnliches aufgeteilt hätten“, gab Hans Zimmer ign.com zu Protokoll. „Wir arbeiteten tatsächlich an jedem Cue gemeinsam. Ich meine, es gibt keinen einzigen Cue, der nicht von uns beiden stammt.“
Bevor Christopher Nolan mit Hans Zimmer und James Newton Howard mit „The Dark Knight“ die Fortsetzung inszenierte, schob er mit 2006 das Thriller-Drama „Prestige – Die Meister der Magie“ nach, bei dem er wieder mit David Julyan kollaborierte, der vor „Batman Begins“ alle Filme von Nolan vertont hatte. Die Leinwandadaption von Christopher Priests gleichnamigen Roman erzählt von dem unerbittlichen Konkurrenzkampf zwischen den beiden aufstrebenden Zauberkünstlern Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Auseinandersetzung fordert mit Angiers Frau Julia (Piper Parabo) bald ein erstes Todesopfer, die als Assistentin bei einem von Bordens waghalsigen Tricks auf der Bühne ums Leben kommt.
Nolan ist der Faszination für die modernen Maschinen, die die aufkommende Industrialisierung hervorbrachte, erlegen. Denn auch er ist ein Illusionist, ein brillanter Blender und Trickser. Ihn interessiert die Mechanik der Illusion, so wie er über seine vertrackten, teilweise doppelt verschraubten Flashback-Erzählungen und rückläufigen Handlungsstränge auch die Ordnungslogik konventioneller Erzählweisen offen legt. Nolan will beides, die Illusion und ihre Rationalisierung. Darum hat es Sinn, dass ‚Prestige‘ in jenem historischen Augenblick spielt, in dem das naive Staunen der Faktizität der modernen Wissenschaften weichen musste“, schwärmt Andreas Busche auf taz.de. „Das Tolle an ‚Prestige‘ ist, dass die Mechanik von Nolans Illusion genauso fasziniert wie die Illusion selbst. Sie mag fragil sein wie einer von Méliès durch Dutzende von Klebestellen zusammengehaltener Filmstreifen, aber am Ende geht der Trick immer auf unsere Kosten.“ 
2008 geht Christopher Nolan mit bewährtem Team in die zweite Runde seiner „The Dark Knight“-Trilogie. Diesmal bekommt es Batman mit einem besonders niederträchtigen Schurken in Gotham zu tun.
Der Joker (Heath Ledger) setzt mit brillantem Verstand und grotesk geschminktem Gesicht alles daran, Batmans (Christian Bale) Revier ins Chaos zu stürzen. Dem nihilistischen Clown geht es nicht um Reichtümer oder Macht, er will Anarchie. Und er möchte, dass Gothams Bewohner tatkräftig dabei mithelfen. Deswegen hat er es auf Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhardt) abgesehen, einen strahlenden Helden, dessen tadellose Gesinnung der Joker ihm auszutreiben versucht. Dent arbeitet mit Batman und Lieutenant Gordon (Gary Oldman) an einem Plan, die Straßen von Gotham endgültig vom Abschaum zu befreien. Darüber hinaus ist Dent auch Bruce Waynes größte Hoffnung, sein Alter Ego Batman endlich hinter sich lassen und ein normales Leben mit seiner Angebeteten Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) führen zu können. Der Joker aber wird diese Hoffnungen platzen lassen. Sein perfides Spiel führt dazu, dass bald Harvey und Rachel in Lebensgefahr schweben...
„So ist denn ‚The Dark Knight‘ ein potenter Blockbuster mit spektakulären Action-Einlagen und tollen Effekten – und zugleich ein Autorenfilm, der sich trotz allen Comic-Späßen so ernsthaft mit individueller Ethik und gesellschaftlicher Moral, Recht und Gerechtigkeit, Terror und Antiterror, Wahrheit und Mythos auseinandersetzt wie kaum eine zweite Hollywoodproduktion der letzten Jahre“, meint Michael Bodmer auf nzz.ch.
„The Dark Knight“ spielte nicht nur weltweit mehr als eine Billion Dollar an den Kinokassen ein, sondern wurde auch mit acht Oscar-Nominierungen bedacht. Je eine Trophäe ging letztlich an das Sound Editing von Richard King und posthum an Joker-Darsteller Heath Ledger als bester Nebendarsteller.
Für seinen Science-Fiction-Thriller „Inception“ schrieb Christopher Nolan selbst das Drehbuch und griff auf sein bewährtes Team mit Wally Pfister als Kameramann, Lee Smith als Cutter und Hans Zimmer als Komponist zurück. Und auch vor der Kamera sind einige bekannte Gesichter aus früheren Nolan-Filmen wiederzusehen.
Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist der beste Extraktor, den man bekommen kann. In den Träumen seiner Opfer fahndet er nach Wirtschaftsgeheimnissen, um sie dann gewinnträchtig weiterzuverkaufen. Das Problem: Seine riskanten Methoden haben ihn auf die Abschussliste diverser Konzerne gebracht, sodass er sich nirgendwo mehr sicher wähnen kann. Die Heimkehr in die USA bleibt ihm verwehrt, wo seine kleinen Kinder auf ihn warten. Der Großindustrielle Saito (Ken Watanabe) heuert Cobb für einen letzten Job an - einen, der ihm den lang ersehnten Weg nach Hause ebnen könnte, sollte er Erfolg haben. Bloß, diesmal ist auch die Aufgabe ungleich schwieriger. Cobb und sein Dreamteam sollen keine Idee stehlen, sondern eine im Unbewussten eines Konzern-Erben (Cillian Murphy) einpflanzen, dessen Unternehmen zur Gefahr für Saito geworden ist. Akribisch bereiten sich Cobb und seine Mannschaft auf den Zugriff vor, doch eine Variable bleibt unkalkulierbar: Das psychische Echo von Cobbs toter Ehefrau (Marion Cotillard)...
„Nimmt sich die Handlungsstruktur von ‚Inception‘ durchaus komplex aus, so zeichnet sich seine Dramaturgie durch klassische Elemente aus. Dazu gehört etwa, dass trotz sorgfältiger Planung in der Ausführung etwas schief läuft, was das ganze Unternehmen in Gefahr bringt. Noch mehr Gefahr geht allerdings von einem ebenfalls klassischen Aspekt aus: Der Held birgt ein Geheimnis in sich, das sich als der stärkste Feind herausstellen wird. Dass ‚Inception‘ visuell und dramaturgisch immer wieder an etliche Filme erinnert, spricht in keiner Weise gegen seine Originalität. Denn Regisseur Christopher Nolan verknüpft all diese Elemente auf höchst eigenwillige Art und Weise miteinander, so dass das Ergebnis absolut eigenständig ist“, urteilt José García auf textezumfilm.de.
Und Carsten Baumgart schwärmt auf filmstarts.de: „Christopher Nolans surreales Meisterwerk ‚Inception‘ ist eine virtuose Symbiose aus Kunst und Kommerz in bombastischen Dimensionen, die den Zuschauer mit purer handwerklicher Perfektion attackiert. Eines ist jedoch glasklar: Wer sich nicht auf den Zelluloid-Irrgarten von ‚Inception‘ einlässt, sitzt definitiv im falschen Film. Wem dieser Eintritt in eine fremde Welt hingegen gelingt, der wird mit dem originellsten und komplexesten Stück Big-Budget-Kino der vergangenen Jahre entlohnt und setzt mit dem Kauf einer Kinokarte ein deutliches Zeichen gegen die Blockbuster-Gleichmacherei Hollywoods.“
Der 160 Millionen Dollar teure Film spielte weltweit über 825 Millionen Dollar ein und erhielt vier Oscars (u.a. für die Kameraarbeit, die Visuellen Effekte und das Sound Editing) von doppelt so vielen Nominierungen.
2012 brachte Christopher Nolan mit „The Dark Knight Rises“ seine „Batman“-Frischzellen-Kur zu Ende. Nach acht Jahren wird Batman (Christian Bale) aus seinem selbst erwählten Exil geholt, nachdem er sich für Harvey Dents (Aaron Eckhart) Tod verantwortlich gefühlt hatte. Immerhin ging der Plan von Bruce Wayne (Christian Bale) und Commissioner Gordon (Gary Oldman) auf, die Kriminalität in Gotham einzudämmen und das organisierte Verbrechen auszurotten. Doch mit der mysteriösen Selina Kyle (Anne Hathaway), die als Catwoman nachts ihr Unwesen treibt, und mit dem maskierten Knochenbrecher Bane (Tom Hardy) brechen wieder düstere Zeiten in Gotham an. „Anstatt Dynamik zu erzeugen, häuft der Film Szenen an und verliert sich immer wieder in Nebenplots. Die Erzählung drängt beständig auf Bedeutsamkeit“, meint Dominik Kamalzadeh auf derstandard.at. „Nolans Finale der Trilogie versucht viel zu angestrengt, All- inclusive-Kino zu bieten: Er glaubt daher, jeden schattigen Winkel der Fledermaushöhle mit Relevanz füllen zu müssen. Daraus ist eine überlange Kraftanstrengung geworden, vor der man kapituliert.“
2013 entwickelte Christopher Nolan zusammen mit David S. Goyer die Geschichte für das „Superman“-Reboot „Man Of Steel“, das er auch produzierte, die Regie übernahm allerdings Zack Snyder („300“).
Nun kehrt er mit dem Science-Fiction-Drama „Interstellar“ wieder auf den Regiestuhl zurück.
Was Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten seit Jahrzehnten prophezeien, ist eingetreten: Die Menschheit steht kurz davor, an einer globalen Nahrungsknappheit zu Grunde zu gehen. Die einzige Hoffnung der Weltbevölkerung besteht in einem von der US-Regierung finanzierten Projekt eines findigen Wissenschaftlers (Michael Caine), dem Kip Thornes Theorie der Wurmlöcher zugrunde liegt. Der Plan sieht vor, eine Expedition in ein anderes Sternensystem zu starten, wo bewohnbare Planeten, Rohstoffe und vor allem Leben vermutet werden. Der Wissenschaftler Cooper (Matthew McConaughey) und die Astronautin Brand (Anne Hathaway) bilden die Besatzung, die sich auf eine Reise ins Ungewisse begibt. Wurmlöcher sind so gut wie unerforscht und niemand kann mit Sicherheit sagen, was die Crew auf der anderen Seite erwartet. Ebenso ist unsicher, ob und wann Cooper und Brand wieder auf die Erde zurückkehren. Zuhause wartet Coopers kleine Tochter Murph (Mackenzie Foy), die das Shuttle mit ihrem Vater davonfliegen sah…
Wie zuvor bei der „The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ und „Man Of Steel“ ist es erneut Hans Zimmer gewesen, der den Score zu „Interstellar“ komponierte. Zwar ist es eine bekannte Tatsache, dass Christopher Nolan höchste Sicherheitsvorkehrungen walten lässt, was die Umsetzung seiner Projekte angeht, aber interessant ist auch die Art und Weise, wie er mit Zimmer zusammenarbeitet. Als Vorbereitung zu seiner Arbeit ließ Nolan dem Komponisten nämlich nicht das Drehbuch zukommen, sondern nur einen sehr persönlichen Text: “Die eine Seite, die Chris an diesem Tag für mich schrieb, hatte eigenartigerweise kaum etwas mit dem Film zu tun. Es war ein sehr persönlicher Text, der eher auf meine eigene Geschichte abzielte. Er weiß, wie er mich berühren kann“, erklärte der gebürtige Hesse in einem Interview.

Filmographie: 
1997: Doodlebug (Kurzfilm)
1998: Following
2000: Memento
2002: Insomnia – Schlaflos (Insomnia)
2005: Batman Begins
2006: Prestige – Die Meister der Magie (The Prestige)
2008: The Dark Knight
2010: Inception
2012: The Dark Knight Rises
2013: Man Of Steel (Story, Produktion)
2013: Transcendence (Produktion)
2014: Interstellar

Playlist: 
01. Hans Zimmer - Stay (Interstellar) - 06:52
02. David Julyan - Confessions (Following) - 03:45
03. Thievery Corporation - Focus On Sight (Memento) - 03:40
04. David Julyan - How Can I Heal? (Memento) - 05:16
05. Monc - Stone (Memento) - 03:16
06. David Julyan - Call To Hap's Widow (Insomnia) - 03:30
07. Peace Orchestra - Who Am I (Memento) - 04:22
08. Hans Zimmer - Detach (Interstellar) - 06:42
09. David Julyan - Closing Titles (Insomnia) - 04:05
10. Hans Zimmer & James Newton Howard - Masks/Rebuilding/Never Have To (Batman Begins) - 05:04
11. Hans Zimmer & James Newton Howard - Fatefull Night (Batman Begins) - 02:49
12. David Julyan - The Price Of A Good Trick (The Prestige) - 05:08
13. Hans Zimmer & James Newton Howard - Harvey Two Face (The Dark Knight) - 06:18
14. Hans Zimmer & James Newton Howard - Why So Serious? [The Crystal Method Remix] (The Dark Knight) - 05:32
15. Hans Zimmer - En Route (Inception) - 03:30
16. Hans Zimmer - To The Complex (Inception) - 03:24
17. Hans Zimmer - Dust (Interstellar) - 05:41
18. Hans Zimmer - Nothing Out There For Me (The Dark Knight Rises) - 03:08
19. Hans Zimmer - This Is Clark Kent (Man Of Steel) - 03:36
20. Hans Zimmer - Gordon To Foley (The Dark Knight Rises) - 03:50
21. Mychael Danna - Why Did You Lose Faith? (Transcendence) - 04:58
22. Hans Zimmer - I Have So Many Questions (Man Of Steel) - 03:21
23. Hans Zimmer - Instrument Of Your Liberation (The Dark Knight Rises) – 07:09
24. Hans Zimmer - Where We're Going (Interstellar) - 07:41

Dienstag, 11. November 2014

Playlist #150 vom 16.11.2014 - ROBIN WRIGHT Special

Mit ihrer prämierten Darstellung in der von David Fincher produzierten Polit-Serie „House Of Cards“ ist die amerikanische Schauspielerin Robin Wright momentan in aller Munde. Dabei hat sie in den letzten Jahren vor allem in anspruchsvollen Dramen wie „Moneyball“, „Die Lincoln-Verschwörung“ und „The Congress“ glänzen können.

Aufgewachsen im kalifornischen San Diego, begann Robin Wright bereits im Alter von 14 Jahren als Model in Paris und Japan zu arbeiten, doch wollte sie nach ihrem Schulabschluss ins Schauspielfach wechseln. Nach ihrem Debüt in der Pilotfolge der Fernsehserie „The Yellow Rose“ (1983) wirkte sie von 1984 bis 1988 in der Seifenoper „California Clan“ mit und wurde für ihre Rolle der Kelly Capwell mit drei Emmy-Nominierungen bedacht.
Auch der Start ins Filmgeschäft ließ sich gut an. Ihre erste Hauptrolle erhielt Wright an der Seite von Peter Falk und Billy Crystal in Rob Reiners Märchenfilm „Die Braut des Prinzen“ (1987), dann spielte sie neben Jason Patric in dem Drama „Denial“ (1990) eine junge Frau, die ihre schwierige Vergangenheit hinter sich zu lassen versucht. Größere Bekanntheit erreichte Wright an der Seite von Ed Harris, Gary Oldman und ihres späteren Ehemanns Sean Penn in Phil Joanous harten Cop-Thriller „Im Vorhof zur Hölle“ (1990), zu dem Ennio Morricone die Musik beitrug.
In dem Drama „Die Playboys“ mit Aidan Quinn spielte sie eine junge Irin, die in den 1950er Jahren mit ihrem unehelichen Kind für einen Skandal in ihrem Dorf sorgt.
Der internationale Durchbruch gelang Wright schließlich 1994, als sie in der Rolle der Jenny Curran die Freundin des von Tom Hanks verkörperten Protagonisten in Robert Zemeckis' Kassen- und Publikumserfolg „Forrest Gump“ mimte und mit einer Golden-Globe-Nominierung bedacht wurde. Unter der Regie von Sean Penn, den sie ein Jahr später ehelichen sollte, war sie 1995 in einer Nebenrolle in dem Kriminal-Drama „Crossing Guard“ zu sehen, dann spielte sie die Titelrolle in der Verfilmung von Daniel Dafoes Drama „Moll Flanders“ (1996), bevor sie in der Adaption von Nicholas Sparks‘ Bestseller „Message In A Bottle“ (1999) neben Kevin Costner die weibliche Hauptrolle verkörperte.
Auch in den 2000er Jahren konnte sich die grazile Darstellerin in abwechslungsreichen Rollen beweisen, in M. Night Shyamalans Mystery-Thriller „Unbreakable“ (2000) mit Bruce Willis und Sean Penns neuer Verfilmung von Dürrenmatts Krimi-Klassiker „Das Versprechen“ (2001) ebenso wie in dem Gefängnis-Drama „Die letzte Festung“ mit Robert Redford oder dem Frauen-Drama „Weißer Oleander“, zu dem Thomas Newman den Score beisteuerte. Es folgten Independent-Produktionen wie „Ein Zuhause am Ende der Welt“ (2004), „Nine Lives“ (2005) und „Sorry, Haters“ (2005), bevor sie in den beiden Robert-Zemeckis-Animationsfilmen „Die Legende von Beowulf“ (2007) und „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ (2009) wieder vor größerem Publikum agierte.
Zuletzt war sie in David Finchers Remake des skandinavischen Krimi-Erfolgs von Stieg Larssons „Verblendung“ (2011) und Ari Folmans „The Congress“ (2013) zu sehen, das der Regisseur als Mischung aus Real- und Animationsfilm konzipiert hat. Robin Wright spielt sich selbst als Schauspielerin in den Mittvierzigern am Ende ihrer Karriere, nachdem sie immerzu die falschen Entscheidungen in ihrem Leben getroffen hat, wie ihr Agent Al (Harvey Keitel) betont. Ihr einziger Ausweg aus der Misere scheint ein Vertrag zu sein, den ihr Miramount-Studiochef Jeff (Danny Huston) offeriert: Für eine erkleckliche Summe willigt Robin ein, ihren Körper, ihre Mimik und Gestik sowie ihre Gefühle abscannen zu lassen, damit das Studio für einen Zeitraum von zwanzig Jahren jeden erdenklichen Film mit Robins digitalem, nicht alterndem Abbild produzieren kann. Folman spinnt seine kritischen Überlegungen zum Star- und Studiosystem Hollywoods weiter zu philosophischen Fragen zu Identität, Fantasiewelten und Jugendwahn, wobei er durchaus halluzinatorische Bilder kreiert und immer wieder die Filmgeschichte und Popkultur zitiert. Stark gespielt und stimmungsvoll musikalisch von Max Richter („Disconnect“) untermalt, bietet „The Congress“ ein visuell außergewöhnliches und thematisch vielschichtiges Filmvergnügen, dessen philosophische Fragen lange nachwirken.
Derzeit sorgt Robin Wright in der Serie „House Of Cards“ des Streaming-Anbieters Netflix für Furore. In der amerikanischen Adaption der gleichnamigen britischen Fernsehserie spielt Kevin Spacey den von Rache und Ehrgeiz getriebenen Kongressabgeordneten Frank Underwood, der keinen Humor, sondern nur den eisernen Willen zum Erfolg kennt. Mit einem ungewohnt fetten Budget von viereinhalb Millionen Dollar pro Folge ausgestattet, bietet „House of Cards“ alles auf, was die Filmwelt zu bieten hat. Neben Kevin Spacey überzeugt Robin Wright als Underwoods Ehefrau, die mit ihrer Wohltätigkeitsorganisation erfolgreich auf eigenen Füßen steht und ebenfalls über Leichen geht, um ihre Ziele zu erreichen. Die einzelnen Folgen zeichnen sich durch gut durchdachte, letztlich aber immer viel zu glatt verlaufende Intrigen aus, die aber immer nur kleine Erfolge bis zum großen Ziel zeitigen. Schließlich wird man nicht von einem Tag auf den anderen so einfach Präsident der mächtigsten Nation der Welt. Mit Emotionen wird dabei sparsam umgegangen. Bei „House of Cards“ regiert allein das Kalkül, der unbedingte Wille zur Macht. Renommierte Regisseure wie David Fincher („Sieben“, „The Game“) und Joel Schumacher („Flatliners“, „Falling Down“), eine exquisite Kameraarbeit und ein stimmungsvoller Score von Jeff Beal („Rome“, „Monk“) runden die höchst unterhaltsame Polit-Serie ab, die eigentlich nur auf zwei Staffeln ausgelegt war, nach dem regen Publikums- und Kritikerzuspruch aber weiter produziert wird.
Vor kurzem war Robin Wright als CIA-Agentin in Anton Corbijns düster-pessimistischen Spionage-Thriller „A Most Wanted Man“ zu sehen, zu dem Corbijns Freund Herbert Grönemeyer den Soundtrack komponierte.

Filmographie:
1984–1988: California Clan (Santa Barbara, Fernsehserie)
1986: Hollywood Vice Squad
1987: Die Braut des Prinzen (The Princess Bride)
1990: Im Vorhof zur Hölle (State of Grace)
1992: Die Playboys (The Playboys)
1992: Toys – Tödliches Spielzeug (Toys)
1994: Forrest Gump
1995: Crossing Guard – Es geschah auf offener Straße (The Crossing Guard)
1996: Moll Flanders
1997: Mißbrauchte Liebe (Loved)
1997: Alles aus Liebe (She’s So Lovely)
1998: Hurlyburly
1999: Message in a Bottle – Der Beginn einer großen Liebe (Message in a Bottle)
1999: Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream)
2000: Unbreakable – Unzerbrechlich (Unbreakable)
2001: Das Versprechen (The Pledge)
2001: Die letzte Festung (The Last Castle)
2002: Weißer Oleander (White Oleander)
2003: The Singing Detective
2003: Virgin
2004: Ein Zuhause am Ende der Welt (A Home at the End of the World)
2005: Nine Lives
2005: Empire Falls
2005: Sorry, Haters
2005: Max
2006: Breaking and Entering – Einbruch & Diebstahl (Breaking and Entering)
2006: Room 10
2007: Hounddog
2007: Die Legende von Beowulf (Beowulf)
2008: Inside Hollywood (What Just Happened?)
2009: Pippa Lee (The Private Lives of Pippa Lee)
2009: State of Play – Stand der Dinge (State of Play)
2009: Disneys Eine Weihnachtsgeschichte (A Christmas Carol)
2009: New York, I Love You
2010: Die Lincoln Verschwörung (The Conspirator)
2011: Die Kunst zu gewinnen – Moneyball (Moneyball)
2011: Rampart – Cop außer Kontrolle (Rampart)
2011: Verblendung (The Girl with the Dragon Tattoo)
2013: Tage am Strand (Adore)
2013: The Congress
seit 2013: House of Cards (Webserie)
2014: A Most Wanted Man
Playlist:
01. Jeff Beal - Main Title Season Two (House Of Cards - Season Two) - 03:19
02. Ennio Morricone - Terry And Kate (State Of Grace) - 03:27
03. Mark Knopfler - Once Upon A Time … Storybook Love (The Princess Bride) - 04:00
04. Hans Zimmer - Let Joy And Innocence Prevail (Toys) - 05:05
05. Alan Silvestri - Suite From Forrest Gump (Forrest Gump) - 06:33
06. Mark Mancina - Moll Of Flanders (Moll Flanders) - 04:18
07. Gabriel Yared - Dear Catherine (Message In A Bottle) - 07:04
08. James Newton Howard - The Wreck (Unbreakable) - 03:45
09. Hans Zimmer & Klaus Badelt - The Angler (The Pledge) - 05:24
10. Thomas Newman - Oleander Time (White Oleander) - 04:21
11. Herbert Grönemeyer- They're Closing In (A Most Wanted Man) - 03:15
12. Underworld & Gabriel Yared - St. Pancras (Breaking And Entering) - 04:25
13. Marcelo Zarvos - The Shooting Part 2 (What Just Happened?) - 03:10
14. Mychael Danna - The Streak (Moneyball) - 03:03
15. Alan Silvestri - Do You Believe In Ghosts? (The Polar Express) - 05:02
16. Alan Silvestri - I Am Beowulf (Beowulf) - 04:33
17. Antony Partos - Time And Tide (Adore) - 03:11
18. Max Richter - All Your Joys, All Your Pain (The Congress) - 04:51
19. Trent Reznor & Atticus Ross - The Heretics (The Girl With The Dragon Tattoo) - 05:20
20. Alex Heffes - Conspiracy At The Highest Level (State Of Play) - 05:52
21. Max Richter - On The Road To Alabama, Pt. 1 (The Congress) - 04:13
22. Jeff Beal - A Gift From Feng (House Of Cards - Season Two) - 04:29
23. James Newton Howard - Mr. Glass/End Title (Unbreakable) - 07:39
24. Jeff Beal - Mr. President (House Of Cards - Season Two) - 08:01

Samstag, 1. November 2014

Playlist #149 vom 02.11.2014 - DARIO MARIANELLI Special

Der italienische Filmkomponist Dario Marianelli hat sich vor allem durch seine preisgekrönten Soundtracks zu Literaturverfilmungen wie „Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“ und „Jane Eyre“ einen Namen gemacht. Nun schuf er den Score zu dem Fantasy-Animations-Abenteuer „The Boxtrolls“.

Marianelli, am 21. Juni 1963 in Pisa geboren, studierte zunächst Klavier und Komposition in Florenz und London, bevor er ein Jahr an der Londoner Guildhall School of Music and Drama als Komponist tätig gewesen ist, wo er die Contemporary Music Society leitete. Einige Stipendien ermöglichten ihm die Teilnahme an Kursen bei Judith Weir und Lloyd Newson, zwischen 1994 und 1997 studierte er schließlich an der National Film and Television School in Beaconsfield bei London.
Ab 1994 begann Marianelli, an Filmprojekten zu arbeiten. Nach dem Kurzfilm „Models Required“ (1994) folgten vor allem weitere Kurzfilme und Dokumentationen, und schon 1997 wurde er mit dem Benjamin Britten Composition Prize ausgezeichnet.
Seine erste Soundtrackveröffentlichung erschien zum 2001 inszenierten britischen Comedy-Drama „Happy Now“, dessen unterhaltsamer Orchesterscore schon die Qualitäten präsentierte, die Jahre später seine Arbeit zu Terry Gilliams „The Brothers Grimm“ (2005) auszeichnen und Marianellis internationalen Durchbruch markieren sollte. Noch im selben Jahr erschienen außerdem seine bemerkenswerten Soundtracks zu so unterschiedlichen Filmen wie die düstere Comic-Adaption „V wie Vendetta“, die mit einer Oscar-Nominierung bedachte Musik zu Joe Wrights Verfilmung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Wright wollte eine Musik, die zu der Zeit passen würde, in der sein Film angesiedelt ist. 1797 war das Jahr, in dem Jane Austen den ersten Entwurf zu „Stolz und Vorurteil“ schrieb, und die Musik sollte so klingen, als könnte sie die Autorin damals selbst gehört oder gespielt haben, Musik, die nicht für den Film geschrieben wurde, sondern vom Leben inspiriert worden ist. Marianelli wurde nicht nur von Komponisten der damaligen Zeit inspiriert, sondern auch von Tänzen, Kammerstücken und Beethovens Piano-Sonaten. Er verwendete für seinen Score nie mehr als drei oder vier Instrumente auf einmal, die vom französischen Pianisten Jean-Yves Thibaudet und dem English Chamber Orchestra gespielt wurden. Ebenfalls 2005 entstand die außergewöhnliche Musik zu dem britischen Drama „Beyond The Gates“, das außerhalb der USA unter dem Titel „Shooting Dogs“ in den Kinos lief. Der Film von Regisseur Michael Caton-Jones thematisierte den fürchterlichen Genozid in Ruanda, wo 1994 innerhalb von hundert Tagen 800.000 Menschen getötet wurden. Der Soundtrack enthält neben Marianellis orchestraler Arbeit auch afrikanische Songs vom Chorale de Kigale und den Stimmen der Kicukiro in Ruanda.
Bei seinen Recherchen für seine Musik entdeckte Marianelli, dass zur Zeit des Genozids viele Tutsis Songs von Cecile Kayirebwa, die die Stimme ihres Leids wurde.
„Die Kraft der Bilder und der Wahrheit dahinter schrie nach etwas Einfachem und Direktem, und ich dachte, dass wenn ich die richtige weibliche Stimme finden könnte, würde das einen sehr direkten emotionalen Eindruck hinterlassen“, meint Marianelli und fand in der Stimme von Cecile Kayirebwa den rechten Haken, um den Score in dem tatsächlichen Leiden dieser Zeit zu verankern.
Zwei Jahre später arbeiteten Regisseur Wright und Marianelli nach „Stolz und Vorurteil“ an einer weiteren Literaturverfilmung zusammen, diesmal an Ian McEwans „Abbitte“, die dem italienischen Komponisten seine erste und bislang einzige Oscar-Trophäe einbrachte.
„Wenngleich Marianelli hier und da recht einfache Ostinati (von Klavier und Streichern) verwendet, gelingt ihm insgesamt eine betörend subtile Musik, in der er sehr geschickt mit den genannten Themen arbeitet. Seine Vertonung funktioniert zwar - der Einsatz der Schreibmaschine mag dabei eine Frage des individuellen Geschmacks sein - auch ohne Bilder vorzüglich. Ihren großen Erfolg (der Gewinn des Golden Globes und beste Oscarchancen) verdankt sie aber wohl erst der herausragenden Wirkung im Film. Erfreulicherweise zählt ‚Atonement‘ in beiderlei Hinsicht zu den besten Filmmusiken des Jahrgangs 2007“, findet der Rezensent auf filmmusik2000.de
Seither hat sich Marianelli in ganz verschiedenen Genres ausprobiert. Er komponierte die düsteren Scores zu den Horrorfilmen „The Return“ (2006) und „Shrooms“ (2007), kehrte für „Goodbye Bafana“ (2007) musikalisch nach Afrika zurück, begleitete Jodie Foster auf ihrem Rachefeldzug in „Die Fremde in dir“ (2007), beschäftigte sich immer wieder mit historischen Stoffen („Agora – Die Säulen des Himmels“, „Jane Eyre“, „Anna Karenina“) und machte auch im Action-Genre („Redemption“) und mit komödiantischen Dramen („Eat Pray Love“, „Lachsfischen im Jemen“) eine gute Figur.
Nun setzt er sich in „Die Boxtrolls“ mit dem Animations-Film auseinander. Die unter den Straßen der Stadt Cheesebridge hausenden Boxtrolls werden von den menschlichen Bewohnern der Oberfläche gefürchtet. Da die in Pappkartons lebenden Monster nur nachts ihre unterirdische Heimat verlassen, um in den Abfällen der Menschen nach allerlei Interessantem zu suchen, ranken sich viele Schauergeschichten um die Boxtrolls, die von dem verschlagenen Archibald Snatcher (Originalstimme: Ben Kingsley) befeuert werden. Der möchte die kleinen Trolle ausrotten, um sich als Retter feiern lassen zu können und sich in der Oberschicht der Gesellschaft zu etablieren. In Wirklichkeit handelt es sich bei den scheuen Kreaturen allerdings um zwar nicht sehr reinliche, dafür aber umso liebenswürdigere Gesellen, die vor Jahren sogar den Waisenjungen Eggs (Isaac Hempstead-Wright) bei sich aufgenommen haben. Als der die Bürgermeistertochter Winnifred (Elle Fanning) kennenlernt, wollen die Kinder die Erwachsenen von Cheesebridge darüber informieren, was Snatcher im Schilde führt, aber der setzt alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern...

Filmographie:
1994: Ailsa
1994: Models Required (Kurzfilm)
1995: The Long Way Home
1996: I Don't (Kurzfilm)
1997: The Sheep Thief (Kurzfilm)
1997: Tough Boys - Zwei rechnen ab
1999: Preserve (Kurzfilm)
1999: Southpaw: The Francis Barrett Story (Dokumentarfilm)
1999: The Funeral of the Last Gypsy King (Kurzfilm)
2000: Being Considered
2000: Pandaemonium
2000: Private Lives of the Pharaohs (TV Dokumentar-Mini-Serie)
2001: Hand in Hand mit dem Tod (Happy Now)
2002: In This World – Aufbruch ins Ungewisse (In This World)
2004: Passer By (Fernsehfilm)
2005: Brothers Grimm
2005: Sauf le respect que je vous dois
2005: Shooting Dogs (Beyond The Gates)
2005: Stolz & Vorurteil (Pride & Prejudice)
2005: V wie Vendetta (V for Vendetta)
2006: 9/11: The Falling Man (TV-Dokumentarfilm)
2006: Opal Dream
2006: We Are Together (Thina Simunye) (Dokumentarfilm)
2006: The Return
2007: Abbitte (Atonement)
2007: Die Fremde in dir (The Brave One)
2007: Far North
2007: Goodbye Bafana
2007: Shrooms
2008: Trancity (Kurzfilm)
2008: Uneternal City (Dokumentarfilm)
2008: My World (Kurzfilm)
2009: Agora - Die Säulen des Himmels (Agora)
2009: Der Solist (The Soloist)
2009: Everybody's Fine
2010: Eat Pray Love
2010: Tick Tock Tale (Kurzfilm)
2011: Jane Eyre
2011: Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen)
2012: Quartett (Quartet)
2012: Anna Karenina
2013: Redemption - Stunde der Vergeltung (Hummingbird)
2013: Third Person
2014: A Long Way Down
2014: Die Boxtrolls (The Boxtrolls)
2014: Wild Card
Playlist: 
01. Dario Marianelli - Look What You Did (The Boxtrolls) - 03:45
02. Dario Marianelli - Cue 1 (This Little Life) - 03:06
03. Dario Marianelli - Happy Now (Happy Now) - 04:52
04. Dario Marianelli - I Am Going To Stay Here (I Capture The Castle) - 04:33
05. Dario Marianelli - Cue 1 (In This World) - 02:58
06. Dario Marianelli - Epilogue (I Went Down) - 03:01
07. Dario Marianelli - Cue 1 (Pandemonium) - 04:11
08. Dario Marianelli - Remember Us (Beyond The Gates) - 05:13
09. Dario Marianelli - La voie ferrée (Sauf Le Respect Que Je Vous Dois) - 04:03
10. Dario Marianelli - Credits (Pride & Prejudice) - 04:54
11. Dario Marianelli - Red Riding Hood (The Brothers Grimm) - 03:58
12. Dario Marianelli - Sea Horses (The Return) - 03:49
13. Dario Marianelli - Elegy For Dunkirk (Atonement) - 04:21
14. Dario Marianelli - Awaken (Jane Eyre) - 04:25
15. Dario Marianelli - With My Own Eyes (Atonement) - 04:43
16. Dario Marianelli - My Edward And I (Jane Eyre) - 03:51
17. Dario Marianelli - Opening (Anna Karenina) - 03:21
18. Dario Marianelli - Lust At The Abbey (V For Vendetta) - 03:17
19. Dario Marianelli - Funeral Speech (Opal Dream) - 04:04
20. Dario Marianelli - The Medicine Man (Eat Pray Love) - 02:20
21. Dario Marianelli - To The Yemen (Salmon Fishing In The Yemen) - 04:08
22. Dario Marianelli - The Sky Do Not Fall (Agora) - 04:10
23. Dario Marianelli - Why Did You All Lie To Me? (Everybody's Fine) - 04:22
24. Dario Marianelli - The Tunnel (The Brave One) - 03:51
25. Dario Marianelli - Joey's Career (Hummingbird) - 04:51
26. Dario Marianelli - The Harbour (Goodbye Bafana) - 03:47
27. Dario Marianelli - Prologue (Salmon Fishing In The Yemen) - 04:00
28. Dario Marianelli - Hummingbirds (Hummingbird) - 05:31

Soundtrack Adventures #149 with DARIO MARIANELLI @ Radio ZuSa 2014-11-02 by Dirk Hoffmann on Mixcloud

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