Montag, 12. Februar 2018

Playlist #234 vom 18.02.2018 - R.I.P. Jóhann Jóhannsson

Mit seinen Oscar-, Golden-Globes- und BAFTA-Awards nominierten Scores zu „The Theory Of Everything“ (2014), „Sicario“ (2015) und „Arrival“ (2016) avancierte der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson in den vergangenen Jahren zu den interessanten Vertretern seiner Zunft. Kurz nach Veröffentlichung seiner Musik zu James Marshs biografischen Drama „Vor uns das Meer“ erschütterte die Nachricht vom Tod des 48-jährigen Ausnahmetalents am 09. Februar 2018 in seinem Berliner Apartment die Film- und Musikwelt.

Der am 19. September 1969 in Reykjavík geborene Jóhannsson lernte in seiner Kindheit Piano und Pausane zu spielen, wirkte während der Schulzeit in verschiedenen Bands mit. Nachdem er Literatur und Sprachen an der Universität studiert hatte, verbrachte er zehn Jahre damit, seine Musik in Indie-Rock-Bands zu spielen, wobei er sich darauf konzentrierte, mit mehreren Gitarren interessante vielschichtige Soundscapes zu kreieren.
„Als ich die Alben auf Enos Obscure Records Label aus den 70ern entdeckte, verlagerte sich mein Interesse zur Kreation von minimalistischen Ambient-Strukturen mit klassischen Instrumenten. Ich legte die Gitarre beiseite und begann, Musik für Streicher, Woodwinds und Kammer-Ensembles zu schreiben, indem ich akustische und elektronische Sounds miteinander verband.“
Indem er die Resonanzen von akustischen Instrumenten mit digitalem Processing verknüpfte, schuf Jóhannsson Musik, die akustische und elektronische Sounds zu etwas Einzigartigem und Neuem verband.
„Mein Ideal ist Musik, bei der elektronische und akustische Klänge nahtlos miteinander verschmelzen.“
1999 gründete Jóhannsson mit den drei Musikern Hörður Bragason, Músikvatur und Úlfur Eldjárn die Band Apparat Organ Quartet, zu der später noch der Drummer Þorvaldur Gröndal stieß, der allerdings 2001 durch Arnar Geir Ómarsson ersetzt worden ist. Nachdem die Formation die beiden Alben „Apparat Organ Quartet“ (2002) und „Pólýfónía“ (2010) veröffentlicht hatte, verließ Jóhannsson 2012 die Band, als seine Solo-Aktivitäten zu viel Zeit beanspruchten.
Im Jahre 2002 veröffentlichte das britische Touch-Label Jóhannssons Debütalbum „Englabörn“, das auf dem Theaterstück gleichen Namens basiert und klassische Streicher mit Electronics verbindet. „Ich nahm die Streicher auf, ließ sie durch digitale Filter laufen, um die Sounds zu extrahieren, und setzte diese neu zusammen. Ich mag es, zum mikroskopischen Kern der Musik vorzudringen, um die Essenz zu extrahieren und aus ihr Schichten von Klängen zu kreieren.“
Bereits zwei Jahre zuvor debütierte Jóhannsson als Filmkomponist, als er die Sportkomödie „Íslenski draumurinn“ von Róbert I. Douglas vertonte. Doch sein Hauptaugenmerk lag in den folgenden Jahren auf Eigenkompositionen, die er auf dem Album „Virthulegu Forsetar“ mit Blechbläsern, Orgel, Keyboards und Electronics umsetzte.
2006 veröffentlichte er auf dem 4AD-Label das Album „IBM 1401, A User’s Manual“, bei dem er sich von dem ersten Computer inspirieren ließ, der 1964 nach Island kam und auf einer Aufnahme basierte, die Jóhannssons Vater von einem IBM Computer gemacht hatte.  
„Fordlandia“ (2008) wurde von Henry Fords fehlgeschlagenen Versuch inspiriert, eine Gummi-Plantage in Brasilien aufzubauen. Ein Jahr später tourte der isländische Komponist durch die USA, wobei der Soundtrack zu dem Animationsfilm „Varmints“ unter dem Albumtitel „And in the Endless Pause There Came the Sound of Bees“ als limitierter Tour-only-Release verkauft wurde. Erst ab 2011 wandte sich Jóhannsson wieder verstärkt der Filmmusik zu. So komponierte er 2011 die Musik zu Bill Morrisons Dokumentation „The Miners' Hymns“, 2012 zu Max Kestners Film „Copenhagen Dreams“ und zu Phie Ambos Dokumentarfilm „Free The Mind“, ehe er 2013 mit den Soundtracks zu Josh C. Wallers „McCanick – Bis in den Tod“ und vor allem zu Denis Villeneuves Thriller „Prisoners“ auch außerhalb der postklassischen und experimentellen Musikszene auf sich aufmerksam machen konnte.
„Denis wollte die Musik als poetische Stimme etablieren, die als Gegenpol zur Handlung im Film agierte. Auch wenn der Film ein Thriller ist, ist die Musik lyrisch und schön, im starken Kontrast zum Horror, der Hässlichkeit und Grausamkeit in dem Film.“
Jóhannsson komponierte den Score, während er eine frühe Fassung des Films sah, und reagierte auf die verstörenden Bilder auf der Leinwand. Er schrieb die Musik für ein Orchester mit großen Streicher- und Woodwind-Sektionen und integrierte die Klänge von zwei eher unbekannten Instrumenten, dem Cristal Baschet, das einer Glas-Harmonika ähnelt, und dem Ondes Martenot, einem dem Theremin verwandten alten elektronischen Instrument.
Für das Krimi-Drama „McCanick“ wählte Jóhannsson wiederum einen gänzlich anderen Ansatz.
„Es ist ein psychologisches Drama, also verwendete ich ein kleines Streichorchester als Percussion-Instrument. Ich nahm zwanzig Spieler auf, wie sie ihre Instrumente mit der Rückseite ihres Bogens schlugen, manipulierte diese Texturen und verwob sie mit elektronischen Klängen.“
In den vergangenen Jahren veröffentlichte Jóhannsson, der von Künstlern wie Kraftwerk, Steve Reich, Einstürzende Neubauten, Swans, Arvo Part, Ennio Morricone, Morton Feldman und Bernard Herrmann inspiriert wird, ganz unterschiedliche Werke und hat in der Vergangenheit mit Künstlern wie Marc Almond, Barry Adamson, Pan Sonic, The Hafler Trio, Can-Drummer Jaki Liebezeit und vielen anderen zusammengearbeitet.
„Ich mag es, aus meinem Studio herauszukommen und mit anderen Leuten zu arbeiten. In einem Raum mit jemandem zu sein, der eine andere Herangehensweise verfolgt, inspiriert mich. Sich von jemand anderer Musikalität zu ernähren bringt immer interessante Resultate hervor.“
Seit dem internationalen Erfolg von Villeneuves Rache-Drama „Prisoners“ ist auch der Name von Jóhann Jóhannsson in Hollywood bekannt. Bereits für James Marshs biografisches Drama „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (2014) gewann der Isländer einen Golden Globe und erhielt seine erste Oscar-Nominierung, die zweite folgte ein Jahr darauf für seinen Score zu Villeneuves Drogen-Thriller „Sicario“.
Nach „Prisoners“, „Sicario“ und „Arrival“ wollte Denis Villeneuve auch das mit Spannung erwartete Sequel von Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ mit Jóhann Jóhannsson verwirklichen, doch dann kam Hollywoods Filmmusik-Star Hans Zimmer stattdessen an Bord, um den Score zu „Blade Runner 2049“ zu realisieren. Auch aus der geplanten Zusammenarbeit mit Darren Aronofsky an dessen umstrittenen Drama „Mother!“ wurde nichts. Jóhannsson empfahl dem visionären Filmemacher, ganz auf Musik zu verzichten.
,Mother!‘ ist ein Film, in dem halbe Maßnahmen nichts zu suchen haben, und nachdem Darren und ich viele verschiedene Ansätze erforscht haben, riet mir mein Instinkt, den Score komplett zu entfernen. Auslöschung ist ein großer Teil des kreativen Prozesses und in diesem Fall wussten wir, dass wir diesen Ansatz in sein logisches Extrem führen mussten.“
2016 komponierte er mit Hildur Gudnadóttir die Musik zur BBC-Serie „Trapped“ und wechselte wie sein Kollege Max Richter zur Deutschen Grammophon, wo nicht nur der Score zu „Arrival“ erschien, sondern auch Jóhannssons erstes Solo-Album seit sechs Jahren, „Orphée“, das vom Mythos des Orpheus und Jean Cocteaus gleichnamigen Film inspiriert wurde.
„Ich will auf keinen Fall nur Soundtracks schreiben – die Hälfte der Zeit möchte ich meine eigenen Sachen schreiben. Die Filme, die ich mache, suche ich mir sehr sorgfältig aus: Ist das Drehbuch interessant? Die Story? Kann ich etwas zu diesem Projekt beitragen? Sind die Leute nett und talentiert? Wenn all das zusammenpasst – dann werde ich den Auftrag höchstwahrscheinlich übernehmen“, erzählte der Komponist im Interview mit deutschlandfunkkultur.de.
„Für mich gehört beides einfach zusammen, da sich die Filmkompositionen auch aus meiner früheren Solo-Arbeit entwickelt haben. Irgendwie geht es für mich also wieder so ein bisschen zurück zu meinen Wurzeln; ich war ja viele Jahrelang als Solist auch auf Tour unterwegs, bis die Filmaufträge überhandnahmen. Aber das heißt nicht, dass ich nicht weiter an meinen eigenen Sachen gearbeitet hätte – sie waren nur nach außen hin nicht mehr so sichtbar!“
Für Jóhannsson stellte instrumental vielschichtige und klanglich virtuose „Orphée“ auch eine Art Tagebuch der persönlichen Wandlung dar, die der Komponist mit seinem Umzug von Kopenhagen nach Berlin vollzog, wo er am 09. Februar in seinem Apartment tot aufgefunden wurde.
„Musik ist wichtig für mich, aber das ist es nicht, wie ich definiere, was ich tue“, meint er. „Ich bin von der Textur von Klängen besessen und interessiere mich für minimale Formen, um Dinge so einfach wie möglich auszudrücken, um sie in ihrer ursprünglichen Form zu destillieren. Je einfacher der Ausdruck, desto einfacher sind Ideen zu kommunizieren.“ 
Jóhann Jóhannson, von dem wenigstens noch die Soundtracks zu „Mandy“ und Garth Davis’ „Maria Magdalena“ zu hören sein werden, hat die Welt der Filmmusik in den letzten Jahren durch seine einzigartige Verbindung außergewöhnlicher akustischer Instrumente und oft verstörender elektronischer Soundscapes, die den Zuschauer zum Mitdenken anregten, nachhaltig geprägt.
Mit ihm ist eine visionäre Stimme der Filmmusikwelt verloren gegangen.

Diskographie/Filmographie: 
2000 Íslenski draumurinn
2000 Óskabörn þjóðarinnar
2002 Maður eins og ég
2002 Englabörn
2004 Dís
2005 Ashes and Snow (Dokumentarfilm)
2004 Virðulegu Forsetar
2006 IBM 1401, A User’s Manual
2007 Opium – Tagebuch einer Verrückten (Ópium: Egy elmebeteg nö naplója)
2007 Voleurs de chevaux
2008 Schädlinge (Varmints)
2008 Svartir englar (TV-Serie)
2009 Drømme i København (Dokumentarfilm)
2008 Fordlandia
2009 And In The Endless Pause There Came The Sound Of Bees
2009 Gemeinsam stärker – Personal Effects
2010 Live Recordings
2010 De día y de noche
2011 Junk Love (Kurzfilm)
2011 The Miners’ Hymns
2012 Fu cheng mi shi
2012 Sort hvid dreng (Dokumentarfilm)
2012 Copenhagen Dreams
2012 Free The Mind (Dokumentarfilm)
2012 For Ellen
2013 Prisoners
2014 Tui na
2014 Die Entdeckung der Unendlichkeit (The Theory of Everything)
2014 McCanick
2014 Um jeden Preis (I Am Here)
2014 Viel Gutes erwartet uns (Så meget godt i vente) (Dokumentarfilm)
2015 Sicario
2015 Trapped (TV-Serie)
2015 End of Summer (mit Hildur Gudnadottir & Robert Aiki Aubrey Lowe) (Dokumentarkurzfilm)
2016 Arrival
2016 I blodet
2016 In the Dark Room (Kurzfilm)
2016 Orphée
2016 A Man Returned (Dokumentarkurzfilm)
2017 A hentes, a kurva és a félszemü
2018 Mandy
2018: Vor uns das Meer (The Mercy)
Playlist: 
01. Jóhann Jóhannsson - The Mercy (The Mercy) - 06:03
02. Jóhann Jóhannsson - Salfraedingur (Englaborn) - 03:49
03. Jóhann Jóhannsson - A Memorial Garden on Enghavevej (Copenhagen Dreams) - 04:10
04. Jóhann Jóhannsson - Bankok Norðursins (Dís) - 04:57
05. Jóhann Jóhannsson - The Rocket Builder (Lo Pan!) (Fordlandia) - 06:25
06. Jóhann Jóhannsson & BJ Nilsen - I Am Here [Salve Regina] (I Am Here) - 03:43
07. Jóhann Jóhannsson - End [Snowing] (And In The Endless Pause There Came The Sound Of Bees) - 06:39
08. Jóhann Jóhannsson - McCanick (McCanick) - 03:08
09. Jóhann Jóhannsson - The Candlelight Vigil (Prisoners) - 05:10
10. Jóhann Jóhannsson - Desert Music (Sicario) - 05:08
11. Jóhann Jóhannsson - Radio (Free The Mind) - 03:51
12. Jóhann Jóhannsson - The Sun's Gone Dim And The Sky's Turned Black (IBM 1401, A Manual's Guide) - 05:41
13. Jóhann Jóhannsson & Hildur Godnadottir & Robert Aiki Aubrey Lowe - End of Summer, Pt. 2 (End Of Summer) - 05:57
14. Jóhann Jóhannsson - Heptapod B (Arrival) - 03:43
15. Jóhann Jóhannsson - Flight From The City (Orphée) - 06:31
16. Jóhann Jóhannsson - Domestic Pressures (The Theory Of Everything) - 02:37
17. Jóhann Jóhannsson - Odi Et Amo - Bis (Englaborn) - 04:01
18. Jóhann Jóhannsson - Dying City (And In The Endless Pause There Came The Sound Of Bees) - 03:42
19. Jóhann Jóhannsson - Love After Love (Free The Mind) - 05:38
20. Jóhann Jóhannsson - Here, They Used to Build Ships (Copenhagen Dreams) - 03:37
21. Ryuichi Sakamoto - solari [Jóhann Jóhannsson Rework] (Async - Remodels) - 06:31
22. Jóhann Jóhannsson - Good Morning, Midnight (Orphée) - 03:18
23. Jóhann Jóhannsson - A Pile Of Dust (The Mercy) - 04:50
24. Jóhann Jóhannsson - Cambridge, 1963 (The Theory Of Everything) - 01:42
25. Jóhann Jóhannsson - Passacaglia (The Sun's Gone Dim And The Sky's Turned Black) - 06:03

Freitag, 2. Februar 2018

Playlist #233 vom 04.02.2018 - Neuheiten 2018 (1)

In der ersten Neuheiten-Sendung in diesem Jahr begegnen wir gleich mehreren Oscar-Kandidaten für die im März stattfindende Verleihung der 90. Academy Awards. Altmeister John Williams ist gleich mit zwei Filmen („Star Wars: The Last Jedi“, „The Post“) im Rennen um die Oscars, aber auch Jonny Grennwood, John Powell und Daniel Pemberton haben mit ihren jüngsten Arbeiten ihren Beitrag zu einigen Oscar-nominierten Filmen geleistet. Davon abgesehen gibt es Musik zu den Fernsehserien „The Exorcist“, „Scandal“, „Star Trek: Discovery“ und „Travelers“ sowie neue Arbeiten u.a. von Roque Baños, Rolfe Kent, James Newton Howard, Gabriel Yared, Max Richter und Jeff Beal.

Ridley Scotts neuer Film „Alles Geld der Welt“ war für drei Grammys nominiert (Michelle Williams und Christopher Plummer als beste Darsteller und Scott selbst als bester Regisseur) und wurde wie für seine Cormac-McCarthy-Adaption von „The Counselor“ aus dem Jahr 2013 und dem Fernsehfilm „The Vatican“ von dem aufstrebenden britischen Komponisten Daniel Pemberton („Steve Jobs“, „The Man from U.N.C.L.E.“) vertont. Der Film thematisiert die 1973 in Italien stattgefundene Entführung von John Paul Getty III. (Charlie Plummer), dem 16-jährigen Enkel des Öl-Tycoons John P. Getty (Christopher Plummer), der sich allerdings weigert, die 17 Millionen Lösegeld an die italienische Mafia zu zahlen. John Pauls verzweifelte Mutter Gail Harris (Michelle Williams) bleibt nichts anderes übrig, als selbst die Initiative zu ergreifen, und heuert den ehemaligen CIA-Vermittler Fletcher Chase (Mark Wahlberg) an, um ihren Sohn zu befreien...
Pemberton produzierte auch den Soundtrack zu Aaron Sorkins Regiedebüt „Molly’s Game“. Ähnlich wie Scotts Geisel-Drama-Thriller beruht auch Sorkins Film auf wahren Begebenheiten. Jessica Chastain spielt die US-amerikanische Skifahrerin und Olympia-Hoffnung Molly Bloom, die nach einer schweren Verletzung ihre Karriere beenden muss und sich in der Welt des Underground-Pokers illegale Wettbewerbe organisiert, dabei aber an die russische Mafia gerät.
„Ich habe das Gefühl gehabt, dass eher ein Haufen von verschiedenen Bands als ein einziger Filmkomponist den Score geschrieben hat. Ich wollte, dass es sich so anfühlt, als käme es aus Mollys Welt heraus, die Art von Musik, die sie hören oder von der sie umgeben sein würde“, erzählt Pemberton über seine Arbeit an „Molly’s Game“. „Es musste sich zeitgenössisch anhören, nicht wie ein traditioneller Filmscore. Aber gleichzeitig wollte Aaron ihr ein Thema verleihen, eines, das durch den Film hindurch wächst bis zu einer großen emotionalen Auflösung am Ende, so dass es wichtig war, dass ich es ebenso mit in meine Arbeit einfließen ließ.“ 
Gleich mit zwei neuen Arbeiten ist Altmeister John Williams in dieser Sendung vertreten, die aus langjährigen Freundschaften resultieren. Das Zeitungs-Drama „The Post“ stellt die bereits 28. Zusammenarbeit zwischen Williams und Filmemacher Steven Spielberg dar, die 1974 mit „The Sugarland Express“ begann, während „Star Wars: The Last Jedi“ die achte Arbeit in der Reihe für Williams markiert, die 1977 mit dem ersten „Star Wars“-Film von George Lucas ihren Anfang nahm. Allerdings fallen die beiden Arbeiten völlig unterschiedlich aus.
Mit der Musik zu „The Post“ fängt Williams vor allem die Notwendigkeit der schnellen Berichterstattung bis zum Druck ein, die würdigen Americana-Klänge im Finale mahnen die Wichtigkeit der freien Presse an. „Ich habe nie so etwas Ähnliches gemacht“, bekennt Williams im Interview mit „Variety“. „Es gibt frei oder vier Montagen – die Zeitungsdruck-Montage, der ausführliche Rückblick auf die früheren Präsidenten, das Warten auf Richter Blacks Urteil – mit verschiedenen Graden an Intensität, Geschwindigkeit und der Gefälligkeit. Und ein paar einfühlsame Szenen für den Charakter von Kay Graham, die musikalisch etwas traditioneller ausfallen.“
Für den neuen „Star Wars“-Film „The Last Jedi“ arbeitete Williams erstmals mit Regisseur Rian Johnson („Brick“, „Looper“) zusammen, der seinen Film zunächst mit Musik aus früheren „Star Wars“-Filmen versah, um Williams eine Idee zu geben, was er sich vorstellt. Williams wiederum bezog in seine Arbeit viele seiner früheren „Star Wars“-Themen, von denen für die Macht und Lea bis zu den jüngeren für Rey und Snoke.
„Wenn wir Rey sehen, wollen wir Reys Thema hören“, sagt Williams. „Und wenn es um die Macht geht oder sie gefühlt wird, wollen wir das Macht-Thema hören, und so weiter. Wir hoffen, dass diese Bezüge Sinn für die Fans machen und hörbare Verbindungen aufbauen, die wir ihnen anbieten.“
Die klassischen Themen werden allerdings durch neue für Rose und Lukes Rückzugs-Insel Ahch-To ergänzt sowie u.a. Musik für einige der Kampfszenen. Am Ende nahm das 101-köpfige Orchester und der 64-stimmige Los Angeles Master Chorale in elf Tagen mehr als drei Stunden Musik auf.
In Johnny Martins Thriller „Hangman“ versuchen der hochdekorierte Detective Ray Archer (Al Pacino) und der Profiler Will Ruiney (Karl Urban) einem Serienmörder das Handwerk zu legen, der sich vom Kinderspiel „Galgenmännchen“ inspirieren lässt. Derweil berichtet die Journalistin Christi Davies (Brittany Snow) über die Verbrechen und bleibt den Detectives auf den Fersen.
Im Gegensatz zu den traditionellen Horror-Scores, die Frederik Wiedmann für Filme wie „Mirrors II“, „The Damned“, „Intruders“ und „Hostel III“ komponierte, war für „Hangman“ eine stärkere emotionale Komponente gefragt. Zu der übrlichen orchestralen Palette fügte Wiedmann Solo-Celli und betörende Solo-Vocals von Ayana Haviv hinzu, um Themen für die Charaktere zu kreieren.
Mit „The Commuter“ schlüpft Liam Neeson („96 Stunden“, „Non-Stop“) einmal mehr in eine seiner beliebten Action-Rollen. In dem neuen Film von Genre-Spezialist Jaume Collet-Serra („Run All Night“, „Unknown Identity“) spielt Neeson den Versicherungsmakler Michael MacCauley, der seit zehn Jahren mit dem Zug aus dem verschlafenen Vorort, in dem er mit seiner Familie lebt, nach Manhattan pendelt. Doch eines Tages wird er während der Zugfahrt von einer mysteriösen Fremden namens Joanna (Vera Farmiga) angesprochen, die ihn dazu auffordert, mit Hilfe von zwei vagen Hinweisen einen bestimmten Passagier an Bord des Zuges zu finden. Gelingt es ihm, winkt ihm eine hohe Belohnung – versagt er allerdings, bringt er nicht nur das Leben aller Passagiere in Gefahr, sondern auch das seiner Familie …
„Ich habe ein traditionelles Line-up an Instrumenten verwendet, Piano, Streicher, Bläser und Percussions“, erzählt Komponist und Serras Landsmann Roque Baños. „Zusätzlich zu all den unglaublichen Musikern integrierte ich auch ein ungewöhnliches Instrument: das Zughorn. Es verleiht der Musik einen persönlichen Charakter und etabliert den Zug als zentralen Bezugspunkt des Films. Der Zug besitzt sein eigenes Thema, gespielt von diesem Zughorn, und verleiht dem Sound einen Charakter, der nur The Commuter sein kann.“
Jeff Beal zählt seit Jahren zu den produktivsten Vertretern seiner Zunft. Er komponierte die Musik zu den HBO-Serien „Rome“ und „Carnivale“, zur Netflix-Serie „House of Cards“ und zu den Dokumentationen „Blackfish“, Oliver Stones „The Putin Interviews“ und „Boston“. Nun vertonte er die achtteilige, von National Geographic produzierte Mini-Serie „The Long Road Home“, die auf Martha Raddatz‘ gleichnamigen Bestseller basiert und dier Ereignisse vom 4. April 2004 thematisiert, als die First Cavalry Division aus Fort Good in Sadr City, Baghdad, auf brutale Weise aus dem Hinterhalt angegriffen wurde.
„Filmmusik ist die Sprache einer emotionalen Reise, die ein Charakter erlebt. Eine Sache, die ich bei dieser Serie liebe, ist, dass es sich nicht einfach um ein Kampffilm handelt oder um einen Hinterhalt, es handelt von dem Leben der Soldaten. Jede Stunde erfährst du etwas über sie, über ihe Frauen, ihre Kinder. Und unglücklicherweise kommen einige dieser Jungs nicht zurück. Es ist eine große Chance für uns zu sehen, welches Maß an Aufopferung, Würde und Tapferkeit diese Menschen besitzen. Das ist ihr Job, und was sie zu tun haben, ist absolut erstaunlich“, meint Jeff Beal. „Die Themen in ‚The Long Road Home‘ handeln von Brüderlichkeit, Gemeinschaft und Loyalität – Tugenden, die wir alle zelebrieren sollten. Wir brauchen sie jetzt nötiger als je zuvor.“ 
Abgerundet wird die Sendung durch die lebhaften Klänge, die im Animationsbereich Fernando Velázquez zu „Deep“ und John Powell zu „Ferdinand“ komponiert haben, sowie die elektronischen Produktionen, die zu den Fernsehserien „Scandal“ und „Travelers“ entstanden sind.
Gefühlvolle Klänge gibt es schließlich von Gabriel Yared („Si tu voyais son coeur“) und Benjamin Wallfisch („Mully“) zu hören sowie gewohnt Außergewöhnliches von Jonny Greenwood zu „Phantom Thread“, dem neuen Film von Paul Thomas Anderson („There Will Be Blood“).
 Playlist:
01. Daniel Pemberton - Money Drop (All The Money In The World) - 04:32
02. Daniel Pemberton - Scars (Molly's Game) - 03:03
03. John Williams - Ahch-To Island (Star Wars: The Last Jedi) - 04:23
04. John Williams - The Presses Roll (The Post) - 05:01
05. Fernando Velázquez - Say Hello To My Jaws (Deep) - 05:03
06. Fernando Velázquez - Thi Mai (Thi Mai) - 06:41
07. H. Scott Salinas - Lefty Tells A Story (The Ballad Of Lefty Brown) - 03:03
08. Frederik Wiedmann - Archer (Hangman) - 03:47
09. Gabriel Yared - Daniel seul (Si tu voyais son coeur) - 02:53
10. Chad Fisher - Pope & Associates (Scandal) - 03:04
11. Grégoire Auger - La Planque (Burn Out) - 05:35
12. Adam Lastiwka - Homodeus (Travelers) - 03:53
13. Roque Banos - A Commuter's Trip (The Commuter) - 05:03
14. Lorne Balfe - Soldier's Wife (12 Strong) - 05:03
15. John Powell - Ferdinand and Nina (Ferdinand) - 03:23
16. Henrik Skram - The Last Christmasbowl (Snøfall) - 03:48
17. Benjamin Wallfisch - A New Life (Mully) - 03:22
18. Christopher Wong - Close to Betrayal (Lôi Báo) - 04:47
19. Max Richter - Where We Belong (Hostiles) - 02:56
20. Tyler Bates - New Family (The Exorcist) - 02:29
21. Jonny Greenwood - House Of Woodcock (Phantom Thread) - 03:53
22. Matthew Herbert - Farewell (A Fantastic Woman) - 03:24
23. James Newton Howard - Filing The Brief (Roman J. Israel, Esq.) - 05:38
24. Fil Eisler - I'm Mary (Proud Mary) - 03:39
25. Rolfe Kent - Paul's Theme/Visiting Leisureland (Downsizing) - 03:02
26. Jeff Russo - The Day Is Saved (Star Trek: Discovery) - 03:11
27. Austin Wintory - The Rendezvous (The Rendezvous) - 04:00
28. Alexandre Lessertisseur - Malaterra (Malaterra) - 03:05
29. Jeff Beal - Young In Iraq (The Long Road Home) - 06:32

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